2014-06-08 Pfingstfest

Predigt über Römer 8,1-11 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

Sie kennen / ihr kennt bestimmt alle die Domino-Steine! 

Man kann sie aneinander anlegen, 

aber man kann sie auch aufstellen und dann anstoßen, 

sodass die Steine alle nacheinander umfallen. 

Manche erinnern sich vielleicht noch an die Fernsehshow ›Domino-Day‹. 

Millionen von Dominosteinen wurden aufgebaut, 

um dann in einem großen Spektakel der Reihe nach umzufallen. 

Wir reden vom Domino-Effekt …

riesige Bahnen über Brücken und Unterführungen

werden von einem einzigen Anfangsstein (Dominostein) 

angestoßen …

 

An diesem Domino-Effekt kann man zwei Gesetzmäßigkeiten

erklären, die der Apostel Paulus heute in unserem Predigttext beschreibt: 

die Gesetzmäßigkeit des Fleisches 

und die Gesetzmäßigkeit des Geistes. 

Ich lese den Text aus dem Römerbrief, Kapitel 8, die Verse 1–13:

 

„So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus 

sind. Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in 

Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde

und des Todes. Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es 

durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: Er sandte seinen

Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde

willen und verdammte die Sünde im Fleisch, damit die Gerechtigkeit, 

vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun 

nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist. 

Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt, die aber

geistlich sind, die sind geistlich gesinnt. 

Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod und geistlich gesinnt sein

ist Leben und Friede.

Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das

Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan sein will; denn es vermag‘s 

auch nicht. Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen. 

Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn denn

Gottes Geist in euch wohnt. 

Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist [auch] nicht sein. 

Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der 

Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.

Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt 

hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten aufer-

weckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch 

seinen Geist, der in euch wohnt.“

 

 

1. Die Gesetzmäßigkeit des Fleisches

»Fleisch« bei Paulus bedeutet hier nicht das Fleisch, 

das wir anfassen oder essen. 

Wenn Paulus hier »Fleisch« sagt, dann sollen wir damit verbinden: 

›selbst‹, das was wir selbst, aus eigener Kraft machen. 

Selbstgerecht, Selbstverdammnis, Selbsterlösung, Selbst... 

 

Wenn wir nach dem Gesetz des Fleisches leben 

und uns diese Gesetzmäßigkeit anhand der Domino-Steine vorstellen, 

dann haben wir einen Anfangsstein, 

auf dem steht ›Fleisch‹ oder ›fleischlich‹.

 

 Andere Steine aus dieser Reihe heißen dann zum Beispiel 

›Selbstverdammnis‹. 

Dann der Stein ›Gefangenschaft‹. 

Oder ›Anklage‹. 

Oder ›Kritik‹. 

Dann der Stein mit der Aufschrift ›Lüge‹. 

Dann ›Vergeblichkeit‹. 

Dann ›die eigene Anstrengung‹. 

Dann die ›Selbstgerechtigkeit›. 

Und noch viele Steine mehr. 

 

Am Ende auf jeden Fall, der letzte Stein, das ist der ›Tod‹, 

die Verlorenheit. 

 

Das heißt: Wer fleischlich lebt, 

bei dem läuft die Gesetzmäßigkeit des Fleisches ab, 

der Domino-Effekt des Fleisches. 

Die Steine zwischendrin, die können auch ausgetauscht sein. 

Nur der erste und der letzte, die sind gleich: ›fleischlich‹ und ›Tod‹.

 

Wie kann das konkret aussehen?

Wir nehmen als Beispiel einen Menschen, der sich bemüht, 

gut zu leben. Sie oder er will gut sein. 

Er oder sie trägt eine Messlatte in sich, was es heißt, 

ein guter Mensch zu sein. 

 

Aber dieser Mensch merkt jetzt: ich schaff’ es nicht, so zu leben 

wie ich eigentlich sollte oder wollte. 

Ich bin gefangen in dem, wie ich bin. 

Ich erkenne das Problem, aber ich bin nicht in der Lage, 

mich zu ändern. 

 

In Folge dessen fühlt sich dieser Mann oder diese Frau

einfach schlecht. 

Und so mancher verdammt sich in Folge dessen einfach selbst. 

 

Oft wird daraus auch Anklage, 

meistens gegen andere: 

    - die Eltern, die schuld sind. 

    - Oder die Ehefrau oder der Ehemann. 

    - Oder mein Chef... Oder Gott. 

Anklage geht oft mit Kritik einher: Nörgeln, Unzufriedenheit, 

auch Neid gehört dazu. – Sie verstehen, was ich meine!  

Da kommt eins zum anderen. 

Eine schöne Reihe. 

Am Ende steht der Tod. 

Der Sünde Sold ist der Tod, sagt Paulus. 

 

Es gibt auch die Variante, dass es uns gelingt ›gut‹ zu leben, 

zumindest besser als andere. 

Vom Prinzip her ist das nichts anderes. 

Nur heißt der Stein dann nicht Selbstverdammnis, 

sondern Selbstgerechtigkeit. 

Und dort, wo die Selbstgerechtigkeit dann herrscht 

und weitere Steine in Gang setzt, 

da heißen die Steine dann Hochmut, Pharisäertum, Stolz... usw. 

Aber auch am Ende dieser Reihe steht der Tod. 

Das ist der fleischliche Domino-Effekt.

 

 

2. Die Gesetzmäßigkeit des Geistes

Jetzt hören wir hier bei Paulus von einer Alternative:

Dem Gesetz des Geistes. 

 

Offensichtlich ist es so, dass wir Menschen uns unter der 

Gesetzmäßigkeit des Fleisches vorfinden. Mit dem Ziel des Todes.

Wir alle sind von Natur aus so gestrickt, 

dass wir versuchen, ohne den lebenden Gott zurecht zu kommen,

dass wir versuchen, auf unsere Kraft und unseren Geist

zu setzen … und uns gar nicht vorstellen wollen, 

dass es dazu eine echte Alternative geben könnte. 

 

Aber das Faszinierende an Paulus, 

ja das Eigentliche des Christentums ist, 

dass es genau diese echte Alternative hat und anbietet:

Der Tod und unsere menschliche Natur ist nicht das Letzte, 

Die Gesetzmäßigkeit hin zum Tod - sie wurde unterbrochen. 

Am Kreuz und im Grab. 

Der Stein der Auferstehung ist dazwischen gelegt worden. 

Unser Leben kann seither in andere Bahnen gelenkt werden. 

In die Bahnen des Geistes. 

 

Und offensichtlich ist das die Alternative unsres Lebens schlechthin: 

fleischlich oder geistlich. 

 

Dem Fleisch, dem ›Selbst‹ gegenüber steht die Herrschaft des 

Geistes Jesu. 

Das sieht dann folgendermaßen aus: 

In der Domino-Reihe wird von Gott ein Stein quergelegt. 

Der Domino-Effekt wird unterbrochen. 

Es weht auf einmal ein neuer Geist. 

Und jetzt wird eine neue Reihe eröffnet, ein neuer Weg, 

der Weg nach den Gesetzmäßigkeiten des Geistes verläuft. 

 

Bleiben wir mal im Domino-Bild: 

Da setzt Gott also erst erstmal seinen Stein dazwischen – 

den Stein, den die Bauleute verworfen haben. 

Jesus, den Sohn Gottes. 

Und wir erkennen durch diesen „Stein“, 

was in unsrem Leben eigentlich passiert. 

Wir erkennen, dass wir von Natur aus überhaupt nicht „frei“ sind, 

sondern vielfach gefangen, in eine Kette eingebunden 

und wohin unser Weg führt, 

zum Tod, weg von Gott.

 

Wir erkennen Muster, tod-bringende, lebens-hindernde Muster 

unsres Lebens. Sünden, die uns umstricken, 

Verhaltensweisen, die wir nicht ändern wollen, 

vielleicht weil es „doch alle so machen“ 

(Schwarzarbeit, Steuererklärung, gemeingefährliches Autofahren, 

Zusammenleben ohne Ehe …)

Werthaltungen unserer Gesellschaft, die sich in einer nachchristlichen 

Welt mehr und mehr verändern (die Bereitschaft zur aktiven Sterbehilfe, 

zur Abtreibung, zu einer Aufhebung der in der Schöpfung angelegten

Geschlechterrollen von Mann und Frau (Gender-Ideologie)) … 

Lebenspartnerschaft statt Ehe …)

 

Es ist der Heilige Geist und Gottes klares Wort, 

die uns das erkennen lassen. 

Und dieser Geist Gottes wirbt um uns. 

Er wirbt um uns mit Erfahrungen der Freiheit.

Er wirbt um uns, damit wir seine Herrschaft in unsrem Leben zulassen. 

Damit wir Christus in unser Leben einlassen und unser Leben nach seinen

Vorstellungen gestalten lassen.

 

Wo wir das tun, 

da eröffnet sich aus eingefahrenen Bahnen heraus 

ein neues Gleis, eine neue Spur. 

Und am Ende dieser Spur steht auf jeden Fall der Lebensstein: Leben. 

 

Das ist das Ziel dieses Weges. 

Das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus. 

Da fängt neues Leben in einem Menschen an.

Mit diesem quer gelegten Stein Gottes: Dem Geist Gottes. 

 

Noch mal an einem anderen Beispiel durchgespielt: Ich versage. 

Ich merke, dass ich wieder an derselben Stelle denselben Fehler 

gemacht habe. 

Normalerweise würde es jetzt weitergehen mit Selbstverurteilung: 

›Mensch, bin ich blöd‹. ›Das wird nie anders‹.

›Ich schaffe das nie!‹ 

›Aus dieser Sucht komme ich nie heraus.‹  

 

Dann kommt zur Selbstverurteilung oft Selbstmitleid, 

der nächste Stein: ›Ach, Ich bin doch der Ärmste / die Ärmste.‹ 

Und es kommt die Anklage gegen andere:
›Wenn der oder die nicht wäre.‹ …

Das kann so lange gehen, bis ich schließlich ganz unten „im Keller“ bin.

 

Jetzt aber, wenn ich in Christus bin, 

sagt der Heilige Geist zu mir: ›Du, Friedhelm, für die, die in Jesus sind, 

gibt es keine Verdammnis. 

Und wenn Jesus dich nicht verdammt, 

dann brauchst du dich auch nicht zu verdammen.‹ 

 

Vielleicht fällt es jemand schwer, Gott zu glauben, 

weil er sich lieber selber verdammt

als ohne eigenes Zutun gerecht gesprochen zu werden!?

 

Das fleischliche Domino-Muster erscheint vielen total attraktiv, 

es wirkt anziehend. 

Aber angenommen, ich glaube dieser Eingabe des Heiligen Geistes, 

der mich an die Wahrheit des Wortes Gottes erinnert; 

also angenommen, ich glaube Gott, der sagt: 

›Ich verdamme dich nicht. Du darfst neu anfangen. Lerne in meiner 

Freiheit zu leben.‹ 

Angenommen, ich glaube ihm und bitte ihn, mir dabei zu helfen, 

dann - folge ich der neuen Gesetzmäßigkeit des Geistes. 

 

Dann folgt auch wieder ein Stein dem anderen, 

aber in Richtung Leben. 

 

Solche Steine des Lebens auf dem Domino-Weg des Geistes heißen: 

›Gerecht aus Glauben‹, ›Keine Verdammnis‹, 

›Freiheit‹ (nichts muss so bleiben wie es ist...), 

›Zufriedenheit‹‘ (es ist gut so!), 

Annahme statt Anklage, ... 

 

Da kommt dann eines zum anderen. 

Immer mehr Leben greift um sich, dort wo der Geist Gottes herrscht, 

wo er sozusagen die Richtung angibt.

 

 

 

3. Leben im Geist

Die Realität des Christenlebens ist aber, 

dass wir immer wieder Gefahr laufen, in alte Muster zu verfallen. 

In Muster, die unser Leben klein machen.

In Muster, die wieder ganz das ›Selbst‹ in den Mittelpunkt stellen.

Deshalb ist es so wichtig, aus dem Geist Gottes leben zu lernen!

 

Im Bild von den Domino-Steinen gesprochen heißt das: 

Ich lege in alte Muster einen Stein quer, 

damit der Domino-Effekt unterbrochen wird, 

damit die Gesetzmäßigkeit des Fleisches unterbrochen wird. 

 

Ganz oft sind es Wahrheiten der Bibel, die ich ›dazwischen‹ lege. 

Gebote Gottes und Zusagen Gottes: 

- „Wer mir nachfolgen will (sagt Jesus), der verleugne sich selbst …

und folge mir.“ (Mk 8,34)

- Jesus sagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt …“ (deshalb erlebt ihr

Christen auch viel Ablehnung) Joh 18,36

- (Und trotzdem gilt:) „Ich bin (durch meinen Geist) bei euch alle Tage 

bis an der Welt Ende“ (Mt 28,20),

 

Oder hier in unserem Bibeltext heut: 

„So gibt es keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.“ (Römer 8, 1)

 

Und ganz in der Nähe (gleiches Kapitel 8):

„Denn ihr habt nicht empfangen einen knechtischen Geist,
dass ihr euch abermals fürchten müsst; sondern ihr habt einen kindlichen
Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater.« (Römer 8, 15).

Und dieser Geist Gottes ermutigt uns, die Bibel regelmäßig zu lesen, 

ja er will uns genau darin begegnen, uns aufbauen, stärken, z. B. durch
Paulus, der schreibt:
- „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben mich scheiden kann
    von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist“ (Römer 8, 38. 39)

 

In unserem Bild gesprochen heißt das: 

Wer sich einmal auf den Weg des Geistes gemacht hat, 

in wem der Geist Gottes wohnt,
wer Christus angehört,
bei dem wird die Domino-Kette nach unten niemals bis in den Tod gehen. 

Gott wird immer seinen Lebensstein dazwischen legen.
Oder anders gesagt: Der kann nie tiefer fallen als in Gottes Hände.

 

Lernen und üben wir also, 

möglichst schnell die Lebenssteine Gottes dazwischen zu legen, 

wenn wir wieder in das alte eingefleischte Lebensmuster zurück fallen. 

Das ist Leben im Geist. 

 

Sie merken hier ein Ineinander: Gott - legt Lebenssteine dazwischen 

und wir selber auch! 

 

Je mehr wir von diesem Geist und seiner Wahrheit gefüllt sind, 

desto schneller können wir auch dem eingefleischten alten Menschen 

in die Speichen greifen 

und durch den Geist „töten“, das Gott nicht gefällt.

 

Immer, wenn wir das tun, 

blüht das Leben Gottes in uns auf.

 

Leben im Geist. 

Pfingstfest nah und fern 

und die Herrschaft von Gottes Geist im Alltag! 

 

Das soll uns in Fleisch und Blut übergehen. 

Für die, die Jesus gehören, gibt es keine Verdammnis, 

sondern Rettung,

keine Gefangenschaften, sondern eine unbeschreibliche Freiheit. 

 

Und die Möglichkeit, immer wieder neu zu beginnen, 

aufzustehen, weiterzugehen – geleitet und ermutigt vom Heiligen Geist.

Wenn das kein Pfingstfest ist!

Amen

 

(Ich danke Pfarrer S. Ruppert, Leinfelden für seine Vorarbeit zu diesem Predigttext)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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