2012-06-24

Predigt über 1. Joh 1,5-2,6 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus dem 1. Brief des Apostels Johannes, Kapitel 1, Vers 5 bis Kapitel 2, Vers 6:

„Und das ist die Botschaft, die wir von IHM gehört haben und euch

verkündigen: Gott ist Licht und in IHM ist keine Finsternis.

Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit IHM haben und wandeln

in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. 

Wenn wir aber im Licht wandeln, wie ER im Licht ist, so haben wir 

Gemeinschaft untereinander und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht

uns rein von aller Sünde. 

Wenn wir sagen: Wir haben keine Sünde, dann betrügen wir uns selbst und

die Wahrheit ist nicht in uns. Bekennen wir aber unsere Sünden, so

ist ER treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von 

aller Ungerechtigkeit. 

Wenn wir sagen: Wir haben nicht gesündigt, so machen wir IHN zum Lüg-

ner und sein Wort ist nicht in uns. 

Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt! Und wenn

jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus 

Christus, der gerecht macht. Und ER ist die Versöhnung für unsere Sünden;

nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.

Und daran merken wir, dass wir IHN kennen -, wenn wir seine Gebote

halten. Wer sagt: Ich kenne IHN und hält seine Gebote nicht, der ist ein 

Lügner und in dem ist die Wahrheit nicht. Wer aber sein Wort hält, in dem

ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollkommen. Daran erkennen wir, dass wir

in IHM sind.“ 

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

immer noch gehören die meisten Menschen in unserem

Land zu einer christlichen Kirche. 

Eine große Chance ist das für unsere Gemeinden und den Auftrag, 

den wir von Gott bekommen haben!

 

Denn die weltanschaulichen Hintergründe in unserem Land

verschieben sich rasant: 

    • über ein Drittel der Bundestagsabgeordneten ist heute
         konfessionslos oder macht keine Angaben (das ist ein
         Spiegel unserer Gesellschaft und wirkt sich aus:)
    • ganz selbstverständlich werden immer mehr Veranstaltungen
         auf Gottesdienstzeiten am Sonntag morgen gelegt
         (obwohl es eigentlich vor 11 Uhr verboten ist, aber wer
         sagt noch was? Oder: wen stört das noch?)
    • Ethik- und Leitbildkommissionen in Bund, Land oder Kommune
         kommen nur noch ganz selten überhaupt auf den Gedanken,
         dass ein „Leitbild“ z. B. für eine Kommune auch etwas mit
         Gott, dass Wohlstand und Wohlergehen vielleicht auch etwas mit
         „Segen“ zu tun haben könnte ...
    • alte heidnische Riten, die einmal zum Vertreiben von Geistern
         und Dämonen waren und die eigentlich mit dem Christentum 

      als überwunden geglaubt waren, sind plötzlich wieder da -
        füllen die geistliche Leere der Menschen ...

Und noch eine Beobachtung: 

Religion wird heute immer mehr privatisiert, 

sie wird als Mittel zum Zweck gesehen, 

oft ist sie nur „Staffage“, 

für andere gehört sie als „moralischer Kitt“ noch irgendwie zur Gesellschaft. 

Aber die zentralen Aussagen des Evangeliums von Jesus Christus

spielen in den allermeisten Familien keine Rolle mehr, 

viele kennen sie auch gar nicht mehr

  • wie sollten sie auch, nachdem schon die Eltern und Voreltern 

keinen persönlichen Glauben an Jesus Christus mehr hatten?! - 

nachdem sie so wenige Christen kennen gelernt haben, 

die ihnen erklärt hätten, was Christsein eigentlich ist?!

 

 

Gerade hier können und müssen wir mit der Botschaft der Bibel 

ganz neu ansetzen, sie neu buchstabieren 

  • in eine inhaltsleere, 
  • in eine um sich selbst und ihre vagen Wohlstands- und 

Glückshoffnungen kreisende Gesellschaft, 

die nicht findet, was sie eigentlich sucht ...

 

Auch gerade die Diskussionen um Europa, um den Euro, 

die mit so viel vagen Begriffen wie Wohlstand und Wachstum geführt wird, 

macht mir immer wieder deutlich, 

wie orientierungslos wir - ohne Gott - in Europa eigentlich 

geworden sind. 

 

Das muss uns in Wirklichkeit mehr Sorgen machen

als die Stärke oder Schwäche des Euro ...

 

Wo die Orientierung fehlt, 

da sieht es auch ums Vertrauen in die Zukunft schlecht aus. 

 

Wem können wir vertrauen?

Gibt es diese Person heute überhaupt noch?

 

Unser Bibelwort gibt uns darauf eine klare Antwort: Aber sicher!

 

 

1.) Gott ist Licht  - Jesus Christus ist das Licht der Welt

 

Johannes setzt mit seinem Zeugnis eine Nachfolge- 

und Glaubensbewegung in Gang, 

die unsere höchste Aufmerksamkeit verdient. 

Jesus war damals - nicht anders als heute - einer - unter vielen, 

die von Gott gesprochen haben. 

Religiöse Vorstellungen der unterschiedlichsten Art gab 

es damals wie heute. 

 

Und selbst innerhalb der Gemeinden sind plötzlich Irrlehrer

mit ganz unterschiedlichen Ansichten in zentralen Glaubensfragen

aufgetreten:

- Da gab es (zum Einen) die Doketisten, die lehrten, Jesus habe nur 

eine göttliche „Hülle“ getragen, als er auf Erden unterwegs war. 

Er war also nicht Gott, sondern nur „göttlich“ - und wir 

alle sollten ihn als großes Vorbild sehen, um ähnlich zu 

leben und zu handeln wie er. Und

  • da gab es zum (Zweiten) die Gnostiker. 

Sie vertraten eine Art Lebensphilosophie für die Gebildeten - und   vermischten dabei ihre Weltsicht - sehr ansprechend verpackt - mit christlichem Glaubensgut. 

Anstelle der alleinigen Erlösung durch Jesus Christus - lehrten 

sie die Selbsterlösung des Menschen aus den Fesseln des

Stofflichen (der Materie). 

Der menschliche Geist könne - indem er geistig in die tiefen 

Hintergründe seines Daseins eindringt - sich selber erlösen. 

Dabei ist Jesus nur so weit wichtig, als er uns auf diesem 

Weg der Erkenntnis helfen kann. 

Wer aber einmal den „geistigen Durchblick“ über das 

Wesen der höheren Welt hat, für den sei es völlig

egal, wie er in dieser Welt lebt. 

 

Sind das nicht im Grunde Fragen, die heute - vielleicht etwas anders gestellt  - 

noch immer so aktuell sind wie damals? 

Welches Bild von Gott machen wir uns? 

Wie finden wir Zugang zu Gott? 

 

In einigen Zeitschriften war vor noch nicht allzu langer Zeit eine ganze

Anzeigenserie abgedruckt, wo auf Hochglanzpapier gedruckt zu lesen

war: „Viele Wege führen auf den rechten Pfad“. 

Darunter war ein Kompass, ein Fernglas und eine Bibel abgebildet. 

Und auf der Folgeseite stand: „Wer den rechten Weg sucht, findet ihn 

vielleicht irgendwann. - Nehmen Sie eine Abkürzung! - 

Die FORD-Premiumklasse -, FORD, die tun was!“ 

 

Klar, das ist Werbung!

Aber es ist auch Manipulation, die Botschaft von Jesus Christus als
überholt eingestuft: 

- Auf die richtige Technik komme es an (wird da gesagt). 

- Die Bibel dagegen passe da nicht mehr in unsere moderne Zeit!

Also ob es in unserem Leben nicht um Wichtigeres geht! 

 

Gott ist Licht und Finsternis ist nicht in IHM.

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

wenn wir Gott wirklich finden wollen, dann sind wir eingeladen, 

uns auf die Gotteserkenntnis einzulassen, 

die uns Jesus Christus gibt!

 

Und an IHM vorbei führt kein Weg zum Ziel, zum Himmel. 

 

Das macht hier Johannes durch sein klares Entweder-Oder deutlich:

Es gibt nur Licht - oder Finsternis!

Der sündige Mensch, das heißt der Mensch, der meint, mit seiner 

persönlichen Gottesvorstellung schon irgendwo hin zu kommen, 

der lebt in der Finsternis - oder wie Johannes auch sagt - „in der Lüge“. 

Ein Leben mit Kompromissen an dieser Stelle, 

mit einem Sowohl-als-auch, 

gibt es für Johannes nicht. 

 

Und deshalb betont er er immer wieder: 

Ein Mensch ohne die Erneuerung durch Jesus Christus - lebt im Selbstbetrug!

Er macht sich was vor!

Und findet Gott nicht! (Er findet immer nur sich selber, seine Gedanken 

über Gott, hält sich vielleicht sogar für Gott). 

Damit täuscht er sich selbst. 

 

 

Die zweite Orientierungsmarke, die uns der Apostel Johannes 

heute morgen gibt, heißt: 

 

2.) Wir leben allein vom Licht Gottes!  

Jesus Christus ist unser Fürsprecher vor Gott

und Versöhner  zwischen Gott und uns. 

Er tritt vor Gott für uns ein. 

Jeder von uns wäre ohne die Fürsprache von Jesus Christus

hoffnungslos verloren vor Gott. 

Und jeder Mensch - wir alle - werden einmal vor Gott

über unser Leben Rechenschaft ablegen müssen.

 

Wenn wir heute über das schreiende Unrecht in der Welt klagen, 

wenn wir sehen, wie Mord und Terror ein Leben lang ungesühnt bleiben, 

wenn wir immer wieder erfahren müssen, wie Menschen meinen,  

auch ohne Jesus Christus in ihrem Leben ganz gut auskommen zu 

können, dann - sagt uns die Botschaft von Johannes heute - 

dann mach‘ Dir klar: 

Ohne den Fürsprecher und Versöhner Jesus Christus 

gibt es für uns keine Zukunft!

Ohne seinen Beistand kann keiner von uns 

vor Gott bestehen!

Aber das Ziel Gottes ist die Rettung aller Menschen 

und die Versöhnung mit IHM! 

 

Sehen Sie: Darauf kommt es an: Dass Menschen wie Sie und ich, 

dass wir uns mit Gott versöhnen lassen, 

indem wir Jesus Christus unsere Schuld bekennen - 

und das ist vor allem, dass wir bisher versucht haben, 

uns selbst die Orientierung zu geben -,  

dass wir vor IHM auf die Knie gehen, 

IHN in unser Leben einladen. 

 

Nur so kommt Gottes Licht in unserLeben!

Nur so gibt es Rettung für uns, 

schenkt Gott mir und Dir ein neues und wirklich erfülltes Leben, 

das einmal in der Ewigkeit ankommen wird 

(und nicht mit einem großen Erwachen endet!)

 

Der Mensch lebt allein vom Licht Gottes - oder - 

er muss sich selber Lichter machen. 

Und wir sehen es überall sehen, 

wie weit und verlässlich diese Lichter sind ...

 

 

Eine dritte Orientierungsmarke gibt uns Gottes Wort heute mit: 

 

 

3.) Lebe glaubwürdig als Christ!

Johannes will uns hier ganz praktisch klar machen, 

was Leben und Arbeiten mit Jesus Christus heißt:

- Da gibt es weder Tarifverhandlungen noch tariflich ausgehandelte

Verträge!

- Da gibt es keine Trennung von Arbeitswelt und Erlebniswelt!

  • Die Christen sind seine Mitarbeiter, jeder in einer anderen Aufgabe 
  • und Position.

Aber immer - sind sie IHM zugeordnet und auf IHN hin ausgerichtet!

 

Hat das nicht weit reichende Konsequenzen?

 

Ich weiß, es klingt hart, aber es ist so: 

- Gott gegenüber hat ein Christ kein Privatleben!

- Alles soll IHM gehören, jede Freude, jede Hochstimmung, 

unsere Verlorenheit und unser Kranksein, 

unser Schmerz und unsere Liebe. 

 

Das alles, was Christen tun und lassen, ist Dienst, 

heißt Leben mit Jesus

und dazu gehört auch, seine Gebote einzuhalten, echt, wirklich, 

sie sind die für uns gültige Richtlinie, die Leitplanke Gottes, 

Orientierung schlechthin. 

 

Gott gibt sich aus Liebe zu uns in Jesus Christus zu erkennen. 

Er tritt aus dem Grauschleier allgemeiner Religiosität und 

Gottesahnungen heraus. 

 

Ohne jeden Eigennutz wirbt er um uns, 

sucht die Gemeinschaft mit uns. 

Er will sich uns verständlich machen. 

Und diese Liebe zu uns will nie zu Ende kommen. 

Sie hat nie ihre Schuldigkeit getan. 

Sie redet nie vom Verdienst und sie erhebt keinen Anspruch auf Lohn. 

 

„Alles, was du brauchst, ist Liebe!“ (All you nee is love) 

haben damals die Beatles gesungen. 

 

Sie haben das Wort „Liebe“ wahrscheinlich anders verstanden. 

 

Aber wo sie Recht hatten, da haben sie Recht:  

Ohne die Liebe Gottes und ohne unsere Liebe zueinander 

wäre unser Leben tot. 

Die Liebe verändert alles. 

Und das gilt noch viel mehr für die Liebe Gottes, 

wenn wir sie annehmen, 

wenn wir Jesus als unseren Versöhner und Fürsprecher

annehmen und uns erneuern darf!

 

 

So lädt uns dieses Bibelwort heute ein, 

in aller Orientierungslosigkeit unserer Zeit, 

den entscheidenden Fixpunkt in den Blick zu nehmen!

„Sieh dein ganzes Leben vom Licht Gottes her

und mach‘ Dir klar, was daran hängt, ob Du Jesus Christus hast 

oder ihn noch nicht hast!“

 

In IHM - ist das Licht und das Leben. 

In IHM - findet ein Mensch Gnade bei Gott. 

Und damit alles, was ihn froh und getrost leben und zuletzt 

sterben lässt. 

 

Jesus Christus ist das Licht der Welt!

Allein aus diesem Licht kann ich leben!

Und glaubwürdig sein. 

 

Posaunen wir es hinaus in unsere Welt, 

die weithin die Orientierung verloren hat!

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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