2016-04-10

Predigt über Johannes 10,11-16.27 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus Johannes 10 die 

Verse 11-16 und Vers 27

„11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 

12 Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, 

sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht - und der Wolf 

stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -, 13 denn er ist ein Mietling 

und kümmert sich nicht um die Schafe. 14 Ich bin der gute Hirte und ich 

kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein 

Vater kennt und ich den Vater kenne. Und ich lasse mein Leben für die 

Schafe. 16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem 

Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, 

und es wird "eine" Herde und "ein" Hirte werden ... 27 Meine Schafe 

hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir.“

 

 

Liebe Gemeinde, 

Psychologie ist die Wissenschaft, 

die sich mit den unbewussten Abläufen in der menschlichen 

Seele beschäftigt. 

Dabei versucht sie die menschliche Seele, 

die ja kompliziert und vielschichtig ist, 

zu durchleuchten und ihre Abläufe zu verstehen. 

Dabei kommt so manches Verborgene zum Vorschein …

 

Von Jesus heißt es hier: „Ich kenne die Meinen.“

 

Ganz anders - als ein tief blickender Psychologe kennt uns Jesus.

Auch anders - als ein Personalchef, der seine Leute kennt, 

„kennt“ in dem Sinne, dass er sie einschätzt 

für verschiedene Aufgaben in seinem Betrieb. 

Anders auch als ein Lehrer, der seine Schüler kennt

und dabei vor allem auf die Noten schaut, 

die sie abliefern. 

 

Jesus kennt uns Menschen wie kein anderer. 

Er weiß, was mich (und Dich) im Innersten bewegt. 

 

Deshalb redet Jesus in diesem Bibelwort heute 

von uns wie von Schafen, 

deren Hirte er gerne sein will. 

Wie ein Schafhirte jedes seiner Schafe kennt

so weiß Jesus, wie wir - im Innersten sind. 

 

Mit diesem Bild vom „Schaf“ will er uns nicht abwerten …

Es hat für uns einen Beigeschmack … 

Im Grund will er uns damit aufwerten und sagen: 

Ich kenne Euch nur zu gut. 

Ich weiß, wie es um Dich steht und was du brauchst. 

 

Jesus spricht also mit diesem Bild auch

die Frage nach der Qualität unseres Lebens an:

Tief in uns soll das Verlangen aufbrechen, 

dass wir wirklich in Anspruch nehmen, 

was er zu bieten hat. 

Und das ist unsagbar viel!

 

Er will uns nicht nur an einem Punkt helfen, 

sondern verspricht nicht weniger als die Fülle des Lebens, 

das „Rundum-sorglos-Paket“!

 

So, wie ein guter Hirte, 

der für seine Schafe voll und ganz - und immer - da ist. 

So sollen wir alles haben, was wir brauchen.

Deshalb das Bild vom guten Hirten und der anvertrauten Herde. 

Für Jesus!

 

Ein Missverständnis könnte sich da nahe legen: 

Nämlich dass wir denken: Also, wenn mit Jesus „Leben in Hülle

und Fülle“ verbunden ist, dann 

    - wird er Schwierigkeiten in meinem Leben 

        sicher erst gar nicht aufkommen lassen

        oder er wird sie immer sofort „lösen“!?

Und heißt so ein „Leben in Fülle“ mit Jesus nicht, 

    - dass ich einen Anspruch darauf habe, 

        immer happy zu sein, 

        immer locker flockig,

        dass das Leben dann nur so flutscht!?

 

Es gibt „Anbetungslieder“, 

die diesen Eindruck manchmal erwecken, 

z. B. das von Tobi Werner: 

„Mein Freudeschenker, mein Heimatgeber,

mein Glücklichmacher und mein Schuld-

vergeber, mein Friedensbringer und

Worteinhalter, mein Liebesspender bist Du.

Du tust im Innern meiner Seele gut,

und Du tust, was Balsam auf den Wunden tut,

und Du suchst mich, wenn ich mich in mir verlier …“

 

Es ist nicht falsch, was da gesungen wird, 

aber es kann falsch verstanden werden, 

so als ob Jesus versprochen hätte, 

mich einfach immer gleich „glücklich“ zu machen …

 

Ja, er will uns „Leben in Fülle“ geben, 

Ja, Jesus macht glücklich … 

gibt ein unbeschreiblich erfülltes Leben. 

aber das kann doch viel mehr einschließen, 

was wir so gar nicht darunter erwarten:
Auch harte Zeiten, Anstrengung, Stress, Prüfung und 

vor der Freude oft sogar Zerbruch aller meiner 

Erwartungen - damit Jesus mich überhaupt „er-füllen“ kann!

 

Dann aber ist es wirklich so wie im Lied gemeint:

Der gute Hirte Jesus 

    - schenkt wirklich „Freude“, 

    - gibt „Heimat“, 

    - „hält Wort, 

    - spendet „Liebe“. 

Er gibt von alledem nicht nur ein bisschen sondern alles!

Das ist „Leben im Überfluss!“ 

 

Und Jesus sagt: 

„Ich gehe mit euch“

„Ich will euer ständiger Begleiter sein“ - durch dick und dünn. 

 

Auch wenn das Leben streckenweise nicht einfach ist, 

wenn sich Abgründe vor Dir auftun, 

wenn ein naher Angehöriger mit Krebs im Krankenhaus liegt

und du betest und betest, hoffst und bangst …, 

wenn Du Dich und andere ganz in Gottes Hand legen musst, 

Du nichts erzwingen kannst!

Und Gottes Wort Dir gerade dann zuspricht: 

„… am Ziel meiner Suche stehst Du“.

Niemand anders. 

Ich bin bei Dir geborgen. 

 

Das ist das Geheimnis eines Lebens, 

wenn jemand auf den guten Hirten Jesus hört und ihm folgt. 

 

Da gibts auch Stress, Ärger und Frust. 

Aber Jesus in Dir (und bei Dir) fängt das alles auf, 

er ist Dein Schutz und Schirm. 

Und das heißt Friede. 

 

Wenn er Dich führen darf, 

kannst Du durchs dunkelste Tag ziehen - in großer Ruhe und 

ohne Angst. 

 

Weil er mitgeht. 

Weil sein Wort Dich ermutigt, trägt. 

Selbst der Tod - ist nicht mehr tot - denn 

„Jesus lebt, mit ihm auch ich, 

Tod wo sind nun deine Schrecken?“

[Wie gut und ermutigend, wenn Angehörige das auf dem 

Friedhof gerne singen wollen …]

 

Wenn Jesus der Hirte meines Lebens geworden ist, 

dann kann mich nichts mehr „umhauen“

und nichts mehr aus seiner Hand reißen!

Das ist hier eingeschlossen. 

 

(Über-)Nächsten Sonntag werden wir das aus dem Mund unserer

Konfirmanden hören, was Paulus dazu geschrieben hat (Röm 8):

„Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, 

weder Engel noch Mächte noch Gewalten, 

weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 

weder Hohes noch Tiefes … 

mich von der Liebe Gottes scheiden kann, 

die in Jesus Christus, meinem Herrn, ist.“

 

Ist Jesus Christus, der gute Hirte,

also schon „mein Herr“?

 

Das ist hier die Frage, 

die wichtigste Frage im ganzen Leben!

 

 

Liebe Gemeinde,

der gute Hirte Jesus sucht jeden Menschen. 

Er hat Qualitäten wie kein anderer:

Er hat um seine Herde gekämpft (und tut es heute noch), 

er hat sein Leben für sie eingesetzt,

es geht ihm nicht um seinen persönlichen Vorteil. 

Die Christen sind für ihn kein „Herdenvieh“, 

keine „Karteikarten“, 

keine „Masse“, die er willfährig durchs Leben scheucht. 

 

Er verspricht uns nicht den Himmel auf Erden, 

kein Seelen-Doping, 

kein immer happy Sein.

 

Die uns so was versprechen, 

gehören eher in die Kategorie „Mietlinge“, 

Seelenfänger, die Menschen an sich reißen, 

aber am Schluss an falschen Versprechen 

vor die Hunde gehen lassen. 

 

Der gute Hirte Jesus dagegen ist für seine Herde 

ans Kreuz gegangen, 

hat sich für sie mit seinem Leben eingesetzt. 

Er geht vorne draus, zeigt den Weg, 

„er führt von vorne“, 

da wo es am gefährlichsten ist. 

Und nicht von hinten … mit Appellen. 

 

Jesus hat sich selber wie ein Lamm zur Schlachtbank führen 

lassen. 

Sein Erbarmen und seine Liebe zu uns waren und sind - so groß,

dass er nichts anderes im Sinn hat, 

als Verirrte und Verlorene zu suchen und zu retten!

 

Jesus ist „der gute Hirte …“ 

wie kein anderer vor und nach ihm. 

 

Und deshalb ist nichts wichtiger, 

als sich diesem einzigartig guten Hirten anzuvertrauen!

Ihm die Führung seines Lebens zu übergeben. 

„Hingabe“ heißt das in unserer Bibel. 

Das schließt gewissen „Risiken“ mit ein … 

wie wir das kennen. 

 

Auch Jesus ist ein hohes Risiko eingegangen, 

hat sein Leben für uns aufs Spiel gesetzt …

und zunächst verloren … … 

Aber Gott hat ihn durch die Auferstehung bestätigt. 

 

Jesus hat alles riskiert - und alles gewonnen.

 

So ist das auch bei uns im Leben mit Jesus. 

Glauben ist kein Taufschein, kein Papier, keine reine Kopfsache …

Glauben ist eher wie heiraten: Eine Entscheidung fürs Leben, 

eine „Hingabe“ mit allem …

Teilweise geht da nicht.

 

Deshalb macht’s immer ein Stück weit traurig, 

wenn Menschen sagen: 

Jetzt hab ich noch keine Zeit für Gott … (oder)
Wissen Sie, ich hätte da noch viele Fragen an Jesus …

aber sie kommen nicht zu ihm, 

nicht in seine Nähe, wo sie diese Fragen stellen könnten!

 

Und dann kommt ein Schlaganfall, 

und sie kommen trotzdem nicht … 

Not lehrt längst nicht immer beten, nicht selten das Fluchen! …

Und sie finden Jesus nicht mehr. 

Sondern sind gefangen in ihrem Sorgen und Gedanken. 

 

Wie traurig muss der gute Hirte Jesus sein, 

wenn Menschen vor ihm, der so viel für sie getan hat, 

immer noch eine große „Reserve“ haben!?

Wenn sie seine Stimme hören und kennen 

… ihm aber aus welchen Gründen auch immer nicht folgen!

 

Eine alte Sage unter Indianern erzählt: 

„Der große Geist hat einer jungen Frau gestattet, 

einmal durch ein Ährenfeld zu gehen 

und darin eine Ähre zu pflücken. 

Diese soll dann in ihrer Hand zu Gold werden. 

 

Da geht das Mädchen in das Ährenfeld hinein und 

sucht nach der schönsten und größten Ähre. 

Aber jedes Mal, wenn sie eine pflücken will, 

zögert sie und hofft, 

eine noch größere und schönere zu finden. 

So geht sie weiter und weiter, 

und schließlich wird das Feld lichter und die Ähren kleiner, 

und auf einmal ist sie am Ende des Feldes angekommen - 

und steht - mit leeren Händen da.“

 

 

Geht es nicht vielen Menschen heute genau so?

Sie suchen nach gedanklichen Sicherheiten, 

vielleicht nach Beweisen des Glaubens. 

 

Aber sie finden sie nicht. 

 

Ihre Lebenszeit zerrinnt ihnen unter den Fingern. 

 

Und womöglich werden sie am Ende Ihres Lebens 

traurig feststellen, dass sie nie den Mut hatten, 

sich der rechten Hand Gottes anzuvertrauen …

Sie waren mit sich selbst beschäftigt …

Das Risiko des Glaubens, der Nachfolge … war ihnen zu hoch

und so haben sie den guten Hirten verpasst. 

 

Dabei war er immer da. 

Der Schlüssel zur Fülle des Lebens, 

der Schlüssel zum ewigen Leben. 

Wie traurig muss das Jesus machen!

 

„Meine Seele sucht Heimat, mein Herz sucht Glück, 

doch wo immer ich hingeh, geht’s mal vor und mal zurück.

Ich sehn mich nach Frieden, 

was ich auch tu,

… am Ziel meiner Suche … steht?“

 

Heißt es Refrain des Anbetungslieds von Tobi Wörner.

 

Und in diesem Sinne wünsche ich uns allen nichts als Jesus, 

en guten Hirten. 

Auf seine Stimme zu hören, ihm zu folgen 

und zu wissen: Er sorgt für mich. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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