2016-04-17

Predigt über 1. Johannes 5,1-4 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für den Sonntag Jubilate aus dem 1. Brief des

Apostels Johannes, Kapitel 5, die Verse 1-4:

Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren;

und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von 

ihm geboren ist. 

Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott

lieben und seine Gebote halten. 

Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und

seine Gebote sind nicht schwer. 

Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; 

und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

die Medien sind voll von Berichten über 

religiösen Extremismus und Religion. 

Angesichts der weltweiten Entwicklungen 

und der Kulturen, die viele Flüchtlinge in unser Land bringen, 

können wir gar nicht anders als verstärkt darüber nachzudenken, 

was Glaube eigentlich bedeutet. 

 

Wir buchstabieren das bei uns zuhause seit gut fünf Wochen 

selber (privat) nochmals ganz neu durch. 

Weil wir mit Ahmad einen 15-jährigen Flüchtling aus Afghanistan

bei uns wohnen haben. 

Und da ist die Frage nach dem Glauben jeden Tag neu „dran“, 

angefangen beim Essen, aber auch beim Beten 

wenn wir zusammen die Nachrichten anschauen. 

 

Alle Welt redet aber auch von Liebe. 

Zu erleben ist sie eher wenig. 

Aber gerade von Christen wird sie erwartet. 

Wie viele fühlen sich hier überfordert!

Kurz vor unserem Predigttext fordert Johannes dazu auf: 

„Lasst uns lieben, denn ER hat uns zuerst geliebt!“ (4,19). 

 

All unserem Glauben und Erkennen, 

aber auch all unserem Denken und tun - geht Gottes Liebe voraus!

Das ist das Entscheidende!

Und wer das übersieht, 

folgt schnell einem religiösen Wunschdenken 

ohne Anhaltspunkt. 

 

In den vielen Diskussionen um „Werte“ kann man das erleben. 

Da wird oft schwer beklagt, 

wie die „Werte heute doch immer mehr verloren gehen“ …

Aber das stimmt ja gar nicht!

 

Denn alle echten „Werte“ sind ewig, von Gott gesetzt

und im Bewusstsein seiner (wenn auch gefallenen) Schöpfung

sind sie immer noch als große Ziele vorhanden: 

Liebe, Wahrheit, Treue und viele mehr. 

Diese Werte sind so ewig und unveränderlich wie Gott. 

Nur das Bewusstsein und die Kraft sie leben zu können, 

hat stark abgenommen …

 

Wir könnten es so sagen: 

Mit dem abnehmenden Glauben an Gott in unserer Gesellschaft 

ist auch die Kraft, 

so große Werte wie Liebe, Wahrheit und Treue zu leben …

mehr und mehr verloren gegangen. 

 

Um zu Johannes zurück zu kommen: 

Nur wer die rettende Liebe Gottes im eigenen Leben erfahren hat, 

weiß wirklich, was Liebe ist

und - das ist mindestens so wichtig -, 

der bekommt von Gott die Kraft zu lieben, 

auch dann noch, wenn keine Gegenliebe da ist. 

Der bekommt die Kraft zur Wahrheit zu stehen, 

auch wenn alle lügen, 

der kann Treue leben …

weil er oder sie erfahren hat: „Gott hat mich zuerst geliebt!“

 

Was ist christlicher Glaube eigentlich?

 

Dazu drei Punkte: 

 

1. Christlicher Glaube ist mehr als Sinnerfahrung. 

In diesem allgemeinen Sinn „religiös“ sind wir alle. 

Jeder glaubt irgendwie an etwas Höheres 

und wenn es nur die Werte der westlichen Gesellschaften 

wie Freiheit und Gerechtigkeit, für die wir einstehen wollen, sind. 

Was hätte das Leben mit all seinen Rätseln 

sonst für einen Sinn?

 

Wir Menschen suchen Sinn, brauchen Sinn.

Wir sind Wesen, die das was sie erleben, 

ihre Erfahrungen und Fragen einordnen können wollen 

in ein größeres Ganzes. 

Bei den einen ist es ein höheres Wesen, 

das allgemein „Gott“ genannt wird. 

Bei anderen ist es die Überzeugung, 

dass alles auf unserer Welt, die ganze Natur, beseelt seien. 

Bei wieder anderen ist es die Vorstellung, 

dass das Leben auf dieser Welt nur eine vorüber gehende

Durchgangsstation sei 

und alles darauf ankommt, 

eine höhere Bestimmung zu erreichen. 

 

Wenn Sie gefragt werden: „Woran glaubst du eigentlich?“, 

dann werden Sie wahrscheinlich erst mal stutzig.

Viele stottern dann etwas herum. 

 

Das hängt einerseits damit zusammen, 

dass Glaube für die meisten etwas rein Privates ist

nach dem Motto: „Was ich glaube, das geht niemand was an. 

Genauso wenig wie zu wissen, wen ich wähle!“

 

Aber die Menschen verbindet auch etwas: 

Fast alle glauben an das Gute, an den Sieg des Guten, 

dass es so etwas gibt wie eine höhere Gerechtigkeit. 

Wie könnte sonst alles das, 

was in einem Leben auch schiefläuft

noch mal ausgeglichen werden!?

Außerdem halten wir es kaum aus, wenn z. B. Verbrecher

auf Dauer unbestraft davon kommen könnten!

 

Wir brauchen es für unsere innere „Ordnung“,

dass es eine letzte Gerechtigkeit gibt. 

Auch dort wo Polizei und Staatsanwaltschaft jemand nicht

erwischen. 

 

Wäre es nicht so, 

dann nagt das am Sinn unseres Daseins, 

an unserem Vertrauen und der Geborgenheit, 

viele würden an sich und der Welt verzweifeln!

 

Und es ist dann nicht mehr weit zu der Frage:

„Wie kann das Gott zulassen?“ (so viele Tote bei Natur-

Katastrophen, Terroranschläge wie in Paris, der German-wings-

Absturz in den Alpen, in Kriegen …)

Und die Erkenntnis geht dann weiter:

„Wenn Gott das zulässt, 

dann kann ich nicht mehr an ihn glauben!“

 

Aber sehen Sie: So ein Glaube ist offensichtlich nur darin 

verankert, dass es das Gute gibt und dass das Gute letztlich siegt!

Bleibt das Gute aber auf der Strecke, 

dann hat Gott ausgespielt. 

Dieses Bild ist es doch, das wir immer wieder erleben!

 

Aber vergleichen wir diesen „Glauben“ mit dem Johannes-

Brief. Dann entdecken wir: Glaube ist viel mehr. 

Christlicher Glaube ist nicht nur Glaube an ein höheres Wesen, 

an das Gute, an einen allmächtigen Gott 

oder an eine ausgleichende Gerechtigkeit. 

 

Um nur das zu glauben, 

müssten wir keine Christen sein

[Auf Glaube in diesem allgemeinen Sinn kam schon 

der Philosoph I. Kant mit seinem „moralischen Gottesbeweis“. 

Es ist ein Glaube ohne Christus, ein Vernunftglaube …]

 

Aber

 

2. Christlicher Glaube hat immer mit Jesus als Gottes Sohn zu tun.

Glaube, das sehen wir im 1. Johannes-Brief ganz klar, 

ist wie eine Münze mit zwei Seiten.

Die eine heißt: Jesus ist Gottes Sohn. 

Jesus ist der verheißene Retter, 

wirklich der Erlöser, der nicht enttäuscht. 

Das versteht sich nicht von selbst!

Zu sehen ist das an den Aussagen vieler Zeitgenossen, 

die sagen: An Gott glaube ich schon, aber mit Jesus kann 

ich nichts anfagen. 

 

Aber es ist ganz deutlich: 

Ohne Jesus wäre unser Glaube auf Sand gebaut

und würde ins Leere gehen. 

Ohne Jesus wüssten wir gar nicht, 

wer und wie Gott eigentlich ist. 

Wir bleiben dann tatsächlich nur auf unseren allzu 

menschlich gestrickten religiösen Gefühlen und Vorstellungen 

sitzen. 

 

Kommt es dann aber hart auf hart, 

dann dann lassen sie uns sitzen!

 

Nein, wirklich!

Erst durch Jesus den Retter, 

wird dem Glauben Leben eingehaucht, 

wird er greifbar, tragfähig und auf eine Weise belastbar, 

wie wir uns das überhaupt nicht vorstellen können!

 

Und so hat es einen guten Grund, 

dass wir im Gottesdienst immer wieder das gemeinsame

Glaubensbekenntnis sprechen, 

das was für uns Glaube heißt. 

Vielleicht ist euch Konfirmanden schon mal aufgefallen: 

Der Mittelteil dieses Bekenntnisses nimmt den größten Raum ein. 

Darin geht es um Jesus Christus, die Achse des Glaubens. 

Erst in dem, was ER gesagt, getan, gelebt und gelitten hat

und an seiner Auferstehung vom Tod merken wir, 

wer Gott, der Vater, der Allmächtige, der Schöpfer des Himmels

und der Erde wirklich ist.

Erst durch den Jesus, den Retter, 

kriegt Gott für uns ein Gesicht. 

Nur der, der diesen Jesus erfährt und sich ihm zuwendet, 

entdeckt, dass Gott für ihn „ein Backofen voller Liebe“ ist 

(M. Luther). 

 

 

3. Christlicher Glaube verbindet mit allen, die auch an Jesus glauben. 

Jetzt kommt die zweite Seite der Münze dazu

und die heißt (mit den Worten des Johannesbriefs): 

„Gottes Kinder lieben und seine Gebote halten“. 

 

Wichtig zu beachten ist: 

Da steht nichts von Nächstenliebe ganz allgemein. 

Sondern da steht von der Liebe zu den Mitchristen!

 

Wenigstens die, würden man meinen, müsste doch eigentlich

möglich sein!

 

Denn wie soll ich meinen Nächsten lieben wie mich selbst, 

wenn ich nicht einmal den Mitchristen neben mir akzeptieren kann!?

 

Es ist wie in einer Familie, 

wo sich die Geschwister untereinander oft nicht gut verstehen. 

Das war allem Anschein nach schon im 1. Jahrhundert n. Chr., 

als dieser Brief geschrieben worden ist, so der Fall. 

Und bis heute tun wir uns nicht leicht, 

wenns darum geht, liebevoll, mit Verständnis, hilfsbereit

und teilnahmsvoll miteinander umzugehen. 

Auch unter Christen ist sich oft jeder selbst der Nächste!

 

Aber das sagt hier Johannes ohne Umschweife: 

„Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, 

wenn wir Gott lieben und seine Gebote haben.“

 

An der Liebe zu Gott, 

indem ich mich ihm voller Vertrauen hingebe und 

andererseits im gelebten Gehorsam, beim Tun der Liebe, 

zeigt sich die Echtheit des Glaubens. 

 

Glaube will gelebt werden. 

Das ist sein Ausweis. 

 

Und wo das der Fall ist, in einem solchen Glauben, 

findet sich der „Sieg, der die Welt überwunden hat“:

Die Welt, in der wir leben, 

die Welt, die vom Sieg des Bösen, von Ungerechtigkeit und

Missbrauch, von Rechthaberei und Rücksichtslosigkeit, 

von Lug und Betrug, Gewalt und Grausamkeit 

gekennzeichnet ist. 

 

Was uns in dieser Welt unter dem Deckmantel der Liebe

zeigt, das entpuppt sich oft genug als blanker Eigennutz

und verkappte Lieblosigkeit. 

 

Wo wir aber Gottes rettende Liebe zu uns, 

die wir im Kreuz und der Auferstehung von Jesus entdecken, 

aufnehmen und weiter reichen, leben, 

da wird der Teufelskreis der Welt durchbrochen, 

wird die Welt überwunden. 

 

Da zieht dann tatsächlich auch Friede in unser Leben ein, 

in unsere Familie, in unser persönliches

und in das weitere Miteinander. 

 

Klar ist: Auch Christen sind keine perfekten Leute. 

Auch sie werden schuldig, können versagen. 

An ihnen wird die Welt sicher nicht genesen. 

 

Aber an Jesus Christus kann sie es!

Wenn Menschen ihn aufnehmen

und sie Gottes Kinder werden. 

 

Jesus Christus hat die Liebe nicht nur gelebt,

er ist sie (ER steht für den Ewigkeits-Wert dieses Wortes!). 

Es war Liebe bis zum letzten Blutstropfen. 

 

Und von dieser Liebe können wir leben, 

damit können wir lieben

und zu dieser Liebe immer wieder zurück kommen, 

von Vergebung leben. 

 

Deshalb gilt in Jesus: „Lasst uns lieben, 

denn ER hat uns zuerst geliebt!“

Amen

 

 

 

(Ich danke Dekan C.-D. Stoll für seine Vorarbeiten zum Predigttext!)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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