2014-12-24 Christvesper

Predigt über Matthäus 1,1-18-21 mit Impressionen / Pfarrer Friedhelm Bühner

 

Liebe Gemeinde, 

welche Personen gehören in eine „richtige deutsche Krippe“?

VARIATIONO hat sie uns eindrücklich in Erinnerung gebracht:

Jesus als Neugeborener, Maria und Joseph, 

die Hirten, die Engel

und die Weisen aus dem Morgenland

dürfen auch nicht fehlen!

 

Über wen haben Sie schon einmal nachgedacht?

Die Hirten und Maria?

Die seltsamen Weisen, die dem Stern folgen?

Über Jesus selber, die Hauptperson?

 

Einer aber steht eher am Rande: Joseph. 

Er gehört dazu, aber das war es dann auch. 

 

Vielleicht ist Joseph ein bisschen wie wir, 

eher eine Randfigur der Weihnachtsgeschichte. 

Natürlich stehen (sitzen) wir heute Nacht an (vor) der Krippe. 

Aber was machen wir da eigentlich?

Sind wir Zuschauer oder irgendwie beteiligt?

 

Ich lade Sie heute zu einer Begegnung mit Joseph ein, 

einer Randfigur der biblischen Weihnachtsgeschichte

und lese den Predigttext aus Matthäus 1,18-21 dazu vor: 

„Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, 

dem Joseph vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, 

dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. 

Joseph aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in 

Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen.

Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel 

des Herrn im Traum und sprach: Joseph, du Sohn Davids, 

fürchte dich nicht, Maria, deine Frau zu dir zu nehmen; 

denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist.

Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen 

Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.“

 

Drei Beobachtungen an Joseph: 

 

1. Joseph ist ein ganz normaler Mann

Er hat eine junge Frau kennengelernt. Maria. 

Keine Ahnung, ob sie hübsch war. 

Sie stammt wahrscheinlich aus priesterlicher Familie. 

Zu Josephs Vorfahren gehört der große König David. 

Für beides können sich die beiden nicht viel kaufen, 

aber es gehört zur wichtigsten Tradition der Familie. 

So ein „Adel“ verpflichtet. 

Nicht als Standesdünkel, sondern ethisch und geistlich. 

Für David wollte Joseph in Gottes Spuren leben. 

Luther übersetzt: Joseph war ein frommer Mann. 

 

Und für Maria wird Ähnliches gegolten haben. 

In einer priesterlichen Familie legt man Wert auf den Glauben 

an Gott und ein entsprechendes Leben im Alltag. 

So hatten die beiden eine gute Basis für ihr Miteinander. 

 

Denn Joseph und Maria haben sich nicht nur kennengelernt. 

Sie wollten auch ihr Leben teilen. Ihr ganzes Leben. 

Deshalb ist ein rechtsgültiger Ehevertrag geschlossen worden, 

Hochzeitsgaben sind ausgetauscht worden. 

Maria und Joseph haben sich die Treue versprochen. 

So - bekommt das Miteinander von Mann und Frau 

einen verlässlichen Rahmen. 

Damit Liebe nicht nur ein schwankendes Gefühl bleibt. 

Damit Treue nicht nur ein Wort ist. 

 

Was jetzt noch fehlt -, ist die eigentliche Hochzeit. 

Das Heimholen der Braut ins Haus des Bräutigams im 

feierlichen Brautzug, 

das Hochzeitsfest, 

der Vollzug der Ehe im gemeinsamen Verkehr. 

 

So weit - ist bei Maria und Joseph alles normal. 

Aber eines Tages entdeckt Joseph: „Meine künftige Frau ist schwanger.“

Und er weiß auch: „Von mir ist das Kind nicht!“

 

Was jetzt kommt, finde ich stark. 

Die Bibel berichtet uns nicht von irgendeinem frommen Getue, 

sondern von einem ganz normalen Mann:

Joseph ist bitter enttäuscht. 

Weil das Kind nicht von ihm ist, 

muss es von einem anderen Mann sein!

 

Die Menschen damals waren auch nicht blöd. 

Auch wenn so etwas heute fast an der Tagesordnung ist, 

soll doch keiner erzählen, dass das nicht wehtut. 

 

Für Joseph jedenfalls ist klar: Ich habe bei Maria nichts mehr verloren.

Nach dem damaligen Recht hätte er sie anzeigen können. 

Wegen Bruchs des Eheversprechens, 

wegen Geschlechtsverkehr mit einem fremden Mann während

der Verlobungszeit. 

Die Strafen darauf waren drakonisch. 

 

Aber Joseph will - keine öffentliche Verurteilung von Maria. 

So ein Typ ist er nicht. 

Er will sich ohne Aufsehen von ihr scheiden. 

Dann ist das Kapitel „Maria und Joseph“ abgeschlossen. 

 

Joseph ist ein ganz normaler Mann - mit einem ganz normalen 

Verstand - und - einem anständigen Charakter. 

Wenn es jetzt - keine Überraschung gegeben hätte, 

könnten wir die schöne Weihnachtsgeschichte, 

die wir gehört haben, 

die gesungen und gespielt, vergessen. 

 

Eine zweite Beobachtung:

2. Joseph hat eine überraschende Begegnung mit 

dem lebendigen Gott

Mitten in dieser ganz normalen - und schmerzhaften - 

Beziehungsgeschichte meldet sich der lebendige Gott. 

Er stellt die bisherige Sicht Josephs auf den Kopf:

„Joseph, was mit deiner künftigen Frau geschehen ist, 

passt nicht zu deinen Erfahrungen. Da hat Gott gehandelt. 

Unmittelbar hat er eingegriffen. 

Das Kind, das Maria erwartet, hat Gottes Geist gezeugt. 

Als kleines Zeichen will ich dir verraten: Es wird ein Sohn sein.“

 

Dann kriegt Joseph noch einen Auftrag. 

Gott hat nicht nur das Kind „gezeugt“, 

er beansprucht auch das Recht der Namensgebung für sich:

„Jesus“ soll der Junge heißen. 

So soll ihn Joseph nennen und öffentlich anmelden …

 

Na klar, mit dieser Nachricht haben manche ein Problem. 

Eine Jungfrau, die schwanger wird? So ein Quatsch.

Aber ich frage Sie ernsthaft: 

Wo ist das Problem, das intellektuelle Problem?

 

Sicher, das ist nicht der normale biologische Weg. 

Das war schon Joseph klar!

Und auch Maria war genauso irritiert. 

Aber wenn wir es wirklich mit dem lebendigen Gott zu tun haben, 

sollte es uns doch nicht überraschen, 

wenn etwas passiert, was Menschen so nicht kennen, oder? ( - ) 

 

Gott macht das nicht, um uns zu ärgern. 

Er präsentiert auch keine Wundershow. 

Es geht ganz allein um das Kind -, das da geboren wird. 

er soll der „Immanuel“ sein, auf deutsch: „Der Gott mit uns“. 

 

Hier kommt also Gott - zu - uns, in - diesem Kind. 

Deshalb kann Joseph nicht der Vater sein, 

deshalb greift Gottes Geist hier unmittelbar ein. 

Deshalb wird Joseph zur Randfigur -, 

weil Gott selber - an seine Stelle tritt. 

 

Solange wir Jesus für einen netten Menschen halten, 

einen interessanten Religionsstifter oder klugen Moralapostel, 

verpassen wir den wahren Jesus. 

Aber an Joseph wird deutlich: Jesus ist anders. 

Da kommt Gott zu uns. 

Gott wird selber Mensch.

 

Das könnte uns schon beeindrucken. 

Gott bei uns?

Das wäre klasse, oder? ( - ) 

 

Aber Achtung. 

Wenn Gott wirklich zu uns kommt, könnte das auch schrecklich sein. 

Denn könnten wir ihn nicht mehr mit unserer Fassade beeindrucken. 

Dann würde er hinter unsere Masken schauen. 

Und da ist nicht alles so sauber. 

 

Wenn wirklich der heilige und gerechte Gott zu uns käme, 

müssten wir uns verkriechen, 

so wie sich Adam und Eva vor Gott versteckt haben, 

weil sie wussten: Wir passen nicht in Gottes Nähe.  ( - ) 

 

Jetzt kommt er tatsächlich. 

Und sagt als Erstes zu Joseph: „Du Sohn Davids, 

fürchte dich nicht!“

Sogar der anständige Joseph müsste den heiligen und 

gerechten Gott fürchten. 

 

Aber Gott kommt anders, als wir es verdient haben. 

Er kommt in einem Kind. Verletzlich. Unbedeutend. Schwach.

Davor - muss ich mich nicht fürchten. 

 

Gott kommt nicht, um Gericht zu halten. 

Er kommt, um zu retten. 

Deshalb heißt das Kind auch „Jesus“ - Jeschua. Jahwe, „Gott rettet“. 

„Denn“, so erklärt der Engel, 

„er wird sein Volk retten von ihren Sünden“. 

 

Gott kommt also nicht mit dem großen Kehrbesen, 

um das Böse einfach wegzufegen. 

Das haben die Leute damals erwartet. 

 

Sie vielleicht auch?

 

Immer wieder höre ich das: „Wenn es einen Gott gäbe, dann müsste

er das Böse doch längst beseitigen!“

 

Aber meinen Sie -, wir - blieben dann übrig? ( - ) 

Sie und ich? ( - ) 

Böse sind ja nicht nur die anderen! ( - ) 

 

Aber Gott kommt in seinem Sohn Jesus Christus, 

um uns zu retten. Er wird Mensch - für uns. 

Er stirbt den Tod eines Gottlosen - für uns. 

Er wird von den Toten auferweckt - für uns. 

 

Das ist das Ergebnis der überraschenden Begegnung Josephs

mit dem lebendigen Gott. 

 

Und was macht Joseph jetzt?

 

Er muss sich entscheiden:

Glaube ich meinen normalen Erfahrungen 

oder - vertraue ich - der Stimme Gottes?

 

 

Das ist die dritte Beobachtung:

3. Joseph hört auf Gottes Wort und tut, was Gott sagt
„Als nun Joseph vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der

Engel des Herrn befohlen hatte und nahm seine Frau zu sich. 

Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; 

und er gab ihm den Namen Jesus.“ (Vv24f)

 

Wenig spektakulär wird das Ganze beschrieben. 

Keine Details über die Empfängnis durch den Heiligen Geist. 

Keine Erörterung von Josephs Stimmung. 

Alles ganz nüchtern und schlicht. 

Und genauso nüchtern und schlicht handelt Joseph:

Er hört auf Gottes Wort und tut, was Gott sagt. 

Er nimmt Maria zu sich - und steht zu dem Kind. 

Er akzeptiert Gottes Erklärung - 

und übernimmt die Verantwortung für Mutter und Kind. 

Er glaubt Gottes Verheißung - 

und nennt den Sohn „Jesus“, „Gott rettet“.

 

So wird Joseph aus einem Zuschauer ein Mitarbeiter Gottes. 

 

Und genauso stellt sich für uns heute die Frage: 

Bleiben wir Zuschauer an der Krippe, 

mit ein bisschen intellektueller Distanz (Jungfrauengeburt?)

oder vielleicht mit ein bisschen traditioneller Distanz (Wir wollen 

es ja nicht gleich übertreiben!?)

Oder machen wir ganze Sache mit Gott - wie Joseph?

 

Gott schickt Ihnen (und mir) heute wahrscheinlich keinen Traum 

wie bei Joseph um Sie (und mich) zu überzeugen. 

Aber er wirbt um unser Vertrauen,

wie er es bei Joseph gefunden hat. 

Josepn zeigt uns, was Glaube heißt: 

Auf Gottes Wort hören und tun, was Gott sagt. 

 

Machen Sie mit? ( - ) 

Ab heute Nacht? ( - ) 

Vielleicht ganz neu?! ( - ) 

 

Machen Sie mit - und folgen Sie dem Wort Gottes!

Dann wird es manche Überraschung in Ihrem Leben geben, 

wie bei Joseph. 

Und Sie begegnen Ihrem Retter, 

Jesus, dem Heiland und Herrn. 

 

(Joseph war ein ganz normaler Mann, 

der eine überraschende Begegnung mit dem lebendigen 

Gott gemacht hat und er hat sich entschieden, 

auf sein Wort zu hören und zu tun, was Gott sagt). 

 

Das heißt auch heute glauben.

Amen


(Ich danke Pfr. Dr. W. Becker für seine Vorarbeiten zu diesem Predigttext)

Impressionen in Bildern ...

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Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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