2016-03-27 Ostern

Predigt über 1. Korinther 15,1-11 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, 

heute am Ostersonntag feiern wir, 

dass Jesus Christus vom Tod auferstanden ist. 

Das lassen wir uns nicht nehmen, 

auch wenn viele Mitmenschen massiv daran zweifeln. 

Auch wenn es uns selbst nicht immer so klar ist, 

wie das denn funktioniert hat. 

 

Bereits ein Vierteljahrhundert nach Jesu Auferstehung 

haben Christen daran gezweifelt 

und ihre Anfragen an das Ostergeschehen gehabt. 

Daran merken wir, dass das kein Phänomen unserer 

postmodernen Zeit ist. 

 

Die Botschaft von Ostern war schon immer ein Punkt, 

an dem Menschen leicht ins Zweifeln kommen. 

Deshalb hat der Apostel Paulus den Christen in Korinth 

einiges darüber in seinem ersten Brief geschrieben. 

Da heißt esin 1. Korinther 15, 1-11:

„1 Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch 

verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest 

steht, 2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr's festhaltet in der 

Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr 

umsonst gläubig geworden wärt. 3 Denn als Erstes habe ich euch 

weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus 

gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; 4 und dass er begraben 

worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der 

Schrift; 5 und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von 

den Zwölfen. 6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert 

Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige 

aber sind entschlafen. 7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, 

danach von allen Aposteln. 8 Zuletzt von allen ist er auch von mir als 

einer unzeitigen Geburt gesehen worden. 9 Denn ich bin der geringste 

unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, 

weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. 10 Aber durch Gottes Gnade 

bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, 

sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern 

Gottes Gnade, die mit mir ist. 11 Es sei nun ich oder jene: so predigen 

wir und so habt ihr geglaubt."

 

 

Es sind drei Schritte, die Paulus mit den Briefempfängern damals 

und mit uns heute geht:

Ostern war im Voraus angekündigt 
Ostern wurde von vielen miterlebt – und 
Ostern bewirkt bis heute Glauben.

 

 

1. Ostern war im Voraus angekündigt

Paulus beginnt seine Ausführungen über Ostern zuerst damit, 

dass sich das keiner ausgedacht hat, 

was damals in Jerusalem passiert ist. 

 

Auf vielfache Weise haben schon die Propheten des Alten Testaments 

angekündigt, was sich dann bei Jesus tatsächlich ereignet hat. 

Schon Mose, David, Jesaja, Jeremia, Daniel 

und andere Propheten kündigen an, 

dass mit Jesus etwas ganz Neues beginnt. 

Dass mit ihm eine gute Nachricht in die Welt kommt. 

 

Wir finden im Alten Testament genügend Hinweise darauf, 

dass der Gottessohn auch leiden und sterben wird. 

Sogar, dass er begraben wird. 

Und sogar, dass er auferstehen wird. 

Sogar die kurze Dauer bis zur Auferstehung war schon vorausgesagt. 

 

Unglaublich, was die Propheten da schon Jahrhunderte im Voraus 

gewusst haben. 

 

Darauf hat Jesus dann immer wieder hingewiesen, 

als er seine Jünger gelehrt hat. 

Aber die haben es nicht verstanden. 

 

Jene Worte der alten Schriften 

und ihre eigene Lebenswirklichkeit 

haben sie nicht zusammen gekriegt. 

Dass vor Jahrhunderten entstandene Bibelworte 

immer noch gültig sind, war ihnen nicht klar. 

Da sind die Jünger ganz nah bei uns heute. 

 

Auch wir spüren manchmal einen großen Abstand 

zu den Worten der Bibel. 

Auch wir zweifeln manchmal daran, 

dass damals von Gott Gesagtes auch heute noch relevant ist. 

 

Deshalb hört Paulus nicht auf, daran zu erinnern, 

dass es keine Zufälle gibt. 

Was sich an Ostern ereignet hat, 

ist die Erfüllung von längst Angekündigtem. 

Was in den Predigten der Gottesdienste verkündigt wird, 

das sind keine Erfindungen der Prediger, 

sondern da wird gültiges Wortes Gottes weiter gegeben. 

 

Auch Paulus ist mit keiner anderen Botschaft in die vielen Städte 

rings um das Mittelmeer gekommen, 

als mit der Botschaft von Jesus Christus, 

so wie sie ihm übergeben worden war. 

 

Paulus betont in diesem Abschnitt mehrfach, 

dass es die frohe Botschaft, das Evangelium ist, 

was er weitergibt, und keine eigenen Gedanken. 

Er kann sich voll und ganz auf die Schriften der damaligen Bibel, 

dem Alten Testament, verlassen. 

Und er kann voll und ganz aus den Berichten derer schöpfen, 

die das unglaubliche Ostergeschehen selber miterlebt haben. 

 

Ich denke, dieser zweifache Schritt, der hilft auch uns, 

das Unvorstellbare der Auferweckung von Jesus anzunehmen. 

Auch wir können den Worten der Bibel ganz neu Vertrauen schenken 

und dem, was andere uns als Realität bezeugen.

 

 

2. Ostern ist von vielen miterlebt worden

Faszinierend, wie viele Leute aus der damaligen Zeit 

bezeugen können, dass sie Jesus als den Auferstandenen 

gesehen haben. 

Klar, von einigen wissen wir es, 

weil es auch in den vier Evangelien berichtet wird. 

 

Wir haben vorhin in der Schriftlesung gehört, 

dass die Frauen aus Galiläa als erste von der Auferstehung 

berichtet haben. 

Aber ihre Botschaft ist von den Männern nicht ernst genommen

worden. 

 

Sogar Petrus hat das leere Grab, das er vorfand, 

nicht verstehen können. 

Er hat nicht begriffen, was da passiert ist. – 

Übrigens, vom vergeblichen Suchen am leeren Grab 

leitet sich auch der heutige Osterbrauch ab, 

versteckte Kleinigkeiten zu suchen. 

 

Und wenn dann schließlich etwas gefunden wird, 

macht das allen eine Freude, 

dem, der sucht und dem, der versteckt hat. 

Also läuft das schon richtig mit dieser Tradition, 

denn Ostern hat immer mit Freude zu tun. 

Ostern ist ein Freudenfest.

 

Aber damals hat es noch ein bisschen gedauert mit der Freude. 

Das leere Grab löst nur Verwunderung aus. 

Erst als Jesus seinen Jüngern persönlich und sichtbar 

als der Auferstandene begegnet, beginnen sie zu glauben. 

 

Johannes berichtet: »Da wurden die Jünger froh, 

dass sie den Herrn sahen.« 

Und dann kehrt neues Leben, neue Hoffnung, 

neuer Glaube bei ihnen ein. 

Dann beginnt die ganze Sache dynamisch zu werden. 

Wie ein Lauffeuer geht es durch Jerusalem bis nach Galiläa: 

»Der Herr ist auferstanden!« 

 

Und es kommt in den folgenden sechs Wochen 

zu vielen Begegnungen mit Jesus. 

Paulus zählt akribisch auf, wie viele Augenzeugen es gibt: 

Petrus, die zwölf Jünger, mehr als fünfhundert Glaubensbrüder, 

Jakobus, der leibliche Bruder von Jesus

und schließlich alle Apostel. 

 

Das ist eine begeisternde Anzahl, 

die Paulus hier als Zeugen aufführt. 

Historisch gesehen ist damit die Auferstehung von Jesus 

unumstritten angesichts so vieler Augenzeugen. 

 

Und als Paulus diesen Brief nach Korinth schreibt, 

da lebten noch einige von diesen Zeugen. 

Er will damit sagen: »Die könnt ihr fragen. 

Deren Zeugnis könnt ihr trauen. 

Die Botschaft von der Auferstehung von Jesus ist wahr. 

Die Hoffnung, dass der Tod überwunden ist, ist real und echt. 

Fragt einfach nach bei denen, die es erlebt haben!«

 

So werden auch wir heute Morgen ermutigt. 

Auch uns ruft Paulus zu: »Vertraut den Aussagen der Zeugen. 

Lasst euch wieder neu auf Jesus ein. 

Vertraut darauf, dass der Tod Jesus nicht halten konnte. 

Freut euch, das ihr keinen Märchen folgt, 

sondern historisch verbürgten Tatsachenberichten!« 

 

Also, ich gebe zu, wir können die Zeugen von damals heute 

nicht mehr befragen. 

Aber, wir können den schriftlichen Berichten von damals vertrauen. 

Und wir können auch heute noch Zeugen des lebendigen Herrn 

befragen. Denn davon gibt es weltweit ziemlich viele. 

Noch heute machen Menschen besondere Erfahrungen mit 

Jesus Christus, der auch heute noch lebt. 

Zwar nicht mehr sichtbar, aber im Glauben erlebbar. 

So wird Ostern auch heute Realität.

 

 

3. Ostern bewirkt bis heute Glauben

Paulus selber ist Jesus nicht persönlich begegnet, 

als er etwa drei Jahre lang öffentlich in Israel unterwegs war. 

Paulus ist ihm auch an Ostern nicht begegnet 

und auch nicht in den Tagen danach. 

Denn zu der Zeit war er ein glühender Verfolger all derer, 

die Jesus als den Messias der Juden bekannten. 

 

Aber schließlich ist Jesus als Auferstandener 

dem Paulus begegnet. 

Nicht in Jerusalem, nicht in Galiläa, 

sondern in Syrien auf dem Weg nach Damaskus. 

Als Paulus unterwegs war, um die Jesus-Leute zu verhaften, 

da ist Jesus ihm in den Weg getreten. 

 

Obwohl Jesus schon Jahre vorher in die Herrlichkeit Gottes 

zurückgegangen war, hat er sich dem Verfolger persönlich gezeigt. 

Das hat den Paulus völlig umgeworfen. 

Das hat seine bisherige Theologie ganz durcheinander gebracht. 

Das hat den Paulus zu einem neuen Menschen gemacht. 

 

So wird aus ihm ein begeisterter Jesus-Nachfolger, 

der keinen Weg scheut, um allen Menschen von Jesus, 

dem Auferstandenen, zu berichten und für ihn zu gewinnen. 

 

Dabei bleibt Paulus ganz demütig. 

Er betont, dass er’s eigentlich nicht wert ist, 

in einem Atemzug mit den anderen Aposteln genannt zu werden. 

Er will sich selber nicht groß machen. 

Er will nur Jesus groß machen. 

Weil er an sich selber entdeckt hat »Nicht ich und meine Erfahrung 

zählen was, sondern Jesus allein. 

Durch seine Gnade bin ich, was ich bin!«

 

Von diesem persönlichen Ostererlebnis her 

sieht sich Paulus berufen, 

ebenfalls ein Zeuge der Auferstehung von Jesus zu sein. 

 

Weil das Grab definitiv leer war, 

das können Petrus und die anderen bezeugen. 

 

Weil Jesus definitiv zum Leben erweckt worden ist, 

das haben über fünfhundert Menschen erlebt. 

 

Aber noch viel wichtiger ist: 

Dieses Ostergeschehen wirkt sich bis heute aus. 

Paulus ist zum lebendigen Glauben gekommen 

durch die Begegnung mit Jesus. 

Viele, die heute Morgen hier im Ostergottesdienst sind, 

können das auch bezeugen: 

»Jesus lebt! Ich kenne ihn als den lebendigen Gott. 

Ich weiß mich in seiner Gnade geborgen. 

Im Glauben habe ich ihn schon so oft erlebt 

als den treuen Begleiter. 

Weil Jesus den Tod besiegt hat, hab’ ich keine Angst vor dem Tod!«

 

Und so setzt sich die Dynamik von Ostern bis heute fort. 

Das Zeugnis des Alten Testaments, 

die Berichte der Augenzeugen, 

die persönliche Erfahrung des Paulus, 

alles das bewirkt in uns Vertrauen darauf, 

dass Jesus wirklich lebt. 

 

So kommen auch wir zum Glauben 

und werden im Glauben gestärkt. 

Genau das ist der Grund, warum wir Ostern feiern. 

Nicht nur weil es ein einzigartiges historisches Ereignis 

damals in Jerusalem war. 

Sondern vor allem, weil es Auswirkungen bis zu uns hat. 

 

Denn wer sich Jesus anvertraut, 

der gehört zu den Siegern über den Tod. 

Wer Jesus persönlich kennt, 

der weiß, wohin er gehört, 

auch wenn Jesus heute nicht mehr sichtbar ist. 

Wer im Glauben an Jesus seinen Halt gefunden hat, 

der wird davon gerne anderen erzählen. 

Dadurch wächst die Zahl der Zeugen 

für den auferstandenen Jesus, 

von über fünfhundert auf viele Millionen. 

 

Paulus wollte das den Christen in Korinth zur Ermutigung berichten. 

 

Er konnte den Zweifeln das dreifache Zeugnis der Schrift, 

der Augenzeugen und seiner eigenen Erfahrung entgegensetzen. 

Und so lädt Paulus auch uns heute Morgen ein, 

Jesus wieder voll und ganz zu vertrauen. 

Weil er lebt – zweifellos!   

Amen.

 

 

(Ich danke Pfarrer Dr. E. Graf für seine Vorarbeit zum Predigttext!)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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