2016-03-13 Jubelkonfirmation in Dennach und Schwann

Jubelkonfirmation mit Predigt über Johannes 11,47-53 / Pfarrer Friedhelm Bühner

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In der Christuskirche in Dennach

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In der Schlosskirche in Schwann


 

Liebe Festgemeinde, liebe Jubelkonfirmanden,  

was für Erfahrungen haben Sie denn 

in den vergangenen Jahren mit Gott gemacht?

 Können Sie sagen: 

Ja, „Ich lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, ... 

der mich auf Adelers Fittichen sicher geführet“ - 

oder sind Sie heute halt gekommen, 

weil die Einladung so nett war?

 

Aber eigentlich haben Sie den Faden zu Gott verloren, 

vielleicht gar nie richtig gefunden, 

trotz Konfirmation damals?

Auch das wäre eine ehrliche Antwort.

 

Als Sie konfirmiert wurden, 

da war das Leben noch um einiges bescheidner, 

aber man hat zusammen gehalten - auch, weil man musste. 

 

Da lagen die Konfirmanden-Geschenke noch bei 5 DM

und man war stolz, wenn es zum ersten Fahrrad gereicht hat. 

(in Dennach mussten die Mädels am Montag nach dem Fest

noch in die „Kochschule“ - nix mit schulfrei!). 

Es gab keine Konfirmandenfreizeiten, 

nur einen Ausflug nach Straßburg

(1956 in Schwann in ein Behindertenheim nach Winnenden, 

eine für manche ziemlich schockierende Begegnung). 

 

Aber ich habe so heraus gehört: 

Sie waren als Konfirmanden damals nicht weniger  

„schlitzohrig“ so so manche heute: 

den Pfarrer Vallon auf die Palme zu bringen, 

das hatte schon was!

 

Er hat sie viele Sprüche lernen lassen, 

auch einiges an „kirchlicher Heimatkunde“, 

war aber in der Schule wohl ziemlich „gnädig“ mit den meisten: 

Schlechter als eine „2“ gab’s nur ganz selten bei ihm.

 

Und es galt damals als große Blamage

an der Konfirmation „hängen“ zu bleiben beim 

Aufsagen des Katechismus …

 

Ein bisschen „ratlos“ war ich allerdings -, 

dass ihnen - als wir uns getroffen haben - 

kaum etwas eingefallen ist von dem, 

was sie damals lernen sollten, 

das sie heute noch für ganz wichtig ansehen würden …

 

Wir als Pfarrer (aber auch als Vikar oder Jugendreferent)

fragen uns eigentlich jedes Jahr aufs Neue: 

Was ist wohl hängen geblieben, 

was hat unsere Konfirmanden tief berührt

von dem, was wir behandelt haben?

 

Das können wir heute natürlich noch nicht überblicken!

 

Aber ich will Sie an dieser Stelle noch mal fragen: 

Wie war das mit der Konfirmation bei Ihnen?

Was ist bei Ihnen von der Konfirmation geblieben?

 

Gibt es eine Segenslinie von Ihrer Konfirmation bis heute?

Haben Sie ihr Treueversprechen eingehalten, 

Gott wirklich Platz eingeräumt in ihrem Leben, 

ihn gesucht im Gottesdienst?

Vielleicht große Dinge mit ihm erlebt!?

 

Oder war die Konfirmandenzeit mehr so eine Pflichtübung, 

nicht wirklich lebenstauglich?

 

Vielleicht haben Sie aber auch Krankheiten und Unglücke

irritiert und das hat dazu geführt, 

dass Sie an diesem Gott irre geworden sind,  

weil sie seine Führungen einfach nicht verstehen konnten

oder Anderes ist Ihnen wichtiger geworden?

 

Oft ist unsere menschliche Logik ja das Gegenteil 

zur göttlichen Logik. 

 

Davon spricht auch der Predigttext für diesen Sonntag 

aus dem Johannes-Evangelium, den wir heute betrachten. 

Er bezieht sich auf die Zeit,

bevor Jesus verhaftet und schließlich gekreuzigt wurde.

 

Ich lese ihn zunächst einmal vor (Joh 11, die Verse 47-53):

„47 Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen 

Rat und sprachen: Was tun wir? Dieser Mensch tut viele Zeichen.  

48 Lassen wir ihn so, dann werden sie alle an ihn glauben, und 

dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute. 

49 Einer aber von ihnen, Kaiphas, der in dem Jahr Hoherpriester war, 

sprach zu ihnen: Ihr wisst nichts; 50 ihr bedenkt auch nicht: Es ist 

besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass das 

ganze Volk verderbe. 51 Das sagte er aber nicht von sich aus, 

sondern weil er in dem Jahr Hoherpriester war, weissagte er. 

Denn Jesus sollte sterben für das Volk 52 und nicht für das Volk allein, 

sondern auch, um die verstreuten Kinder Gottes zusammenzubringen. 

53 Von dem Tage an war es für sie beschlossen, dass sie ihn töteten.“ ( - ) 

 

 

Liebe Festgemeinde, liebe Konfirmanden,

 

können Sie Schach spielen?

Ich selbst bin da höchstens mittelmäßig drauf.

Die höheren Weihen dieses Spiels habe ich nie erreicht. 

Aber soviel weiß ich: Beim Schachspiel geht‘s darum, 

den gegnerischen König matt zu setzen. 

Dafür überlegt man sich viele Schachzüge

und immer muss man im Voraus bedenken, 

was der Gegner wohl als nächstes macht ...

 

Ziemlich raffiniert ist es z .B., 

wenn ich dem Gegner ´ne wichtige Spielfigur (sagen wir mal

die „Dame“) so vorführe, dass er sie schlagen kann, 

ich biete sie ihm quasi als Opfer an, 

ihn dabei im Grunde aber hinter‘s Licht führen will. 

 

Weil er nicht merkt, dass - wenn er sie schlägt -, 

die nächsten Schachzüge ihn im Handumdrehen

Schach matt setzen werden. 

 

Da wird eine Figur trotz besonderem Wert geopfert, 

damit nicht unnötig weitere Figuren verloren gehen. 

Der Sieg hängt an der Hingabe er einen Figur. 

„Einer steht für alle!“

 

Jetzt lässt sich die Welt des Schachs nicht in allen Zügen 

auf Jesus übertragen, das ist klar. 

Aber vieles ist doch ähnlich. 

 

Der Hohe Rat will Jesus töten, 

die Entwicklung hat sich so zugespitzt, 

dass man dort denkt: 

Kein Aufschub mehr, wir müssen handeln!

Aber es steht weit mehr auf dem Spiel, 

als sich Kaiphas und seine Ratsherren träumen lassen!

 

„Einer für alle!“, denken sie. 

Und doch sehen wir tiefer: Alle entscheidenden Schritte

hat Gott selber getan!

Was auch immer Menschen kalkulieren und im Schild führen: 

Gott kommt in jedem Fall zu seinem Ziel!

 

Ist Ihnen das im Leben auch schon aufgefallen?

Dass „der Mensch denkt, aber Gott (möglicherweise) lenkt“!?

Damit sind wir allerdings nicht aus dem Schneider, 

vor allem für unsere „krummen Touren“. 

Wir bleiben für unser Handeln - ob es gut oder böse war - weiter

voll verantwortlich!

Nur: Niemand kann Gott ausbremsen, 

ER kommt in jedem Fall zu seinem Ziel!

 

Für unsere Logik ist das zu hoch, 

aber deshalb ist ja auch Gott Gott - und ich bin nur ein Mensch!

 

Schauen wir uns einmal die Beteiligten etwas näher an: 

Da ist 

 

1. Der Hohe Rat - er ist ohne Rat und ohne Lösung

Seltsam, wie ratlos er am Anfang daher kommt. 

Die klugen Köpfe im obersten jüdischen Gericht sind 

in Alarmstimmung. 

Sie sehen nur einen denkbaren Weg, 

aber ist es schlau ihn zu gehen?

 

Da sind die mächtigen Hohenpriester und - politisch eng mit ihnen 

verbunden - die Sadduzäer ... ratlos. 

Sogar die Pharisäer, sonst eher die fromme Opposition in diesem 

Gremium und ganz auf das Alte Testament konzentriert ... 

Sie sind Jesus bisher am Nächsten gekommen ... ratlos. 

Alle sehen genau die Sackgasse, 

aber keine Lösung. 

 

Eigentlich ist die Person von Jesus gar nicht das Problem, 

sondern die von ihm ausgelöste Wirkung im Volk!

Er hat unglaubliche Dinge getan, 

noch ganz frisch in der Erinnerung ist 

die Auferweckung des Lazarus in Bethanien, 

direkt vor den Toren Jerusalems, 

nach vier Tagen, er war bereits beerdigt ... 

 

So was wirft Fragen auf!

Alle erzählen sich mit großem Staunen davon, 

wie jener Lazarus von Jesus aus dem Grab herausgerufen wurde.

Immer mehr nehmen Jesus auf 

mit offenen Armen, 

sehen in ihm ihre Hoffnungen erfüllt: Das ist der Messias!

Die Stimmung im Volk wird immer stärker.

 

So sieht sich der Hohe Rat jetzt gezwungen, 

seine Zurückhaltung aufzugeben. 

Wenn das so weiter geht, 

wird’s bald drunter und drüber gehen ...

 

Alte Erinnerungen stehen auf: 

Schon früher waren Leute als Messiasse aufgetreten. 

Die Römer sind dann schnell dabei kurzen Prozess zu machen

und - der Hohe Rat verliert mit 100 prozentiger Sicherheit 

seine Macht. 

Es seht viel auf dem Spiel, 

was tun?

 

 

Da ist

2. Der Hohepriester: Er ist entschlossen zur Gewaltlösung

Kaiphas weiß es besser. 

Er schreckt vor begrenzter Gewalt nicht zurück, 

wenn es dazu führt, Frieden und Ordnung zu erhalten. 

Was gilt schon ein einzelnes Menschenleben?

Manchmal heiligt der Zweck eben die Mittel!

Und hier läuft etwas aus dem Ruder ...

 

Sie haben es so oft versucht, 

diesem Jesus religiös beizukommen. 

Aber jedes Mal sind sie gescheitert. 

Jetzt hilft nur noch, politisch zu denken. 

Der „finale Rettungsschuss“ muss her, 

der den Bedroher zur Strecke bringt

und die Bedrohten vor weiterem Leid bewahrt. 

 

Besser den einen opfern, als dass alle leiden müssen. 

 

Kein Politiker heute würde so viel anders handeln, 

wenn es darum geht, das Leben von Menschen zu retten, 

für die man Verantwortung trägt.

 

In den Augen der Verantwortlichen damals war Jesus ein 

echter Unruhestifter - mit gemeingefährlichen Auswirkungen.

Vor allem hat er den überkommenen Glauben 

so radikal heraus gefordert. 

 

Abwarten geht jetzt nicht mehr, 

wir müssen radikal durchgreifen. 

„Wer etwas anderes sagt, der blickt‘s nicht!“ (V49), 

stellt Kaiphas fest.

 

 

Und da ist 

3. Gott unsichtbar im Spiel: Er plant unsere Erlösung

Übertragen auf heute, würde das Kalkül um den „Fall Jesus“

wahrscheinlich ganz ähnlich ausfallen. 

Wenn auch ohne physische Beseitigung des Problemfalls ...

Der Kaiphas hat die Vor- und Nachteile seines Handelns 

gut überlegt und ist zum Schluss gekommen: 

Nur so schützen wir uns und unser Volk vor dem Untergang. 

„Einer (muss) für alle (dran glauben!)“

 

Und genau diesen Blick auf die verwickelten Verhältnisse, 

aus denen es keinen anderen Ausweg mehr zu geben schien, 

bricht der Evangelist Johannes jetzt auf 

und lässt uns dahinter schauen. 

 

Dabei kommt er zu einem anderen Ergebnis:  »Einer für alle« – 

das gilt nicht nur - aus taktischen Überlegungen - heraus. 

Dahinter steht göttliche Absicht.

 

Stellvertretend für alle, 

auch für die, die gerade seinen Tod beschlossen haben, 

sollte der Sohn Gottes sterben –, 

von Gott selber dazu auf den Weg gestellt.

 

So – und nur so – konnte und sollte die entscheidende Rettung 

geschehen. 

 

Eine Rettung, die sich nicht mit dem Rauswurf 

der lästigen Römer aus dem Land abgibt, 

wie viele damals geträumt haben. 

 

Sondern eine Rettung, die viel tiefer und grundlegender ansetzt: 

Die Menschen sollen mit dem einen Herrn über Leben und Tod 

selber wieder ins Reine kommen. 

Der Graben unserer Trennung von Gott soll überbrückt werden

Wir haben im Konfirmanden-Unterricht darüber gesprochen: 

Das Kreuz von Jesus soll zur Brücke werden, 

über die wir gehen können - über die Sünde weg - zu Gott. 

Weil alle Behelfsbrücken, unser religiöses Bemühen, 

unser soziales Engagement ... 

keinen Weg zu Gott schaffen können ...

 

Jesus - der eine Sündlose - musste für uns alle, 

die wir von Geburt an Sünder sind 

und verloren gehen, sterben ...

um die Macht der Sünde zu brechen 

und welche Auswirkungen die Sünde bis heute hat, 

das sehen wir überall dort, wo Jesus nicht regieren darf ...

 

Das „Irre“ ist doch, 

dass Gott sich nicht gescheut hat, 

so zutiefst verständliche Entscheidungen von Menschen

(des Kaiphas, des Hohen Rats) für seinen Heilsplan einzusetzen. 

 

Das, was sie tun, ist Sünde ...

und sie tun doch - ohne die Tragweite zu erkennen - 

genau das, was Gott geplant hat, um die Welt zu retten. 

Ein ausgeklügelter Schachzug Gottes, 

der das Handeln des Gegners ins eigene Vorgehen integriert

um zum Ziel zu kommen. 

 

Und es gehört noch jemand zu den Beteiligten, das sind 

 

4. Wir: Geben wir alles für den Einen?

Liebe Festgemeinde, liebe Konfirmanden,
alles, was wir wirklich brauchen,
schenkt Gott uns in Jesus Christus.

Das heißt, er will es uns schenken:
Das Heil unserer Seele, den Frieden mit Gott,
Vergebung für unsere Sünden.

Wir dürfen zu ihm gehören –
in den leichten und schwierigen Zeiten unseres Lebens.
Und wir dürfen Gott auch um alles andere bitten,
was wir brauchen.

Der Verfasser unseres Predigttextes bescheinigt dem Hohen
Hohenpriester Kaiphas,
dass er aus prophetischer Eingebung das Urteil über Jesus
gesprochen hat.
Jesus würde für das jüdische Volk sterben,
und nicht nur für dieses Volk,
sondern auch, »um die verstreuten Kinder Gottes zusammen-
zubringen«. 


Damit sich auch wir gemeint,
wir, die wir aus damaliger Sicht, im tiefsten Germanien, leben
„Barbaren“ sind … und heute die Bibel haben dürfen,
die Botschaft von Jesus,
von seinem Tod am Kreuz - für uns.

Erreicht sie uns noch?
Leben wir mit Jesus, der alles für unser Heil getan hat
und wofür wir nicht genug danken können?

In wenigen Wochen werden die Konfirmanden gefragt werden: 

„Wollt ihr mit Jesus Christus (als) eurem Herrn leben, 

im Glauben an ihn wachsen

und in seiner Gemeinde bleiben?“


In dieser Frage steckt die Herausforderung:
Will auch ich - alles - für den Einen geben,
der für mich - alles gegeben hat?

Das wünsche ich uns so sehr,
denn damit hat unser Leben Zukunft,
ob wir jung oder alt sind. 


Denn dann ist Gott mit uns zum Ziel gekommen
und wir mit ihm.
Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 21.10.2018
9:15 Uhr:
Kirchweih in der Schwabentorhalle in Dennach (Pfarrer Held)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikant Schäfer)
Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 24.10.2018
18:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Anfänger
19:00 Uhr in Schwann:
Gitarre für Fortgeschrittene
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis Tankstelle für junge Erwachsene bei Steffi