2016-01-10

Predigt über Römer 12,1-3 / Pfarrer Bühner

Der Bibelabschnitt, den wir heute betrachten, 

steht im Brief des Apostels Paulus an die Römer, 

Kapitel 12, Verse 1-3

Wie ein Scharnier steht er dort, 

am Gelenk zwischen dem 1. und dem 2. Teil des Römerbriefs.

 

Bisher hat Paulus immer davon gesprochen, 

was Gott für die Menschen getan hat

und jetzt dreht er sich nochmals um und fragt zurück: 

Und welche Folgen hat das jetzt, 

was Gott für die Menschen tut? 

"Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, [schreibt Paulus], durch die 

Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, 

das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. 

Das sei euer vernünftiger Gottesdienst!

Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch 

durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, 

was Gottes Wille ist nämlich das Gute und Wohlgefällige 

und Vollkommene. 

Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist jedem unter

euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich‘s gebührt zu 

halten, sondern dass er maßvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott

das Maß des Glaubens ausgeteilt hat.“

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

drei Dinge stellt uns der Apostel Paulus hier vor Augen: 

1. ) Vergesst nicht: Ihr gehört jetzt Gott und das ganz.

2.)  Vergesst nicht: Eure Maßstäbe sind jetzt anders

    und zwar ganz anders und 

3.) Vergesst nicht: Ihr braucht einander und zwar ganz. 

 

(Ihr gehört jetzt Gott - ihr habt jetzt neue Maßstäbe - 

ihr braucht einander!)

 

 

Der erste Punkt:

1. Vergesst nicht: Ihr gehört jetzt Gott und zwar ganz 

Gebt eure Leiber Gott zum Opfer!
Das ist der erste Ausrufesatz!

Wenn der Apostel Paulus hier von einem
Opfer der Christen spricht, 

das sie Gott darbringen sollen,
dann in einem völlig anderen Sinn, 

als man sich das in der heidnischen Umwelt

und auch in unserem nachchristlichen Deutschland vorstellt: 

 

Das christliche Opfer ist eine dankbare Reaktion (Antwort!)

auf jenes Opfer, das Gott selber gebracht hat
und wie wir’s an Weihnachten besungen haben - erinnern 

Sie sich noch? -:
„Ich steh an deiner Krippen hier, 

o Jesu, du mein Leben, 

ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben ...“ (1)

 

In diesem Sinn hat es Paulus gemeint:
Gebt eure Leiber Gott zum Opfer! 

„Eure Leiber“ - das heißt: euch ganz, 

nicht etwas von euch
und nicht einzelne Opfergaben wie das Heiden tun, 

sondern Gottes ganzes Opfer entspricht es nur, 

wenn auch Du Dich mit Deinem Leben Gott ganz zur 

Verfügung stellst!

Wenn Du alles gibst, was mit Dir verbunden ist. 

 

Sich Gott zur Verfügung stellen, das heißt zunächst, 

sich Gott einmal ganz grundsätzlich übergeben, 

eine bewusste Entscheidung für ein Leben mit ihm zu treffen

und dann - diese Entscheidung immer wieder neu - wahr machen, 

sie aktualisieren,

Gott immer wieder neu mein Leben, meine Zeit, 

meine Kraft, meine Prioritäten zur Verfügung stellen. 

 

Ganz konkret, 

weil ich es sonst ja doch nicht tue, 

oder es mache, 

wie ich es früher gemacht habe, 

wie es „alle“ machen, 

wie ich es gewohnt war, 

wie es bequem ist. 

 

Nichts an mir soll jetzt noch ein Eigenleben führen, 

sich Gottes Herrschaft entziehen wollen. 

Das gibt uns hier Paulus zu bedenken. 


Aber warum eigentlich, könnten wir fragen!?

 

Darauf antwortet Paulus mit einem zweiten Ausrufesatz:

(b) Nur wenn Du Gott Dein Leben ganz zur Verfügung stellst, 

dann bringt das Gewinn!

Wir alle wissen:
Unsere menschliche Natur kann damit gut leben,
von Zeit zu Zeit gewisse „religiöse Pflichten“ zu erfüllen,

mal wieder in die Kirche zu gehen,  

zum Jahreswechsel einen größeren Schein zu spenden, 

sich sozial zu engagieren ...

Denn diese gelegentlichen „Opfer“ 

lassen der menschlichen Natur immer noch genug Spielraum

für Kompromisse im Alltag, 

für ein Leben in zwei Welten gleichzeitig. 

Mit Gott und ohne Gott. 

Diesen Weg versuchen viele.

Sie wollen sich nicht ganz festlegen. 

 

Genau dagegen wehrt sich nämlich unsere menschliche Natur, 

dass ich mich ganz auf ein Leben mit Christus festlege!

Dass ich ihm mein Leben quasi über-gebe!

Dass ich sage: Nimm’ mein Leben, mach’ Du was draus, 

ich bin bereit!

 

Ist das nicht maßlos übertrieben?

Tun das nicht nur Fanatische?

 

Aber bedenken wir:

Gott hat sich auch nicht nur ein bisschen für uns interessiert

und engagiert!

Er hat ein ganzes Opfer gebracht, 

er hat seine ganze Liebe gezeigt

und bis heute ganz, ganz viel Geduld mit einem jedem von uns!

 

Warum sollte er nicht mit Recht darauf warten, 

dass wir ihm darauf entschieden und ganz antworten!?

 

Immer wieder haben Menschen die Erfahrung gemacht, 

die Gott ihr Leben ganz übergeben haben, 

dass sie Gott dann gerade nicht eingeengt, 

sondern ihnen eine maximale Weite eröffnet hat:

„... du übergibst mich nicht in die Hände des Feindes, 

sondern stellst meine Füße auf einen weiten Raum“, 

lesen wir in Psalm 31, Vers 9. 

Oder „… Wo der Geist des Herrn ist [und dazu gehört immer auch

der Gehorsam des Glaubens!], da ist Freiheit“ (2. Kor 3,17). 

Die „Freiheit des Kinder Gottes“ …

Also eine Freiheit in geliebter Abhängigkeit …

Wer sein Leben Gott übergibt, 

der entdeckt sehr schnell, 

dass die Alternative - sein eigener Steuermann bleiben zu wollen - 

letztlich Selbstbetrug ist. 

 

Da mache ich mir was vor!

Da glaube ich, ich hätte mein Leben in der Hand, 

meine Gesundheit, mein Wohlergehen …

Aber bringe mich gerade dadurch unter Druck. 

 

Und beide Sichtweisen lassen sich nicht kombinieren. 

Entweder ich folge mir (meinem natürlichen Denken): 

Dann muss ich Gottes Reden immer ein Stück weg schieben, 

damit da noch Platz zwischen ihm und mir ist …

und es besteht die Gefahr, 

dass Gott mich laufen lässt, 

dass er sich zurück zieht von mir. 

 

Oder ich lasse ihn ganz an mich heran!

Das ist der Schritt des Vertrauens, den er erwartet - und segnet:

Ein solcher Mensch tut sich selbst das Beste!

Er erfährt Gottes Geist,

er lässt alles in seinem Leben von Gott 

den richtigen Platz zuweisen, 

er erfährt seinen Wert („Kind Gottes“ sein zu dürfen)

und seine Würde (von Gott aufgehoben aus dem Staub 

zu sein - mit einem Platz in Gottes Reich). 

Nicht mehr abhängig zu sein vom „Marktwert“, von Alter

und Gesundheit, von Anerkennung oder Missachtung …

 

Wer sein Leben Gott als „ganzes Opfer“ zurück gibt, 

dessen Glaube wird sich ständig erneuern (2), 

der wird wachsen, 

„volle Genüge haben“, 

„Leben im Überfluss“ haben (3), 

wie es Jesus den Seinen verspricht.

 

Der Apostel Paulus erinnert uns an dieser Scharnierstelle des

Römerbriefs genau daran: 

Nur „ganz bei Jesus“ macht Sinn, 

nur „ganz bei Jesus“ führt ans Ziel (4). 

 

„Ein Leben, gegeben für das, was wirklich zählt, 

ein Leben für Gott …“ ist im besten Sinne „ver-nünftig“. 

 

Denn es bringt nur Gewinn.

Jetzt in diesem Leben

und erst Recht in der Ewigkeit. 

 

Nur ein Leben für Gott … macht das Leben zum Gottesdienst!

 

Nachdem Paulus zunächst das Ganz oder Garnicht heraus gestellt hat, 

betont er jetzt in einem zweiten Merksatz: 

 

2.)  Vergesst es nicht: Eure Maßstäbe als Christen sind
jetzt anders und zwar ganz anders

(a) Stellt euch nicht dieser Welt gleich!

Heißt das also, Christen sollen permanent gegen die bürgerliche

Gesellschaft leben, zu der sie ja auch gehören, 

weil sie ihr im Glauben ja schon enthoben sind?

 

Das hat Paulus nicht gemeint

 

Im griechischen Urtext steht hier wörtlich: 
„Ihr passt (jetzt) nicht (mehr) in das Schema dieser Welt“
oder wir können auch übersetzen:
„Fügt euch nicht (mehr) ins Schema dieser Welt!“ 

 

Was heißt das, wenn nicht:

Christen sollen sich auf keinem Gebiet „gleichschalten“ lassen,
sie sollen keine stromlinienförmige Gestalt annehmen, 

sich nicht wie Aale durch das Leben schlängeln,
unsichtbar am Seegrund, 

kaum bemerkt.

Wer Gott gehören und so lebt, sagt Paulus, 

der braucht gewissermaßen einen „sechsten Sinn“,
ein solides Orientierungsinstrument, 

einen Kompass,
ein Gewissen, das sich am Wort Gottes ausrichtet

und nicht an den Strömungen im Wasser. 

 

Wer Gott ganz gehört, 

muss aufpassen, 

dass er sich nicht unbewusst am Denken und Treiben 

seiner Umwelt orientiert und „mit schwimmt“.

„Stellt euch nicht dieser Welt gleich!“, 

das heißt nicht, sich von allen und allem zurück zu ziehen, 

sondern 

    - eine gesunde Distanz zu den Maßstäben dieser Welt
        zu leben, 

    - nicht mit den Wölfen zu heulen, 

        um nicht das zu tun, was vielleicht eine Mehrheit für 

        richtig und vernünftig hält (Abtreibung, aktive Sterbe-

        hilfe … Notlügen … Lebensformen, die Gott nicht 

        segnet …), aber Gott ablehnt.

Unter Gottes Segen kann nur stehen, was Gott segnet. 

Daran muss sich das Denken eines Christen messen lassen. 

Und der Maßstab dazu ist Gottes Wort.  

Nicht Mehrheiten … oder das Empfinden einer Gesellschaft. 

Das „Schema“ dieser Welt muss Dinge manchmal 

komplett anderes einordnen wie Gott. 

Das sollten wir von vorne herein bedenken

und dann so leben und handeln, 

wie es Gott gefällt. 

 

 

Deshalb ruft Paulus dazu auf: 

(b) Ändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes! 

Was heißt das anderes als: 

Lasst euch die falschen Maßstäbe dieser Welt nehmen 

und gewinnt neue Kriterien für euer Denken

aus der Erkenntnis von Gottes Willen!

 

Da hilft es nicht, z. B. zu sagen: 

„Ich glaube, was die Kirche glaubt“ (oder wenigstens meistens). 

Auch unsere Kirchen sind kein geschützter Raum. 

Auch hier gibt es ein Ringen um die Wahrheit, 

auch hier gibt es viel „Welt“, viel „Schema der Welt“, 

einen gefühlten Anpassungsdruck …

grobe Irrtümer … (EKD-Familienpapier, „Medien-Stars“ …)

 

Wir erleben einen Hype um das Lutherjubiläum 2017 (500 Jahre 

Thesenanschlag). 

Aber manches Mal denke ich: M. Luther würde sich im Grab

herum drehen, wenn er sehen würde,

wie wenig heute seine Entdeckung der alleinigen Wahrheit

in Jesus Christus, das vierfache „Allein“ der Reformation:

    - Gnade - Glaube - Schrift - Christus 

überhaupt eine Rolle spielt. 

 

Stattdessen diskutieren wir über Begriffe wie 

„Gerechtigkeit“, „Toleranz“ losgelöst vom Kompass der Betrachtung, 

der Bibel als Norm. 

 

Das kann nicht gut gehen …

Christen können selbst keine neuen Maßstäbe setzen. 

 

Paulus betont in diesem Bibelwort: 

Passt euch nicht den herrschenden Moden an, 

    - nicht den Modeideen, 

    - nicht den Modeideologien, 

    - nicht der Modemoral!

 

Aus natürlicher Sicht erscheint manches, 

was Christen für hoch und wichtig halten, 

wahrscheinlich als altmodisch, überholt und rückwärts gewandt. 

Und es kostet Überwindung, 

trotzdem dazu zu stehen, 

dafür zu werben. 

Der Paulus hält unbeirrt fest: 

„Ändert euch durch die Erneuerung eueres Sinns!“

Das ist für ihn lebensnotwendig. 

Weil eine falsche Anpassung geistlich kaputt macht. 

Wir sind nicht dazu berufen, Chamäleons zu sein …

 

Das Spannungsfeld Glaube und Welt werden wir trotzdem 

nie ganz verlassen, so lange wir leben. 

    - Christen sind in die Welt gestellt, sind offen für die Welt und 

    - trotzdem nicht von der Welt, haben andere Maßstäbe als sie.
Darum geht es Paulus. 

 

Auch kann niemand aus eigener Kraft dem Anpassungsdruck 

standhalten! 

Aber im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes 

können Christen ihren alternativen Lebensstil durchhalten  

und die eigenen Maßstäbe einsetzen! 

 

Es kann sein, dass so eine Haltung zunächst einmal 

auf viele anstößig wirkt 

und trotzdem ist sie unserer Gesellschaft letztlich zum Segen! 

 

Ja, ich behaupte sogar, dass es eine stille Sehnsucht in unserer 

Welt gibt nach solchen Menschen, 

die sich nicht den Trends anpassen, 

sondern ihrem Glauben fröhlich und konsequent leben

und Gottes Geboten treu bleiben!

 

(c) Prüft, was der Wille Gottes ist!, 

gibt uns Paulus mit! 

Überwindet das gespaltene Denken, in dem ihr meint, es gäbe

Lebensbereiche, in denen ihr 

    - nicht zu beten und 

    - nicht nach Gottes Willen zu fragen braucht, 

    - in denen die reine praktische Vernunft gilt. 

 

Prüft alles, was ihr tut, auf seine Tauglichkeit nach Gottes Maßstäben! 

Denn das führt in die königliche Freiheit der Kinder Gottes 

und zu einem Leben, das Gott bestätigen wird! 

Es geht dabei wirklich nicht um Lappalien, 

sondern um Sein oder Nichtsein als Christ! 

 

Jetzt heißt der 3.) und letzte Merksatz des Paulus:

 

3. Vergesst es nicht: Ihr braucht einander und zwar ganz. 

Vom Evangelium her steht völlig außer Zweifel: 

    - Jeder Christ hat eine geistliche Gabe, 

    - jeder wird mit seiner Gabe in der Gemeinde gebraucht und 

    - aus jeder Gabe folgt eine Aufgabe! 

Wer sein Leben Gott übergeben und eine neue Einstellung 

bekommen hat, der wird darauf achten, dass er die Maßstäbe 

geistlichen Lebens zuerst im privaten und gemeindlichen 

Rahmen bewährt.

 

Und da wird er über Gemeindegrenzen hinweg Schwestern und 

Brüder erkennen, die nicht einfach aneinander vorbei laufen können, 

sondern die sich brauchen und für die alle unser Wochenspruch gilt:

„Die der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder!“ 

(… Beispiele ...)

 

Weil Christen einander brauchen, 

egal, aus welchem Stall sie kommen ...

Weil nicht Geschmack, sondern Gottes Geist 

sie innerlich vereint und verbindet. 

 

Für Paulus ist klar: Nach dem Schema dieser Welt

wird ein Mensch zuerst einmal seine Karriere und seinen persönlichen

Vorteil im Blick haben, aber unter Christen muss das ganz anders

sein: 

Hier gibt es nur ein Dienen aneinander und miteinander, 

ein Dienen für den HERRN 

in dieser Welt, in die er seine Jünger hineingestellt hat.

 

Deshalb ist für Paulus das Leben der Christen 

insgesamt ein Gottesdienst! 

 

Und diese Welt das Übungsgelände für den Himmel. 

 

Der Platz, an dem wir Gott Ehre machen sollen 

und ihn verherrlichen. 

Ihn allein. 

Amen

 

 

Anmerkungen:

(1) EG 37,1

(2) 2. Kor 5,15.17

(3) Joh 10,11

(4) Mt 16,25f




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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