2016-06-19

Predigt über 1. Petrus 3,8-17 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,

bestimmte Sätze lösen bei uns die verschiedensten 

Assoziationen und Gefühle aus. 

Zum Beispiel der Satz: 

„Also die, die jeden Sonntag in die Kirche springen, 

die sind auch nicht besser!“ 

 

Wie denken Sie darüber?

 

Ganz abgesehen davon, 

dass die meisten von uns heute morgen weder gesprungen 

noch in die Kirche gejoggt sind: 

Wie antwortest Du auf so einen Satz?

 

Sagst Du: „Ok, ja ja … Christen sind auch nicht besser. 

Aber – sie haben es besser! Weil sie Jesus haben 

Weil der ihnen vergibt!?“

 

Den Satz kann ich auch unterschreiben. 

Aber manches Mal, denke ich, 

ist er vielleicht auch zu einfach. 

Und wir müssten tatsächlich sagen können: 

„Ja, Jesus prägt mein Leben. Er hat es verändert. 

Ich bin nicht mehr wie früher!?“

 

Ist das arrogant? Überheblich?

Hören wir dazu auf das Bibelwort für diesen Sonntag

aus dem 1. Petrusbrief, Kapitel 3, die Verse 8-15 (nach der NGÜ). 

Da geht es darum, 

dass wer wirklich Jesus Christus zum HERRN hat, 

auch verändert leben kann und man das sieht, spürt ...

ohne jede Künstlichkeit!

 

»Vergeltet Böses nicht mit Bösem!«

8 Euch alle schließlich ´fordere ich dazu auf`, euch ganz auf das 

gemeinsame Ziel auszurichten. Seid voller Mitgefühl, 

liebt einander als Glaubensgeschwister, geht barmherzig 

und zuvorkommend miteinander um! 9 Vergeltet Böses nicht 

mit Bösem und Beschimpfungen nicht mit Beschimpfungen! 

Im Gegenteil: Segnet! Denn dazu hat Gott euch berufen, 

damit ihr dann seinen Segen erbt.10 Denkt daran, dass es in der 

Schrift heißt: »Wer sich am Leben freuen und glückliche Tage sehen will, 

der gebe Acht auf seine Zunge, damit sie nichts Böses redet, 

und auf seine Lippen, damit kein unwahres Wort über sie kommt. 

11 Er wende sich vom Bösen ab und tue, was gut ist; 

er sei auf Frieden aus und setze sich mit ganzer Kraft dafür ein. 

12 Denn der Herr wendet sich denen zu, die seinen Willen befolgen, 

und hat ein offenes Ohr für ihre Bitten; doch wo jemand Böses tut, 

wendet er sich gegen ihn.«

 

[Leiden für das Gute]

13 Wenn ihr also mit unermüdlichem Eifer das tut, was gut und 

richtig ist, kann euch dann überhaupt jemand etwas Böses antun? 

14 Und solltet ihr trotzdem leiden müssen – gerade weil ihr euch 

nach Gottes Willen richtet –, dann seid ihr glücklich zu preisen. 

Habt keine Angst vor denen, ´die sich gegen euch stellen`, 

und lasst euch nicht einschüchtern! 15 Ehrt vielmehr Christus, 

den Herrn, indem ihr ihm von ganzem Herzen vertraut.

Und seid jederzeit bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, 

der euch auffordert, Auskunft über die Hoffnung zu geben, die euch erfüllt. 

16 Aber tut es freundlich und mit dem gebotenen Respekt, 

´immer darauf bedacht,` ein gutes Gewissen zu haben. 

Denn wenn ihr ein vorbildliches Leben führt, 

wie es eurer Zugehörigkeit zu Christus entspricht, 

werden die, die euch verleumden, beschämt dastehen, 

weil ihre Anschuldigungen sich als haltlos erweisen.

17 Und sollte es Gottes Wille sein, dass jemand leiden muss, 

weil er Gutes tut, dann ist das auf jeden Fall besser, als wenn er 

leiden muss, weil er Böses tut.“

 

 

 

Liebe Gemeinde, 

 

das, was hier Petrus schreibt, 

das fordert uns heraus. 

Da ist der Eindruck nicht von der Hand zu weisen: 

Wenn Christen sich an diese Regeln halten, 

dann sind sie herausragende Leute. 

 

Aber geht das überhaupt?

Und wenn ja, wie?

 

Wer genau hinschaut, kann entdecken, 

dass Petrus hier nicht schreibt: 

„Tue dies und das ...“ und in der Umkehrung: 

„Und dann: Lass dies und das!“

So würden wir es unseren Kindern und Enkeln 

vielleicht sagen ...

 

Petrus fordert hier nicht zu einem neuen Verhalten auf, 

sondern er liefert uns den Schlüssel dazu, 

wie und wo dieses neue Verhalten entstehen und wachsen kann.

In Vers 15 schreibt er: 

„15 Ehrt vielmehr Christus, den Herrn, indem ihr ihm von ganzem 

Herzen vertraut. Und seid jederzeit bereit, jedem Rede und Antwort 

zu stehen, der euch auffordert, Auskunft über die Hoffnung zu geben, 

die euch erfüllt.“

 

Das heißt doch: Vor allem unserem Bemühen, 

vor all unserem Tun ist schon eine Veränderung passiert, 

die Gott gewirkt hat: 

„Die Hoffnung“ …"

„Hoffnung, die erfüllt“ ... 

 

Die jemand zum Christen macht. 

Zu einem neuen Menschen. 

 

Eine starke Aussage der Bibel!

Christsein bedeutet einen „fröhlichen Wechsel“ (Luther). 

„Das Alte ist vergangen ... Neues ist geworden“ (2. Kor 5,17).

 

Christen sind keine Menschen mit aufgepeppter Fassade, 

Christen sind etwas ganz Neues ... voller Hoffnung. 

Und deshalb brauchen Christen auch nicht wie „Hoffnungslose“ 

leben, so als seinen die paar Jahre, 

die wir hier auf der Erde zubringen, 

das Einzige und Letzte, 

was ihnen bevorsteht. 

 

Sie sind auch darin voller Hoffnung, 

weil sie nicht nur auf ihre kleine Kraft und ihre Grenzen schauen 

müssen, ihr Leben von der Gewissheit („Hoffnung“) geprägt ist: 

Gott ist in meinem leben anwesend, 

er ist da ... jeden Augenblick ...

und ER schafft Neues. 

 

Neulich hat mir jemand kondoliert zum Tod meiner Mutter

und gesagt: Aber eigentlich ist das doch ein schöner Tod

so wie man sich das wünscht, wenn man so schnell stirbt …

Aber ist das ein schöner Tod, wenn es vor allem schnell geht?

Nein, von Christus her ist dann ein „schöner“ Tod, 

wenn ich vorbereitet bin, 

wenn ich durch Jesus Frieden mit Gott habe, 

denn dann habe ich „Hoffnung“ auf ein ewiges Leben bei Gott!

 

Aber auch unter Menschen:

Christen dürfen wissen: 

Frieden zwischen Menschen wächst nicht nur dort, 

wo sie sich unendlich viel Mühe gehen (und es vielleicht doch 

nicht schaffen), Frieden wächst vor allem dort, 

wo Jesus das Herz eines Menschen berührt und verändert.

 

Ein Leben verändert sich dort, 

wo jemand Jesus nachfolgt. 

Und nicht - durch Appelle: 

„Jetzt streng dich halt mal an!

Reiß dich zusammen!

Halte die Gebote!“

 

Wo ein Mensch sich mit Jesus auf den Weg macht, 

da beginnt er sich von innen heraus zu verändern, 

da wird er umgestaltet. 

 

Die „Hoffnung, die von innen erfüllt“, 

von der Petrus uns schreibt, 

ist wie eine Saat, die aufgeht ...

da wird nichts von außen erzwungen!

 

Das ist auch meine Bitte an Gott mit Blick auf unsere

Kinder- und Jugendarbeit, den Kindergottesdienst, 

den Konfirmanden-Unterricht, 

der in wenigen Tagen wieder startet …

dass da eine Saat ausgestreut wird, die aufgeht. 

Dass schon junge Leute für sich entdecken: 

Ich darf mit Jesus leben, sein Kind werden …

dann verändert ER alles!

 

Denn bei Jesus wächst etwas Neues. 

 

In der Regel gibt es zwei Arten, 

wie Menschen dazu gebracht werden können 

Gewohnheiten zu ändern: 

indem man ihnen Druck macht. Oder
indem man sie von einer Sache so fasziniert,
    dass sie sie gerne ändern wollen. 

 

Auf Druck wird z. B. im Straßenverkehr gesetzt: 

Radargeräte und Lichtschranken „blitzen“ die Raser, 

weil man festgestellt hat, 

dass es die meisten sonst nicht einsehen. 

Erst wenn es viel kostet, vielleicht sogar den Führerschein, 

seht ein Umdenken ein. 

 

Aber das klappt nicht überall. 

 

Manchmal bringt es viel mehr, 

wenn jemand dazu gebracht werden kann, 

dass er fasziniert wird. 

Wenn ich Dir z. B. 10 Minuten lang eine wunderschöne tropische Insel 

im Pazifik vorschwärme (Palmen, Sonne, Strand und Meer)

dazu noch Gutscheine für Freiflüge dorthin anbiete: 

Ich könnte mir vorstellen, 

Es packt Dich die Begeisterung und Du willst da einfach nur hin …

 

Dem Apostel Petrus ist es hier nicht darum gegangen, 

mit seinen Ermahnungen Druck zu machen. 

Sondern er beschreibt schlicht und „ergreifend“, 

was wächst, wenn jemand sein Leben mit Jesus lebt, 

wenn er ihm nachfolgt 

und aus der Hoffnung heraus, 

die ihn (dann) erfüllt, gestaltet. 

 

Aus den vielen Beispielen im Bibelwort heute

greife ich zwei heraus, um das zu zeigen:

1. Reagiert nicht nur, sondern agiert. 

In vielen Konflikten reagieren Menschen auf die Art und Weise, 

wie andere mit ihnen umgehen, 

frei nach der Erfahrung: 

Wie einer in den Wald hinein schreit, so kommt es zurück. 

Und so gibt er ihnen zurück. 

 

Wir kennen das ... und rutschen sehr leicht in dieses Gleis.

Klar, man darf sich nicht alles bieten lassen, 

sonst geht man unter. 

Das stimmt schon. 

[Ich erlebe das gerade in der Auseinandersetzung 

um eine neue Heizung, die nicht richtig funktioniert

und die Fachfirma lässt ihren Kunden einfach im Regen stehen …

Da muss der Betroffene u. U. einen Streit führen, 

wenn alles andere wirklich nichts bringt …]

 

Aber die meisten Probleme entstehen doch 

viel „Niederschwelliger“, viel Alltäglicher!

 

Wie soll ich da reagieren?

Auf Druck grundsätzlich mit Gegendruck? 

Um mein inneres Gleichgewicht zu halten?

Denn wenn ich mir „das bieten lasse“

dann kapiert der andere ja vielleicht nie, 

was sie mir da antut? ( - ) 

 

Aber behält man so das Heft des Handelns in der Hand? ( - ) 

 

Wer nur auf andere reagiert, 

der ist nicht wirklich frei, 

sondern die andere Seite gibt ihm ständig vor, 

wie er als nächstes zu handeln hat. 

Da macht sich jemand abhängig von dem, 

was auf ihn zukommt …

und das kostet Zeit, Kraft, fesselt einen, 

ja macht zuletzt völlig unfrei. 

 

Ich gebe mich stark, in dem ich mir nix gefallen lasse

und mit gleicher Münze zurückgebe ...

 

Aber in Wirklichkeit mache ich mich abhängig vom Anderen. 

 

Ich genieße vielleicht meine Schlagfertigkeit, 

mit der ich sofort zurück gebe

aber in Wirklichkeit war ich nur das Echo 

oder das Spiegelbild des anderen. 

 

Das Problem dabei ist: 

Ein Spiegel schafft nichts Neues!

Er legt mich im Alten fest. 

 

Petrus zeigt uns hier eine ganz andere Möglichkeit auf:

»Dagegen segnet«. 

Menschen, die Jesus nachfolgen, 

haben immer Hoffnung. 

 

Sie können (auch wenn es total aussichtslos aussieht)

immer noch damit rechnen, dass Gott Neues schaffen kann.

Dass Gott Herzen verändern kann, 

die heute hart und herzlos sind. 

Dass keine Lage so verfahren ist, 

als dass Gott nicht noch einen Trumpf im Ärmel hat. 

 

Wenn ich also diejenigen „segne“, 

mit denen ich nicht klar komme, 

dann kommt eine neue Dimension in meine Konflikte. 

Denn wer den Anderen segnet, 

der wendet sich ihm trotz aller Schwierigkeiten 

freundlich zu, 

    - will letztlich, dass es ihm gut geht, 

    - will, dass Gott auch ihn zum Leben beschenkt. 

 

Die Bitte „segnet!“ – deckt nicht einfach Konflikte, 

die vielleicht tatsächlich erst noch ausgetragen werden müssen, zu. 

Aber sie hilft dazu, 

dass mich Hass- und Rachegefühle nicht beherrschen!

Selbst dann, wenn ein Konflikt menschlich nicht lösbar ist, 

wenn ein engeres Miteinander nicht länger möglich ist. 

 

Petrus ist kein Coach für „positives Denken“. 

Er weiß, wer wir Menschen sind. 

Vor allem, wer wir Menschen sind – ohne Jesus. 

 

Aber mit Jesus – und das ist seine Botschaft an uns – 

können wir tatsächlich als in der Tiefe veränderte Menschen leben

und handeln. 

 

Und wer das tut,

auf den werden die Menschen aufmerksam, 

da werden sie fragen: 

„Sag mal, woher nimmst du eigentlich die Kraft dazu, 

dass Du so und so handelst?“

 

Dazu ein zweiter Aspekt aus diesem Predigttext: 

Petrus empfiehlt:

 

2. Tut nicht nur das Gute, begründet es auch. 

Petrus sagt: „Und seid jederzeit bereit, jedem Rede und Antwort 

zu stehen, der euch auffordert, Auskunft über die Hoffnung zu geben, 

die euch erfüllt.“ (V15).

Rede und Antwort zu stehen von der Hoffnung, die mich erfüllt, 

von dem, was mich im Innersten zum Leben motiviert: 

    - von Jesus, der in mir ist 

    - vom Glauben an ihn, der mich trägt, 

    - von der tollen Perspektive, die ich habe. Mit Jesus. 

 

Ganz konkret: 

Ja, ich will sagen: Mit oder ohne „Brexit“, 

trotz Terror- und Klimasorgen, 

am Ende steht Gottes Reich.

Da darf ich mit Jesus an einem „Tisch“ sitzen, 

deshalb kann ich nun wirklich 

auch einmal mehr als nötig einstecken …

Denn was können mir Menschen tun?

 

Es ist die wichtigste Botschaft für unsere Welt: 

Diese Hoffnung, diesen Jesus anzunehmen!

 

Christen brauchen deshalb nicht überheblich werden ...

Sie sind keine Alleswisser 

und oft genug genauso ratlos in Fragen der Politik ... 

Aber durch ihr Gebet 

und genau ihre realistisch-ruhige Lebenshaltung 

leisten sie einen großen Beitrag.

 

Durch ihr Leben und ihr Reden 

sind sie ein sichtbares Zeichen für diese Welt, 

ein Wegweiser zur Hoffnung, zu Jesus. 

 

Sie müssen sich nicht ständig in den Mittelpunkt stellen

wie es heute zum guten Ton gehört …, 

immer wieder wohl gestreut auf seine guten Taten hinweisen …

 

Christen dürfen hinweisen auf den HERRN der Welt, 

der einmal wiederkommt ... 

und dieser Welt diese chaotische Zwischenzeit zumutet …, 

warum? 

Letztlich, damit sie umkehrt. 

Damit sie erkennt: Sie braucht einen Heiland und Retter!

 

 

Aber: Wie sollen Menschen Jesus erkennen, 

wenn sie immer weniger von ihm wissen?

 

Nicht anders als durch das Bekennen 

und durch das Leben von Christen!

 

In drei Begriffen kann man zusammenfassen, 

was dazu gehört und was auch heute Herzen öffnet:

EHRLICHKEIT – ECHTHEIT – und LIEBE. 

 

Christen sind nicht aufgerufen, 

Diskussionen zu gewinnen, 

sondern sie wollen Menschen einladen zu der Hoffnung, 

die ihr Leben trägt. 

Deshalb ist es wichtig, ihnen liebevoll zu begegnen. 

 

Da muss ich kein Übermensch sein, 

dem alles gelingt, 

sondern kann ehrlich davon erzählen, 

wie Gott aus den Bruchstücken meines Lebens 

etwas Ganzes gemacht hat. 

 

Dazu muss ich kein wandelndes Bibellexikon sein, 

um vom Glauben reden zu können, 

sondern kann echt werden und davon erzählen, 

wie Jesus über viele kleine Schritte mein Leben verändert hat – 

und wie ich manchmal wieder ganz am Anfang stehe. 

Ganz allein von seiner Liebe und Zuwendung abhängig. 

 

 

Sind diejenigen, die jeden Sonntag in die Kirche springen, 

bessere Leute? 

Das war die Anfangsfrage heute. 

 

Und ich will darauf antworten: 

Die „besseren“ nicht, 

aber verwandelte Leute ganz bestimmt!

Menschen, die von Gott mit einer tiefen Hoffnung beschenkt 

worden sind, die von ihm alle Kraft nehmen.

Und das nicht aus sich selbst, 

sondern aus dem Wort Gottes. 

Deshalb gehen sie in den Gottesdienst.  

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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