2014-12-31 Jahresschlussgottesdienst

Predigt über Römer 15,7 (Jahreslosung 2015) / Pfarrer Friedhelm Bühner

 

Liebe Gemeinde, 

schauen Sie sich um! ( - )

Gibt es leere Plätze? ( - )

Wann ist zum letzten Mal jemand auf den Plätzen 

in Ihrer Nähe gesessen? ( - ) 

Was ist aus Ihnen geworden? ( - ) 

Sind Sie gestorben oder kommen nicht mehr in der Kirche? ( - ) 

 

Das sind schwierige Fragen

und ich weiß nicht, ob wir eine Antwort darauf finden. 

 

Einen oder zwei habe ich getroffen, 

die fühlen sich in diesem Raum nicht richtig willkommen. 

Weil mal jemand gesagt hat: „Aber dich hab’ ich auch schon

eine Ewigkeit nicht mehr im Gottesdienst gesehen!“

 

Andere genieren sich, 

nachdem sie so viele Jahre nicht gekommen sind, 

vor den Blicken der (kleinen) Gottesdienstgemeinde

und machen sich wahrscheinlich viel zu viele Gedanken, 

was die alle denken würden, 

wenn sie plötzlich auftauchen!

 

Junge Leute sehen wir wenige im Gottesdienst. 

Manche wünschen sich einen peppigeren Gottesdienst, 

neuere Lieder … weniger Orgel, 

ich kann das verstehen (und hoffe, dass wir in den nächsten 

Jahren zusammen mit dem Jugendreferenten eine „Schneise“

für sie schlagen können). 

Denn die Jugendlichen fehlen hier!

 

Ich denke aber auch an die älteren Gemeindeglieder, 

die wegbleiben. 

Einzelnen ist schon unser rotes Liederbuch zu modern, 

gefällt ihnen nicht. Deshalb bleibt ihr Platz leer. 

Viele Ältere fehlen aber auch, 

weil sie nicht mehr aus dem Haus können

oder ins Pflegeheim mussten. 

Wer nimmt ihren Platz ein?

 

Es fehlen uns Menschen, 

die zu uns als Gemeinde gehören. 

 

Sicher gibt es zig weitere Gründe für das Wegbleiben 

vom Gottesdienst und von der Gemeinde. 

An der frühen Uhrzeit am Sonntag jedenfalls kann’s nicht

liegen, denn viele kommen um die Zeit schon vom 

Spaziergang mit dem Hund zurück … oder brunchen zuhause. 

 

Dafür können wir wahrscheinlich nichts: 

Dass der Fernseher erst nach Mitternacht ausgemacht wurde

und das Bett zu bequem und warm war, 

dass die letzte Party erst um vier Uhr morgens an Fahrt

verloren hat, 

dass der Stress der Woche einfach so viel war, 

nach Schule oder Arbeit, 

Freizeitstress im Jagen von einem Event zum andern

und der Gottesdienst als weiterer Stresspunkt gewertet wurde, 

dass mit dem Gebet, dem Lobpreis Gottes

und mit der Verkündigung nichts anzufangen war …

 

Wie auch immer: 

Die leeren Plätze sind für uns ein Alarmzeichen!

In unserer Gemeinde ist nicht alles so, 

wie es sein könnte und sein sollte!

 

Vielleicht liegt unsere Misere ja teilweise daran, 

dass wir die Worte der Jahreslosung für dieses Jahr 2015 

nicht beherzigen: 

 

    „Nehmt einander an, 

    wie Christus euch angenommen hat

    zum Lobe Gottes!“

Der Apostel Paulus schreibt das in seinem Brief an die Römer, 

Kapitel 15, Vers 7.

    „Nehmt einander an, 

    wie Christus euch angenommen hat

    zum Lobe Gottes!“

 

 

Lassen Sie uns die drei Aussagen dieses Wortes näher

anschauen: 

 

Worum es geht: Nehmt einander an.

Wir können vieles „annehmen“. 

Wir können annehmen z. B., dass das Wetter besser oder 

schlechter wird, 

wir können ein Geschenk annehmen, 

auch wenn wir es nur in den Schrank stellen, 

weil es uns nicht gefällt. 

 

Wir können uns selber annehmen

und mit unserem Leben zufriedener werden. 

 

Wir können unser „Los“ annehmen - und resignieren. 

 

Was heißt das, „einander annehmen“?

 

Paulus benutzt hier das Wort „annehmen“ in einer ganz verbindlichen

Art und Weise - eher im Sinne von „ein Kind annehmen“.

Es geht nicht darum, 

dass wir jemand halt „akzeptieren“ oder „stehen lassen“. 

Es geht darum,

dass die Menschen, die wir annehmen, 

ein Teil von uns werden, zu uns gehören!

 

Ein angenommenes Kind toleriere ich nicht nur, 

ich nehme es an Kindes statt an

und liebe es wie mein eigenes. 

Es gehört zu mir. 

 

Worum es geht? - Einander annehmen!

 

 

2. Wie das geht: andere annehmen, wie Christus

uns angenommen hat.

Wir sind alle von Christus schon als Sünder geliebt gewesen

und er will jeden gerne an Kindes statt annehmen, 

will jedem vergeben dürfen, was uns von ihm trennt, 

so dass wir dann in Gemeinschaft mit ihm leben können. 

 

Wer das erlebt hat, 

dass er so von Christus angenommen worden ist, 

der kann auch sich annehmen - mit allen Schwächen und Fehlern.

 

Dabei trägt Christen das Wissen, 

dass Jesus noch nicht fertig ist mit ihnen

und er dass er im eigenen Leben noch ganz viel verändern will. 

 

Und weil mir als begnadigtem Sünder die Schuld vergeben ist

und ich mit Gott versöhnt leben kann, 

kann ich jetzt auch andere annehmen, 

wie - Christus mich - angenommen hat!

Ich kann sie mit all ihren Fehlern und Mängeln akzeptieren, 

weil Christus das so mit mir gemacht hat!

Ich kann darauf vertrauen, 

dass Jesus auch mit ihnen seinen Weg gehen 

und auch sie - wie mich - verändern wird. 

 

Wir sich Christen selber in diesem Sinne annehmen, 

können sie auch andere annehmen!

 

Wie sieht das ganz praktisch aus?

Ich mache mal einen 10-Punkte-Plan auf, 

eine „Agenda 2015“: 

 

Dass wir aufeinander zugehen und das Gespräch suchen.Dass wir, wo wir aneinander schuldig geworden sind, 

      das uns gegenseitig bekennen und vergeben. 

3.  Dass wir in einer versöhnten Gemeinschaft leben 

    und (wie es in Hebr 10, V25 steht) „Die Versammlungen

    nicht verlassen“.

4.  Dass wir dabei nicht nur auf das unsere schauen, 

    sondern auch auf das des anderen (Phil 2,3f).

5.  Dass wir den Sinn von Christus in uns haben 

     und einander höher achten als uns selber (Phil 2,1f).

6.  Dass wir einander bewusst wahrnehmen und aufeinander

    zugehen. Gerade in unserer Volkskirche haben wir das nötig, 

    wo wir auf dem Papier eine unübersichtliche Zahl von Menschen 

    vereinen, aber in der Praxis nur lose Kontakt zu vielen haben. 

7.  Dass wir aufeinander hören, was die Bedürfnisse im Blick

    auf das Gemeindeleben angeht (Ältere für Junge und
    Junge für die Älteren), gerade für den Gottesdienst

    und den Kindergottesdienst!

8.  Dass wir unser ganz persönlichen Wünsche auch zurück 

    stellen „Schwache“ das nicht wollen oder können. 

9.  Dass wir das Abendmahl hoch halten - und damit ausdrücken: 

    Wie mir Christus vergibt, so halte ich es auch!

    Und das soll unseren Alltag ausmachen. 

10. Dass wir miteinander Gemeinde leben, 

    indem wir uns gegenseitig innerlich im Herzen, 

    in der Familie der Gemeinde „adoptieren“

    und so echte Geschwisterschaft leben. 

 

Wie das geht, einander annehmen?

Wie Christus es bei uns gemacht hat!

 

3. Wozu es führt: Zu Gottes Lob.

Wie würden die Engel im Himmel jubeln, 

wenn das bei uns in der Gemeinde Wirklichkeit würde!

Ein größeres Lob können wir Gott nicht bringen, 

als nach seinem Wunsch zu leben. 

Er hat uns klargemacht, was er erwartet: 

    „Nehmt einander an, 

    wie Christus euch angenommen hat

    zum Lobe Gottes!“

 

Lassen Sie uns damit ins neue Jahr gehen

mit Christus und in seiner Gemeinde

und gemeinsam etwas sein zum Lob seiner Herrlichkeit. 

Amen


(Ich danke Pfarrer Dr. P. Murdoch für seine Vorarbeiten zur Jahreslosung!)

 

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)
Mittwoch, 12.09.2018
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis für junge Erwachsene bei Katrin
Donnerstag, 13.09.2018
9:00 Uhr:
Schulanfägner-Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)