2017-07-30

Predigt über Johannes 6,27-40 / Pfarrer Friedhelm Bühner

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

so ein Gottesdienst im Grünen hat schon was. 

Anfang Juli haben wir uns dort wie jedes Jahr an der

Schwanner Warte niedergelassen, 

der Jan Hunsmann hat gepredigt … und dann haben wir

noch kräftig gefuttert unter dem Dach. 

 

Das hat doch was! Der ist in aller Munde!

Um so einem Gottesdienst wird’s heute gehen (in der Predigt). 

Der Gottesdienst im Grünen damals … hatte zweierlei zur Folge: 

Der Prediger ist von den einen anschließend umso mehr 

gehasst worden, während die anderen große Hoffnungen 

auf ihn gesetzt haben. 

 

Wir könnten den Gottesdienst damals und heute

treffend überschreiben mit einer Frage, nämlich: 

Was macht uns Menschen satt?

 

Ist das nicht klar?

Klar wie Kloßbrühe, nämlich Kloßbrühe und das, 

was darin schwimmt! - Gutes Essen natürlich!

 

Und was macht satt, 

wenn wir sonst satt sind 

oder schon alles satthaben?

Was stillt unseren Lebenshunger?

 

Lebenshunger - hat den nicht jeder!?

 

In einem Gespräch, das Jesus mit Vertretern seines Volks am See Genezareth geführt hat, gehts genau darum. Hören wir rein (es ist zu finden in … Johannes 6,27-40):

"27 Müht euch nicht um Speise, die vergänglich ist, sondern um Speise, die da bleibt zum ewigen Leben. Dies wird euch der Menschensohn geben; denn auf ihm ist das Siegel Gottes des Vaters. 28 Da fragten sie ihn: Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken? 29 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. 30 Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? 31 Unsre Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht (Psalm 78,24): »Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.« 32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33 Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. 34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. 35 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. 36 Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht. 37 Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. 38 Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 39 Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich's auferwecke am Jüngsten Tage. 40 Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.

 

 

Jesus for President

 

Am Rande eines riesigen Gottesdienstes im Grünen fand das

alles statt: Jesus hat gerade sein populärstes Wunder vollbracht: 

5000 Männer (dazu Frauen und Kinder) satt gemacht!

 

Da hat was gezündet in so manchem Oberstübchen: 

Mensch, das hat’s doch schon mal gegeben: 

Klar, bei Mose war das!

Und da soll doch noch mal einer kommen, 

der so ist wie Mose!

 

Mose war mit dem frisch aus Ägypten befreiten Volk durch die 

Wüste gezogen: Und Gott hat sie satt gemacht, 

jeden Tag neu - mit Manna. 

Es kam so regelmäßig, dass man nichts für morgen horten musste, 

es hat für jeden Tag gereicht. 

 

Und es war nicht mal Astronautenfutter - nach dem Motto

Hauptsache, was Nahrhaftes zwischen die Kiemen, 

Geschmack ist egal! -, 

sondern es hat geschmeckt wie Honig. 

Für die Menschen damals Luxus pur. Überfluss!

 

Und so passiert es auch hier, 1400 Jahre später am 

See Genezareth: 

Die Leute kriegen von Jesus nicht nur eine Notration, 

sondern es ist so viel da, 

dass körbeweise davon übrig bleibt!

Die Leute sehen: Da ist einer, 

der gibt uns Brot vom Himmel!

 

Daher die ganze Begeisterung nach dem Brot-Wunder: 

Ja, das ist es! Weiter so!

So wie damals bei Mose!

Nicht säen, nicht ernten und trotzdem jeden Tag von Gott

„verwöhnt“.

Einfach so in den Supermarkt gehen, 

nehmen, was man braucht - und nichts bezahlen müssen. 

Das wär’s doch!

 

Irgendwie verständlich, heute und noch mehr damals: 

Damals wars schwer überhaupt satt zu werden 

und sicher zu sein, dass es auch morgen wieder reichen wird -, 

heute fällt’s uns eher schwer, 

den Wohlstandspeck wieder los zu werden!

 

Wird es reichen? - War damals die Frage. 

Und deshalb wollen die Menschen (nach diesem Gottesdienst

im Grünen mit Brotwunder): 

Jesus soll unser König sein, 

ein Anführer wie damals Mose, 

der jeden Tag für kostenloses Brot vom Himmel sorgt, 

das man einfach nur einsammeln musste: 

„Jesus for President“ und „Butterbrot für alle!“

 

Jesus, sei du unser König im Schlaraffenland

und alles wird gut!

 

 

Lebenshunger

 

Wird wirklich alles wieder gut?

Wie war das denn damals mit Israel in der Wüste?

Hat es sie zufrieden und glücklich gemacht?

Das Manna, jeden Tag, Süßes ohne zuzunehmen?

 

Eigentlich sollte man das meinen. 

 

Aber die Leute waren das Manna schnell satt

und sind so unzufrieden geblieben wie eh und je. 

Das Manna hat sie keinen Millimeter in die Richtung gebracht, 

dass sie in Gott ihren liebenden Versorger erkannt hätten!

Als Liebeserklärung Gottes war das Manna … 

aber eigentlich gedacht.

 

Und ähnlich war’s hier bei Jesus jetzt wieder. 

Die Leute sagen: „Jesus, wir wollen gern von dir gefüttert werden, 

aber Dich … wollen wir nicht!“

Wenn Du uns nicht so wie bei Mose damals versorgen willst, 

dann kannst Du uns gestohlen bleiben!“

 

Ein voller Magen - stillt ganz offensichtlich - den Lebenshunger

noch nicht, den alle Menschen haben. 

Leben ist demnach viel mehr … als „satt sein“!

 

Gleichen wir das doch einmal mit dem Leben in unserem Land ab!

Ist es nicht so, dass die meisten wirklich „Vollversorgung“ haben, 

es muss jedenfalls niemand fürchten morgen echt zu hungern. 

Natürlich gibt es auch bei uns materielle Not. 

Es gibt Kinder, die nicht richtig versorgt werden

und ältere Menschen, die sich Sorgen machen, 

wie sie morgen zurecht kommen werden, 

ob da jemand ist, der ihnen hilft. 

 

Aber der größte Teil unserer Bevölkerung ist wirklich satt, 

bauchmäßig … und unterhaltungsmäßig … und und und. 

 

Nur: Ist er überwiegende Teil der Menschen deshalb

auch glücklich und zufrieden?

 

Erschreckender Weise müssen wir doch sagen: 

Wenn alles Grundlegende da ist, gerade dann

kommen wieder ganz andere Probleme auf, 

die ausgerechnet den wohl ernährten Menschen 

sonderbar belasten. 

 

Psychische Erkrankungen, 

typische Wohlstandskrankheiten, 

eine hohe Selbstmordrate … 

Erstaunlicher Weise viel stärker als in Ländern, 

in denen die Menschen oft nur von Tag zu Tag denken können. 

 

Was heißt das?

Klar, jeder Mensch braucht zu Essen, sonst stirbt er. 

Aber der volle Bauch allein, 

auch der volle Geldbeutel und die Scheck- und Kreditkarten allein

garantieren noch kein wahres Leben. 

 

Es ist einfach eine Feststellung: 

Auch wer satt ist, kann alles satthaben!

 

Ich erinnere mich an einen jungen Mann, 

der von seinen Eltern zum Geburtstag gleich ein edles neues Auto 

geschenkt bekommen hat. Edelmarke. Mit viel Schnickschnack. 

Irgendwie habe ich gedacht: Wow, so ein Teil hätte ich vielleicht

in der Matchbox-Version gekriegt. 

Seine Eltern: sehr vermögend, viele schöne Urlaube, 

ausgesuchte Ziele mit Golfplatz. 

Der Junge konnte einmal gut und gern in die Fußstapfen seiner

Eltern treten. Krisensicheres Geschäft. Expansion. Hohe Gewinne. 

 

Und trotzdem: Der junge Mann hat diesem Dasein einfach 

nichts abgewinnen können: 

„Ich lebe nicht. Ich werde getrieben! …“

 

Auch wer satt ist, kann alles satthaben. 

Unsere Lebenswirklichkeit zeigt es immer wieder: 

Der volle Bauch macht noch kein volles Herz!

 

 

Jesus stillt Lebenshunger

 

Warum?

Mit dem alten Kirchenvater Augustin gesprochen: 

Weil „des Menschen Herz ruhelos bleibt, 

bis … es Ruhe in Gott findet!“ (2x)

 

Nur die liebende Gemeinschaft mit Gott, liebe Gemeinde, 

bringt uns Leben!

 

Aus diesem Grund beten wir nicht einfach 

„Unser tägliches Brot gib uns heute …“, 

sondern sogar noch davor: 

„Dein Reich komme, dein Wille geschehe, 

wie im Himmel so auf Erden.“

 

Das heißt übersetzt: 

Lieber Gott, wir ist ganz wichtig, was du möchtest!

Was du in meinem Leben tun willst

und was du durch mich in dieser Welt tun willst!

 

In verschiedenen Bildworten macht uns Jesus klar, 

wie die Ruhelosigkeit zur Ruhe kommen kann. 

Er zeigt den Leuten damals wie heute 

die richtige Adresse für Lebenshungrige: 

Das ist einer der „Ich bin“-Sätze von Jesus, 

mit denen er sich vorstellt 

und in dem er sagt, 

was er für uns tut - und wer er für uns ist: 

„Ich bin das Brot des Lebens. 

Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; 

und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“

 

Damit sagt er: 

Ich kümmere mich um den Lebenshunger!

 

Das ist kein rundum sorgloses Leben …

Sondern: Jesus gibt meinem Leben einen ganz neuen Sinn

und ein ganz neues Ziel - nämlich mit ihm zu leben. 

 

Und wer das riskiert, der merkt: 

Jetzt geht vor mir ein neuer und weiter Raum an Möglichkeiten auf!

 

Jesus hat etwas vor mit Deinem Leben!

Er will Dir seine Liebe schenken

und Du darfst sie annehmen …

dann hast Du ein ganz neues „Standing“ in dieser Welt

und Jesus wird Dich mehr und mehr erfüllen 

und Du willst ihm einfach immer mehr dienen. 

 

Auch die Sinn-Suche ist so ein Symptom von Lebenshunger!

Und Jesus gibt uns eine Adresse, 

wo wir hingehen können, 

wenn wir Hilfe brauchen für unseren Alltag.

 

Faktisch gesehen besteht unser Leben ja zu 90% aus „Alltag“

und da interessiert es uns doch

wo ich hinkann mit meinem „Alltag“

und mit dem, was der „Alltag“ so bringt. 

 

Dafür bietet Jesus uns Menschen seine Nähe und 

seine Gemeinschaft an: 

„Ich will euch helfen mit eurem Alltag zurecht zu kommen. 

Wichtig sind nicht die ganz großen Ereignisse, die ich bewirke, 

sondern dass dir meine Nähe, der Glaube an mich, 

so selbstverständlich wird wie das tägliche Brot!“

 

Nirgends in der Bibel bietet Jesus uns Menschen 

den ganz großen Entwurf dazu, 

wie wir die Welt verbessern können.

Sondern er setzt da an, wo wir gefragt sind: 

Bei unserem Leben. 

 

Jesus will mit dir deinen Alltag besprechen!

Er will dir Hilfen zeigen, dich dich im täglichen Leben weiterbringen!

 

Jesus will mehr geben als Brot, 

das nur den Hunger nimmt. 

 

Das sagt er denen, die gerade seine (Spezial-)Versorgung 

erlebt haben:

„Hört mal alle her (ruft er):

Die Israeliten damals, die haben ja täglich das Manna bekommen 

und sind trotzdem irgendwann gestorben.

Aber ICH, ICH bin das BROT VOM HIMMEL, 

das in den Himmel bringt!

Wer zu MIR gehört, der hat nicht nur Brot für den schnellen Hunger,

sondern Brot, das ewig satt macht!“

 

Und deshalb sagt Jesus: 

„Das ist der Wille des Vaters, dass, wer den Sohn sieht 

und glaubt an ihn, das ewige Leben habe;

und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage.“

 

Will heißen: 

Wer Jesus kennenlernt,

mit ihm lebt

und sich an ihn hält, 

der bleibt im Alltag bei ihm geborgen. 

 

Aber auch weit über den Alltag hinaus: 

Er wird auferstehen zum ewigen Leben!

 

Wer zu Jesus gehört, 

der ist in den Armen von Jesus geschützt und geborgen

und das weit über den Alltag hinaus!

Denn er wird auferstehen zum ewigen Leben 

(das heißt es gibt für ihn keine Verlorenheit, keine Hölle mehr …)

 

Das ist Nahrung, 

das ist Brot für die Ewigkeit. 

Und nicht nur bis zum nächsten Magenknurren. 

 

 

Satt durch das Wort Gottes

 

Und jetzt die spannende Frage: 

Wo und wie begegnen wir Jesus?

Wie lernen wir ihn kennen?

 

Klar, sonntags im Gottesdienst und KiGo, 

mittwochs im Konfirmandenunterricht …

montags und freitags in der Jungschar …

 

Aber im Alltag?

Gottesdienst gibt es leider nicht jeden Tag. 

 

Wir lernen Jesus kennen, 

wenn wir uns mit dem beschäftigen,

was er getan hat, was er gelehrt hat, was er gepredigt hat!

 

Genau das führt zu Vertrauen - und Vertrautheit!

 

Vielleicht haben Sie gespürt, wie mich dieser Aspekt

über die ganzen 12 Jahre in Dennach und Schwann bewegt hat. 

Nur wer ganz nah am Herzen Gottes (bei Jesus) lebt, 

spürt seinen Pulsschlag, erfährt seine Wärme, 

weiß sich geborgen in die Kirche auseinander fegen wollen. 

Die Auseinandersetzung um die Wahrheit, 

um scheinbar zeitgemäße Antworten, 

die doch rein menschlich gedacht sind, 

in aller Regel an Gottes Wort vorbei …

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

Jesus lernen wir nur kennen (und werden ihn mehr und mehr lieben),

wenn wir uns mit dem beschäftigen,

was er getan hat, was er gelehrt hat, was er gepredigt hat!

Wenn wir tatsächlich die Zeit dafür aufbringen, 

regelmäßig in der Bibel zu lesen 

und sie auf uns wirken zu lassen. 

 

Wie die Nahrung zum Leben, 

so gehört das Wort Gottes 

zu wahrem Leben und zu ewigem Leben. 

Und dieses Wort steht fest. 

Lassen wir uns da von niemand ein X für ein U vormachen: 

„Ist es Gottes Wort, so wird's bestehn, 

doch ist es Menschen Wort, wird's untergehn“, 

steht auf einem großen Luther-Denkmal. 

 

Genau so ist es. 

 

Dieses Wort führt uns zu Jesus, 

zum Brot des Lebens. 

Es macht uns Jesus bekannt

und wichtig, immer immer wichtiger!

 

Und dann kommt noch etwas richtig Schönes dazu: 

Du merkst auf einmal, wie Du ein Teil der Geschichte bist, 

die Gott mit uns Menschen schreibt. 

Es ist nur schwer mit Worten zu beschreiben. 

Aber es ist so. 

Du musst es selber erleben. 

 

So wechsle ich jetzt auf eine andere Pfarrstelle, 

aber wir bleiben - als Jesusnachfolger - jeder an seinem Platz

Teil von Gottes Geschichte mit den Menschen. 

 

Füllen wir unseren Platz aus!

 

Bleiben wir treu an Jesus. 

Er ist das „Brot des Lebens“ für uns. 

Und er ist treu, im Alltag, in der Not, immer. 

Unser Ziel ist es, einmal bei ihm die Ewigkeit zu verbringen. 

 

„Ich bin für dich das Brot des Lebens (ruft Jesus uns zu).

Wenn du zu mir kommst, 

dann werde ich deinen Lebenshunger stillen.“

 

Amen

 

 

(Ich danke Studienrat Ole Dost für seine Vorarbeiten zum Predigttext!)

 

 

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 27.06.2018
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 28.06.2018
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann