2016-12-31 Altjahrsabend

Predigt über die Jahreslosung aus Ez 36,26 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,  

es sind jetzt gerade 50 Jahre vergangen,

dass der südafrikanische Chirurg Christiaan Bernard zum ersten Mal

in der Geschichte erfolgreich ein menschliches Herz auswechselt hat.

 

Der Erfolg war zwar relativ - sein Patient lebte nur 18 Tage -, 

aber seither haben zigtausend Menschen ein „neues Herz“ bekommen. 

Das Problem dabei ist, dass das „neue Herz“ 

eben doch nicht neu ist. 

Auch wenn das Spender-Herz von einem jüngeren Spender stammt, 

ist es doch schon relativ „gebraucht“ und anfällig 

für denselben Alterungsprozess, 

dem schon das ausgetauschte Herz unterlag. 

 

Das Leben der meisten, die heute erfolgreich ein Herz

transplantiert bekommen, 

wird inzwischen im Schnitt um 10 Jahre verlängert. 

 

Der Chirurg Bernard hat später eine Autobiografie geschrieben

und darin blitzt noch ein anderes Problem durch: 

Ihm selbst ist die plötzliche Berühmtheit zum Problem geworden, 

er beginnt sein Ego zu genießen, 

vernachlässigt seine Familie, 

seine Ehe wird geschieden …

 

Der große Chirurg hätte selber ein neues Herz gebraucht, 

aber eines, das Menschen leider nicht transplantieren können. 

Eines, das alle bräuchten. 

Aber nur Gott bringt das fertig. 

 

Die Jahreslosung für das kommende Jahr erzählt davon: 

„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz

und lege einen neuen Geist in euch.“ (Ez 36,26)

 

Das ist der Kern vom Versprechen Gottes 

an sein (Rest-)Volk Israel, 

das in die babylonische Gefangenschaft verschleppt wurde

und jetzt fern der Heimat war. 

Eine Situation, in der alles in Scherben lag, 

wo Menschen alles verbockt hatten, 

wo es keine Hoffnung mehr gab. 

Und dann diese Worte!

„Gott spricht: Ich will euch ein neues Herz

schenken und einen neuen Geist in euch legen.“

Das „steinerne“ Herz des Menschen

soll gegen ein neues, von Gottes Geist bewohntes und 

bewegtes Herz ausgetauscht werden. 

 

Die schier endlose Geschichte, 

dass Menschen die Liebe Gottes 

und damit seine Aufforderung zur Treue ihm gegenüber

immer wieder zurückgewiesen (verschmäht) haben, 

greift Gott noch einmal auf. 

Er tut alles, gibt sein Letztes … für uns Menschen, 

die geradewegs in ihren Untergang rennen. 

 

Warum tut er das?

Es ist unfassbar!

Das Kreuz von Golgatha leuchtet hier schon auf

und … die Wiederkunft des auferstandenen Jesus Christus

zum Gericht. 

Die zwei Brennpunkte der Geschichte Gottes mit uns Menschen. 

Weil Gott „will, dass allen Menschen geholfen wird“
(1. Tim 2,4) und sie nicht verloren gehen … gibt er nicht auf. 

 

 

Gottes Herz sucht Menschenherzen!

Weil Gott darunter leidet, 

dass die Menschen, 

die er als sein Gegenüber erschaffen hat, 

solche harten Herzen haben.

 

Fragen wir uns: 

Was meint die Bibel eigentlich mit „harten Herzen“?

Geht es darum, dass uns vielleicht die Empathie fehlt

oder dass wir so schnell ausrasten können, 

sogar brutal werden können?

 

Jesus selber sagt vom menschlichen Herzen: 

„Was aber aus dem Mund heraus kommt, 

das kommt aus dem Herzen

und das macht den Menschen unrein.

Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken: 

Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, Lügen, Lästerung“ (Mt 15,18f).

 

Das alles … gehört offenbar zu einem „harten Herzen“

und doch sind es nur die Symptome, 

es ist noch nicht die Diagnose. 

 

Lassen Sie mich’s am Beispiel der Arteriosklerose erklären:

Arteriosklerose ist eine Krankheit,

die mehr Menschen in der entwickelten Welt tötet 

als jede andere. 

Eine Krankheit, 

die zu Atemlosigkeit führt, zu Schwäche, 

Thrombosen, Herzinfarkt oder plötzlichem Hirntod. 

Was ist die Ursache dieser Symptome?

Die Verhärtung der Schlagader … am Herzen!

 

Hier wie dort ist es so, 

dass man das verhärtete Herz 

nicht mit Weichmachern wieder fit bekommen kann. 

 

Es braucht dazu ein neues Herz!

Das alte muss weg.

Gott kuriert die Ursache, 

nicht die Symptome. 

 

Das bedeutet: 

Wir sollen nicht darauf schauen, 

durch besonderen Fleiß oder noch größere Mühe

unser Verhalten zu ändern, 

einfach etwas „herzlicher“ zu werden.

Es geht darum, dass wir bereit sind

uns von Gott ein neues Herz schenken zu lassen. 

Ein Herz, das nicht von Grund auf krank ist. 

 

Aber was für ein Herz?

 

Gott will uns sein Herz schenken, 

das von sich aus … zu ganz anderem und Neuem fähig ist. 

 

Und dieses neue Herz, das Gott schenken will und kann, 

das hat vor allem anderen … diese Qualität: 

Es will … die Beziehung zu Gott!

Es will … sich ganz auf Gott und seinen Willen ausrichten!

Es will … Gott von Herzen lieben.

 

In der Sprache der Bibel ist mit dem „Herzen des Menschen“

das Zentrum seiner Identität, seiner Persönlichkeit gemeint, 

nur nur der Sitz der Gefühle, 

auch der Gedanken

(und Sie erinnern sich: „Aus dem Herzen des Menschen 

kommen böse Gedanken …“ hat Jesus gesagt). 

Das heißt also: Aus dem Herzen des Menschen alter Bauart!

Das alte Herz blockiert die Beziehung zu Gott!
(Diagnose: geistliche Arteriosklerose!)

 

Das steinerne, harte, alte Herz macht es, 

dass Gott einem Menschen im Grunde egal ist, 

es macht, dass Gott Nebensache ist, eine Randfigur …

 

Das aber ist nach der Bibel keine Gottesbeziehung. 

Weil Gott ein „eifernder“ Gott ist, 

einer der die „echte“ Liebe sucht

und Heuchelei verabscheut. 

 

Aus diesem Grund hat sich Gott immer wieder vom 

Menschen zurück gezogen … und uns ernten lassen, 

was wir säen: Schauen wir nur in unsere Welt hinein!

Schauen wir die Jahresrückblicke am Silvesterabend

einmal vor diesem Hintergrund an!

Nicht Gott ist an all dem Leid Schuld, 

wir Menschen laden Schuld um Schuld auf uns …

 

Über unserer Zeit steht: 

„Wir haben vergessen, dass wir Gott vergessen haben!“

Und das nicht nur in Ostdeutschland, 

auch im Westen, das schwindende Interesse für Gott

und seine Gemeinde spricht lauter als alle Dementis. 

Für die meisten Menschen ist Gott heute … praktisch 

kein Thema mehr. 

 

Die Wohlstandsgesellschaft, 

der Materialismus … 

haben Gott zunehmend aus der Gedankenwelt 

(und damit auch aus ihrem Erwartungshorizont) ausgegrenzt. 

Gott wird ignoriert … und damit missachtet.

 

Das ist die Herzkrankheit des Menschen

nach der Bibel. 

Von der Zeit des Propheten Hesekiel

bis ins 21. Jahrhundert, in dem wir leben. 

Diagnose: Arteriosklerose im fortgeschrittenen Stadium!

 

Gott aber sagt:  

Ich habe Dich Mensch doch als mein Gegenüber geschaffen, 

das mir antwortet, das mir gerne dient. 

Den ganzen Kosmos habe ich dafür geschaffen

und dich Mensch … mitten hinein gesetzt!

 

Deshalb ist es für mich das größte Wunder, 

dass Gott über die Jahrtausende an diesem seinem 

Herzensprojekt „Mensch als geliebtes Gegenüber“ festhält

und uns in Jesus noch einmal mit dem äußersten Ausdruck 

seiner Liebe begegnet. 

 

Im Jahr 2017 feiern wir ja „500 Jahre Reformation“.

Da wird es immer wieder um Martin Luther gehen. 

Viele, viele Veranstaltungen …

Aber machen wir uns eines deutlich: 

Luther hat die eigentliche Misere des Menschen genau

nach dieser „biblischen Anatomie“ beschrieben.

Das „steinerne Herz“ heißt bei ihm 

das „nach innen verkrümmte Herz“. 

Er sieht es darin, dass der natürliche Mensch

seinen Blick permanent nicht nach oben richtet, 

nicht auf Jesus schauen will, an dem doch alles hängt. 

 

Statt dessen schaut der „nach innen verkrümmte Mensch“

auf die Seite … hört in sich hinein … oder nach unten. 

Er sieht letztlich nur sich, 

er ist sich zum Maß aller Dinge geworden. 

Deshalb ist er sich letztlich … selbst Gott. 

 

Und deshalb hat er aber auch niemanden mehr über sich, 

dem er ganz vertrauen kann, 

er muss sich selbst ständig absichern. 

 

Der Absicherungswahn und die Zukunftsängste unserer Zeit …

sie haben viel damit zu tun mit dem „steinernen Herzen“, 

„mit der Verkrümmung des Menschen nach innen“ … 

ohne Gott … ohne Jesus … 

mit der Verlorenheit dieser Welt.

 

Von dieser klaren Diagnose gibt es keinen „Schleichweg“

zu einem gnädigen Gott, zu einem neuen Herzen.

Keinen Weg über Selbst-Therapie

oder bewährte Hausmittel …

Allein der gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus

ist der Weg zu einem neuen Herzen. 

Allein die Umkehr zu Christus … führt zu einem neuen … 

göttlichen Herzen. 

 

Wer zu Jesus kommt und ihm seine Sünden bekennt, 

ihn um ein neues Herz (d. h. Leben) bittet, 

der erlebt, wie dieses neue Herz (ohne Narkose, ohne grüne 

Kittel und OP-Saal) bei ihm eingepflanzt wird

(Es ist in der Sprache der Bibel das Wunder der „Wiedergeburt“). 

 

Der Apostel Paulus hat die neuen Herztöne so beschrieben: 

    - Du spürst einen tiefen inneren Frieden mit Gott (Röm 5,1)

        (durch die Vergebung Deiner Sünden)

    - Du wirst erfüllt mit Hoffnung (Röm 5,5)

        (die beiden Herzkammern füllen sich mit

        frischem, sauerstoffreichem Blut)

    - Die Liebe Gottes ist ausgegossen in Dein Herz

        durch den Heiligen Geist Gottes. 

 

Wir sehen also, diese Herzverpflanzung ist eine zutiefst

göttliche Sache.

Da geht es nicht um ein paar Jahre Lebensverlängerung, 

sondern darum, dass Gott etwas ganz Neues schenkt: 

Das ewige Leben … und, dass ein Mensch an den 

Pulsschlag Gottes angeschlossen wird. 

 

„Gott spricht: Ich will euch ein neues Herz

schenken und einen neuen Geist in euch legen.“ 


So lautet die Jahreslosung, 

mit der wir heute ins neue Jahr starten. 

Was es bringt, wissen wir noch nicht. 

Manche Vorzeichen erzeugen eher mulmige Gefühle: 

Auch heute Nacht wieder ein furchtbarer Anschlag in der Türkei …

Tausende von Polizisten waren nötig, 

um Silvester halbwegs friedlich feiern zu können …

Wir müssen davon ausgehen, 

dass die „Hartherzigkeit“ weltweit nicht abnimmt. 

Aber noch mehr dürfen wir mit Gottes Zusage rechnen: 

„Ich will … euch ein neues Herz schenken!“

Jedem, der ihn darum bittet!

 

Und darum darfst Du bitten (Lk 11,13),
um dieses neue Herz Gottes,
wenn Du noch nicht sicher bist,
ob Du schon ganz Jesus gehörst. 

 

Und Du solltest dieses neue Herz gut pflegen, 

es vital halten, in der Art und Weise, wie Du lebst, 

wenn Du es schon bekommen hast. 

Das neue Herz vital halten, das heißt „geistlichen Sport treiben“, 

regelmäßig mit Jesus unterwegs sein, 

den Austausch mit Gott

und die Gemeinschaft der Christen pflegen. 

Den Gottesdienst hoch halten … am Sonntag Morgen …

auch wenn es schwer fällt …
(Sie wissen schon: „Der Geist ist willig, aber das Bett ist warm“), 

so wie jemand, der regelmäßig joggt, weiß:

Nur dranbleiben hält fit. 

 

Gott bleibt an uns dran. 

Gott sei Dank!

Er verspricht seinen Geist, sein Herz …

 

In diesem Sinne ein frohes, gesegnetes Jahr 2017

„nah am Herzen Gottes“!

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 24.10.2018
18:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Anfänger
19:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Fortgeschrittene
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis Tankstelle für junge Erwachsene bei Steffi
Freitag, 26.10.2018
17:30 Uhr in Schwann:
Mädchenjungschar
Sonntag, 28.10.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)