2015-04-06 Osterfest

Predigt über Markus 16,1-8 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde am Ostermorgen, 

 

stellen Sie sich vor, Sie bekommen die Gute Nachricht, 

auf Ihrem Konto sind € 200.000 eingegangen. 

Dann haben Sie zwei Möglichkeiten: 

Entweder Du ignorierst Sie als ein Hirngespinst 

oder Du schaust wirklich nach, checken ob es stimmt. 

 

Im zweiten Fall würde ich mir sofort die Frage stellen: 

Woher kommt das Geld?

Wie kommt es, dass ich diese enorme Summe erhalten habe?

 

Viel unglaublicher, geheimnisvoller und wichtiger für unser Leben

als die € 200.000 auf dem Konto ist eine andere Nachricht.

Nämlich die unglaubliche, aber unglaublich gute und frohe

Nachricht, dass unser Herr, Jesus Christus, 

von den Toten auferstanden ist

und ein ganz neues Leben zuwege gebracht hat. 

 

Und wie die € 200.000 Euro auf dem Konto, 

so erzeugt diese Osternachricht bei vielen nur ungläubiges 

Kopfschütteln. 

 

Aber von Anfang an hat es auch die gegeben, 

die dieser Top-News auf dem Grund gegangen sind und Fragen

gestellt haben: Kann das sein?

Und woher kommt diese gute Nachricht?

So einer war Markus, dessen Recherche (Evangelium) wir heute 

morgen hören. 

 

Markus hat sein Evangelium geschrieben

für alle, die der Sache mit Jesus und seiner Auferstehung

auf den Grund gehen wollten. 

Dabei beschreibt er Jesus als einen, der sich nicht selber

inszeniert hat. 

Sein Leben, Lehren, seine Heilungen, sein Leiden und Sterben,

das war alles keine Show für den „Supersohn Gottes“.

Nein, das hat er alles für uns getan, 

um uns zu dienen, 

um uns zu befreien von den Mächten des Bösen 

und sogar - vom Tod. 

 

Diese demütige, dienende Art von Jesus durchzieht das Evangelium. 

Noch nicht einmal seine Auferstehung, das Wunder aller Wunder, 

benutzt er, um die Menschen endlich mit einem gigantischen,

spektakulären Auftritt zu überwältigen!

 

Viele Menschen halten die Auferstehung von Jesus 

ohnehin für eine nette Osterlegende 

während wir uns womöglich längst daran gewöhnt haben

und sie fast freudlos für normal halten!?

 

Der Evangelist Markus aber erzählt:

Die beste Nachricht der Welt ist weder ein Märchen

noch eine Selbstverständlichkeit, 

sondern sie musste sich durchsetzen

durch einen Wirrwarr aus Angst, Faszination, Schrecken 

und Ehrfurcht!

 

Ich lesen den Predigttext für den Ostersonntag aus dem Markus-

Evangelium, Kapitel 16, die Verse 1-8:

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und 

Maria, die Mutter des Jakobus - und Salome - wohlriechende Öle, 

um hinzugehen und ihn zu salben. 

Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, 

als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt

uns den Stein von des Grabes Tür? - Und sie sahen hin und wurden

gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. 

Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur

rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an - und 

sie entsetzten sich. 

Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von 

Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. 

Siehe da, die Stätte, wo sie ihn hinlegten. 

Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch 

hingehen wird nach Galliläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch

gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab, denn

Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem

etwas; denn sie fürchteten sich.“

 

 

Der Engel am leeren Grab

Kein Zweifel: Das Grab ist leer!

Die drei Frauen, die Markus nennt, waren dabei, 

als Jesus gekreuzigt worden ist.

Und sie haben gesehen, wohin man seinen Leichnam gelegt hat. 

Aber jetzt ist er weg. Eindeutig. 

Aber warum ist Jesus weg?

 

Eigentlich läuft alles ganz menschlich ab: 

Drei Frauen, die um Jesus trauern, 

wollen seinen Körper nach damaliger Sitte mit wohl riechenden Ölen

salben - ein letzter, hilfloser Liebesdienst

um den Verwesungsgestank ein bisschen zurück zu drängen. 

Und die Frauen überlegen ganz praktisch: 

„Wer rollt uns bloß den schweren Stein weg, 

der vor der Grabkammer liegt?“

 

Aber jetzt, wo das Grab offen und leer ist, 

tritt plötzlich ein Engel auf. 

Macht das die Ostergeschichte am Ende nicht doch zu einem Märchen?

 

Ich glaube nicht. 

Ich glaube, Gott wusste was er tat, 

als er einen seiner Boten geschickt hat, 

um den Frauen die gute Nachricht zu schicken. 

Sie wären niemals selber auf die Idee gekommen, 

Jesus könnte auferstanden sein, 

obwohl er das immer wieder voraus gesagt hatte. 

 

Schon bei seiner Geburt war es so.

Hätten die Hirten wohl kapiert, 

was für ein besonderes Baby da vor ihnen in dem vergiften 

Futtertrog liegt -, wenn es ihnen nicht ein Engel verkündigt hätte:

„Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr!“

 

 

Wir brauchen die frohe Botschaft

Ich glaube, wir alle sind genau wie die Frauen. 

Wir können uns total im allzu Menschlichen verlieren. 

Wir sehen nur den Stein, der weg muss - und vergessen, 

dass unser Gott viel mehr tun kann!

Wir leben und leiden, 

als könnten wir nicht beten und hoffen. 

Wir verzweifeln an Problemen oder Problemchen, 

als hätte uns Jesus nie seine Hilfe versprochen. 

Wir verfallen in miese Stimmung oder dunkle Gefühle, 

als hätten wir noch nie von dem Wunder aller Wunder gehört. 

 

Manchmal erschrecke ich, wie schlecht ich gelaunt sein kann

wegen Kleinigkeiten. 

Manchmal erschrecke ich, wie freudlos ich glaube, 

obwohl ich die beste Nachricht der Welt glauben darf. 

 

Gott sei Dank schickt er uns - göttliche und menschliche - Boten, 

die uns eine Gute Nachricht bringen!

Wir brauchen sie 

und müssen sie uns immer wieder neu sagen lassen, 

auch heute: „Entsetzt euch nicht und habt keine Angst!

Bleibt nicht bei dem stehen, was euch gerade auf den Magen schlägt

oder zweifeln lässt. 

Verliert euch nicht im Allzumenschlichen. 

Jesus - ist - auferstanden!

Er ist stärker als alles, was eure Gedanken oder Gefühle verdunkelt. 

Er ist mächtiger als alles, was euch nach unten zieht. 

Er ist auferstanden und lebt!“

 

 

Die Reaktion der Frauen

Wie reagieren die zwei Marias und Salome auf diese Ansage

des Engels?

 

Sie rennen weg, zittern, sind völlig durch den Wind!

Und erzählen erst einmal gar niemand auch nur irgend etwas!

Aber warum denn?

Was ist denn los?

Warum freuen sie sich denn nicht?

Warum sind sie nicht begeistert und fallen den Leute mit dieser

Nachricht um den Hals?

 

Wahrscheinlich, weil sie von der nackten Angst gepackt sind. 

 

Klar, da passiert etwas total Unerwartetes, Seltsames -, 

was sie überhaupt nicht einordnen oder verstehen können. 

Aber es wird sich in ihre Angst auch ein Hauch von Staunen

gemischt haben, dass da wirklich ein Wunder passiert sein könnte -,

eine ehrfürchtige Ahnung: Gott könnte seine Finger hier im Spiel 

gehabt haben. 

 

Und so zittern die Frauen und laufen weg - aus Angst, 

aber auch aus Aufregung: „Unser Herr, Jesus, lebt!

Die Sache mit ihm ist doch nicht zu Ende. 

Sie geht weiter, ja vielleicht, beginnt sie sogar neu!?“

 

Aber wer würde ihnen das glauben?

Sie würden sie alle für verrückt erklären und sagen: 

„Ihr spinnt doch wohl. 

Hört auf mit euren Träumereien, 

bleibt auf dem Boden der Tatsachen - statt von einer Auferstehung

zu Quatschen. So was gibt’s nicht!“

 

Deshalb erzählen die Frauen erstmal niemand davon. 

 

 

Freude muss sich Bahn brechen

Liebe Gemeinde, 

sind wir immer Feuer und Flamme für Jesus?

Ober braucht es da nicht auch immer wieder einen „Zündwürfel“ für 

die Freude im Glauben -, eine neue „Zündung“, 

die inmitten einer Mischung aus Zweifeln und Staunen, 

aus Angst und Aufregung, 

aus Begeisterung und Feigheit - entstehen kann!?

 

Da ist eine Frau, 

deren Mann und Verwandte sich überhaupt nicht für den Glauben 

interessieren. 

Sie ist schon froh, wenn sie unbehelligt in die Kirche gehen kann

aber daheim ist sie hin- und hergerissen 

zwischen dem, was sie glaubt

und dem, wie die anderen wohl reagieren,

wenn sie davon erzählt. 

 

Da sind zwei Jugendliche, 

die mit ihrem Christsein in der Klasse so ziemlich allein 

auf weiter Flur stehen. 

Es fällt ihnen manchmal richtig schwer dazu zu stehen, 

dass sie in der großen Pause zum „Schülerbibelkreis“ gehen …

Die Klassenkameraden wundern sich, 

dass es so etwas wie Christen überhaupt noch gibt.

„Wir dachten, die Kirchen seien leer“, sagen sie. 

 

Dass man bei so viel Unverständnis unsicher wird

und seine Begeisterung für Jesus manchmal für sich behält, 

wundert mich nicht. 

 

Und da sind die Christen, zum Beispiel im Orient. 

Seit Jahrhunderten leben sie und ihre Familien dort. 

Doch fanatische Terroristen finden, dass sie Ungläubige sind. 

Sie müssen den Mund halten, 

am besten übertreten oder auch verschwinden -

wenn sie nicht umgebracht werden wollen. 

 

Wie zerrissen müssen da unsere Glaubensgeschwister sein 

zwischen der Angst vor dem, was ihnen angedroht wird

und ihrem Glauben an Jesus, den Auferstandenen, 

den sie doch eigentlich gerne teilen wollen …

 

Ja, in diesem Leben und in dieser Welt

muss die Osterfreude immer wieder neu „zünden“

bevor sie uns erfasst

und - durch uns - andere ansteckt. 

 

 

Liebe Gemeinde, 

wir sehen: Die Auferstehung ist kein Riesenspektakel, 

keine Megashow, mit der Jesus alle in seinen Bann zieht. 

Wie bei den Frauen damals am Grab, 

so ist es auch bei uns heute:

Die frohe Botschaft muss sich immer wieder langsam - und 

manchmal mühsam - den Weg bahnen.

Vom Kopf zum Herzen, 

durch dunkle Gefühle oder miese Laune, 

durch Zweifel im Glauben oder Lebensängste, 

durch äußere und vielleicht noch mehr durch innere Widerstände

in uns selbst durch. 

 

Aber dass die Osterfreude nicht einfach nur so flutscht, 

zeigt uns doch gerade: 

Ostern ist echt!

Dass Jesus lebt, ist kein frommes Hirngespinst

und kein hilfloses Wunschdenken. 

 

Es ist die Wahrheit, die sich langsam aber sicher durchsetzen wird.

Es ist die beste Nachricht aller Zeiten - 

besser als € 200.000 auf dem Konto - 

und wir können wir voll vertrauen.

Amen


(Ich danke Pfr. Chr. Lehmann für seine Vorarbeit zu diesem Predigttext!)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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