2014-07-20

Predigt über 2. Thess 3,1-5 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus dem 2. Thessa-

lonicherbrief des Apostels Paulus, Kapitel 3, die Verse 1-5:

„1 Weiter, liebe Brüder, betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe 

und gepriesen werde wie bei euch 2 und dass wir erlöst werden 

von den falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht 

jedermanns Ding. 3 Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken 

und bewahren vor dem Bösen. 4 Wir haben aber das Vertrauen zu 

euch in dem Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten. 

5 Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und 

auf die Geduld Christi.“

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

das öffentliche Wohlwollen gegenüber den Christen 

schwindet mehr und mehr. 

Wir geraten als Christen und als Kirche verstärkt 

in den öffentlichen Gegenwind:

- Während sich die Medien hüten, islamischen oder

    jüdischen Gläubigen auf die Füße zu treten, 

    schwinden die Hemmungen, Spott und Hohn 

    auch über das auszukippen, was uns heilig ist. 

- Immer mehr wird politisch entschieden, ohne sich nach 

    christlichen Werten zu richten. 

- In einer pluralistischen Gesellschaft scheint fremdes

    religiöses Gedankengut (oder einfach, was gerade „hip“

    oder „chiq“ ist), mehr Interesse zu finden als unsere

    christlichen Angebote. 

 

Das kann weh tun -, muss uns aber nicht befremden. 

Schon oft in der Geschichte der Kirche ist es so zugegangen

wie bei den Christen, denen Paulus (hier) schreibt. 

Man hat ihnen im römischen Weltreich den Kampf angesagt. 

Sich zu Jesus zu bekennen, war lebensgefährlich.

 

Dass der HERR „treu“ ist - und zu seiner bedrängten Gemeinde steht, 

das ist der Grund dafür, warum ich trotzdem absolut zuversichtlich

nach vorne schaue. 

Nicht Statistiken und Prognosen sagen uns, was und wer 

Zukunft hat, sondern das erfahren wir durch unseren HERRN 

Jesus Christus: ER hält die Seinen fest, 

sie entschwinden nie aus seinem Gesichtskreis!

 

Paulus zeigt uns heute morgen auf, 

worauf es ankommt - und - was es für uns zu tun gibt. 

 

An vier schlichten Tätigkeitswörtern (Verben) wird das deutlich: 

Beten - Verkündigen - Dulden und Ausrichten!

 

 

1. Beten

Gerade dann, wenn die Zeiten schwerer werden

und das Klima für die Christen eisiger wird, 

ist das Gebet besonders wichtig. 

Wenn Christen füreinander beten, 

dann vollziehen sie so was wie einen Schulterschluss. 

Selbst dem großen Apostel Paulus ist es wie 

jedem Christen gegangen: 

„Ich brauche andere, die für mich beten. 

Davon lebe ich. Darauf bin ich angewiesen.“

 

So mancher hat schon erlebt, wie gut das tut, 

wenn andere einem zusagen: „Du, ich bete für dich!“

Mitarbeiter aus unseren Reihen sind im FSJ, z. T. im Ausland: 

    > die Miriam K. in den USA
    > die Miriam H.  in Hamburg
    > Myriam W. in Paraguay
In ihren Rundbriefen schreiben sie das immer immer: 

Danke, dass / wenn ihr für uns betet!

 

Andere sind im Studium oder in einer Ausbildung: 

    > Meike H. in Heidelberg, drei unserer eigenen Jungs …

    > letzte Woche kam ein Mail von einem aus dem 

        Jugendkreis, der seine Abschlussprüfung (trotz 

        einer Behinderung) mit 2,5 bestanden hat und jetzt

        eine Anstellung bekommt:
        „Cool, was Jesus kann!“

 

Aber auch ältere Leute aus unseren Reihen 

finden zunehmend Mut, darum zu bitten (in einer besonderen Lage):

Bitte bete für uns!

 

Gerade in persönlich schwieriger Zeit wird die Fürbitte

von Christen zu einem Geschenk, das froh macht.

 

Beten ist erste Christenpflicht. 

Aber nicht unsere Wünsche und Bedürfnisse sollen 

dabei die Hauptsache sein, 

sondern dass Gottes Wort seinen Weg macht: 

 

 

2. Verkündigen

Ins Zentrum unseres Betens gehört das, was Gott heute tut!

(tun kann und tun will …)

Er ist mit seinem Wort unterwegs. 

Sein Wort „läuft“, d. h. es bewegt sich unaufhaltsam fort

von einem zum anderen, die es hören. 

Das haben die Christen in Thessaloniki erlebt, 

jetzt soll es auch anderswo (also auch in Dennach / Schwann)

seinen Auftrag erfüllen, 

Menschen erfassen, in ihrem Innersten berühren 

und bei ihnen die Freude des Glaubens auslösen. 

Darum bittet Paulus, die Hände zu falten …

 

In der Rückschau können wir dankbar feststellen. 

Gott hat die Bitten der Christen wirklich erhört - allen Widerständen 

zum Trotz. 

Auch am heutigen Sonntag „läuft“ Gottes Wort rund um den Globus

und trifft auf Menschen, die auf Gott hören wollen. 

Das sind leider viel zu wenige … deshalb, laden wir neu dazu ein, 

denn auch das ist „verkündigen“!

 

Ob in schönen Kathedralen oder auf der grünen Wiese, 

ob in schlichten Sälen oder im dichten Busch: 

Millionen Christen erkennt man daran, 

dass sie ihre Gottesdienste feiern. 

Und wir am Ort stehen mitten drin. 

 

Davon zu hören und dafür zu beten

wird zu einem geistlichen Rippenstoß: 

Was können wir unternehmen, 

um das Wort Gottes unter die Menschen zu bringen?

 

Muss es uns nicht unruhig machen, 

wenn für so viele heute zutrifft: 

„Der Glaube ist nicht jedermanns Ding.“

Wenn Ihr Konfirmanden meistens ohne eure Eltern zum Gottesdienst 

kommt … Wenn sich kommunale Veranstaltungen mit Gottesdienst-

Zeiten überschneiden und das im Gemeinderat keinen mehr stört …

 

Unserer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, 

ganz neu einzuladen, Gottes Wort stark zu machen, 

es in die Öffentlichkeit zu bringen. 

Auch zusammen mit anderen Gemeinden, 

durch Glaubenskurse, Besuchsdienste, Evangelisationen 

in bekannten und neuen Formen …

Wir wollen ab 6. November diesen Jahres in der Schwanner 
Kirche erstmals eine „Straubenhardter Abendbibelschule“

anbieten. Ein Experiment. Drei Donnerstage hintereinander. 

Am Römerbrief des Apostels Paulus kennen lernen, 

was Glauben heißt … und dazu breit einladen. 

Helfen Sie mit?!

 

Gerade wenn die Zeiten schwerer werden

und sich Christsein nicht mehr von selbst versteht, 

lauert die Gefahr sich zurückzuziehen 

und fromme Nischen zu suchen, 

geschlossene Hauskreise, 

windgeschützt seinen Glauben zu pflegen, 

aber den Auftrag aus dem Blick zu verlieren, 

Menschen zu Jesus einzuladen, zum Heil, zum ewigen Leben.

Und das ist unsere Berufung!

 

Gottes Wort soll „laufen“, 

laufen auch durch uns und indem wir uns einbringen. 

Dabei werden wir selber am meisten beschenkt, 

können uns mitfreuen mit denen, 

die später (und vielleicht durch unser Zutun) zum Glauben

gekommen sind, obwohl sie doch - von Haus aus - 

früher weit weg waren. 

 

Leider wird die Botschaft nicht überall gern aufgenommen. 

Das ist so - und nicht erst heute. 

Sie trifft auch auf viele taube Ohren, 

auf gelangweiltes Abwinken, 

auf Arroganz und Süffisanz, 

ja manchmal sogar auf Feindschaft. 

Paulus hat das oft erfahren und so mancher Tag wirkt in 

ihm nach. 

 

Dann kann das Verkündigen un-coole Konsequenzen 

nach sich ziehen, nämlich:

 

 

3. Dulden - Aushalten müssen

„Falsche und böse Menschen“ erwähnt Paulus, 

die ihm zusetzen. 

Wir wissen nicht genau, um welche Personen es sich dabei 

gehandelt hat. 

Aber Paulus ist oft verjagt, verspottet, ja sogar körperlich misshandelt 

worden. Und das alles wegen Jesus. 

 

Zum Glück leben wir heute in einem freien Land. 

Keiner muss damit rechnen, wegen Jesus hinter Kerkermauern 

zu verschwinden. 

Und trotzdem: Unterschätzen wir bloß nicht, 

was der eine oder die andere wegen des Glaubens aushalten muss. 

Es gibt auch bei uns viel stilles Dulden / Aushalten müssen: 

„Mein Mann lässt mich nicht in den Hauskreis gehen“ und 

    er spottet immer, wenn ich zum Gottesdienst gehe, 

    erzählt eine Frau. 

    Als ob’s heute noch Sklaverei gäbe!

Mancher Jugendliche wird in der Schule gehänselt, 

    wenn er in der großen Pause am Schülerbibelkreis (SBK) teilnimmt

    oder in einen christlichen Jugendkreis geht, 

    zu seinem Glauben öffentlich steht. 

 

Wo das Evangelium unter’s Volk gebracht wird, 

da sammelt sich immer auch Widerstand. 

Denn die christliche Botschaft ist keine neutrale Information

wie der tägliche Wetterbericht, 

den man schlicht zur Kenntnis nimmt

(gibt’s heute Mittag noch schwere Gewitter oder nicht, 

hoffen wir mal, dass kein Hagel dabei ist …)

Nein, Gott spricht uns an, 

greift in unserem Alltag ein

und stellt uns infrage. 

Deshalb kommt es oft zu harschen Reaktionen. 

 

Nirgends steht übrigens geschrieben, 

dass in unserem Land 

das Christliche dauerhaft die Kultur dominieren wird 

und man uns als Kirche besonderen Respekt zollen müsste!

Es kann auch ganz anders zugehen: 

Viele Glaubensgeschwister in Ostdeutschland oder Osteuropa
        haben vier Jahrzehnte durchbuchstabiert, was es heißt, 

    zu einer Minderheit zu gehören, 

    die als Bürger zweiter Klasse behandelt worden ist. 

Heute erleben viele Christen in der weiten Welt (man geht von 

    rund 100 Millionen aus!), die um ihres Glaubens willen

    verfolgt werden. 

    Nachdem der Kommunismus abgewirtschaftet hat, 

    zeigt sich der Islam als Christenbedränger Nr. 1 …

 

Neben den Nachrichten über Schikanen und Lebensgefahr für 

Christen weltweit 

gibt es aber aus vielen Ländern auch Berichte, die Hoffnung machen: 

So hat vor kurzem die ägypt. Bibelgesellschaft bekannt gegeben, 

dass im letzten Jahr weit mehr Bibeln und christliche Literatur

verbreitet worden sind als je zuvor. 

Obwohl ihr Haus bei islamistischen Anschlägen schwer beschädigt

worden ist und Christen in Ägypten nach wie vor diskriminiert werden, 

ist das Interesse bei Muslimen riesengroß!

 

Das ermutigt die Christen dort, 

Jesus weiterhin die Treue zu halten. 

Es erweist sich bei ihnen als wahr, was Paulus schreibt: 

Jesus wird seine Gemeinde „stärken und bewahren vor dem Bösen.“

Das Böse hat zwar Macht, aber keine Übermacht!

 

Manchmal ist die Gefahr groß, 

wenn Widerstand kommt, hart zu reagieren!

Wenn Leute sich über den Glauben abfällig äußeren 

und unseren Gottesdiensten - trotz freundlicher Einladung - 

aus dem Weg gehen, vielleicht zu denken oder sogar zu sagen: 

„Dann eben nicht! Wer nicht will, der hat schon …“

 

Davor bewahre uns Gott, 

dass wir einschnappen wie ein Türschloss, gekränkt … 

wenn sie so reagieren

und sie das dann auch spüren lassen!

 

Denn gerade dann, wenn uns der Wind ins Gesicht bläst

und wir als Christen (um es mit Martin Luther zu sagen) 

zu „seltenen Vögeln“ werden, 

sollten wir auf Paulus hören: 

 

 

4. Ausrichten - Uns immer wieder ausrichten lassen!

Wenn unsere Lage prekär wird, was dann?

Wie sollen wir uns verhalten?

Woran orientieren wir uns dann?

 

Paulus sagt in Vers 5: Jetzt erst recht die Gedanken hinlenken

zur „Liebe Gottes“, die uns in jeder Lage birgt. 

 

Ihr dürfen wir uns in die Arme werfen 

und wir können uns zugleich daran ausrichten, 

wie „geduldig“ Jesus mit uns - und anderen - umgeht. 

 

Auch dort, wo Menschen die kalte Schulter zeigen, 

müht er sich geduldig um jeden Einzelnen (er hat noch Geduld, 

gibt noch niemand auf):

Wie der Hirte, der einem verirrten Schaf nachgeht, 

wie der Vater, der seinem verlorenen Sohn hinterherschaut

und ihn sehnlichst erwartet. 

 

Jesus gibt keinen auf, solange er lebt. 

Jemand kann Gott loslassen und ihm aufkündigen. 

Aber keiner kann Gott hindern, ihn trotzdem zu suchen …

so groß - ist seine Retterliebe. 

Bis zum letzten Atemzug hat ein Mensch noch die Möglichkeit

umzukehren in Gottes offene Arme. 

Erst danach ist es zu spät …

 

Unser Gott und Jesus Christus lässt sich nicht von dem bestimmen, 

was Menschen ihm antun. 

 

Davon können wir lernen.

Daraus können wir Kraft ziehen, 

wenn Zeitgenossen abwinken: „Glauben ist nicht mein Ding.

Verschont mich mit frommen Sachen!“

Unsere Mittel, ihnen zu begegnen, lesen wir an Jesus ab. 

 

Da kann sich die „Geduld Christi“ in uns persönlich, 

aber auch in unseren Gemeinden entfalten. 

Unsere Mittel sind Liebe, Geduld, Gebet, Verkündigen und 

nochmals verkündigen, zur Zeit und zur Unzeit. 

Bitten wir also Gott um ganz viel Liebe für alle Menschen, 

die unseren Glauben - noch nicht - teilen. 

 

 

Paulus gibt uns mit diesem Bibelwort heute die Richtung vor, 

wenn die Zeiten für uns als christliche Gemeinde schwieriger werden: 

„Wir haben aber das Vertrauen zu euch in dem HERRN, 

dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten“ (V4).

Wir tun gut daran, auf ihn zu hören …

 

Beten - Dulden - Verkündigen - sich klar auf Jesus ausrichten

gibt uns Paulus mit. 

 

Dabei werden wir erleben: 

„Der HERR ist treu, der wird euch stärken und vor dem Bösen

bewahren“ (Vers 3). 

Amen

 

 

(Ich danke Präses em. Christoph Morgner für seine Vorarbeiten zu diesem Predigttext)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Donnerstag, 21.06.2018
14:30 Uhr in Schwann:
Asylarbeit in Straubenhardt (Gustav Bott, Netzwerk Asyl)
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann
19:00 Uhr:
Jugendkreis 16+ im GH Schwann
Freitag, 22.06.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann
18:15 Uhr:
Mädchenjungschar 8-13 Jahre im GH Schwann (Gewusst wie)
Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst