2016-07-24

Predigt über Philipper 4,7-13 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem Brief des Apostels

Paulus an die Gemeinde in Philippi, Kapitel 3, die Verse 7-14:

„7 Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden 

erachtet. 8 Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der 

überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinet-

willen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für 

Dreck, damit ich Christus gewinne 9 und in ihm gefunden werde, dass 

ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, 

sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerech-

tigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. 10 Ihn möchte ich 

erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner 

Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, 11 damit ich gelange 

zur Auferstehung von den Toten.

12 Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; 

ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von 

Christus Jesus ergriffen bin. 13 Meine Brüder, ich schätze mich selbst 

noch nicht so ein, dass ich's ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich 

vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da 

vorne ist, 14 und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis 

der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.“

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

da sitzt einer wegen seines Glaubens im Gefängnis 

und muss mit dem Schlimmsten rechnen. 

In dieser Lage macht er eine Bilanz seines Lebens, 

eine Gewinn- und Verlustrechnung: 

„Es könnte sein, dass ich schon bald mein Leben verliere. 

War es richtig, wofür ich gelebt habe? 

Ist es mein Glaube wert, dass ich dafür jetzt im Gefängnis sitze?“

 

Vielleicht gäbe es für ihn noch eine Chance, 

wenn er seinen Glauben widerrufen würde. Dann würde er sein Leben 

nicht verlieren und seine Freiheit wiederbekommen!

Dann hätte sein Leben noch eine Zukunft. 

Er hat ja noch so viel vor!

 

Paulus schreibt unseren Brief an die Gemeinde in Philippi 

aus einer Gefangenschaft, vielleicht in Rom, 

wo er auf seinen Prozess wartet

oder aus einem Gefängnis in Ephesus. 

 

Vielleicht gibt es ja den einen oder anderen, 

der jetzt beim Hören auch mit seinem baldigen Tod rechnen muss. 

Aber die meisten von uns 

sind bestimmt nicht in so einer dramatischen Lage. 

Trotzdem stellt sich für uns früher oder später 

die gleiche Frage: 

Was steht am Ende meines Lebens: Gewinn oder Verlust?

Einzelne von uns haben auch schon erlebt, 

was Insolvenz und Konkurs bedeuten, 

geschäftlich oder privat. 

Vor diesem Hintergrund ist die Frage noch konkreter: 

Was kann ich tun, damit am Ende nicht der Bankrott meines Lebens 

festgestellt werden muss?

 

Wenn es auf diese Weise um Gewinn oder Verlust geht, 

ist natürlich entscheidend, 

was das in der Summe des Lebens ist -, „Gewinn“. 

Oder im Bild des Lebens-Laufs: 

Welches Lebens-Ziel verfolge ich?

Welches Ziel ist meines Lebens würdig?

Und wie lebe ich dann so, dass ich dieses Ziel auch erreiche, 

dass also am Ende ein Gewinn steht und nicht ein Verlust?

 

Diesen beiden Grundfragen will ich heute morgen mit ihnen nachgehen: 

1. Das richtige Lebensziel und 

2. Das zielgerichtete Leben.

 

 

1. Das richtige Lebensziel

Mit einem dramatischen Satz beginnt unser Predigttext: 

„Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für 

Schaden erachtet.“

Paulus hat also irgendwann in seinem Leben s

ein Lebensziel komplett ausgetauscht. 

Er ist zu der bitteren, aber heilsamen Einsicht gekommen, 

dass alles, wofür er bisher gekämpft hat, für die Katz war. 

Ja mehr noch, dass es nicht nur Verlust und Schaden war, 

sondern dass es aus heutiger Perspektive Dreck ist, 

Schmutz, Kot. 

 

Was muss dieser Paulus in seinem alten Leben 

für ein Teufel gewesen sein, dass er so harte Worte findet? ( - )

 

Wenige Verse vorher schreibt er, was ihn früher bestimmt hat. 

Er kommt auf seine untadelige Verwandtschaft zu sprechen: 

- Er stammt unmittelbar aus Gottes Volk, aus Israel, aus dem 

Stamm Benjamin.

- Seine Familie hat ihn vorbildlich erzogen und den göttlichen 

Vorschriften entsprechend beschnitten und gelehrt. 

Er hat sich diese Tradition zu eigen gemacht, ‚
ist der frommen Gemeinschaft der Pharisäer beigetreten,
 die ihren Glauben nicht nur äußerlich und liberal leben wollten,
sondern mit echter persönlicher Überzeugung und Ernst. 

- Alle haben ihm einen vorbildlichen Lebenswandel bescheinigt. 

 

Das ist der alte Paulus.

Und wo ist da der Schmutz (Dreck)?

 

Auch viele von uns haben doch allen Grund, 

auf ihre Familie stolz zu sein, 

auf ihren ordentlichen Lebenswandel. 

Manche sind sogar gute Kirchgänger 

und beten selbstverständlich jeden Tag. 

Was kann denn daran schlecht sein?

 

Es überrascht wahrscheinlich jeden, 

wie scharf hier Paulus über diese Einstellung urteilt.

 Aber wo steckt denn der Wurm?

 

Ganz einfach: Alle die großen und wirklich beeindruckenden 

Lebensleistungen sind auf seinem eigenen „Mist“ gewachsen.

Der Blick des Menschen, auch des Menschen vor Gott, 

ist hier ganz auf die eigenen Errungenschaften ausgerichtet: 

„Schaut her, wie rechtschaffen ich bin. 

Ja, Gott, schau her: Ich habe mir alle Mühe gegeben.“

 

Ein solcher Mensch braucht Christus nicht. 

Er braucht vielleicht ein bisschen göttliche Hilfe, 

um die gröbsten Fehler auszubügeln, 

aber im Grunde hält er sich schon für ganz ok.

Pastor Heinrich Kemmner aus Krelingen hat das einmal die 

„stinkende Selbstgerechtigkeit“ des Menschen genannt. 

Nur, was stinkt denn da?

 

Es ist (1) eine gnadenlose Selbstüberschätzung: 

„Mensch, hast du dich schon vor dem heiligen Angesicht
Gottes gesehen?“

Und es ist (2) in dieser Selbstüberschätzung ein Nichternstnehmen
Gottes.  - Warum? -

Wenn Gott uns einen Spiegel vorhält, der uns unsere 

rettungslose Verlorenheit klar macht,
dann ist das einfach Widerspruch gegen Gott,
wenn wir sagen: „Ach, so schlimm ist es doch nicht. 

Das schaffe ich schon.“

Und es nimmt (3) Jesus - nicht - ernst.

 

Warum musste der denn sterben? - 

Weil wir so nette Typen sind? -

Weil wir ein bisschen moralische Unterstützung brauchen? - 

 

Für Paulus ist seit seiner Begegnung mit Christus vor Damaskus klar: 

„Was ich hier bei Jesus gewonnen habe, 

das ist so unvergleichlich, 

dass ich kaum noch verstehen kann, 

wie ich früher gemeint habe, auch ohne ihn zurecht zu kommen.

 

„Das richtige Lebensziel? - Da fällt mir nur noch Christus ein. 

So hat es Gott mir gezeigt. Alles andere kannst du vergessen!“

 

Und zu dem Unvergleichlichen dieses Lebensziels gehört etwas 

Besonderes: Dieses Ziel gibt‘s geschenkt!

Das gibt es nur als Geschenk. 

Ich darf allen selbst gesteckten 

und selbst erreichbaren Zielen getrost den Abschied geben. 

Wenn ich Gott wirklich Gott sein lasse 

und nicht mehr versuche, 

ihn vor meinen Karren zu spannen, 

dann wird sichtbar, was ER will: 

Mich retten! - Und wie er es will: Für mich umsonst. 

Anders geht es nicht!

 

Was bedeutet dieses Geschenk?

Paulus sagt es hier im Philipperbrief so:

Ich bin von Jesus Christus ergriffen.
Er hat die Gemeinschaft mit mir hergestellt.
In meiner Bekehrung ist es Wirklichkeit geworden. 

- Gott hat mich in Christus berufen.
Nicht ich habe mich zum Christen gemacht. 

- Gott rechnet mir die Gerechtigkeit von Jesus Christus zu.
Nicht ich habe mich als rechtschaffener Christ erwiesen. 

 

Immer wieder malt uns Paulus diese grundlegenden Fakten
unseres Glaubens vor Augen. 

Er schreibt es Christen, die er herzlich gern hat. 

Aber eben auch Menschen, die nur allzu leicht anfangen, 

sich auf ihren Glauben irgend etwas einzubilden!

 

Wer damit anfängt, steht am Ende mit leeren Händen da. 

Aber wer in Christus gefunden wird (und sich finden lässt), 

dem ist der Siegespreis zugesagt. 

Die vollendete Gemeinschaft mit Christus 

wird von Gott selbst zugesagt. 

 

In dieser Besinnung auf das richtige Lebensziel

liegt die Basis für ein Zweites.

Hätten wir es mit der kaufmännischen Gewinn- und Verlustrechnung

zu tun, könnten wir jetzt vielleicht abschließen:
Die Gemeinschaft mit Christus ist im Glauben hergestellt.
Mit meiner Umkehr zu ihm.
Also, alles ist alles geklärt!?

 

Aber jetzt ist diese Gemeinschaft mit Christus ja kein „Ding“,
keine Tagesmeldung, etwas was ich abhaken kann, 

sondern etwas Lebendiges. 

Und etwas was lebt, das ist in Bewegung. 

 

Deshalb brauchen wir noch eine zweite Zielangabe, 

nämlich

 

2. Das zielgerichtete Leben

Wie können von Christus überwältigte Menschen so leben, 

dass die Gemeinschaft mit Christus lebendig bleibt?

 

Dazu ein paar Beobachtungen: 

Zunächst einmal: Sie schielen nicht ständig zurück!

„Ich vergesse, was dahinten liegt!“, sagt Paulus in Vers 13. 

Das gilt im Guten wie im Schlechten!

 

Da gibt es die ein einen,
die sind wie gebannt von ihren Schlechtigkeiten, 

die sie früher ohne Jesus problemlos machen konnten. 

Und da gibt es die,

die gerne ihre alten Siege mit Jesus feiern. 

 

Da gibt es die, die alte Schuld nicht nie ganz los werden, 

von dem, was sie ihnen in der Kindheit gefehlt hat. 

Und die anderen, 

die von ihrer guten alten Zeit träumen, 

als sie sich mal in einer Jungschar oder sonst irgendwo

in der Gemeinde engagiert haben. 

 

Paulus schaut nach vorn. 

Und das, während er im Gefängnis sitzt 

und mit dem Tod rechnen muss!

Er lässt sich die Zukunft von niemandem rauben, 

auch nicht von Gefangenschaft und Tod. 

 

Denn das ist das Zweite: 

Der Paulus bleibt ganz nüchtern und bescheiden. 

Auch ein Christ, der das richtige Ziel kennt, ist noch unterwegs. 

Noch ist die Herrlichkeit von Gottes Reich nicht sichtbar. 

Auch Paulus kennt keine Abkürzung, 

auch er ist noch unvollkommen. 

Das alles kommt erst noch. 

 

Deshalb gibts ja auch noch viel zu hoffen.

Ein großes Ziel zum Darauf-zu-leben!
Eine klare Richtung, die man immer wieder neu fest

im Sucher seines Lebens festmachen muss!

 

Und wer das tut, der erlebt, 

wie Christen in einer Welt voller Druck und Not

fröhlich sein können, weil sie wissen: 

Das Beste kommt noch!

 

Gefährlich wird es nur bei denen, 

die meinen schon am Ziel zu sein

und die anfangen sich treiben lassen … 

 

Deshalb schreibt Paulus hier nach der Betonung des

Vergessens und des immer wieder Neu-Ausrichtens

jetzt auch von der Anstrengung, 

die im Christsein steckt:

„Nachjagen“ übersetzt Luther diese Lebensstruktur.

„Eilen, rennen, etwas erreichen wollen“, 

könnten wir auch sagen. 

 

Das hört sich schon nach Anstrengung an, ist es auch. 

Christsein ist kein Spaziergang, 

es kann in dieser Welt etwas kosten (… in der Schule, im Beruf, in 

einer Familie, in der Jesus nicht wirklich wichtig ist …)

für manche viel kosten! (… Christen in islamischen Ländern …)

 

Aber Paulus macht das keine Angst. 

Er verfällt auch nicht in Leistungsstress, 

weil er ja von der Gemeinschaft mit Christus herkommt:

Christus hat ihn ja schon längst ergriffen
und wird ihn auch nicht wieder loslassen. 

Das ist die Gewissheit, die ihn trägt - mitten in aller Anstrengung, 

die ihn das Glaubensleben kostet. 

 

Wie total Paulus darin alle seine selbst gesteckten Ziele aufgibt, 

das merken wir vor allem in den Versen 10 und 11: 

„Ihn will ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung

und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode

gleich gestaltet werden - damit ich zur Auferstehung von den Toten 

gelange.“ 

 

Christus will er erkennen!

Ganz in der Gemeinschaft mit Christus aufgehen!

Weil sich da der Himmel öffnet 

und die Auferstehung in den Blick kommt …

 

So, liebe Gemeinde, sieht zielgerichtetes Leben aus. 

So lässt sich die dunkle Todeserwartung aushalten:
Im Blick auf die himmlische Herrlichkeit,
die denen, die glauben, durch Christus garantiert ist. 

 

Aber den auferstandenen Jesus gibt es nur 

auf dem Weg des Leidens und des Todes, 

eines ganzen Lebens-Einsatzes!

 

Wenn ich Gemeinschaft mit Jesus haben will, 

dann habe ich auch Gemeinschaft mit seinen Leiden 

und seinem Tod!

Natürlich auch mit den Früchten seines Leidens uns Sterbens:

Mit der Kraft der Gnade und der Vergebung!

 

Aber wenn ich es richtig sehe, 

gehts Paulus hier vor allem darum, 

dass ich als Christ auch bereit sein muss, 

schwere Wege zu gehen und darüber nicht den Plan zu verlieren. 

 

Auch schwere Wege sind deshalb erträglich,
weil es Gottes Wege sind, 

weil es die Wege von Jesus sind, 

auf denen er dabei ist. 

Das gilt in allen Bereichen …

 

Christsein bedeutet immer wieder auch schwere Wege
bewusst zu gehen

und wir reden das ja nicht schön. 

Aber mit Jesus kann ich sie aushalten, ja noch mehr: 

Mit Jesus kann ich sie überwinden, 

weil ich weiß, dass sie nicht das letzte Wort in meinem Leben 

haben werden. 

Am Ende steht mein Herr, 

der mich in seiner herrlichen Gegenwart in Empfang nimmt.  ( - ) 

 

Ein steiler Bibeltext heute morgen?

Und ein unglaublich kraftvoller!

 

Wenn das auch heute noch so ist, 

was Paulus von sich schreibt, 

darf ich Sie dann fragen: 

Wonach Sie in ihrem Leben jagen?

 

Wie sieht ihre persönliche Gewinn- und Verlustrechnung aus?

 

Paulus stellt uns das Leben mit einem einzigartigen Ziel vor, 

der Gemeinschaft mit Jesus, dem Sohn Gottes (3,13f): 

„Eines sage ich euch: Ich vergesse, was dahinten ist

und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist

und jage nach dem vorgesteckten Ziel, 

dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes

in Jesus Christus.“

 

„Mama mia!“, da will ich doch dabei sein!

Und mich nicht ständig allem möglichen 

aufhalten oder ablenken lassen!

 

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 27.06.2018
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 28.06.2018
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann