2014-10-19 Kirchweih Eröffnungsgottesdienst

Predigt über Apg 17,16ff am 19.10.2014 in der "Schwabentorhalle" Dennach / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören als Predigttext für den „Kirchweih“-Sonntag einen Abschnitt

aus der Apostelgeschichte des Lukas, Kapitel 17, zunächst die 

Verse 16-23a:

„16 Als aber Paulus in Athen auf sie wartete, ergrimmte sein Geist 

in ihm, als er die Stadt voller Götzenbilder sah. 17 Und er redete 

zu den Juden und den Gottesfürchtigen in der Synagoge und 

täglich auf dem Markt zu denen, die sich einfanden. 18 Einige 

Philosophen aber, Epikureer und Stoiker, stritten mit ihm. Und 

einige von ihnen sprachen: Was will dieser Schwätzer sagen? 

Andere aber: Es sieht so aus, als wolle er fremde Götter verkün-

digen. Er hatte ihnen nämlich das Evangelium von Jesus und 

von der Auferstehung verkündigt. 19 Sie nahmen ihn aber mit 

und führten ihn auf den Areopag1 und sprachen: Können wir 

erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du lehrst? 20 Denn 

du bringst etwas Neues vor unsere Ohren; nun wollen wir gerne 

wissen, was das ist. 21 Alle Athener nämlich, auch die Fremden, 

die bei ihnen wohnten, hatten nichts anderes im Sinn, als etwas 

Neues zu sagen oder zu hören. 22 Paulus aber stand mitten auf 

dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass 

ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. 23 Ich bin umher 

gegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen 

Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott.“ 

 

 

 

Liebe Gemeinde,

die Bewohner des antiken Athen waren neugierige Leute.

Die haben sich mit allen religiösen Vorstellungen 

ihrer Zeit beschäftigt!

 

Die Götterverehrung hat geboomt in dieser Metropole!

Jeder Gott sollte seinen „Platz“ haben, 

Jedem haben sie auf dem großen Marktplatz 

einen eigenen Platz (spricht Altar) gegeben. 

Und damit ja keiner vergessen (und dadurch womöglich beleidigt) wird, 

gab es sogar noch einen Altar für den „unbekannten Gott“ …

 

„Sicher ist sicher“, denken die Leute. 

„Unglück vermeiden“ war ihre Strategie. 

Klar, das war ein Aberglaube …

aber sind wir davon heute - so - weit entfernt?

 

Sicher, wir haben die Aufklärung hinter uns, 

anders als jene „Islamisten“ im Nahen Osten und in Afrika ( … ),

aber Sternzeichen, Schutz-Amulette und Esoterik blühen 

gerade in Deutschland mehr denn je. 

„Wer weiß, vielleicht bringt es ja doch etwas …!“

denken viele, auch Gebildete, auf dem Land wie in der Stadt. 

Selbst Bildung schützt vor Torheit nicht. 

 

Heute ist „Kirchweih“ ( … )

Das ändert nichts daran, 

dass in den nächsten Jahren hunderte Kirchengebäude schließen

müssen, sagt die Prognose. 

So wie die Schulen und Geschäfte in den Dörfern. 

Weil Menschen fehlen, die eine Kirche besuchen 

und einer Gemeinde das Leben geben. 

 

Andere „Anziehungspunkte“ sind entstanden

und bekommen eine Bedeutung wie „Heiligtümer“ …

auch in Dennach

 

Gestatten Sie mir, dass ich heute an „Kirchweih“

einmal so offen frage: Was wird aus der Kirche?

In 10, 20 oder 30 Jahren?

Ist sie dann noch ein Museum, 

geschlossen wie der letzte Bäckerladen?

 

„Kirchweih“ heißt ja eigentlich: 

Eine Gemeinde feiert ihre Kirche …

Ihre Einweihung und ihre Bedeutung für den Ort und das

eigene Leben …

 

Gehen wir zurück nach Athen, 

zum Apostel Paulus und dem Altar „für den unbekannten Gott“, 

den er gefunden hat. 

 

Das hat ihn so umgetrieben!

Dass diese Griechen einen unbekannten Gott verehren wollen, 

wo „das Gute doch so nah liegt!“

Es macht ihn so total traurig … aber auch mutig und 

angriffslustig, für seine Sache, 

für das Evangelium zu kämpfen!

 

Denn was soll das:

Wenn Gott wirklich ein unbekanntes Wesen wäre, 

dann würde er es für immer bleiben!

Wir könnten von ihm nur reden wie ein Blinder von der Farbe!

Aber was soll das?

Dann wäre alles Reden von Gott wie Stochern im Nebel …

und „was Ungewisses weiß man nicht“ …

 

Johann Wolfgang von Goethe, war so jemand, 

der Gott so gesehen hat. 

Er ist lebenslang ein Zweifler geblieben … 

und auch so gestorben. 

 

Unser Philosoph Ludwig Feuerbach (ein Pfarrerssohn übrigens), 

war so enttäuscht über das belanglose und aufgeblasene 

Geschwätz der Theologen seiner Zeit, 

dass er gesagt hat: 

„Ach was, jeder Mensch schafft sich Gott nach seinem Bilde!

Ein Traumbild … so verschieden die Menschen sind, 

so verschieden sind auch die Geschöpfe ihrer Einbildungskraft!“

Und Recht hat er!

 

Unser menschliches Denken erreicht Gott nie und nimmer!

Alle Gottesbilder … sind letztlich … Menschenbilder!

Da reden Blinde von der Farbe 

über Gott und sein Wesen!

 

Also, sollen wir es dabei belassen

und aufhören von Gott zu reden?

Wenn es nur das Nachbeten von menschlichem Denken ist, 

dann sollten wir aufhören!

Denn das bringt nichts!

Der unbekannte Gott bleibt unbekannt!

 

Es sei denn … und davon bin ich fest überzeugt, 

dieser unbekannte Gott macht sich für uns an irgendeiner Stelle

in der Geschichte der Menschheit bekannt … sichtbar …

und erfahrbar!

 

Darin ist mir der Apostel Paulus zum Vorbild geworden. 

Der will den Griechen auch kein philosophisches Gesülze um Gott 

und was er nach menschlicher Vorstellung sein könnte, 

um den Mund schmieren!

 

Er ist so tief überwältigt von dem, 

der sich ihm selber in den Weg gestellt hat, 

dem Sohn Gottes - von Jesus Christus -, 

den er über Jahre abgelehnt und sogar verfolgt hat!

Und seither kann er sagen: 

Gott ist ganz anders … er ist allein in Jesus Christus …

und was der sagt, das stimmt. 

 

Lassen Sie mich deshalb heute morgen 

der Antwort des Paulus an die Griechen 

einfach noch ein Stück entlang gehen …

 

Paulus hält da nämlich auch eine Predigt, 

versucht die Griechen gedanklich da „abzuholen“, wo sie stehen … 

beim „unbekannten Gott“:

 

Er sagt (Vv 23f NGÜ):

(Liebe Freunde,) „Ihr verehrt ein „göttliches Wesen“, 

ohne es zu kennen.

Gerade diese „euch unbekannte Gottheit“ verkündige ich euch.

Meine Botschaft handelt von dem Gott, der die ganze Welt, 

mit allem, was darin ist, geschaffen hat. 

Er [ist] der Herr über Himmel und Erde …“

 

Paulus nimmt diese Information über Gott aus der Bibel. 

Wir haben sie uns nicht zusammen gesponnen. 

Gott ist kein Gott nur für mich persönlich, 

ein „Seelentröster“ oder „Notnagel“, 

er ist der „Schöpfer der ganzen Welt“. 

 

Einer Welt, die im Verhältnis zu einem immer großartiger

erscheinenden Kosmos 

ein unglaublich genialer Lebensraum

für uns ist!

Mit diesem Gott haben wir es zu tun!

Man muss sich das einmal vorstellen

oder es wenigstens versuchen! ( … )

 

Gott ist der Schöpfer allen Lebens!

Der offenbarte Gott!

Der Gott, den uns Jesus Christus zeigt!

 

Es ist ein Akt der Liebe Gottes, 

dass wir sind, 

sein persönliches Geschenk an uns!

 

Und jetzt kommt der Apostel Paulus so richtig in Fahrt, 

knüpft an die erklärten und nicht erklärten „unbekannten

Götter“ der Griechen an (Vv25f NGÜ):

„Dieser Gott ist auch nicht darauf angewiesen, 

dass wir Menschen [uns] ihm [an]dienen. 

Nicht er ist von uns abhängig, sondern wir von ihm. 

Er ist es, der uns allen das Leben und die Luft zum Atmen gibt

und uns mit allem versorgt. 

Aus einem einzigen Menschen hat er alle Völker hervorgehen lassen.

Er hat bestimmt, dass sich die Menschen über die ganze Erde 

ausbreiten und hat festgelegt, wie lange jedes Volk bestehen 

und in welchem Gebiet es leben soll …“

 

 

Der offenbarte Gott, sagt Paulus hier, 

der hat das Leben nicht einfach geschaffen

um uns dann selber zu überlassen.

Er hat auch den Kosmos nicht angestoßen wie ein Uhrwerk

und jetzt läuft alles nach eigenen Gesetzen weiter … 

 

Gott hält und erhält diese Welt … auch unser Leben … jeden Tag.

Kriege, Katastrophen, Krankheiten … sprechen nicht dagegen,

auch wenn es so aussehen mag. 

Wir sind abhängig von ihm. 

Ob es uns gefällt oder nicht, 

ob wir uns Alternativen für ihn ausgedacht haben oder nicht …

 

Eine „Alternative“ für Gott nennt sich heute oft „Werte“ …

„Soziale Tat …“, „Gutes Tun … ist meine Kirche“ …

Nicht, dass das schlecht wäre, 

das Gute tun,

aber als Gott-Ersatz taugt es nicht. 

„Dieser Gott ist nicht darauf angewiesen, 

dass wir Menschen [uns] ihm [an]dienen.“ 

Sagt Paulus (V25).

 

Wer erkennt, dass
der offenbarte Gott der Bewahrer allen Lebens
ist …, lebendig aus sich heraus, der weiß, 

dass wir Menschen ohne Gott keine bleibenden Werte schaffen können, 

sondern sie nur dankbar annehmen und leben

Gott in Wort und Tat die Ehre erweisen. 

 

„Kirchweih“ erinnert uns auch daran, 

dass wir zum Lob an den Schöpfer und Bewahrer allen Lebens 

in einer Gemeinde gerufen sind. 

 

Wie fährt Paulus fort? (die Vv27-30 NGÜ):

„27 Mit allem, was Gott tat, wollte er die Menschen dazu bringen, 

nach ihm zu fragen; er wollte, dass sie - wenn irgend möglich - 

in Kontakt zu ihm kommen und ihn finden. 

Er ist ja für keinen von uns in „unerreichbarer“ Ferne. 

Denn in ihm, dessen Gegenwart alles durchdringt, leben wir, 

bestehen wir und sind wir. Oder, wie es einige eurer eigenen 

Dichter ausgedrückt haben: Er ist es, von dem wir abstammen..

Wenn wir nun aber von Gott abstammen, dürfen wir nicht meinen, 

die Gottheit gleiche jenen Statuen aus Gold, Silber oder Stein, 

die das Produkt menschlicher Erfindungskraft und Kunstfertigkeit

sind. In der Vergangenheit hat Gott gnädig über die Verfehlungen

hinweggesehen, die die Menschen in ihrer Unwissenheit begangen

haben. Doch jetzt fordert er alle Menschen an allen Orten zur

Umkehr auf.“

 

 

Der offenbarte Gott 

ist mehr als unser „Herrgott“,

er ist der Vater der Menschen!

Betont der Apostel Paulus!

 

Was für eine Würde drückt sich darin aus!

Diese Welt und jedes Leben ist von Gott „gesetzt“, 

auf ein bestimmtes Ziel hin angelegt!

Jeder Mensch, wo auch immer er lebt, 

ist von Gott aufgefordert ihn zu suchen, umzukehren zu Gott, 

denn wir Menschen sind faktisch … von Natur aus … 

weit weg von ihm. 

 

Aber wie sollen sie Gott finden?

Ohne sich einen passenden Gott zurecht zu legen?

 

Es geht nur, 

weil Gott sich schon längst aufgemacht hat

um mich zu suchen, 

weil er auf dem Weg zu uns Menschen ist!

 

Sehen Sie: 

Da war sein Weg mit dem Volk Israel. 

Es hat sich nicht selber erwählt, 

sondern ist von Gott erwählt worden …

das war ein Ausdruck der Liebe Gottes. 

Seit Jesus … gilt diese rettende Liebe nicht nur den Juden, 

sondern allen Menschen dieser Welt!

 

Aber sie müssen sie annehmen … umkehren zum 

lebendigen (offenbarten) Gott. 

 

Bis heute wirbt Gott um seine Menschen, 

um einen jeden, 

um unser Vertrauen.

 

Wie?

In Jesus Christus ist er uns „bekannt“ geworden, 

da können wir ihn fassen

und annehmen. 

 

Und was für eine Freude geht von diesem Jesus aus!

Letztlich ist nur ER der Grund dafür, 

dass wir auch in Dennach eine Kirche haben. 

Hier treffen sich Christen, um Gott zu loben für Jesus …

Für die Freude, in ihm gerettet zu sein. 

Und um Kraft zu holen bei ihm für die neue Woche. 

 

 

Zum Schluss drückt sich Paulus 

aber auch um ein unangenehmes Thema nicht herum:

Der offenbarte

Gott ist der Richter und Retter!

Beides zugleich. 

 

In V31 (NGÜ) sagt er:

„Gott hat einen Tag festgesetzt, an dem er durch einen

von ihm bestimmten Mann über die ganze Menschheit Gericht

halten und über alle ein gerechtes Urteil sprechen wird. 

Diesen Mann hat er vor aller Welt als den künftigen Richter 

bestätigt, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.“

 

Er hat sich mit dem Namen „Jesus“ noch immer zurück,

weil seine Zuhörer ja noch nicht kennen. 

Aber er kümmert sich nicht darum, 

ob das was er sagt, vielleicht anstößig klingt. 

Und das war es!

 

Alle Religionen dieser Welt wissen um ein letztes Gericht. 

Jeder wird einmal für sich gerade stehen müssen.

Der Tod ist nicht das Ende. 

Sondern am Ende stehe ich vor Gott, 

vor dem mein Leben wie ein aufgeschlagenes Buch ist. 

Und ich habe vor ihm nichts vorzuweisen, 

was ein günstiges Urteil bewirkt. 

Deshalb ist das Thema Gericht ja auch so beunruhigend …

 

Aber nicht so für Paulus!

 

Denn, so sagt er, wer zu Jesus umgekehrt ist, 

der steht einmal nicht … vor einem „unbekannten Richter“, 

sondern vor Jesus, seinem Retter. 

Der hat das Leben schon bevor er stirbt. 

 

In Jesus … ist Gott offenbar. 

In Jesus … ist Gott nicht mehr unendlich fern, 

kein „unbekannter Gott“ mehr. 

In Jesus … hören alle Spekulationen auf. 

In Jesus … hat mein Leben einen Sinn und ein Ziel, 

für das es sich zu leben lohnt!

In Jesus … erträume ich mir keinen Gott, 

sondern dieser Gott ist mein Leben. 

 

Und dazu sind wir alle eingeladen:

Zu einem Leben, das in der Gemeinde Jesu Christi 

seinen Platz und seine Mitte hat. 

 

Nur beim offenbarten Gott ist wahres Leben zu finden. 

 

In diesem Sinne wünscht uns Paulus 

und wünsche ich uns allen eine 

„fröhliche Kirchweih!“

 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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