2015-05-17

Predigt über Johannes 15,26 - 16,4 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für den 6. Sonntag nach Ostern aus 

Joh 15,26 - 16,4:

        "Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch 

        senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, 

        der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. 

        Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an 

        bei mir gewesen. Das habe ich zu euch geredet, damit ihr 

        nicht abfallt. 

        Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. 

        Und es kommt die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, 

        er tue Gott einen Dienst damit. Und das werden sie darum

        tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erkennen. 

        Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde

        kommen wird, ihr daran denkt, dass ich's zu euch gesagt habe.

        Zu Anfang aber habe ich es euch nicht gesagt, denn ich war 

        bei euch."

 

 

 

Liebe Gemeinde, 

was erwarten Sie vom kommenden Pfingstfest? 

Erbitten Sie ein Pfingstwunder, die Ausgießung des Heiligen 

Geistes? 

 

Wenn nicht, was erwarten Sie dann? 

 

Der Heilige Geist ist auch für viele Christen wenig konkret

und es fällt ziemlich schwer, ihn zu beschreiben. 

 

„Geistwirkungen“ wirken für viele eher abschreckend 

und so mancher denkt: Die gehören doch in Freikirchen oder 

vielleicht sogar obskure Gruppen, 

die man eher misstrauisch betrachten sollte. 

In die „charismatische“ oder „pfingstkirchliche Ecke“. 

Aber um die ist es ja auch stiller geworden in den letzten Jahren, 

jedenfalls in unserer Gegend hier ...

 

Aber: Das Neue Testament hat keine solchen Berührungsängste!

 

Die erste christliche Gemeinde hat sich als geistbegabte 

Gemeinschaft gesehen!

Wir hören vom „Geist der Wahrheit“, 

der „vom Vater ausgeht“ und von Jesus gesandt wird. 

 

Jesus sagt hier ganz konkret zu, 

dass er den Heiligen Geist senden wird. 

Der ist nicht schon immer da.

Sondern kommt. 

Macht (verlorene) Menschen zu Kindern Gottes

und hält ihr geistliches Leben dann „online mit Gott“, 

so dass die Wahrheit Gottes zum Tragen kommt

in einem Leben - und nicht anderes, 

das von Gott wegführt. 

 

Der Heilig Geist tritt gewissermaßen an die Stelle Gottes im 

Leben eines Christen. 

Und er hilft auf dem Weg der Nachfolge. 

Er tröstet, stärkt, baut auf - und - blockt ab, 

was Gottes Wahrheit im Wege steht in meinem Leben

(Er ist die Firewall gegen feindliche Netzattacken …)

 

Trotzdem macht der Heilige Geist Christen mich nicht zu sowas

wie einen „Superchristen“, 

also zu jemand, der ganz über den Dingen steht, 

sondern er ist die Kraft, die ein Christ braucht, 

um in dieser Welt bestehen zu können!

Um nicht „den Geist aufzugeben“, 

weil die Sünde mich neu umstricken will. 

(Hebr 12,1: „… Lasst uns ablegen … die Sünde, die uns ständig

umstrickt“)

 

Der Heilige Geist ist die Schaltstelle des neuen Lebens. 

Der Superchip aus dem Hause Gottes. 

Das neue Herz. 

Geheimnisvoll verbindet es mich mit Gott - durch Jesus. 

 

Was tut dieser Geist Gottes 

in meinem Leben?

 

Drei Punkte dazu heute morgen: 

 

1. Der Heilige Geist ermächtigt zum Reden von Jesus

Nach dem Karfreitag waren die Jünger sprachlos und stumm. 

Diese Katastrophe hat sie so erschreckt, 

dass sie von Zweifeln geplagt wurden

und sich ganz zurück gezogen haben. 

 

Die Osterbotschaft, dass Jesus lebt, 

brauchte einige Zeit, um die Herzen der Jünger zu erreichen.

Bis zur Himmelfahrt Jesu brauchten sie Zeit, 

um wirklich zu begreifen, dass Jesus lebt. 

Und erst mit nach dem, was sie an Pfingsten ereignet hat,

haben sie wieder angefangen, 

öffentlich von Jesus zu reden. 

 

Jesus, so berichtet Johannes, 

hat das seinen Jüngern schon voraus gesagt:

„Ich werde Euch den Heiligen Geist senden. 

Der wird vom Vater ausgehen und die Jünger ermächtigen, 

mich zu verkündigen.“

 

Bis heute steht dies Verheißung!

Sie ist nie zurück genommen worden. 

Und deshalb gilt sie bis heute allen, 

die Jesus nachfolgen: 

„Verkündigt Jesus in dieser Welt …!“

„Macht zu Jüngern alle Völker …“

 

Aber die Christenheit in Deutschland wird immer sprachloser, 

ängstlicher, privatisierter … 

 

Wie kann das sein, 

dass viele Christen heute soviel Scheu und Angst haben,

ungeniert vom Glauben an Jesus zu reden?

 

Wie kann das sein, 

dass so viele Christen sprachlos geworden sind, 

ja regelrecht Angst davor haben, das Wort „Mission“ in den Mund 

zu nehmen?

 

Eigenartige Glaubenshemmungen treten heute auf. 

Viele Christen bewegt vor allem eines: Ja nicht anecken, 

am Besten mit niemand!

Auch sie wollen als nett und akzeptiert gelten. 

Sich auf keinem Fall irgend jemand aufdrängen!?

 

Aber was heißt eigentlich „sich aufdrängen“?

 

Geht es nicht um Jesus? 

 

Jesus hat hier zugesagt seinen Geist zu senden. 

Und mit einer Selbstverständlichkeit erklärt Jesus seine Jünger

einfach zu Zeugen. 

Ganz offensichtlich kann man das gar nicht trennen: 

Christ sein und Zeuge für Jesus sein!

 

Machen wir uns das doch ganz neu klar: 

Wenn ich von Jesus wirklich überzeugt bin, 

wenn ich ihm gehöre und nachfolge:

Welche Scheu, welches Argument sollte dich da noch hindern können, 

auf jede Weise diesen Herrn zu bezeugen

und von ihm zu reden!?

 

Der Heilige Geist ist kein Philosophengeist, 

sondern setzt in Bewegung!

Oder ich stehe ihm im Weg … 

 

Er ist es, der mir den Mut geben will, 

mich für Jesus zu outen

und wo ich das (vielleicht noch mit schlotternden Knien) tue, 

da stellt er sich selber zu mir, 

gibt Vollmacht und bekräftigt, 

was ich vielleicht als reinstes Durcheinander von mir gebe. 

 

Dafür, dass mein Zeugnis „ankommt“, 

dass es auf fruchtbaren Boden fällt bei meinem Gegenüber, 

dafür sorgt dieser Geist selber!

Das ist immer wieder eine unglaubliche Entlastung, 

auch für mich … 

 

An uns liegt es aber, 

dass wir von Jesus reden, ihn bezeugen …

Weil er der Weg, die Wahrheit und das Leben für jeden Menschen ist. 

Und weil Gott will, dass alle Menschen durch ihn zur Erkenntnis der

Wahrheit kommen … (1. Tim 2,4)

 

Es geht um ihn, um ihn allein

und ich darf sein Sprachrohr sein!

 

Nur deshalb, weil Jesus es will, 

dass wir seine Zeugen sind, 

sendet er den Heiligen Geist, 

„den Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht …“.

 

Lassen wir uns gebrauchen!? 

 

Bitten wir doch um seine Hilfe!

 

 

Ein Zweites tut der Heilige Geist :

 

2. Der Heilige Geist bindet den Glauben an Jesus

Liebe Gemeinde, 

unser Glaube steht immer in der Gefahr, 

an Kraft zu verlieren. 

Besonders aber dann, wenn er von uns 

und von Äußerlichkeiten abhängig ist: 

    - von unseren Glaubenserfahrungen z. B. Gefühlen, oder

    - von unserem Lebensumfeld und von Lebensumständen,

    - von der Gemeinde, in der wir leben (oder auch)

    - vom Verhältnis zum Pfarrer.

 

Immer dann, wenn mein Glaube an Äußerlichkeiten hängt, 

verliert er schnell an Kraft 

und er steht in akuter Gefahr, 

dass er sich nach und nach verliert. 

 

Deshalb ist es ganz wichtig, 

dass sich mein Glaube an Jesus 

und an Gottes Wort festmacht!

Nur so bekommt er Beständigkeit und behält seine Kraft. 

Selbst in Krisen und nach Fehlern, 

die es auch unter Christen haufenweise gibt. 

 

Liebe Gemeinde, 

der Heilige Geist be-geist-ert für Jesus!

Er weckt die Liebe zu ihm. 

Er verbindet mit ihm.

Der Heilige Geist macht mich wach für Gottes Wort

und weckt einen Hunger nach mehr …

 

Beides ist notwendig, „damit ihr nicht abfallt“ (sagt Jesus hier).

Das ist also auch möglich, 

vom Glauben wieder abzufallen!

 

Wir sollten diese Warnung nicht unterschätzen. 

Denn sie bewahrheitet sich auch heute immer wieder: 

    - Gute Freunde sind heute nicht mehr dabei …

    - Aus 10 Jahren Dienst hier in Schwann und Dennach weiß 

        ich von drei Konfirmanden, die wieder aus der Kirche 

        ausgetreten sind …

    - aber auch die, die meinen gar keinen Gottesdienst zu 

        brauchen: Wem folgen Sie nach? …

 

Die Bibel ist zwar immer noch das meistverkaufte, 

aber auch das immer weniger gelesene Buch!

Fast food“ im Glauben ist populär geworden. 

Viele folgen allen möglichen Ideengebern, 

der Glaube wird zu einem bunten Meinungsmix … 

Jesus zum Erfüllungsgehilfen eigener Wünsche, 

aber ohne Nachfolge. 

 

Da lassen sich selbst Pfarrer dazu hinreißen, 

Lebenspartnerschaften zu segnen, 

wo die Bibel diesen Segen nicht nur nicht kennt, 

sondern ausdrücklich ablehnt …

Ein solcher Segen ist kein Segen Gottes,

sondern der Segen eines Menschen (Pfarrers) ...

 

 

Der Heilige Geist, liebe Gemeinde, 

bindet den Glauben immer an Jesus und an Gottes Wort. 

Er ist uns nicht verfügbar, 

sondern führt zum „Gehorsam des Glaubens“ (Röm 1,5; 16,26)

und darin stärkt er, tröstet er, baut auf, hilft uns Jesus zu verkündigen 

und … macht in diesem spezifischen Sinne glücklich! 

 

Das „geistliche Leben“ eines Menschen 

zeigt sich darin, 

dass er sich für das Wirken des Heiligen Geistes öffnet. 

    - Dass jemand Gottes Wort lesen und verstehen will, 

    - dass jemand im Gespräch mit Jesus ist, betet, 

    - dass ein Verlangen danach hat, mit anderen Christen

        zusammen zu sein („Familie“) und nicht zuletzt

    - im Besuch des Gottesdienstes, aber auch des Abendmahls. 

 

So kommt der Heilige Geist in ein Leben. 

So kann sich die Zusage von Jesus erfüllen. 

 

Der Heilige Geist selber ist es auch, 

der meinen Glauben lebendig erhält 

und ihm jeden Tag neue Kraft gibt!

 

Die Kraft, die nötig ist, 

um Anfechtungen aushalten zu können und 

die Kraft, um zu Jesus stehen zu können 

(z. B. wenn alle anderen in meiner Familie oder in meiner 

Schulklasse einen anderen Weg gehen!).

 

Auch deshalb ist der Heilige Geist von Gott gesandt worden!

 

Ein Drittes tut der Heilige Geist:

 

3. Der Heilige Geist tröstet in Verfolgung um Jesu willen

Liebe Gemeinde, wir müssen sehen:

Jesus hat ganz klar mit seinem gewaltsamen Tod gerechnet. 

Und er hat damit gerechnet, 

dass es seinen Jüngern kaum besser gehen wird. 

 

Zu offenkundig waren die Reibungsflächen 

zwischen der jungen Jesus-Bewegung und dem Judentum.

Schon bald ist es zur Ausstoßung der Christen 

aus der Synagoge gekommen.

Schon bald hat es erste Blutzeugen gegeben.

Einer der ersten war Stephanus.

 

Und so kann man sagen: 

Verfolgung um Jesu willen begleitet die junge Christenheit 

während der ganzen ersten Zeit. 

Da wurden viele zu Märtyrern. 

Aber sie und die Gemeinde haben in den Verfolgungen erfahren, 

dass sie nicht allein gelassen waren. 

Der Heilige Geist hat in ihnen den Trost des Glaubens gewirkt. 

 

Leider ist dann in späteren Jahrhunderten (als das Christentum

im röm. Reich Staatsreligion wurde) bei manchen Christen 

auch eine Art Überlegenheitsgefühl gegenüber den Juden 

aufgekommen, so dass sie selber Schuld auf sich geladen haben …

Bis heute eine Hypothek für das Verhältnis von Juden und Christen. 

Aber es war bestimmt nicht der Heilige Geist, 

der diese Haltung bewirkt hat …

 

Ist er doch gerade denen zugesagt, 

die in der Nachfolge ihres HERRN leiden müssen. 

 

Viele, die diesen Weg gehen mussten 

und ihn bis heute gehen müssen …

bezeugen den starken Trost, 

der vom Heiligen Geist ausgeht ... Christen in Nigeria, 

im Irak, in Syrien …

 

Und was sie aushalten müssen 

für ihr Bekenntnis zu Jesus Christus. 

 

In Ländern wie Saudi-Arabien oder dem Iran können Christen

jeden Tag verhaftet werden unter dem Vorwurf, „Allah“

gelästert zu haben, denn schon zu sagen, 

dass Jesus allein der Weg zu Gott ist, 

kann als Lästerung Allahs die Todesstrafe nach sich ziehen.

 

Der Heilige Geist ist ihr Trost, 

für viele sogar im Gefängnis oder

bei der Hinrichtung. 

 

Solche bedrängten Christen können den Weg mit Jesus, 

auch angesichts schwerer Konsequenzen trotzdem 

getrost gehen. 

 

Denn gerade unter Leidensdruck lässt Jesus 

die Seinen nicht allein!  

Er hat allen den Heiligen Geist als Tröster zugesagt, 

die ihn für ihren Glaubensweg brauchen. 

 

Und deshalb sollten auch wir wirklich mit großer Erwartung

auf Pfingsten zugehen. 

 

Weil wir den Heiligen Geist brauchen, 

um auch heute in unserer Zeit 

für Jesus einstehen zu können, 

und um fest mit ihm verbunden zu sein. 

 

Wenn es sein soll, sogar für ihn zu leiden. 

 

Was gibt uns Jesus heute mit? 

Drei Dinge - durch seinen Heiligen Geist: 

 

Der Heilige Geist ermächtigt zum Reden von Jesus. 

Der Heilige Geist bindet den Glauben an Gottes Wort und

derselbe Geist gibt Trost und Gelassenheit, 

selbst wenn es richtig dick kommt. 

 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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