2010-06-06

Predigt über 1. Johannes 4,16-21 / Dekan Ralf Albrecht, Nagold

Liebe Gemeinde,

heute haben wir es wieder einmal von der Liebe Gottes.

Und bei diesem Thema kann es keinem je langweilig werden. Denn diese Liebe ist so unfassbar, so groß, so unvergleichlich. Sie ist wie ein Meer, an dessen Ufer wir stehen. Und wir versuchen, mit einer Muschel das Meer auszuschöpfen. 

Der Apostel Johannes kümmert sich kapitelweise um beinahe kein anderes Thema. So gepackt ist er von Gottes Liebe. So groß ist sie. So sehr liebt Gott.

Immer neu umkreist er die Liebe Gottes. Und gibt uns weiter, welche Folgen sie in unserem Leben hat.

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus 1. Johannes 4,16-21:

„16 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. 19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. 20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. 21 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“



Liebe ist also bei Gott das Thema Nummer 1. Er liebt – oder mehr: er ist die Liebe.

Nicht wer liebt, ist göttlich. Sondern Gott zeigt, was Liebe ist. Gott liebt in einer ganz eigenen Art. Wie, davon hören wir jetzt:

1. Gott liebt …

Gott ist die Liebe. Die Liebe, die er zu uns hat, können wir glauben. Denn er hat uns zuerst geliebt.

Da stehen wir am Meer der Liebe Gottes und sehen hinaus ins Weite.

Gott ist die Liebe. In Person. Wer wissen will, was Liebe ist und wie Liebe ist, braucht nur Gott anzuschauen. Und zwar, wie er sie in Jesus gezeigt hat.

In Jesus hat sich Gott endgültig als die Liebe in Person bewiesen. Ein Meer von Liebe ist in unsere Welt gekommen. Er hat geliebt.

Jesus hat einen Nathanael so sehr geliebt (1). Er hat ihn mit all seinen Zweifeln und seinem ernsten Suchen nach Gott unter einem Feigenbaum schon gesehen. Er sucht Nathanael ganz persönlich auf. Er schätzt ihn persönlich wert. Und Jesus zeigt ihm, dass er Nathanael von Grund auf kennt.

Und Jesus hat eine Samariterin so sehr geliebt (2). Er spricht sie in der Mittagshitze an. Er weiß alles über sie und verurteilt sie doch nicht. Er lädt sie ein, mit ihrem Durst nach Leben in seiner Liebe Erfüllung zu finden.

Jesus hat einen Langzeitkranken so sehr geliebt (3). 

Er macht ihn nicht nur gesund. Sondern er zeigt ihm den Weg aus der tödlichen Krankheit der Sünde.

So sehr hat Gott geliebt. Dass er uns alle heute Morgen unendlich wertschätzt und durch und durch kennt. Dass er uns zum wahren Leben einlädt. Dass er unsere Sünde trägt, weil er die Sünder liebt. Dafür hat Jesus am Kreuz sein ganzes Leben gegeben. Mehr kann niemand lieben.

Gott, der für unsere Schuld stirbt, ist Liebe.

Er hat uns zuerst geliebt. Bevor wir irgendetwas für ihn tun könnten, gilt seine Liebe bereits. Sie findet nicht das vor, was sie lieben will. Sondern sie schafft es sich. Weil diese Liebe schon immer liebt. Ohne jede Bedingung.

Diese bedingungslose Liebe gilt jeder und jedem von uns am heutigen Tag. Diese Woche. Ohne Ende in unserem Leben.

Die drei Weltmeere sind durchschnittlich drei- bis viertausend Meter tief. Die größte Meerestiefe wurde im Pazifischen Ozean mit über elftausend Metern gemessen. Die Meere sind ein majestätisches Bild für die Weite, Tiefe und Unerschöpflichkeit des Lebens.

Gott gebraucht die für den Menschen unerreichbare Tiefe des Meeres als Veranschaulichung seiner Liebe, die alle Menschenschuld buchstäblich bedeckt. So heißt es im Propheten Micha: »Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen« (4).

Wenn das Meer der Liebe Gottes, weit, tief und unerschöpflich, unsere Lebensschuld bedeckt, dann ist sie wirklich vergeben und weg. Da darf man sie nicht wieder hervorholen und sich damit quälen. Wenn Gott unsere Schuld im Meer seiner Liebe versenkt hat, dann setzt er gleichsam ein Schild dazu: »Angeln verboten!«

Gott liebt …

2. … deshalb:  liebe Gott …

Denn diese Liebe kann nicht folgenlos bleiben.

»Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.«

Was ist das für eine Liebe, die nicht beantwortet wird? Sie kommt noch nicht zum eigentlichen Ziel. Deshalb ist es so entscheidend, dass wir Gottes Liebe Antwort geben. Lieben.

Und auch das zeigt sich ganz konkret, ganz praktisch.

Wer Gott liebt, zeigt sich vor allem Gott gegenüber zuversichtlich. Wenn Jesus unsere Schuld ins Meer seiner Liebe geworfen hat, dann können wir heute ohne jede Angst vor ihm leben. Und am Ende der Zeit brauchen wir seine Schlussbilanz nicht fürchten. Für die, die auf seine Liebe bauen, kann sie nur heißen: Dir ist ewig vergeben! Du bist und bleibst geliebt.

Was wäre das, wenn wir vor Gott endgültig die Angst ablegen könnten! Wenn wir nicht mehr ständig in Un-sicherheit leben müssten, ob seine Vergebung wohl noch gilt. Das würde uns tief entlasten.

Aber nichts anderes macht doch jemand, der vertrauensvoll liebt. Er traut seinem Gegenüber zu, dass diese Liebe lebenslang gilt. Dass die Treue nicht heute zugesagt wird und morgen gebrochen wird. Lassen Sie uns das unserem Gott umso mehr zutrauen!

Johannes illustriert es mit einem ganz starken Bild: Vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Eine Austreibung wird vorgenommen. Ein Exorzismus der Furcht. Raus damit! Du, Furcht, hast unser Leben nicht mehr zu bestimmen. Die Liebe Gottes hüllt es vollkommen ein. Das gilt. Und nicht die Angst vor Gott.

Lassen wir uns das heute zusagen im Blick auf die Situationen, in denen auf einmal die Angst vor Gott wieder hochkriechen könnte. Wenn wir zum Beispiel an einer unserer besonderen Schwachstellen im Leben wieder versagen. Gottes Liebe gilt. 

Wenn wieder einmal jemand uns unter einen besonderen Druck setzen will, was wir alles zu tun hätten, um wirklich gerecht und den Frieden und Gottes Schöpfung 

bewahrend zu leben. Gottes Liebe gilt schon immer im Voraus!

Wenn im Blick auf unser Leben und seine Bilanz vor Gott uns das Misstrauen beschleicht, ob es zum Schluss vor Gott zu einem guten Ende reichen wird: Es reicht natürlich nicht, wenn wir so anfangen zu rechnen. 

Es reicht nie. Sondern Gottes Liebe gilt. Ihr können wir vertrauen: »Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat.«

Das zählt. Der liebt Gott, der so auf ihn vertraut.

Weil Gott liebt, lieben wir ihn. Und noch eine Folge hat die Liebe Gottes: Liebe Gott …

3. … und deinen Nächsten

Diese Liebe zu unserem direkten Gegenüber ist so etwas wie der sichtbare Testfall der Liebe zu Gott.

Hier zeigt sich nochmals ganz praktisch, ob die Liebe Gottes wirklich unser Leben ausfüllt. Ob sie in Herz und Hand angekommen ist.

Die sichtbare Gottesliebe, das ist die Nächstenliebe.

»Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.«

Das kann heute und in der kommenden Woche ganz praktisch werden.

Lieben wir.

Als Kinder, Eltern und Großeltern. Lassen Sie uns einander lieben. So viele leiden unter Liebesentzug. Geben wir einander die Liebe, die gegen die Angst siegt.

Ein Mann kommt eines Tages zum Rabbi und bittet ihn um Hilfe. »Mein Junge will nicht folgen und kann nicht lernen. Es ist eine Not. Kannst Du ihn ermahnen, Rabbi?« – »Lass ihn einen Tag bei mir und hole ihn abends wieder ab. Ich will mit ihm reden.«

Der Vater geht – und der Rabbi nimmt den Jungen in seine Arme, herzt und drückt ihn und zeigt ihm Liebe und Vertrauen.

Als am Abend der Vater wieder kommt, um seinen Jungen abzuholen, sagt der Rabbi zu ihm: »Ich hoffe, es wird besser mit ihm – ich habe ihm ordentlich ins Gewissen geredet.«

Lieben wir.

Bei unserer Arbeit. Im Haus, in der Firma, in der Schule.

So viele leiden darunter, dass die Furcht voreinander siegen will. Geben wir die Liebe, gerade wie eine Art immer neuen Vorschuss anderen gegenüber.

Es gibt schon heute tausend Möglichkeiten, dieser Liebe ein Gesicht zu geben. Nur einige wenige Beispiele:

Wenn mich ein anderer provoziert, möchte ich die Ruhe bewahren.

Wenn mir jemand ganz querkommt, möchte ich zunächst versuchen zu verstehen, wie es bei ihm heute dazu kommen konnte. Möchte Verständnis dafür haben, warum er so schlecht drauf ist.

Wenn mir jemand seine inneren Verwundungen zeigt, dann will ich freundlich reagieren. In diesen Wunden nicht noch mehr herum kratzen. Sondern nach Möglichkeit den Schmerz ein wenig lindern.

Liebe Gemeinde, heute Morgen steht uns das Meer der Liebe Gottes vor Augen. Und wir haben uns eine Weile an seinem Ufer aufgehalten und hinausgeschaut.

Es ist unergründlich weit. Und tief. Es umspült und umfängt uns.

Und wir können unsere Muscheln in die Hand nehmen. Und diese Liebe schöpfen. Und sie weitergeben.

Gott liebt. Deshalb liebe Gott. Und Deinen Nächsten. Amen.

 

(1)  Johannes 1, 45–51

(2)  Johannes 4, 1–29

(3)  Johannes 5, 1–18

(4)  Micha 7, 19




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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