2016-05-08

Predigt über Epheser 3,14-21 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,
da ist einer auf den Knien. 

Eingesperrt in einem Kerker, gedemütigt, 

vielleicht gefoltert, geht einer auf die Knie: 

Der Apostel Paulus. 

Er beugt seine Knie. 

 

Fleht er seine Wächter an um Hafterleichterung? 

Sind ihm die Knie weich geworden von seinem 

Gefangenendasein?
Vor wem beugt sich der Apostel?

 

Im Epheserbrief, Kapitel 3 hören wir ihn so (Vv14-21, GNB)

„14 Deshalb knie ich vor Gott nieder und bete zu ihm. 

Er ist der Vater, 15 der alle Wesen in der himmlischen und 

in der irdischen Welt beim Namen gerufen hat und am Leben erhält.

16 Ich bitte ihn, dass er euch aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit 

beschenkt und euch durch seinen Geist innerlich stark macht.

17 Ich bitte ihn, dass Christus durch den Glauben in euch lebt 

und ihr fest in seiner Liebe wurzelt und auf sie gegründet seid.

18 Ich bitte ihn, dass ihr zusammen mit der ganzen Gemeinschaft 

der Glaubenden 10 begreifen lernt, wie unermesslich reich euch 

Gott beschenkt.

19 Ihr sollt die Liebe erkennen, die Christus zu uns hat und die alle 

Erkenntnis übersteigt. 

So werdet ihr immer umfassender Anteil bekommen 

an der ganzen Fülle des Lebens mit Gott.

20 Gott kann unendlich viel mehr an uns tun, als wir jemals von ihm 

erbitten oder uns ausdenken können. So mächtig ist die Kraft, 

mit der er in uns wirkt.

21 Ihm gehört die Ehre in der Gemeinde und durch Jesus Christus 

in allen Generationen, für Zeit und Ewigkeit! Amen."

 

 

(1. Auf den Knien zur Fürbitte)

Der Apostel Paulus geht auf die Knie
nicht vor seinem Schicksal als Apostel und Missionar
im Auftrag von Jesus, was ihn ins Gefängnis gebracht hat.
Er geht vor keinem Menschen auf die Knie.
Er ist auf den Knien - vor Gott.

Für den Apostel ist das Knien eine angemessene Haltung,
um seine Ehrfurcht vor Gott zum Ausdruck zu bringen
und weil diese Gebetshaltung seinem Beten entspricht,
ihm zum Beten hilft …

Gebetshaltungen helfen beim Beten.
Vielleicht entdecken wir das auch für uns wieder
und lernen von Paulus.
Unser Körper betet mit, wenn wir die Hände falten
oder sie aufheben
oder eben auf die Knie gehen. 

Und das tut Paulus hier und betet zu Gott, dem Vater.
Er ist der gute Vater für alle Menschen.
Ihn bittet Paulus für seine Gemeinde.

Weil er im Gefängnis sitzt, kann er für den Glauben
der jungen Christen direkt nichts tun.
Aber - er kann Gott bitten, dass der was tut.
Schließlich ist er der, „der alle Wesen in der himmlischen
und in der irdischen Welt beim Namen gerufen hat
und am Leben erhält.“ (V15). 

„Er ist“ - so übersetzt Luther -, „ja der rechte und gute Vater
über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden“. 

Paulus kennt die große Zusage,
die Jesus dem Beten gegeben hat:
»Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden;
klopft an, so wird euch aufgetan.«

Und er ist sich sicher: wenn schon bei uns Menschen ein
rechter Vater seinen Kindern gute Gaben geben wird,
»wieviel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben
denen, die ihn bitten!« (1 - Mt 7,7.11).

 

(2. Bitte um Kraft am inneren Menschen)

Da ist einer auf den Knien.
Paulus hätte ganz bestimmt allen Anlass gehabt,
für sich selber zu bitten.
Aber er bittet hier für die Gemeinde,
für die jungen Christen in Ephesus,
die Gottes Hilfe für ihren Glauben brauchen.

Paulus hat einen weiten Blick.
Diesen weiten Blick will auch ich von ihm lernen,
diese Horizonterweiterung, diese Befreiung, 
damit ich mit meinem Beten letztlich nicht nur um mich,
um meine Familie und um mein privates Umfeld kreise!
Denn dadurch wird die Beziehung zu Jesus tiefer
und „Kleines wird klein, Großes wird groß …“.

So betet der Apostel Paulus also auf den Knien
und vier Gebetsanliegen sind ihm dabei wichtig –,
Anliegen, die auch für uns und unsere Gemeinde heute gelten:
Zunächst bittet Paulus, dass Gott „euch aus dem Reichtum
seiner Herrlichkeit beschenkt und euch durch seinen Geist
innerlich stark macht.“ (V16)

Gottes Geist ist ein Geist der Kraft und der Stärke.
Diese Kraft aus der Höhe ist den Jüngern versprochen worden
(2 - Lk 24,49).
Und sie ist an Pfingsten und seit Pfingsten immer wieder
über die Jünger gekommen.
Diese Kraft soll zu uns kommen,
in unser Herz ausgegossen werden,
wenn unser Leben Jesus gehört.

So sollen wir von innen heraus, „innerlich stark“ werden
damit unser Glauben und Beten,
unser Lieben und Hoffen immer mehr wächst und kraftvoll wird.
Beten wir schon darum?

Nehmen wir uns am Beten des Apostels ein Vorbild!

Beten wir für unsere Gemeinde und für andere Menschen,
dass sie stark werden im Glauben an Jesus Christus,
dass sie eine lebendige Hoffnung bekommen (und festhalten),
und nicht verloren geht!

Machen wir es uns beispielhaft am Gebet für unsere Kinder
deutlich: Als Eltern, Großeltern oder Paten machen wir uns
viele Gedanken um unsere Kinder.
Diese Gedanken kreisen um ihre Gesundheit,
ihre Schul- oder Berufsausbildung,
um einen guten Freundeskreis,
um die Beziehung zu ihnen und vieles mehr.

Ist uns die Sorge darum, dass Gott „sie aus dem Reichtum
seiner Herrlichkeit beschenkt und sie durch seinen Geist
innerlich stark macht“ (V16) in gleicher Weise wichtig?

Beten wir dafür, dass sie im Glauben an Jesus
und im Vertrauen auf sein Wort immer mehr wachsen
und so auch „innerlich stark“ werden?

Dass sie den Anschluss zu anderen Christen finden und leben
in einer Jungschar, im KiGo, im Teenkreis, Jugendkreis, im Chor,
in der Generation60+ - und sind wir für sie Lotsen dorthin?

Beten wir doch als Eltern und Großeltern für unsere Kinder
und Enkelkinder.
Beten wir als Jungscharleiter und Mitarbeiter in einer Gruppe!
Beten wir als Gemeindeglied regelmäßig und gezielt
für andere Menschen,
dass sie die Fackel des Glaubens nehmen … und noch mehr,
dass sie nicht wieder ausgeht!

Wir alle brauchen es, dass Gottes Geist uns „innerlich stark“ macht.
Und das schaffen wir nicht, wenn wir nur aus dem Eigenen
schöpfen, aus dem Privatleben …
Da werden wir über kurz oder lang schlapp, ausgepowert
und leer. Eine Situation, die der Gegenspieler Gottes
am meisten mag … weil wir dann für Gottes Pläne ausfallen.

Aber Paulus kennt sie, die Kraft des Heiligen Geistes,
„mit der er … in uns … wirken will und kann“.
„Gott kann unendlich viel mehr an uns tun, als wir jemals
von ihm erbitten oder uns ausdenken können.“ (V20).
Also liegt bei ihm der Schlüssel!

Diese innere Erneuerung, dieses Auftanken mit der Kraft Gottes,
liebe Gemeinde, das brauchen wir.
Deshalb können wir für uns und für andere bitten.
Paulus selbst war von irgend einer Krankheit geplagt …
wir wissen nicht welche.
Er hat darunter gelitten und gewusst,
dass Menschen äußerlich schwach und hinfällig sein können.
Aber die erneuernde Kraft Gottes zeigt sich nach „innen“.

 

(3. Bitte um Christus als Zentrum in mir)

Da ist einer auf den Knien – und bittet zum zweiten,
dass „Christus durch den Glauben in euch lebt“ (V17).

Jesus Christus will in unserem Leben allen Platz bekommen.
„Durch den Glauben in uns leben“, das ist das Motto. 
Jesus will nicht nur ein Lippenbekenntnis sein,
kein Gedankenkonstrukt in unserem Kopf.
Er will in mir leben.
Er will das Zentrum meiner Person besetzen,
da hinein, wo alles zusammenläuft:
Mein Fühlen und Denken – Freude und Trauer oder Wut,
Angst und Hoffnung – Liebe und Hass.
Christus im Zentrum meiner inneren Konflikte …
dort will er allen Platz haben … und … mich verändern.

Er will mein Innerstes ausfüllen
mit seinem neuen Leben und mit seinem Frieden.
Und das verändert … mein Denken und Wollen,
mein Tun und Lassen.

Dann wird alles, was ich tue,
durch ihn bestimmt.

Paulus sagt: Mit Christus zieht Gottes Liebe bei mir ein.
Und diese rettende Liebe macht alles neu:
»Ich lebe, aber jetzt nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir“ 
(4, Gal 2,20).

Vielleicht können wir uns das wie einen Handschuh vorstellen
(> Fingerhandschuh zeigen).
So ein Handschuh kann für sich nichts ergreifen,
auch dann nicht, wenn dieser Fingerhandschuh
die Form einer Hand hat.
Er hat keine Kraft in sich.
Da helfen auch keine Appelle und Aufforderungen.

Sobald aber eine Hand in den Handschuh fährt
(> Fingerhandschuh anziehen), wird vieles möglich.
Alles, was eine Hand tun kann,
das wird jetzt auch mit dem Handschuh möglich sein – aber eben
nur so lange, wie er die Hand in sich trägt.

Bitten wir Gott also für uns,
für die uns anvertrauten Menschen und für die Gemeinde,
dass Jesus Christus durch den Glauben in unseren Herzen
wirklich wohnt … und unserem Leben Kraft gibt.
Mit seiner ganzen Fülle will ER in uns leben!

(4. Bitte um das Eingewurzeltsein in Gottes Liebe)

Da ist einer auf den Knien – und bittet zum dritten,
dass „ihr fest in seiner Liebe wurzelt und auf sie gegründet seid“ (V17). 

Die Liebe ist wie das Erdreich, der Nährboden,
auf dem wir wachsen können,
in das wir unsere Wurzeln graben
und in dem fest verankert sind.

Und so wie Pflanzen ihre Kraft aus dem Boden ziehen,
ziehen Christen ihre Kraft aus der Liebe.

Vor mir steht das Bild eines Baums:
Jeder Baum wächst in zwei Richtungen,
in die Höhe und in die Tiefe.
Fehlt aber die richtige Verwurzelung,
wird er nicht lange überleben.
Dann fehlen ihm die Nährstoffe und schon der nächste Sturm
kann ihm zum Verhängnis werden. 

Christen brauchen, wenn sie im Glauben wachsen wollen,
Wurzeln in die Tiefe. Sie müssen gegründet sein … in der
rettenden und neu machenden Liebe Gottes.
Weil auch die Christen im Leben kräftig gerüttelt
und geschüttelt werden … und weil es sie ohne feste
Wurzeln schon bald umhaut!

Da leidet einer schon lange an einer schweren Krankheit
und Gott reagiert nicht auf sein Beten
und auf das Beten vieler anderer, die für ihn eintreten.
Wo ist da Gott?

So mancher Glaube kippt
an so einer Situation.
Manche verlassen die Gemeinde / die Gottesdienste wieder,
wenn sie merken: Was sie sich so sehr wünschen,
das wird ihnen nicht immer erfüllt!

Gut, wer da in der Liebe Gottes,
in seiner großen Reiterliebe fest verwurzelt ist.

Denn so jemand weiß,
dass Gott trotz allem treu und unbeirrbar zu ihm steht.
Er weiß, dass Jesus sich nicht abgewendet hat.
Und das gibt ihm Halt und Stärke
wie die tiefen Wurzeln einem Baum Halt geben. 

Deshalb soll es auch unsere Bitte an Gott sein:
„Lass uns in deiner Liebe fest verwurzelt und gegründet sein!“

 

(5. Bitte um Erfüllung mit der ganzen Gottesfülle)

Da ist einer auf den Knien – mit einem vierten Gebetsanliegen.
Paulus geht noch einen Schritt weiter: „So könnt ihr zusammen
mit der ganzen Gemeinschaft der Glaubenden begreifen,
wie unermesslich reich euch Gott beschenkt.
Ihr sollt die Liebe erkennen, die Christus zu uns hat
und die alle Erkenntnis übersteigt.
So werdet ihr immer umfassender Anteil bekommen an der ganzen
Fülle des Lebens mit Gott.“ (Vv19f). 

Die Liebe, die Gott uns in Jesus Christus schenkt,
die sollen wir in ihrer ganzen Dimension … umfassend … begreifen.
Aber wir können sie überhaupt nicht ausloten. 

Die „ganze Fülle des Lebens mit Gott“ … soll uns ausfüllen.

Gott will, dass wir erfüllt werden mit der Fülle,
die nur Gott hat und weiter schenken kann.
In die dürfen wir eintauchen.
Und Gott ist nicht geizig,
er handelt verschwenderisch,
hat sich uns in Jesus selber geschenkt
damit wir in die ganze Fülle eines Lebens mit Gott eintauchen können.
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben
sollen“, diese Aussage von Jesus steht im Hintergrund (5, Joh 10,10).

Vielleicht haben Sie ja schon mal den großen Brunnen im Kloster
Maulbronn besichtigt!?

Das Wasser sammelt sich in der obersten Schale.
Die ist zu klein, läuft über in die nächst größere darunter,
auch die wird voll, quillt über, gibt weiter,
was sie nicht halten kann, an die nächste …
Ein Bild für Gottes rettende Liebe zu uns.

Ich kann sie nicht fassen,
nicht für mich behalten … denn das Leben funktioniert
eigentlich anders: Jeder nimmt, was er kriegen kann
und behält es für sich.
Und Gott hätte allen Grund,
unsere Undankbarkeit so zu beantworten,
uns die kalte Schulter zu zeigen.

Stattdessen schickt er den Retter Jesus in diese Welt!
Und jeder darf von ihm nehmen - umsonst!

Das muss ich einfach weitersagen an andere!
Das ist so viel wichtiger als jedes Top-Sonderangebot
in der nächsten Woche!
In Jesus fließt die „Fülle Gottes“ in mein Leben!

 

(6. Von der Fürbitte zum Lobpreis)

Da ist einer auf den Knien – und was mit der Fürbitte
für die Gemeinden angefangen hat,
mündet jetzt in den Lobpreis Gottes.

Paulus - er kann gar nicht anders.
Er rechnet fest mit Gott und mit seiner Erhörung.
Er staunt über die Größe und Retterliebe Gottes.
Deshalb läuft alles auf die Anbetung Gottes zu.
Darauf zielt sein Beten und sein Leben: Gott zur Ehre.
„Soli Deo Gloria!“ 

„Ihm gehört die Ehre in der Gemeinde
und durch Jesus Christus in allen Generationen,
für Zeit und Ewigkeit!“ (V21) Amen. 

 

(1)    Matthäus 7, 7.11

(2)    Lukas 24, 49

(3)    2. Korinther 4, 16

(4)    Galater 2, 20

(5)    Johannes 10, 10

 

(Ich Danke Pfarrer M. Joos, Ditzingen für seine Vorarbeiten zum Predigttext!)

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 27.06.2018
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 28.06.2018
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann