2014-12-14 3. Advent

Predigt über Matthäus 11,2-6 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen 3. Adventssonntag aus Matthäus 11, 

 

die Verse 2-6: 

„2 Als aber Johannes [der Täufer] im Gefängnis von den Werken Christi hörte, 

sandte er seine Jünger 3 und ließ ihn fragen: Bist du es, der da 

kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? 4 Jesus 

antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, 

was ihr hört und seht: 5 Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige 

werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das 

Evangelium gepredigt; 6 und - selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

auf meiner letzten Stelle bei der Militärseelsorge

war ich viel mit der Deutschen Bahn unterwegs. 

Auf vielen Bahnhöfen musste ich warten auf einen Anschlusszug 

und da sind mir gelegentlich auch Blinde 

oder sehbehinderte Menschen begegnet. 

Manche hatten einen Blindenhund bei sich, 

andere sind begleitet worden von jemand, 

der sie geführt hat: 

    - durch die Massen von Menschen, 

    - durch Stimmen und Gerüche, die selbst gesunde 

Menschen ganz schön aufwühlen können. 

Wie viel mehr aber blinde Menschen, möchte man denken. 

 

Aber seltsam: 

Die meisten Blinden, die ich getroffen habe, 

die sind mir gar nicht so hilflos vorgekommen. 

Ich denke da an einen, 

der ganz still auf einem wirklich extrem lauten Bahnsteig gestanden ist … 

 

Seine Begleitung war wohl kurz weggegangen 

um irgendwas zu besorgen oder zu organisieren, 

vielleicht eine Fahrkarte oder eine Reservierung!?

 

Aber der Blinde hat mich total erstaunt: 

Die vielen Geräusche von den quietschenden Bremsen der Züge, 

die Massen, die sich mit ihren Rollkoffern schnell von 

Steig A nach Steig C oder D bewegen, 

das ganze Stimmengewirr um ihn herum 

das hat ihn so gut wie „kalt“ gelassen:

Er hat einfach gewartet!

Er hat geduldig und voller Ruhe gewartet!

Auf seinem Gesicht war kein Zweifel zu erkennen, 

dass der Begleiter womöglich nicht wiederkommen könnte. 

Ganz im Gegenheil: 

Auf seinem Gesicht konnte man fast so was wie Vorfreude ablesen, 

dass er gleich kommen musste!

Wirklich ganz erstaunlich - für einen blinden Menschen!

 

Aber - müsste nicht so - auch das Adventsgesicht eines Christen 

aussehen?

 

Wenn wir heute von Johannes dem Täufer hören, 

dann stechen mir dazu drei Gedanken ins Auge: 

 

1. Johannes - er war als Bote ein Beispiel.

2. Johannes - er war von Fragen gebeutelt. 

3. Johannes - er hat sich am Wort Gottes aufgerichtet.

 

 

1. Johannes - er war als Bote ein Beispiel!

Voller Vertrauen zu warten, 

das konnte auch Johannes der Täufer.

Er, der Sohn des Zacharias. 

Schon seine Eltern mussten sich ja im Warten üben 

(er ist erst im hohen Alter seiner Eltern auf die Welt gekommen) 

und so war auch er in die Messias Erwartung seines Volks 

als Priestersohn hinein gewachsen. 

 

Mit seinem Auftreten und Predigen stieg die Spannung weiter: 

Bald müsste es jetzt soweit sein, 

dass Gottes Herrschaft anbricht

und der Verheißene das Ruder in die Hand nimmt. 

 

Für  Jesus -, auf den sich alle Erwartungen Israels 

seit Jahrhunderten gerichtet haben, 

war Johannes der Täufer bereit 

sich mit Haut und Haaren zu engagieren, 

aber auch zurückzutreten, 

dann, wenn die Zeit für den weit Wichtigeren gekommen war. 

 

Und so war der Tag gekommen, 

an dem sich die beiden am Fluss Jordan begegnet sind 

und sich ihnen beiden der Himmel aufgetan hat,

das besondere  Wissen durch eine Erscheinung bestätigt 

worden ist: 

    - Dieser Jesus ist der Christus!

    - Die Hoffnungen waren gerade dabei sich zu erfüllen!

 

So eindeutig Johannes Jesus erkannt hat, 

so eindeutig fällt auch sein Lob für ihn aus:

Johannes der Täufer war alles andere als ein Fähnchen im Wind. 

Er hat nicht das sichere Polster des Wohlstands gesucht, 

nein, im Gegenteil: 

Er hat buchstäblich Kopf und Kragen riskiert damit, 

dass er seinen Mund auch vor dem gottlosen Machthaber seiner

Zeit nicht gehalten hat. 

 

Vor Herodes Antipas, dessen Leben so klar im Widerspruch zu den 

Geboten Gottes stand [Jesus nennt Herodes Antipas einmal 

einen „Fuchs“. Er war in Rom aufgewachsen und hat seinem eigenen 

Bruder die Frau ausgespannt ...], 

auch der musste den Umkehrruf hören, 

musste die Möglichkeit haben, 

sich auf das Kommen des Messias vorzubereiten. 

Johannes wollte einmal nicht die Verantwortung 

für dessen Verurteilung im Gericht Gottes tragen, 

nur weil er ihm nicht deutlich genug gesagt hat, „was Sache ist“. 

 

Die Dringlichkeit der Nähe des Messias 

hat die Botschaft von Johannes dem Täufer so dringend gemacht. 

Und Johannes hat sich nicht geschont. 

 

So ist es das Besondere am Advent, 

dass er Licht in eine Welt bringt, die nicht hell, 

sondern ausgesprochen dunkel ist, 

in eine Welt, in der das Sehnen groß und die Erwartung reif ist. 

Auch heute ist das so: 

Die Menschen haben eine große Sehnsucht nach „Heil“, 

nach geheilten Beziehungen,

nach einer Welt, in der wenigstens ein bisschen Friede herrscht. 

 

Aber wir dürfen ihr das Licht nicht vorenthalten, 

das gerade das Böse im Herzen und Tun des Menschen 

an der Wurzel beseitigen will und kann. 

Und das deshalb kein harmloses Licht ist, 

von vielen abgelehnt wird. 

Johannes steht dafür: 

Er hat zur Umkehr gerufen 

zu der Zeit, als es die Leute angenommen haben

und als es überhaupt nicht gut ankam, 

ja sogar gefährlich für ihn war (1).

Weil alles andere nicht zum Messias führt, 

sondern Betrug ist. 

 

Johannes - als Bote - ein Beispiel noch heute!

 

 

2. Johannes - von Fragen gebeutelt!

Aber dann ist alles doch ganz ganz anders gekommen. 

Während die Kritik der geistlichen Oberschicht 

ihn nicht aus dem Tritt gebracht hat 

er hat ja damit gerechnet, dass Jesus ihn einmal „überholen“ würde -, 

er konnte sogar seine Verhaftung durch Herodes akzeptieren -, 

aber jetzt im Gefängnis treibt es ihn um, was er
vom Messias zu hören bekommt: 

Ist der künftige Weltenrichter und Weltenherrscher

vielleicht doch nur ein schlichter Wanderprediger
und nicht der so heiß ersehnte neue Herrscher?

 

Er hat zwar von so manchem Wunder gehört,
das Jesus gewirkt hat,
aber in der umfassenden Weise, wie es Johannes erhofft hat,
hat es noch immer keine Veränderung gegeben!

 

- Ob auch Jesus aus Nazareth wieder nur ein Vorläufer war, 

vielleicht nur mit einem anderen Aufgabenschwerpunkt?

- Ob das Warten doch noch nicht zu Ende war?

 

Ich bin sicher, es wäre Johannes Recht gewesen, 

wenn der Messias ihn aus dem Kerker der Machaerus-Festung 

heraus geholt hätte!

Fixiert auf sein persönliches Wohlergehen aber war er nicht. 

 

Die Frage, die ihn umtreibt, 

betrifft nicht nur das Jetzt der Gefangenschaft

und der drohenden Enthauptung, 

sondern sein Fragen betrifft seine ganze Wirksamkeit, 

sein Predigen, sein Taufen, sein Strafen und sein Trösten 

und die Verantwortung für seine Jünger, 

die er so und nicht anders gelehrt hat. 

 

Für Johannes steht alles auf dem Spiel: 

Hat er sich womöglich getäuscht?

Hat er die Schrift richtig ausgelegt 

und den Menschen im richtigen Moment Hoffnung gemacht?

Oder hat er seinen Gott falsch verstanden 

und ganz viele Menschen auf eine verkehrte Fährte gesetzt?

 

Das Fragen erschüttert den Mann mit der felsenfesten Überzeugung

bis tief ins Mark. 

 

Bis heute ist es das Besondere am Glauben, 

dass er wartet und vertraut,

gerade dort, wo man nichts mehr sieht - und - 

um diesen Glauben - ringt Johannes. 

Kann er sich wieder sicher sein?

 

Ist es Ihnen vielleicht auch schon so gegangen? 

Oder geht’s Ihnen heute so?

 

Für mich gab’s so eine Zeit am Anfang meines Theologiestudiums, 

als viele gesagt haben:

Ach was, das mit Weihnachten, mit der Jungfrauengeburt, 

mit echten Wundern -, das ist doch alles Kinderglaube, 

Mythologie!

Das sind archetypische Vorstellungen, 

die es in allen Religionen mal so mal so gibt …

Und ob das, was da in der Bibel steht (gerade auch von Jesus), 

nun wirklich so war und nicht zu 80% Einbildung, 

Gemeindebildung oder pures Wunschdenken … war, 

darauf komme es doch gar nicht an!?

Mit solchen Aussagen können Schüler heute in der Reli-Oberstufe

bombardiert werden … und … zerbrechen!

 

Oder aber - sie finden Menschen, die weiter sehen, 

Gesprächspartner, die ihren Zweifel ernst nehmen 

und doch nicht einfach übernehmen, 

sondern kritisch die Kritik hinterfragen,

die genauer hinsehen, 

die klug genug sind,

auch die Grenzen der menschlichen Erkenntnis 

ins Auge zu fassen. 

 

Sonst werden sie - im Strudel des Zweifel immer weiter 

fortgetrieben, aufs offene Meer …

 

Dann schwimmt der ganze Glaube mit weg, 

denn man kann nicht ein bisschen glauben. 

Jedenfalls nicht im biblisch-christlichen Sinne.

Genau so wenig wie man nur ein bisschen schwanger sein kann …

 

Johannes der Täufer zeigt uns das. 

Er wollte es wissen: Was stimmt jetzt?

„Ist er’s oder ist er’s nicht?“ Jesus?!

Und fragt nach, will wieder Klarheit bekommen,

wendet sich an Jesus selber!

Schickt Leute hin um ihn zu fragen, 

ein richtig vorbildliches Verhalten - auch für uns heute!

Weniger Beschäftigung mit uns selber - mehr „Attacke!“, 

direkt zu Jesus mit meinen Fragen!

 

Und deshalb ist

 

3. Johannes ein Mensch, der am Wort Gottes 

aufgerichtet wird!

Ja, wir können hier exemplarisch sehen, 

wie Jesus dem Johannes an der richtigen Stelle sogar 

entgegen kommt. 

Er führt ihn zum Fundament seines Glaubens zurück, 

zum Wort Gottes. 

 

Im allem Streit um seine Person hat Johannes der Täufer 

genau das festgehalten: 

Ich bin nur der Bote dessen, der nach mir kommen soll

„wie es geschrieben steht“. 

 

„Wie es geschrieben steht“, 

so hat er seinen Zuhörern den Kommenden immer vor 

Augen gemalt. 

 

Und jetzt lässt ihm Jesus schlicht sagen: 

Es passiert genau das, „was geschrieben steht“.
Und wie Du es den Leuten immer gepredigt hast, 

Gott wird sich doch nicht selbst untreu!

Denk noch mal nach!

 

So, wie sich Jesus bei seiner Versuchung durch Satan (Mt 4) 

mit einem Wort der Bibel zur Wehr setzt, 

so gibt er Johannes seine Sicherheit zurück, 

indem er ihn an das Wort der Bibel erinnert. 

Jesus hat also von Johannes nicht mehr verlangt, 

als er in dieser Situation fassen kann. 

Er kritisiert nicht, er bekennt nicht, er verteidigt sich nicht, 

er lädt nur ein: Komm, hör und sieh!

Schau rein in Deine Bibel!

 

Nur so kann sein Glaube wieder Tritt fassen, 

nur so kann sogar ein Johannes beruhigt sterben …

 

Denn er hat es bis in die letzte Faser seines Herzens gelebt: 

Wenn nur der Messias freie Bahn hat, 

wenn nur ER den Weg zu den Herzen der Menschen vorbereitet findet, 

dann kann Johannes sich freuen, 

ganz egal, ob ihm selber alles andere entgleitet ...

 

Es ist das Besondere an Jesus, 

dass er ganz sicher anders ist, als wir es erwarten, 

aber in keinem Fall anders, 

als Gott ihn uns in seinem Wort angekündigt 

und versprochen hat. 

 

Dieses Wort zu prüfen dazu lädt er ein, 

damit der Glaube fest wird, 

ein Glaube, der wenn er festen Boden unter den Füßen hat, 

dann auch wieder warten kann, wenn sich längst nicht alles

im Leben auf einmal erschließt.

 

Einladung zu einem Glaubenskurs Anfang 2015 … 

Jetzt melden!

Amen



(1) 

 Josephus, Jüd. Altertümer, 18. Buch, Kap. 5,2 Weil ihn Herodes deshalb als

„gefährlich“ einschätzte, ließ er ihn in der Festung Machaera / Ostjordanland hinrichten.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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