2014-10-12

Predigt über Epheser 4,1-6 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, 

Ich will Sie heute mit hinein nehmen in einen Augenblick 

im Leben des Apostels Paulus. 

Er war drei Jahre lang in der Stadt Ephesus aktiv gewesen, hat 

gepredigt und die Gemeinde geleitet. 

Und es war ziemlich schwierig dort in Ephesus. 

Aber jetzt zieht der Apostel weiter. 

In seiner Abschiedsrede zieht er Bilanz. 

 

Da sagt er drei Dinge: 

1. Ich habe einen Auftrag von Jesus bekommen,
den Auftrag, das Evangelium zu verkündigen hier in Ephesus. 

Und den habe ich ausgeführt. 

2. Er wird ganz direkt und offen und sagt: 

Die drei Jahre bei euch hier waren ziemlich schwierig. 

Ich habe unter euch das Evangelium verkündigt. 

Aber es hat mich wahnsinnig viel Kraft gekostet. 

Tag und Nacht hab’ ich an jedem einzelnen von euch gearbeitet. 

viele Gespräche geführt, viel gebetet,
viel meiner Lebenskraft investiert. 

Und dann sagt er …

3. "Kümmert euch jetzt um eure Gemeinde,
wenn ich nicht mehr da bin. 

Jeder einzelne ist für den anderen,
für die ganze Gemeinde hier in Ephesus verantwortlich.
Lebt Gemeinde - im Geist und nach dem Wort von Jesus Christus. 

 

Bald nachdem er das los geworden ist, 

verabschiedet er sich, 

nimmt ein Schiff in Richtung Jerusalem (Cäsarea).

 

Und das Erstaunliche: 

Diese Abschiedsrede hat gewirkt!

Auch wenn es schwierig geblieben ist in Ephesus!

 

Das ist der Grund für den Epheserbrief, 

den er etwas später geschrieben hat 

und aus dem unser Predigttext heute stammt. 

 

Aber umsonst war seine „Order“ nicht, 

die Christen in Ephesus haben etwas ganz entscheidend Wichtiges

verstanden, nämlich: 

Eine christliche Gemeinde ist kein Verein, kein Dienstleister, 

nicht Schule, nicht Moralanstalt, 

sondern eben Gemeinde, der Leib Christi, einzigartig!

 

Und so haben sie sich dann auch verhalten.

 

Ich lese den Predigttext aus Epheser 4, die Verse 1-6:

„1 So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass 

ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, 2 in aller Demut 

und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe 3 und seid 

darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des 

Friedens: 4 "ein" Leib und "ein" Geist, wie ihr auch berufen seid zu "einer" 

Hoffnung eurer Berufung; 5 "ein" Herr, "ein" Glaube, "eine" Taufe; 6 "ein" 

Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.“

 

 

Stellen wir uns mal vor, 

es wäre hier ein Band ausgerollt in der Kirche und zwar so, 

dass es die Kanzel, den Taufstein, 

den Altar mit Kreuz und Brot und Wein vom Abendmahl 

miteinander verbindet. 

Denn alles zusammen steht für das „Band des Friedens“, 

das Gott gestiftet hat, 

für Gemeinde überall dort, 

wo Menschen unter diesem Band zusammen kommen. 

 

Da ist zum Ersten das Kreuz.
Dort schafft Gott Frieden. 

Da ist Jesus in den Riss getreten,
der die ganze Schöpfung vom lebendigen Gott trennt
und hat mit dem Kreuz die Brücke geschlagen,

über die jeder zu ihm zurückfinden kann. 

(Konfirmanden: Johannes 3,16 „So sehr hat Gott die 

Welt geliebt …)

 

Am Kreuz hat Jesus Christus die gefallene Welt mit Gott „versöhnt“, 

das heißt niemand muss mehr in der Trennung von Gott sterben, 

es gibt Versöhnung mit Gott 

und wer sie angenommen hat (nur der, der ist versöhnt, 

der hat das ewige Leben und)
ist jetzt eingeladen hinauszugehen in die Welt 

und andere einzuladen: 

„Lasst [auch ihr] euch versöhnen mit Gott!“ (2. Kor 5). 

Allen bekannt zu machen:

In Jesus Christus gibt es Heil, gibt es Frieden. 

Auch wenn jetzt noch überall Krieg und Terror, 

Streit und Ungerechtigkeit zu herrschen scheinen …

 

Christen können als Versöhnte in dieser Welt leben, 

Selbst wenn sie in die Ecke gedrückt oder sogar getötet werden, 

wie zur Zeit viele Christen in Syrien und im Irak, 

es ist letztlich vordergründig für sie . 

 

Am Kreuz hat Gott längst Frieden geschaffen. 

Und sie (die Christen) gehören zu den Gewinnern!

 

Das „Band des Friedens“ schließt auch das Abendmahl mit ein. 

Es ist keine Fessel, kein Pflichtbegängnis, 

das Christus uns auferlegt hat, 

wo sich manche einzig darüber auslassen, 

warum wir da aus einem Kelch trinken. 

Nein, auch das Abendmahl ist das „Band der Liebe“

von Jesus am Kreuz, 

die uns in die Gemeinschaft mit ihm herein holt!

Und in dieser Gemeinschaft verbindet es die Christen untereinander!

 

Es gab in den Gemeinden des Paulus 

so viele verschiedene Nationalitäten, 

einfach und vornehme Leute, 

Sklaven und Sklavenherren!

Wie ist es möglich, dass derart unterschiedliche Milieus

in einer geistlichen Gemeinschaft miteinander leben können!?

 

Für unser Denken geht das unmöglich!

Aber dem Heiligen Geist ist alles möglich (nicht nur Toyota!)

 

Wenn ER das Band des Friedens um Menschen legt,
bleiben sie nicht nur, 

weil es halt nicht anders geht, notgedrungen sozusagen zusammen, 

sondern sie können sich allen Ernstes gegenseitig annehmen

und lieben - und wenn es mal zum Knax kommt, 

auch wieder vergeben!

 

Auch die Taufe gehört zum Band des Friedens. 

In der Taufe spricht Gott einem Menschen zu:
Ich will Dir um Jesu willen gerne ein gnädiger Gott und Vater sein!

Du sollst mir gehören. 

Allein meine Gnade genügt. 

Die darfst Du im Glauben annehmen
und damit Christ werden - mit der Folge -, 

dass nichts und niemand dich mehr von Gottes Liebe

scheiden kann!

 

Nicht einmal die Mängel in einer Gemeinde, 

das „Menscheln“ auch unter Christen, 

die Widersprüchlichkeit, die wir sowohl noch an uns selber

als auch an anderen erlebern. 

Allein der Zuspruch Gottes, sein Wort gilt:
"Ich habe dich erlöst, du bist mein." 

 

Und mit diesem Zuspruch im Rücken 

können Christen Gottes Familie sein, 

weit sichtbares Reich Gottes, 

gerade auch in Dennach …

mit diesem Zuspruch im Rücken 

können Christen miteinander - nach Gottes neuer Ordnung - leben, 

nach den Regeln der Liebe, 

der Demut, der Sanftmut und der Geduld, 

das ist der dreifache „Mut“ der Christen …

 

Das Band des Frieden, das wir hier eigentlich symbolisch 

in der Kirche anbringen könnten, 

das wär’ nach vorne immer noch offen. 

Weil es alle einschließen will, alle verbinden, die hier sind. 

Aber nicht so, dass es alle vereinnahmt. 

Wir sind also selbst auch mit gefordert …

 

Aber die, die Jesus gehören, 

sind wie durch eine dicke Versorgungsleitung 

an das himmlische Versorgungssystem angeschlossen. 

Diese Leitung können sie niemals selber herstellen. 

 

Aber von dieser Versorgungsleitung geht dann das starke

Stromkabel ab - man könnte mit Paulus sagen -, 

als Kabel mit sieben Adern, 

das die Gemeinde erst zu einem Kabel macht, 

durch das starker Strom fließen kann. 

 

Ader: Ein Leib. 

Die Christen sind zu „einem Leib“ miteinander verbunden. 

Die Gemeinde ist wie ein lebendiger Organismus, 

der von Christus gesteuert wird. Die

2. Ader: Ein Geist. 

Der Geist Christi, der durch alles hindurch fließt. Die

3. Ader: Eine Hoffnung, 

die Hoffnung einmal bei Jesus für immer zuhause zu sein, 

die uns erfüllt. Die 

4. Ader: Der eine Herr, 

unter dessen Wort wir uns alle stellen, das wir befolgen wollen.

Die

5. Ader: Der eine Glaube, 

an Jesus, den Auferstandenen, der allen gemeinsam ist. 

Und ist ist da die

6. Ader: Die eine Taufe

als Zeichen der Zugehörigkeit zu Jesus. Und die

7. Ader: Der eine Vater,

der alle, die umgekehrt sind von ihrem alten Leben

und jetzt Jesus nachfolgen, 

der sie zu seinen Kindern gemacht hat. 

 

Alle sieben Adern (Versorgungsstränge) zusammen

machen die Einheit der Gemeinde aus. 

 

Da heißt es also nicht: 

Uns verbindet eine einheitliche Meinung in allen Lehrfragen, 

uns verbindet ein einheitliches Traditionsverständnis, 

uns verbindet der gleiche Musikstil oder 

eine einzige Form der Gottesdienstgestaltung, 

ein für alle gleicher Lebensstil oder was sonst noch.

Das alles ist es nicht, was die Einheit in der Gemeinde ausmacht. 

Die verträgt wirklich große Unterschiedlichkeiten

und es schade überhaupt nicht, 

wenn wir in der Beziehung großzügig miteinander umgehen. 

 

Wem aber an der Einheit in der Gemeinde liegt, 

der muss selber zurückstecken können. 

 

Es ist Würde, wenn ich gerade nicht unter allen Umständen

recht haben muss, 

im Mittelpunkt stehen oder groß rauskommen muss, 

sondern mich mit meiner Meinung zurücknehmen kann. 

 

Der Dirigent Leonhard Bernstein ist einmal gefragt worden, 

welches denn das schwerste Instrument sei 

und er hat geantwortet: „Die zweite Geige“. 

 

Jesus hat im hohepriesterlichen Gebet nicht dafür gebetet, 

dass jeder Jünger in der Gemeinde besonders „kernig“ sein soll, 

sondern dass alle eins sein sollen. 

 

Wer die Einigkeit in Jesus vor Augen hat, 

der braucht sich selber nicht mehr so wichtig nehmen. 

Der kann sich ein- und auch unterordnen

und lernt es, die „zweite Geige“ (nach Jesus) zu spielen. 

 

Liebe Gemeinde, 

auch uns, die wir Jesus nachfolgen, 

verbindet ein dickes Kabel mit sieben Strängen    zu einer Einheit!

 

Jetzt kann es mal sein, dass dieses Kabel an einer Stelle

einen Kurzschluss kriegt. 

Es kann sein, dass es irgendwo schmort und riecht. 

 

Da sagt Paulus, wenn es so ist, dann schnell handeln (V3): 

„Achtet darauf, dass ihr die Einheit im Geist wahrt

durch das Band des Friedens.“

 

Das Isolierband des Friedens … ist gemeint. 

Nicht Frieden um jeden Preis, nicht Frieden gegen die Wahrheit, 

aber Frieden auf der Linie mit Jesus. 

 

Das griechische Wort hier heißt „spudazo“: Sputet euch, 

beeilt euch, lasst es nicht schmoren …!

Die Einheit im Geist ist für die Gemeinde ganz wichtig. 

Da können wir uns keinen Schwelbrand leisten. 

Denn sonst kommt es noch in vielen anderen Bereichen

zu Störungen, womöglich sogar zum Stromausfall. 

 

Einheit in Jesus schafft geistliche Kraft, 

gibt uns Paulus mit. 

 

Sie beginnt am Kreuz, 

wo ich mich mit Gott versöhnen lasse, 

seine Vergebung annehme. 

 

Da werde ich angeschlossen an das himmlische Versorgungssystem. 

Das Abendmahl und die Taufe sind Zeichen und Kanal zugleich, 

durch die ich mit Gott verbunden bin und bleibe. 

So wie durch Gottes Wort, das wir lesen und leben. 

 

Durch alles zusammen schafft Gott Gemeinde, 

Einheit im Geist, eine Hoffnung, ein Glaube, 

ein gemeinsamer Herr. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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