2015-11-22 Ewigkeitssonntag

Predigt über Matthäus 25,1-11 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen Ewigkeitssonntag

aus dem Matthäus-Evangelium, Kapitel 25, die Verse 1-11:

„Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, 

die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen.

Aber fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug.

Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit.

Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, 

samt ihren Lampen. 

 

Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig 

und schliefen ein. 

 

Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam 

kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!

Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. 

Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von  eurem Öl, 

denn unsere Lampen verlöschen.

Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns 

und für euch nicht genug sein; 

geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst. 

 

Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; 

und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, 

und die Tür wurde verschlossen. 

 

Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: 

Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: 

Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. 

 

Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.“ 

 

 

 

Ist das nicht niederschmetternd, 

liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden?

 

Da stehen fünf Frauen vor der Tür und wollen zum Fest.

Aber die Tür ist zu. 

Sie läuten und klopfen. 

Aber es nützt nichts!

Sie hören das Lachen und riechen das großartige Essen. 

Aber sie sind draußen! - Draußen vor der Tür!

Die Hochzeit findet ohne sie statt.

 

Als endlich der Bräutigam kommt und fragt, was sie denn wollen, 

wird ihre Lage noch hoffnungsloser: „Ich kenne euch nicht! 

Ihr könnt gehen!“, sagt er. 

 

Hoffnungslos! 

Das ist das erschütternde Ende eines Gleichnisses, 

das Jesus seinen Jüngern erzählt. 

Und damit warnt Jesus seine Nachfolger:

Passt auf, dass ihr das Ziel nicht verfehlt.

Passt auf, dass es euch am Ende nicht geht wie diesen törichten 

Jungfrauen!

Das wäre schrecklich! 

Das wäre hoffnungslos! 

 

Was ist denn unsere Hoffnung? 

 

Und, ja, ich frage jeden von uns persönlich: 

Hast Du schon diese über allem 

(über Leben und Tod, über Freud und Leid, über guten und 

schlechten Zeiten)

stehende Hoffnung für Dein Leben?

 

Der große Dichter Berthold Brecht hat für sich einmal klipp und klar 

gesagt (1): 

„Ich gestehe es: ich habe keine Hoffnung. 

Die Blinden reden von einem Ausweg - ich sehe. 

Wenn die Irrtümer verbraucht sind, sitzt als letzter Gesellschafter 

uns das Nichts gegenüber.“ 

 

Viele Menschen denken heute so.

 

Was kommt am Ende unseres Lebens?

Was kommt nach dem Tod? - Das Nichts? 

 

Ein alter Mann hat mir bei einem Geburtstagsbesuch einmal 

gesagt: „Ach, Herr Pfarrer, ich kann das nicht glauben, 

dass da noch was kommt. Ich hab’ in meinem Leben so viel 

sinnloses Leid, so viel sinnloses Elend gesehen. 

Da kann nichts mehr kommen …“

 

Andere sind einfach nur glücklich …

Ihnen geht’s gut. 

Seit fünf Jahren sind die ersten einer Generation in Rente, 

die keinen Krieg erlebt haben bei uns. 

Es wird so viel vererbt, wie nie zuvor. 

Weltreisen bis ins hohe Alter … werden gemacht. 

Für solche Menschen ist das Leben unendlich toll und schön …

 

„Was kann denn noch Besseres kommen als das, 

was wir jetzt gerade erleben?“ - denken sie. 

„Umweltprobleme hin oder her: Eigentlich haben wir doch das 

Paradies auf Erden, sooooo viele Möglichkeiten …“

Sie sagen: 

„Ich genieße das Leben! Nutze seine Möglichkeiten aus!

Wer weiß denn, ob danach noch was kommt?“

 

Verstehen Sie mich nicht falsch, 

ich gönne es jedem von uns, der auf der „Sonnenseite“ des

Lebens steht … und seine Todesanzeige einmal nicht mit

„Arbeit war sein Leben“ überschreiben will. 

 

Aber für jeden endet diese Glückssträhne einmal. 

Ich erlebe das so oft. 

Irgendwann kommt die bohrende Frage: 

    - Ist das wirklich alles?

    - Und: Ist nach meinem Tod wirklich alles aus?

    - Kommt da nichts mehr? 

 

Heute Morgen stellt uns Jesus eine ganz große Hoffnung

unsere Augen! 

Eine Hoffnung, für die zu leben, 

heute beginnt … und an der wir aktiv beteiligt sind!

 

 

1. Die große Hoffnung

Jesus beschreibt das Himmelreich mit einer großen Hochzeit.

Das schönste Fest, das wir Menschen kennen, 

ist grade noch gut genug, um das zu beschreiben, 

was einmal auf uns zukommen soll. 

 

Gott lädt jeden von uns ein - zu seinem Fest.

 

Das heißt also schon mal: 

Das Größte, das Beste und Schönste im Leben kommt noch!

Nicht das Nichts oder das Aus ist das Ziel meines Lebens!

Ich brauche auch nicht kapitulieren vor den Szenarien

einer im Chaos versinkenden Welt

oder einer Welt, die vor lauter ökologischem und ökonomischem 

Raubbau vollends herunter gewirtschaftet wird, 

die den Nachkommen nur noch Müllhalden überlässt. 

 

Nein, das Ziel, das Gott mir und dir bereithält, 

ist ein wunderbares (mega cooles, ultimatives) Fest! 

 

Diese Welt und mein Leben mag trudeln und driften, 

aber es ist nicht Gottes, sondern unser Problem, 

wenn wir darin die Orientierung, Gottes großes Ziel aus den 

Augen verlieren. 

Und die Gefahr, dass wir dieses Ziel (diese Orientierung)

aus den Augen verlieren, ist riesengroß!

 

Mit dem Ergebnis, 

dass wir uns - mangels großem Lebensziel - in lauter kleinen Zielen 

verlieren.

 

Jesus will nicht, 

das sagt er uns mit diesem Gleichnis, 

dass ich in einer sinnlosen Tretmühle umkomme!

Er will nicht, 

dass mein Leben ein sinnloses Kreisen um mich

und meine Fragen ist. 

 

Sondern er stellt mir ein Ziel vor Augen, 

für das zu leben 

und auf sich zu konzentrieren, sich wirklich lohnt: 

Und er vergleicht es mit einem „großen Hochzeitsfest“, 

zu dem alle Menschen eingeladen sind! 

 

Wo wird diese „große Hoffnung“ konkret?

Heute?

 

Ich denke da an die Erfahrung einer jungen Krankenschwester zur

Ausbildung. Sie war noch nicht lange in Ausbildung - und ziemlich

unsicher, wenn Patienten dem Tod nahe kamen. 

Eines Tages bekommt sie den Auftrag einer alten Frau beim 

Sterben beizustehen:

„Ach, bleiben sie doch eine Zeit bei dieser Frau!“ 

 

Da war die junge Schwester allein im Zimmer mit einer sterbenden 

Patientin, die ruhig, aber schwach atmete.

Und die Schwester schaut sich diese Frau genau an: 

Sie sieht die alten, abgearbeiteten Hände: 

    Was die wohl alles getan hatten?

Sie sieht das vom Leben gezeichnete, alte Gesicht: 

    Was hat diese Frau nicht alles gesehen?

Dann sieht sie auf dem Nachttisch eine alte, zerlesene Bibel liegen. 

Und sie erinnert sich an einen Gesprächsfetzen, den sie vor ein paar

Tagen mitbekommen hat. 

Da hat diese alte Frau gesagt: „Ich weiß, wer auf mich wartet“. 

 

Und das hat sie gewundert. Sie hat nämlich nicht gesagt: 

„... was auf mich wartet“, sondern „... wer auf mich wartet!“ 

 

Und die Schwester nimmt die Bibel zur Hand 

und findet darin einen Zettel im Johannes-Evangelium liegen, 

auf dem das Wort von Jesus stand:

„Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, 

der wird leben, auch wenn er stirbt“. 

 

Als die Schwester aufschaut, da merkt sie, 

dass die alte Frau verstorben ist.  ( - ) 

 

Schauen Sie, das ist die große Hoffnung: 

Jesus, der auferstandene Herr, wartet auf uns. 

Er wartet darauf, 

dass wir unser Leben auf dieses große Ziel hin ausrichten! 

Um in Ewigkeit bei Gott zu sein! 

 

Doch das Gleichnis hat noch einen anderen Schwerpunkt, 

den will ich heute mal überschreiben mit …

 

2. Der verrußte Glaube

Diese Hoffnung, dieses Fest mit und bei Gott, das die eine Seite!

Die schöne Seite. 

Wer wollte da nicht dabei sein? 

 

Aber jetzt erzählt uns Jesus auch von „törichten“ Jungfauen. 

Sie waren „töricht“ - also „leichtsinnig“, „dumm“ …

Was haben die falsch gemacht?

Warum standen sie am Ende draußen vor der Tür?

Und warum konnten denn die Klugen von ihrem Öl nichts abgeben?

 

Ja, was ist denn der Unterschied zwischen beiden?

 

Sie machten sich doch alle auf den Weg, 

wie es damals Brauch war!?

Sie gingen alle an das Stadttor, 

um auf den Bräutigam zu warten. 

Der war noch beschäftigt mit den Verhandlungen um den Brautpreis. 

Das hatte seinen Grund darin, dass er ja auch eine bildhübsche Braut

haben wollte … und die war viel wert!

 

So waren sie also alle draußen und haben gewartet. 

Und als es spät wird, sind sie alle müde - und schlafen der Reihe

nach ein. 

Bis hierher ist kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen 

zu sehen. Sie waren alle gleich. 

 

Aber plötzlich werden sie aus ihrem Schlaf gerissen: „Der Bräutigam 

kommt! Das Fest beginnt!“ - wird laut gerufen. 

Und plötzlich wird der Unterschied sichtbar:

Die Klugen reinigen ihre Fackeln, tränken sie mit neuem Öl  

und die brennen wunderbar. 

Aber die anderen sind ratlos!  

An das haben sie nicht gedacht!

Sie haben keinen Vorrat an Öl! - Ihre Fackeln blieben dunkel! 

 

„Geht schnell, vielleicht hat der Kaufmann noch was!?“, 

wird ihnen gesagt. Aber es ist zu spät!

Als sie Öl haben und vor das Hochzeitshaus kommen, 

sind die Türen schon verriegelt. 

 

Was war also der Unterschied? 

Sie hatten kein Öl mehr für ihre Fackeln. 

Ihre Fackeln waren nur noch verrußte Stecken! 

 

Ein verrußter Glaube! 

Das war ihr Problem!

 

Ein Glaube, in dem nichts Neues mehr ist, 

kein Leben mehr, 

in dem nichts mehr brennt!

Ein Glaube, der abgebrannt ist, verkohlt! 

Da ist kein lebendiger Glaube 

und keine Hoffnung mehr. 

 

Was ist denn passiert?  

So genau wird es nicht benannt. 

Aber vielleicht hat alles so angefangen, 

dass das Gebet so merkwürdig leer geworden ist: 

Alles nur noch Routine, ein immer gleiches Geplapper!?

Und mit der Zeit hat man es dann ganz gelassen.

Es ist einfach ausgefallen. 

Auch der Gottesdienstbesuch … er fand einfach nicht mehr statt. 

 

Oder da war einmal eine Zeit, 

in der das Bibellesen dazu gehörte. 

Aber mit der Zeit ist es langweilig und leer geworden. 

Da ist das gute alte Stück einfach in den Schrank gewandert

und die Flamme des Glaubens hat abgenommen, 

sie hört mit der Zeit auf. 

Der Glaube ist verrußt! 

 

Was kann man dagegen tun? 

„Geht zum Kaufmann“, sagten die klugen Jungfrauen zu den anderen.

Aber wer ist der Kaufmann? 

 

Es ist Jesus selber! - Bei ihm kann man neu Öl kaufen! 

Bis heute. 

Er bietet beste, frische Ware an!

Er bietet uns seine rettende Liebe an!

Wenn unsere Liebe ganz kalt geworden ist, 

wenn unser Lebensmut und unsere Geduld am Ende ist, 

dann gibt er uns kostenlos neu 

von seiner großen Liebe. 

 

Er bietet uns neu den Glauben an, wenn ich merke, 

dass meine Fackel am Verrußen ist.

Wenn Schuld und Rechthaberei mich anfangen kaputt zu machen, 

dann gibt er mir neu seine Vergebung und seinen Glauben. 

 

Ich darf einfach zu ihm kommen 

und kaufen - heute. 

 

Heute stellt er uns seine große Zukunft ganz neu vor Augen, 

als die Hoffnungsperspektive unseres Lebens schlechthin!

 

Vielleicht ist der Ewigkeitssonntag dazu ein besonderer Moment, 

weil Dich das Leid so getroffen hat, 

weil Dich der Tod eines Angehörigen nicht los lässt

und Dir alle Hoffnungen zwischen den Fingern zerronnen sind. 

Dann will Dir Jesus in diesem Gleichnis von den 10 Jungfrauen

ganz neu begegnen. 

 

Denn er stellt dem, der zu ihm kommt - und heute Öl kauft, 

damit sein Glaube nicht verrußt -, 

vor Augen, dass das Beste noch kommt, 

und dass es allen Grund gibt, aufzustehen und voller Hoffnung

zu leben. 

Auf die Begegnung mit Jesus hin zu leben. 

Sich vorzubereiten. 

Klug zu sein. 

 

Zu wissen, ich brauche eine brennende Flamme des Glaubens, 

um beim großen Fest mit Jesus sein zu können. 

 

Wie sieht dieser Glaube konkret aus?

Es ist ein …

 

3. Der wache Glaube 

Die klugen Jungfrauen haben Öl mitgebracht. 

Sie haben vorgesorgt. 

Ihre Fackeln bennen noch. 

 

Jesus stellt sie uns vor Augen und sagt damit: Deshalb wacht!!! 

 

Was will er damit sagen?

Er sagt damit: Ein brennender, wacher Glaube ist der Glaube, 

der auch in der Nacht des Lebens am Kommen Jesu Christi festhält. 

Es ist der Glaube, der auch in dunklen Stunden weiß: 

Jesus Christus ist der HERR. 

 

Ein brennender, wacher Glaube aber muss nicht unbedingt ein 

nach außen starker Glaube sein!

Er ist oft sogar ein tief angefochtener Glaube!  

 

Es war am Ende des Dritten Reiches: 

Dietrich Bonhoeffer saß im Gefängnis. 

Seine Gedanken hat er in Briefen aufgeschrieben, 

die aus dem Gefängnis geschmuggelt worden sind. 

Einer dieser Briefe ist ein tiefes Bekenntnis. 

 

„Wer bin ich?“, fragt Bonhoeffer (2):

 

„Wer bin ich? Sie sagen mir oft,

ich träte aus meiner Zelle

gelassen und heiter und fest

wie ein Gutsherr aus seinem Schloss. 

 

Wer bin ich? Sie sagen mir oft, 

ich spräche zu meinen Bewachern

frei und freundlich und klar, 

als hätte ich zu gebieten

 

Wer bin ich? Sie sagen mir auch, 

ich trüge die Tage des Unglücks

gleichmütig, lächelnd und stolz, 

wie einer, der siegen gewohnt ist. 

 

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? ...

 

Wer bin ich? Einsames Schweigen treibt mit mir Spott. 

Wer ich auch bin, du kennst mich -, dein bin ich, o Gott.“ ( - ) 

 

 

„Dein bin ich, o Gott.“

 

Darauf kommt es an. 

Das ist dieser wache Glaube, 

der sich tief in Gott geborgen weiß, 

weil er Jesus Christus angenommen hat, 

Vergebung empfangen hat und daraus Freude und Hoffnung.

Und mit dem Glauben an Jesus ist die größte Hoffnung des 

Lebens verbunden ist, einmal - mit ihm - in seinem Reich - 

dabei zu sein. Ein ewiges Fest zu feiern. 

 

Wachet und betet, fordert Jesus uns auf. 

Seid „klug“. Kauft heute Öl. 

Spielt nicht auf Zeit. 

Lasst den Glauben nicht verrußen. 

Bitte Gott darum, 

dass er Deinen Glauben ganz neu entfacht. 

 

Dann kann Dich nichts und niemand aus der Bahn werfen.

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Freitag, 22.06.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann
18:15 Uhr:
Mädchenjungschar 8-13 Jahre im GH Schwann (Gewusst wie)
Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann