2015-11-01 Reformationsfest

Predigt über Matthäus 5,3-12 / Pfarrer Friedhelm Bühner

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

„vergnügt. Erlöst. Befreit. Einfach evangelisch“  

heißt es in einem Glaubenskurs, 

in dem es um die Reformation geht, 

an die wir uns heute erinnern. 

 

Aber ich frage mich: Bin ich das?

Bin ich einfach evangelisch und damit vergnügt, erlöst und befreit?

Oder: Wie kann ich dahin kommen?

 

Jesus weist uns einen Weg. 

Er gibt aber keine Tipps, was ich dafür tun muss, 

sondern er beschreibt ein Geheimnis, 

ich nenne es das Geheimnis der Glückseligkeit, 

denn am Anfang seiner berühmten Bergpredigt sagt Jesus 

folgendes  (Mt  5,3-12, unser Predigttext für heute): 

 

„Selig sind, die da geistlich arm sind, 

denn ihrer ist das Himmelreich. 

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. 

Selig sind die Sanftmütigen;  denn sie werden das Erdreich besitzen. 

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; 

Denn sie sollen satt werden. 

Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. 

Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen. 

Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; 

Denn ihrer ist das Himmelreich. 

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen 

schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, 

wenn sie damit lügen. 

Seid fröhlich und getrost; 

Es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. 

Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, 

die vor euch gewesen sind."

 

 

 

(I. Jesus, der glücklichste Mensch)

 

Liebe  Gemeinde, liebe Konfirmanden,

ich will die Seligpreisungen zunächst nicht, 

wie es oft gemacht wird, auf irgendwelche Menschen beziehen: 

Arme, Leidende, engagierte Leute, 

die für Gerechtigkeit kämpfen, für Frieden 

oder die sich für die Ärmsten der Armen engagieren. 

Ich will die Seligpreisungen Jesu auch nicht auf uns beziehen, 

die wir heute Morgen hier sitzen. 

 

Denn und das überrascht uns vielleicht, 

die Seligpreisungen zeigen uns zuallererst das Wesen dessen, 

der sie ausspricht. 

Sie sind durchdrungen und werden durch-leuchtet vom Charakter und

dem Wesen von Jesus Christus. 

Das zeigt unser Predigttext Satz für Satz: 

 

1.) Jesus ist der wahre „geistlich Arme“, weil er sich ganz 

abhängig weiß von seinem Vater im Himmel. 

„Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, 

was er den Vater tun sieht“ (Joh 5,19), 

heißt es z. B. im Johannes-Evangelium. 

 

Jesus lebt und lehrt völlig abhängig von Gott, 

dem Vater im Himmel.
Er ist ganz und gar auf ihn angewiesen – 

Das ist wahre Armut, geistliche Armut.
Das wird bei Jesus auch in äußerlicher Armut deutlich, 

abhängig von Gottes Fürsorge. 

Deshalb sagt er zu seinen Jüngern: „Die Füchse haben Gruben 

und die Vögel unter dem Himmel haben Nester. 

Aber der Menschensohn hat nichts um sein Haupt hinzulegen“ (Mt 8,20.). 

Also geistlich und äußerlich arm ist Jesus. 

 

2.) Jesus ist auch der wahre „Leidtragende“: 

Er weint über Jerusalem, die königliche Stadt, 

die ihren wahren König und Heiland nicht haben will. 

Jesus stöhnt, als er einen Taubstummen von der erdrückenden 

Last dieser Behinderung heilt. 

Und der weint über den Tod seines Freundes Lazarus (Joh 11,35). 

 

3.) Voller Erbarmen, voll  gnädiger Liebe wendet sich Jesus 

jedem Kranken oder auch Besessenen zu. 

Jede Heilungsgeschichte in den Evangelium drückt auf ihre 

Weise aus: Jesus ist der Barmherzige. 

Er ist auch 

 

4.) der wahre Sanftmütige. Er lädt uns ein: 

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; 

ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir;

denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; 

so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 

Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“ (Mt 11,28-30). 

 

Schon der Prophet Jesaja hat auf Jesus hin geweissagt: 

„Er wird nicht streiten noch schreien … das geknickte Rohr wird

er nicht zerbrechen“ (Jes 42,2f in Mt 12,19f). 

Nicht gewalttätig, brutal und manipulativ, 

sondern gütig, freundlich und sanft ist Jesus, der Herr. 

Er ist 

 

5.) auch der Friedefürst, der wahre Friedensstifter. 

Er bringt mehr als äußere, politische Ruhe und Waffenstillstand - 

er schenkt inneren Frieden. 

Weil Jesus selber diesen tiefen inneren Frieden hat, 

schlägt er nicht zurück, als man ihn schlägt. 

Nein, er betet sogar für die, die ihn auslachen und verspotten, 

bittet am Kreuz: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, 

was sie tun.“

 

6.) So bewahrt Jesus ein reines Herz. 

Es heißt von ihm, dass er alle Versuchungen und Glaubensproben

durchlebt hat, mit denen wir - auch - zu kämpfen haben - und er ist

darin „ohne Sünde“ geblieben (Hebr 4,15). 

Sein Herz bleibt rein. 

 

7.) Jesus hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, 

danach, dass alle -, ja alle - die Liebe Gottes erfahren. 

„Die Starken brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken“, 

sagt er einmal (Mk 2,17)

Den Selbstgerechten, denen, die mit sich selbst, 

ihrem Leben, ihrem Besitz, ihrer Leistung zufrieden sind, 

droht er: „Weh euch Reichen. Denn ihr habt euren Trost schon 

gehabt …“ (Lk 6,24f). 

 

8.) Für diese Gerechtigkeit, die die Schwachen stärkt 

und die Starken zurechtweist, nimmt Jesus sogar Leiden auf sich. 

Für diese Gerechtigkeit, in der es keine besseren und keine

schlechteren Menschen vor Gott gibt, 

setzt der Herr letztlich sein Leben ein. 

 

 

Liebe Gemeinde, wir sehen: 

Jesus Christus erfüllt alle Glückseligpreisungen!

Er lebt seine Lehre!

In IHM liegt das Geheimnis des Glücklichseins, 

der Glück-Seligkeit!

 

Demnach war Jesus der glücklichste Mensch, 

der je gelebt hat. 

 

 

(II. Jesu Jünger, die glücklichsten Menschen)

 

Was bedeutet das jetzt für uns?

Wie finden wir das - wahre Glück?

 

Wir finden es, indem wir Jesus Christus nachfolgen!

Indem wir in seine Fußstapfen treten, 

sein Wesen auf uns abfärben lassen, 

eben „seine Jünger“ sind. 

 

Deshalb heißt es in der Einleitung zu den Seligpreisungen (Mt 5,1f): 

„Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; 

und seine Jünger traten zu ihm. 

Und er tat seinen Mund auf und lehrte sie …“

 

Liebe Geschwister im Glauben, 

es gibt viele Möglichkeiten, 

in dieser Welt Gutes und Sinnvolles zu tun. 

Aber glückselig preist Jesus seine Jünger. 

Diejenigen also, die ihm hinterher gehen auf dem Weg

der geistlichen Armut, des Mit-Leidens und Klagens, 

hinterhergehen auf dem Weg der Sanftmut

und der Sehnsucht nach Gerechtigkeit, 

dem Weg der Barmherzigkeit, 

der Reinheit und des Friedens

und - dem Weg des Unrecht-Erleidens - um seinetwillen. 

 

Diesen Weg will ich mit Ihnen jetzt noch ein Stück genauer 

anschauen: 

 

1.) Die „geistlich Armen“ sind nicht einfach Leute ohne Geld, 

sondern es sind Menschen, 

die alles, was sie sind und haben, 

ihrem Vater im Himmel verdanken, 

die sich abhängig wissen von seiner Fürsorge, 

die nicht stolz auf ihren Besitz und ihre Leistung, 

vielleicht sogar fromme Leistung, schauen, 

als hätten sie ihre Kräfte und Fähigkeiten aus sicher selber

heraus gehabt. 

Geistlich arm sind wir, wo wir Gott - leere Hände - hinhalte, 

dass er sie füllen kann. 

 

Geht es uns äußerlich gut, 

dann vergessen wir leicht, wie sehr wir Gott brauchen. 

Umgekehrt kann Armut auch verbittern. 

 

„Geistlich arm“ sind wir deshalb nicht einfach wegen 

materieller Not, sondern nur dann, 

wenn wir allein auf Gottes tägliche Güte

und sein beständiges Erbarmen hoffen. 

 

2.) Die „Sanftmütigen“ verzichten (soweit es an ihn liegt) 

auf Gewalt und auf Brutalität. 

Sie halten es aus, dass Menschen Gottes Liebe ablehnen

und setzen niemand unter Druck. 

Güte, Milde und echte Freundlichkeit zeichnen sie aus -, 

nicht Jähzorn und Rechthaberei. 

 

3.) Wer in der Nachfolge von Jesus nach der Gerechtigkeit

hungert und dürstet, dem liegen die Schwachen ganz besonders 

am Herzen, z. B. die Drogenabhängigen, die Überschuldeten, 

die Gescheiterten - 

und vor allem die, die Jesus noch nicht kennen. 

 

Der oder die ist getrieben von der Sehnsucht: 

„Dein Reich komme, dein Wille geschehe, 

wie im Himmel so auf Erden …“, 

in engsten und im weiteren Umfeld, 

in meinem Freundeskreis und bei meinen Arbeitskollegen. 

Was Gott will, was Jesus will, 

das will ich tun - und nicht, was „man“ tut. 

 

4.) Die „Barmherzigen“ lassen sich anrühren von der Not anderer

und es drängt sie zu helfen - nicht nur äußerlich, 

sondern auch so, dass der Mensch innerlich heil wird. 

Sie helfen mit Tat und Wort. 

 

Und wenn sie böse Menschen anschauen, 

dann sehen sie in ihnen nie nur den Schuldigen oder den Täter, 

sondern immer auch jemand, dem Gottes Zuwendung so sehr fehlt …

 

5.) Die „Menschen reinen Herzens“ halten sich von dem fern, 

was Gott nicht gefällt. 

Und das finden sie heraus, 

indem sie die Bibel lesen und ernst nehmen.    

Sie meiden nach Kräften böse Worte, Ratsch und Tratsch, 

schlechte Gedanken, blöde Gewohnheiten und liebloses 

Verhalten, aber auch solche Dinge wie Pornografie, 

die uns innerlich (seelisch und emotional) kaputt machen. 

 

6.) Die „Friedensstifter“ zeichnen sich aus durch die Bereitschaft

zu vergeben. 

Gottes Friede in ihren Herzen gibt ihnen die Kraft dazu, 

auch einmal die andere Backe hinzuhalten 

oder die zweite Meile zu gehen - trotz des Risikos, 

dass der andere das schamlos ausnutzt. 

 

Auf politischer Ebene ist ihnen wichtig,

dass zuerst alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, 

bevor mit Gewalt drein geschlagen wird, 

dass politische Feinde - soweit als nur irgend möglich - verhandeln

und den Kontakt wieder suchen. 

 

7.) Und die, die um der Gerechtigkeit willen verschmäht, 

verfolgt und verleumdet werden -, das sind zur Zeit vor allem 

die 200 Millionen unserer Glaubensgeschwister in aller Welt, 

die wegen ihres Glaubens an Jesus Christus

nicht sicher wohnen, sondern fliehen müssen, 

oft niedrige Arbeit verrichten, 

in Gefängnissen oder Arbeitslagern schmachten, 

nicht selten sogar Folter und die Todesstrafe erleiden -

mehr als je zuvor in der Geschichte der Kirche!

 

 

(III. Glückselig schon jetzt?!)

 

Wie kann Jesus alle diese Christen

und uns, wenn wir Jesus nachfolgen, selig preisen?

 

Sind wir nicht eher die Dummen, 

wenn wir mitten in einer harten Welt so abhängig, 

so mitleidend und barmherzig, 

so friedliebend, so rein und gefährdet leben?

 

Nein, liebe Geschwister in Christus, 

als Jünger von Jesus sind wir nicht die Dummen, 

sondern wir werden das Geheimnis der Glückseligkeit erfahren, 

sogar hier und jetzt - in diesem Leben!

 

Paulus und seine Mitstreiter haben es erlebt - 

mitten in Armut, Trauer, Ungerechtigkeit und Verfolgung. 

So schreiben sie einmal voll innerer Bewegung (2. Kor 4,8-10):

„Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. 

Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. 

Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. 

Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. 

Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe, 

damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde …“.

 

Wir „dienen Gott als die Sterbenden und siehe, wir leben, …

als die Traurigen, aber allezeit fröhlich, als die Armen, 

aber die doch viele reich machen.“ (2. Kor 6,9f). 

 

Ganz ähnliche Worte hat die eritreische Gospelsängerin 

Helen Berhane in einem Interview gebraucht. 

Sie wird gefangen genommen und schwer misshandelt, 

weil sie die Gute Nachricht von Jesus Christus weitergibt. 

Letztlich kommt Helen nur deshalb frei, 

weil sie von einem Polizisten dermaßen schlimm zugerichtet wird, 

dass man ihr keine Überlebenschancen mehr gibt. 

 

Einmal wird sie verhört und gefragt, 

warum sie nicht aufhöre von Jesus weiterzuerzählen. 

 

Sie antwortet, dass sie nicht anders könne, 

als dem Beispiel ihres Meisters zu folgen. 

Daraufhin wird sie vier Monate lang in einem eisernen 

Schiffscontainer in grausame Einzelhaft gesteckt. 

 

Und ausgerechnet über diese Zeit sagt sie: „Für mich war es 

die beste Zeit meiner Haft. Ich kam an Papier und einen Stift. 

Mit viel Freude schrieb ich Lieder und Zeugnisse. 

Jeden Tag vier oder fünf ermutigende Botschaften für meine

Mitgefangenen. 

 

„Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen 

schmähen und verfolgen … Seid fröhlich und getrost; 

es wird euch im Himmel reich belohnt werden.“ - 

 

Seid vergnügt, erlöst und befreit, 

denn die Gnade Gottes kehrt selbst die widrigsten Umstände

zum Guten.

 

Sie - ist unsere Kraft und Freude. 

Sie - steckt hinter dem Geheimnis der Glückseligkeit, 

das mitten in großem Elend und Unrecht geschieht. 

 

Deshalb, lasst uns heute nicht einfach Reformationsfest feiern, 

sondern die Gnade Gottes, 

die er uns durch Jesus schenkt

und die wir annehmen dürfen. 

Amen

 

(Ich danke Pfarrer Chr. Lehmann für seinen Predigtentwurf)

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Donnerstag, 15.11.2018
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9:15 Uhr:
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Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
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