2017-02-19

Predigt über 2. Korinther 12,1-10 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus dem 2. Brief des 

Apostels Paulus an die Korinther, Kapitel 12, die Verse 1-10 (GNB):

Hohe Offenbarungen – und was wirklich zählt

1 Ihr zwingt mich dazu, dass ich mein Selbstlob noch weiter treibe. 

Zwar hat niemand einen Nutzen davon; trotzdem will ich jetzt von 

den Visionen und Offenbarungen sprechen, die vom Herrn kommen. 

2 Ich kenne einen mit Christus verbundenen Menschen, der vor 

vierzehn Jahren in den dritten Himmel versetzt wurde. Ich bin nicht 

sicher, ob er körperlich dort war oder nur im Geist; das weiß nur Gott. 

3-4 Jedenfalls weiß ich, dass diese Person ins Paradies versetzt 

wurde, ob körperlich oder nur im Geist, das weiß nur Gott. Dort hörte 

sie geheimnisvolle Worte, die kein Mensch aussprechen kann. 5 Im 

Blick auf diese Person will ich prahlen. Im Blick auf mich selbst 

prahle ich nur mit meiner Schwäche. 6 Wollte ich aber für mich selbst 

damit prahlen, so wäre das kein Anzeichen, dass ich den Verstand 

verloren hätte; ich würde ja die reine Wahrheit sagen. Trotzdem 

verzichte ich darauf; denn jeder soll mich nach dem beurteilen, 

was er an mir sieht und mich reden hört, und nicht höher von mir 

denken. 7 Ich habe unbeschreibliche Dinge geschaut. Aber damit ich 

mir nichts darauf einbilde, hat Gott mir einen »Stachel (Pfahl) ins 

Fleisch« gegeben: Ein Engel des Satans darf mich mit Fäusten 

schlagen, damit ich nicht überheblich werde. 8 Dreimal habe ich zum 

Herrn gebetet, dass der Satansengel von mir ablässt. 9 Aber der Herr 

hat zu mir gesagt: »Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Je 

schwächer du bist, desto stärker erweist sich an dir meine Kraft.« 

Jetzt trage ich meine Schwäche gern, ja, ich bin stolz darauf, weil 

dann Christus seine Kraft an mir erweisen kann. 10 Darum freue ich 

mich über meine Schwächen, über Misshandlungen, Notlagen, 

Verfolgungen und Schwierigkeiten. 

Denn gerade wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“

„Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren!“ 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfis,

 

was ist für Sie / Dich die Hauptsache des Lebens? 

Bei Geburtstagen kann man immer wieder dieselbe Antwort hören: 

»Hauptsache: gesund!« –, klar, nicht bei Geburtstagen 

von Jugendlichen, aber spätestens ab Mitte 40 geht’s los:

»Hauptsache: gesund!« 

Ein möglichst langes, möglichst störungsfreies, 

also gesundes Leben – das ist der Spitzenreiter!

 

Und dafür tun die Leute viel, 

dafür sind sie bereit viel einzusetzen. 

 

Sich darüber lustig machen kann eigentlich nur ein Gesunder, 

den es noch nie am Wickel hatte. 

Denn wenn sich alles im Leben auf die eine Stelle konzentriert, 

wo der Schmerz sitzt (oder vermutet wird), 

wenn es nur noch einen Gedanken gibt: 

Wie kriege ich den Schmerz weg!? … 

Dann weißt du, wie schön es doch ist, wenn du gesund bist. 

 

Den Wunsch nach Gesundheit

gibt’s auch in einer ausgesprochen frommen Form: 

Hauptsache: Heilung. 

Das ist in den letzten Jahrzehnten bei Christen 

ganz stark wiederentdeckt worden: 

So … wie Jesus Menschen geheilt hat, 

so … sei es auch der christlichen Gemeinde verheißen. 

Zu den Gnadengaben Gottes 

gehöre auch … die Gabe der Heilung. 

 

So gibt es dann wunderbare und wunderschöne 

Erlebnisse in Heilungsgottesdiensten: 

Menschen kommen zum Heil in Jesus Christus

und Menschen werden geheilt von Krankheiten.

 

Schwierig wird’s nur dort, 

wo die körperliche Heilung zum Nachweis des Heils

und des Glaubens wird. 

Da ist dann der Rollstuhlfahrer, der krank bleibt, 

ein typischer Fall von Unglauben. 

Aber das wird es ja wohl nicht sein!

 

Was ist die Hauptsache des Lebens? 

 

In unserer Welt scheint es außerdem der Erfolg zu sein. 

Hauptsache: Erfolg … und damit verbunden … 

natürlich Geld, viel Geld. 

Das Leben ist dann wie Wellenreiten. 

Da musst du ständig oben auf dem Gipfel des Wellenbergs sein, 

sonst säufst du ab. 

 

Dass das ziemlich fragwürdig ist, 

das kann man schon ahnen, 

wenn man noch oben auf der Welle surft 

und nicht im Wellental. 

Noch nicht …

 

Hauptsache Erfolg … das kann es nicht sein

und heißt doch wohl eigentlich … Hauptsache ich!?

 

Unser Welt ist voll von solchen Ego Shootern, 

von Narzisten, die sich selbst inszenieren 

und immer mehr inszenieren müssen, 

damit der Misserfolg weniger auffällt. 

 

Mit dem heutigen Predigttext, liebe Gemeinde, 

lässt uns der Apostel Paulus 

ein ganzes Stück hineinschauen in sein Leben, 

in seine Schwierigkeiten und seine Probleme. 

Er lädt uns damit ein, teilzuhaben an den Erfahrungen, 

die er gemacht hat. 

Und er bietet uns an, 

das zur Hauptsache unseres Lebens zu machen, 

was für ihn … wichtig ist.

 

Paulus war in seinem Leben an eine Stelle gekommen, 

an der es nach menschlichem Ermessen 

nicht mehr weiter gehen konnte:

Die Krankheit war unerträglich. 

Er schreibt zwar nichts Genaueres, 

aber das Bild ist eindeutig: ein Pfahl („Stachel“) im Fleisch. 

Unerträglich. 

Es gibt keine Befreiung davon. 

Nicht einmal das inständige, 

das mehrmalige Gebet hat geholfen. 

 

Er muss lernen … mit der Krankheit zu leben – 

und das in einer auch sonst schwierigen Situation. 

In der Gemeinde in Korinth gibt’s enorme Schwierigkeiten: 

Menschen greifen nicht nur Paulus als Mensch an, 

sondern auch ihn als Apostel, 

stellen seine Arbeit infrage. 

 

Dabei ist es ja nicht so, dass er nichts vorzuweisen hätte. 

So lässt er sich darauf ein, 

aufzurechnen und aufzuzeigen, 

was ihn alles auszeichnet. 

Aber gerade da, wo eigentlich der Höhepunkt erreicht ist, 

bei den geistlichen Erfahrungen, 

bei den Visionen und Entrückungen in den dritten Himmel, 

gerade da wird Paulus sehr vorsichtig, 

sehr zurückhaltend. 

 

Er spricht nicht von sich, 

sondern nur … von einem Menschen. 

 

Letztlich bleibt die Krankheit, bleibt die Erfahrung: 

Mir … wird die Heilung verweigert. 

Und doch ist gerade das der Punkt, 

wo ihm neue Einsichten gegeben werden, 

wo er erkennt, 

was sein Leben wirklich tragen kann und trägt.

 

Auf sein inständiges, … dreimaliges Gebet hin

wird Paulus nicht geheilt. 

Aber er kriegt Antwort von Gott. 

 

Bei dieser Antwort müssen wir jetzt genau hinhören 

und – wenn wir in unserer Bibel lesen – auch genau hinschauen. 

Luther hat diese Antwort so übersetzt: 

»Lass dir an meiner Gnade genügen, meine Kraft ist in den 

Schwachen mächtig.« 

So kennen viele von uns dieses Bibelwort 

und können es auswendig. 

 

»Lass dir genügen« – das erinnert mich an die Kindheit: 

»Sei bescheiden, gib dich zufrieden mit dem, was du hast. 

Du musst auch verzichten lernen.« 

 

Das wurde dann gesagt, 

wenn die anderen ihr Wunscheis kriegten  

und du selber nur ein „Schlotzer“ (Bonbon). 

 

»Lass dir genügen«, wem das gesagt wird, 

von dem wird eine andere Lebenshaltung, 

eine andere Lebenseinstellung erwartet 

oder sogar gefordert. 

Nicht genug damit, dass die anderen mehr haben! 

Jetzt soll ich mich auch noch darüber freuen, 

dass ich … weniger habe. 

 

Genau das … ist aber nicht gemeint.

 

Anders als Luther es übersetzt hat, 

in diesem Fall auch richtiger, muss es heißen: 

»Meine Gnade ist genug für dich.« 

Wir könnten auch sagen: 

»Du brauchst nicht mehr … als meine Gnade«, 

so wie es die »Gute Nachricht« übersetzt. 

 

Das ist eine Zusage, ein Zuspruch 

und keine moralische Aufforderung. 

Es ist Evangelium, Gewissheit die froh macht

und nicht Befehl zur Bewusstseinsveränderung.

 

Meine Gnade ist genug für dich – im Bild gesagt: 

Du brauchst Dich nicht an Strohhalme zu klammern, 

der Rettungsring ist ausgeworfen, 

das rettende Schiff schon da. 

Meine Gnade ist genug für dich, sagt der Herr. 

Ich habe mich Dir ganz zugewandt, 

ich habe mich ganz an Dich angeschlossen. 

Mein Wohlwollen gilt dir und meine Wohltaten auch. 

 

Die Krankheit, das Leiden des Paulus, 

was immer es auch war, sie bleiben. 

Aber sie gefährden nicht mehr seine Existenz. 

Denn die … ist gegründet in Jesus Christus, 

dem lebendigen Herrn. 

Die Visionen und auch die Taten des Paulus bleiben, 

sie begründen aber weder … seine Existenz noch seinen Ruhm.

 

»Hauptsache: Christus!«, 

so antwortet Paulus auf die Frage, 

was das Wichtigste für sein Leben ist. 

 

Hauptsache: Christus, denn Paulus ist zugesagt: 

Meine Gnade ist genug für dich. 

 

Der Satz klingt für’s Erste fast brutal. 

Da klagt jemand sein Leiden, bittet um Heilung. 

Und dann wird ihm nur gesagt: 

»Meine Gnade ist genug für dich.« 

 

Da wünschten wir uns doch schon: 

Gott könnte auch ein bisschen auf das Leiden des Paulus

eingehen … und seine Situation in den Blick nehmen. 

 

Aber nein, das wird nicht gemacht. 

Nur: »Meine Gnade ist genug für Dich.« 

Das wird erst … durch den Nachsatz verständlich, 

der die Begründung gibt: 

»Denn meine Kraft kommt in der (deiner?) Schwachheit … 

zum Ziel.« 

 

Die Kraft Gottes kommt also nicht trotz der Schwachheit 

zum Ziel, sondern gerade in der Schwachheit. 

Das widerspricht aller menschlichen Logik. 

Trotzdem ist es zutiefst wahr. 

Es ist begründet in dem, was Jesus Christus getan hat, 

wie er gelitten hat und gestorben ist. 

Und es ist darin begründet, 

wie Gott diesen Jesus von den Toten auferweckt hat.

 

Da lehnt es Jesus in der Berufungsgeschichte ab, 

Gottes Macht zu missbrauchen, 

um als Supermann und Held da zu stehen (Mt 4). 

Am Kreuz folgt er nicht denen, die auffordern: 

»Wenn du Gottes Sohn bist, befreie dich, steig’ runter!« 

In der Schwachheit, der Ohnmacht des Gekreuzigten 

kommt Gottes Macht zur Vollendung, 

kommt seine Gnade ganz zu uns. 

 

Zu diesem Gekreuzigten … sagt Gott »Ja«, 

ihm schenkt er neues Leben. 

 

Gottes Kraft – dieses Wort heißt im Griechischen »Dynamis« – 

ist grade nicht Dynamit, was alles in Fetzen fliegen lässt, 

zerstört und kaputt macht. 

Gottes Kraft ist die, die der schwachen Pflanze hilft, 

durch den Beton durch zu wachsen und aufzugehen. 

Es gibt in der Welt soviel Dynamit, 

soviel Zerstörerisches und Zerreißendes, 

so vieles, was kaputt macht – da ist es Gottes Gnade, 

Gottes Zuwendung: seine Kraft …, 

sie ist in Schwachheit vollkommen.

 

Das ist eine Sache, 

die Gott und Paulus …

und die Gott und mich angeht. 

 

Und sie hat für Paulus, 

für seine Verkündigung 

und für sein Leben mit anderen Menschen 

Konsequenzen. 

 

Gott sagt zu Paulus: 

Du brauchst aus Dir nichts machen, 

du brauchst vor allem aus Dir .. nicht mehr zu machen, 

als Du tatsächlich bist. 

Du brauchst aus Dir nichts zu machen, 

weil ich … aus Dir … etwas gemacht habe: 

Mein geliebtes Kind, 

den Menschen, dem meine gesamte Gnade gilt. 

 

Deshalb kann Paulus (für menschliche Ohren absolut 

paradox) sagen: 

Ich will mich am allermeisten 

meiner Schwachheiten rühmen.

 

Wo ist das in der Welt, 

in unserer Welt heute möglich: 

Schwachheit einzugestehen, 

ja sie als Teil meiner Persönlichkeit geradezu hervorzuheben, 

herauszustreichen? 

 

Hauptsache: Erfolg – das ist der Wahlspruch heute. 

Und den Erfolg muss man vor sich her tragen, 

laut ausposaunen, 

damit möglichst viele davon wissen. 

 

Wir werden in der Nachfolge von Jesus daran gemessen werden, 

ob wir glaubwürdig etwas dagegen zu setzen haben.

 

Paulus entwirft hier ein Gegenbild zur Welt des Erfolgs 

und der Konkurrenz: „Darum freue ich mich über meine Schwächen, 

über Misshandlungen, Notlagen, Verfolgungen und Schwierigkeiten. 

Denn gerade wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ (V10). 

Stark … in Christus!!!

 

Unsere Welt braucht dieses Gegenbild, 

braucht es, dass es Freiräume gibt, 

in denen Menschen Schwäche zeigen können, 

Versagen eingestehen können. 

Das brauchen nicht nur die Heerscharen der Schwachen, 

die von der Konkurrenz an die Wand gefahren werden. 

Es brauchen auch die Erfolgreichen das Wissen, 

dass Erfolg nicht alles ist. 

 

Von dieser Welt zu reden, der Welt, 

in der die Kraft Gottes in Schwachheit zum Ziel kommt, 

das ist Auftrag des Paulus und auch dein Auftrag (wenn dein 

Leben schon Jesus gehört). 

 

Vielleicht muss ich aber an der Stelle noch etwas einschieben:

In der Geschichte des christlichen Glaubens hat sich gezeigt: 

Man kann mit der Schwachheit auch kokettieren, 

sie vor sich her tragen wie eine besondere Leistung,
man kann auch mit der eigenen 

so genannten Schwachheit
auf andere Druck ausüben.  

Wo das gemacht wird, da wird genauso vergessen:

Gottes Kraft … und nichts anderes … 

kommt in der Schwachheit zum Ziel.

 

Was ist die Hauptsache für unser Leben? 

Das habe ich am Anfang gefragt. 

 

Paulus hat uns geantwortet: 

»Hauptsache Christus«, 

ihn zu haben, ihm zu gehören …

denn in ihm kommt Gottes Kraft in Schwachheit zum Ziel. 

 

Es hat einmal ein Plakat gegeben mit dem Motto drauf: 

»Hauptsache ist, 

dass die Hauptsache Hauptsache bleibt.« 

 

Ja, darum gehts! 

Nur wenn Christus die Haupt-Sache bleibt, 

wird für uns Gottes Gnade … genug sein. 

 

Damit sind wir nicht bescheiden, 

sondern umgekehrt total unbescheiden: 

Wir nehmen das Beste in Anspruch, 

was uns geboten wird. 

Christus, sein Heil, 

ein (selbst in Schwierigkeiten und Krankheit noch) erfülltes, 

ewiges Leben … 

 

Hauptsache ist, dass die Hauptsache Hauptsache bleibt.   

Amen.

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
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10:00 Uhr in Schwann:
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10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
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19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 27.06.2018
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Donnerstag, 28.06.2018
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann