2015-02-01

Predigt über Matthäus 20,1-16 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

wie fühlt es sich an, 

wenn du nach getaner Arbeit sagen kannst:

„Es hat sich gelohnt!“?

 

Ein gutes Gefühl, befriedigend, 

du kannst zufrieden sein mit dem, was du geschafft hast 

und vielleicht sogar ein bisschen stolz darauf!

Du bekommst auch was für das, 

was du geleistet hast: 

Dein Gehalt oder Anerkennung, ein Lob. 

Und du merkst, dass du es verdient hast, 

fühlst dich gerecht behandelt. 

 

Es fühlt sich einfach gut an, 

wenn man das Gefühl hat: Es hat sich gelohnt!

 

„Wird es sich lohnen?“ -, 

mit dieser Frage gehen wir jeden Tag um. 

 

Deshalb ist es ziemlich provokant, 

was Jesus gleichnishaft über Arbeiter in einem Weinberg sagt. 

 

Unser Predigttext ist das Gleichnis von den Arbeitern im 

Weinberg und steht im Matthäus-Evangelium, Kapitel 20,1-16:

„1 Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am 

Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. 

2 Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen 

als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. 3 Und er ging aus 

um die dritte Stunde und sah andere müßig auf dem Markt stehen 

4 und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will 

euch geben, was recht ist. 5 Und sie gingen hin. Abermals ging er 

aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. 

6 Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere und sprach 

zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? 7 Sie sprachen 

zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sprach zu ihnen: Geht ihr 

auch hin in den Weinberg. 8 Als es nun Abend wurde, sprach der Herr 

des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen 

den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. 9 Da kamen, 

die um die elfte Stunde eingestellt waren, und jeder empfing seinen 

Silbergroschen. 10 Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden 

mehr empfangen; und auch sie empfingen ein jeder seinen Silbergroschen. 

11 Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn 12 und 

sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast 

sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben.

13 Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich 

tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen 

Silbergroschen? 14 Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem 

Letzten dasselbe geben wie dir. 15 Oder habe ich nicht Macht zu tun, 

was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel drein, weil ich so 

gütig bin? 16 So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die 

Letzten sein.“

 

 

Was der Weinbergbesitzer da tut, 

das ist ja wohl das Letzte, 

das kann der doch nicht machen: 

Allen denselben Lohn auszahlen!?

So denke ich spontan. 

Das ist doch ungerecht 

und auch wirtschaftlich völlig unsinnig. 

 

Da haben sich die einen den ganzen Tag

bei sengender Hitze abgerackert - ist doch verständlich, 

dass sie protestieren, die Frühschaffer, nicht wahr!?

 

Die anderen, die Späteinsteiger, 

werden dagegen dankbar gewesen sein, 

schließlich sind sie unangemessen großzügig und gnädig

entlohnt worden. 

Sie wissen: Eigentlich hätten sie’s gar nicht verdient!

 

Je nachdem, aus welcher Perspektive man dieses 

Gleichnis anschaut, 

kann man das Ganze als ungerecht empfinden oder

eben Gottes unermessliche Gnade darin entdecken!

 

Hier wird deutlich, 

dass im Reich Gottes andere Gesetzmäßigkeiten gelten

als in dieser Welt. 

 

Wir erleben: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“

(der wird nicht mehr oder nur zu schlechteren Bedingungen 

eingestellt),

im Reich Gottes gibt: „Auch wer erst spät eintritt, 

den belohnt der HERR mit derselben Gnade wie alle 

anderen!“ (dabei sein ist alles!). 

 

Da stellt sich natürlich die Frage, 

ob wir uns zu den Ersten oder zu den Letzten zählen!

Es gibt Menschen, die sind seit frühester Kindheit dabei, 

haben gläubige Eltern oder gute Freunde gehabt, 

die ihnen ein Vorbild und eine Ermutigung waren, 

Jesus nachzufolgen (die sind nach ihrer Konfizeit
im Teenkreis geblieben und in der Gemeinde geblieben …).

 

Und es gibt andere: Ich denke an einen guten Schulfreund: 

Wir haben viele tiefgründige Gespräche geführt. 

Er ist kurz davor gestanden, 

ein Leben mit Jesus zu beginnen. 

Aber er hat es letztlich doch nicht getan. 

Ich hab’ die Hoffnung für ihn nicht aufgegeben, 

dass er die Kurve noch kriegt … 

und sei es erst in der letzten Lebensphase. 

Das Lebensalter macht es nicht, 

die Jahre mit Jesus, 

entscheidend ist das „dass“ - am Tag der Auszahlung. 

 

Wir sollen mit diesem Gleichnis offenbar etwas 

Wichtiges lernen: 

Es geht darum, dass ich im Weinberg Gottes arbeite, 

dass ich für den Besitzer des Weinbergs arbeite,

mich „einstellen“ lasse, wenn er ruft. 

 

Jesus zu dienen ist entscheidend, 

nicht, was ich dafür ver-diene!

Dass ich überhaupt für ihn arbeiten darf, 

ist schon Verdienst genug. 

 

Wo stehen wir da in unseren Überlegungen?

 

Mit diesem Gleichnis wirbt Jesus um Leute, 

die stolz darauf sind, 

ihm schon lange zu dienen 

und die davon ausgehen, dass Gott sie dafür einmal 

besonders entlohnen wird. 

Weil sie viel für ihre Gemeinde tun, 

weil sie vielleicht großzügig spenden

oder seit vielen Jahren wichtige Stützen sind. 

 

Muss das Gott am Tag „X“ nicht besonders berücksichtigen?

Und vielleicht schon in diesem Leben durch Gesundheit

und Erfolg honorieren?

 

Nein, muss er nicht, sagt Jesus!

 

Schauen wir noch einmal auf seine „Arbeiter“ …

 

 

1. Die Arbeiter der ersten Stunde

 

Sie haben es gut, sagt Jesus. 

Schließlich haben sie Arbeit und die Aussicht auf einen 

gerechten Lohn. 

 

Am Abend bekommen sie das, 

was man gebraucht hat, 

um eine Familie für einen Tag zu ernähren:

Einen Silbergroschen. 

Damit sind sie für einen Tag die Sorge um ihren 

Lebensunterhalt los. 

 

Überhaupt gebraucht zu werden, 

etwas Sinnvolles tun zu dürfen, 

das ist ihre Auszeichnung. 

Damit haben sie es wirklich besser als die anderen!

 

Damit sagt Jesus: 

Gott gehören zu dürfen, ihm zu dienen, 

für ihn zu leben, 

das ist ein Privileg, ein Vorrecht!

 

In einer Zeit, in der sich so viele schwer tun, 

ihrem Leben überhaupt einen Sinn abzugewinnen, 

hier sagen zu können: 

Ich habe einen HERRN (Jesus), 

der kann mich gebrauchen, 

für den darf ich mich einsetzen, 

mit den Gaben, die er mir gegeben hat

und anderen, die er mir noch zeigen wird -, 

das gibt meinem Leben eine unbeschreibliche Freude!

Und ich will Jesus einfach loben und preisen dafür, 

in seinem Reich schaffen zu dürfen!

Dass er mich „angesehen hat“ (… das hat Maria gebetet:

„Gott hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen“ (Lk 1,48)), 

dass er mich überhaupt wollte für sein Reich.

 

In diesem Sinn haben die Arbeiter der ersten Stunde

denen, die erst später dazu kommen, viel voraus!

Sie haben ihr Leben schon früh mit Jesus führen dürfen, 

sind schon früh zum lebendigen Glauben gekommen, 

haben ihren Lebenssinn in Jesus gefunden

und damit eine Aufgabe, 

ein klares Ziel vor Augen - sie haben deutlich weniger Lebenszeit - 

verplempert!

 

Deshalb lässt Jesus die Überlegung nicht gelten, 

als sei das womöglich eine Zumutung gewesen

mit Blick auf den „Lohn“.

 

Jedem, der sich fürs Reich Gottes verpflichten lässt, 

ist genau ein Tageslohn zugesagt worden vom Hausherrn, 

das, was jemand zum Leben braucht 

für sich und die seinen. 

 

„Was wollt ihr eigentlich mehr als das Leben?“

Fragt sie Jesus hier. 

„Ihr kriegt doch den ganzen Lohn. 

So, wie jede und jeder, der die Einladung ins Reich 

Gottes annimmt“. 

 

Aber die alten Hasen im Glauben 

beneiden plötzlich die anderen, 

die das Geschenk eines frühen Lebens mit Jesus

gar nicht kennen!

 

Wie ist das Gespräch mit den Jüngern wohl weiter gegangen?

Wir wissen es nicht. Das Gleichnis endet offen. 

Haben sie es gelernt?

Haben sie weiter gemeckert?

Haben sie dem Hausherrn den Silbergroschen vor die 

Füße geschmissen?

 

Wie geht es Ihnen?

Wenn Sie Jesus schon seit vielen Jahren nachfolgen: 

Hören Sie seine Bitte heraus, 

sich doch an diesem Leben, das er gibt, zu freuen?!

Und es anderen nicht zu neiden?!

 

Es ist Gottes Güte und nicht Dein Verdienst, 

dass Du von Jesus überhaupt in Dienst genommen bist!

 

Freue Dich doch an Gottes Güte!

Denn wer das nicht kann, 

der lehnt Gott im Innersten ab

und wird so von einem Ersten - zu einem Letzten!

 

Und da gibt es die anderen …

 

 

2. Die Arbeiter der letzten Stunde

 

Haben sie einfach Pech gehabt?

Oder waren sie zu bequem?

Drei, sechs, neun oder sogar elf Stunden 

haben sie nichts mit sich anzufangen gewusst, 

hatte ihr Leben im Grunde keinen Inhalt. 

Sie haben ohne Gott gelebt, 

waren „fern vom Reich Gottes“ (Mk 12,34, der „reiche Jüngling“).

 

Sind sie darin zu beneiden?

„Tagsüber faul und abends einen vollen Geldbeutel“?

War der Mensch, der mit Jesus gekreuzigt worden ist

und sich buchstäblich noch in letzter Minute Jesus zugewandt hat

(„sei mir Sünder gnädig …“)

wirklich in so einer beneidenswerten Lage?

 

Es ist bitter erkennen zu müssen:

Ich habe mein Leben an Gott vorbei gelegt

und damit so vieles verpasst!

 

Ich erlebe gar nicht so selten Menschen, 

die haben ihre Entscheidung für ein Leben mit Jesus

immer wieder auf die lange Bank geschoben. 

Mit dem Gedanken, 

dass sie sich dann irgendwann bestimmt auch mehr um 

Gott kümmern werden …

 

Aber viele von ihnen sind längst tot. 

Sie haben damit gerechnet,

dass Gott sie auch später noch „nimmt“ (anstellt). 

Aber er kam nicht mehr. 

Ihre Rechnung ist nicht aufgegangen. 

Zu spät …

 

Hier im Gleichnis ist es anders gewesen. 

Da ist der Besitzer des Weinbergs tatsächlich am späten
Nachmittag noch mal auf Anwerbetour gegangen. 

Obwohl der Arbeitstag schon fast rum war, 

hat er immer noch Arbeitslose angesprochen, 

konnte sie gebrauchen, 

hat sie eingestellt - wenn sie wollten. 

 

Wenn das nicht Güte, ja Gnade, ist! 

Denn kein normaler Arbeitgeber würde so handeln!

 

Und so sitzt vielleicht auch unter uns heute jemand da, 

der sich sagt: 

„Mensch, wenn ich noch nur noch mal ganz von vorn anfangen 

könnte!? - Aber mein Leben ist gelaufen, es geht nicht mehr!“

 

Dann will ich dir im Namen von Jesus zurufen: 

„Du irrst Dich!

Es ist nie zu spät, solange Du noch lebst! 

Erst danach ist es zu spät!

Denn Gott sucht noch heute Menschen. 

Lädt sie ein in sein Reich. 

Er kann auch Dich gebrauchen!

Lass Dich verpflichten!“ 

 

Und wenn dann der große Zahltag kommt, 

dann wirst Du sehen: 

In Gottes Reich bekommen sie alle - den einen - Silbergroschen. 

Egal, zu welcher Zeit sie dazu gekommen sind. 

Entscheidend ist nur das „Dass“. 

 

Wenn Gott gibt, 

dann gibt er immer voll und ganz, reichlich, nie nur anteilig!

 

Wer sich rufen lässt, bekommt alles!

 

Und darüber freuen sich die Arbeiten der letzten Stunde

natürlich wahnsinnig!

 

 

Ein letzter Blick noch auf …

 

3. Den Weinbergbesitzer

 

Der ist Gott selber. 

Und dieser Gott gebraucht und sucht Menschen. 

Seine Arbeit ist dringend und wichtig, 

so wichtig, dass alle von ihm hören. 

Und deshalb sucht er auch so dringend, 

deshalb braucht er Menschen. 

 

Die am Morgen und auch die am Abend noch. 

Und Sie, die Sie jetzt hier sind. 

 

Gott geht jedem nach, 

weil er uns so sehr liebt und will, 

dass jeder den Lohn bekommt. 

Niemand sollte denken, 

Gott brauche ihn nicht. 

 

Er gibt allen, die sich rufen lassen, das Leben:

    - Die Fülle des Lebens, 

    - ein erfülltes Leben, 

    - das ewige Leben. 

 

Das ist kein Lohn nach Leistung, 

sondern Lohn aus Gnade!

 

Und wie groß muss meine Freude darüber doch sein!

„Ich darf dabei sein!“

„Ich darf für Jesus arbeiten! Halleluja!“

„Er hat mich aufgelesen … aus dem Staub dieser Welt“

 

Wer sich darüber nicht freuen kann, 

der wird vom Ersten zum Letzten. 

 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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