2014-04-17 Gründonnerstag

Predigt über Hebräer 2,10-17 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören auf den Bibeltext für den Gründonnerstag. Er steht

im Hebräerbrief, Kapitel 2, die Verse 10-17a (18). Ich lese ihn 

nach der Übersetzung „Hoffnung für alle“:

    „So ist es auch kein Widerspruch, dass Gott - für den alles 

    geschaffen wurde und durch den alles ist - seinen Sohn

    durch das Leiden am Kreuz zur Vollendung gelangen ließ.

    Dadurch hat Jesus Christus den Weg für viele Menschen ge-

    bahnt, die er als Gottes Kinder in sein herrliches Reich führt.

    Jetzt haben sie alle den einen Vater: sowohl Christus, der die 

    Menschen in die Gemeinschaft mit Gott führt, als auch die 

    Menschen, die durch Christus zu Gott geführt werden. 

    Darum schämt sich Christus auch nicht, sie seine Brüder zu

    nennen, wenn er sagt: „Ich will meinen Brüdern deinen Namen

    bekannt machen, vor der ganzen Gemeinde will ich dich loben

    und ehren“. Durch den Propheten Jesaja bekennt Christus:

    „Gott allein will ich vertrauen! Hier bin ich, und hier sind die 

    Kinder, die Gott mir gegeben hat.“

    Die Kinder aber sind wir, Menschen aus Fleisch und Blut. 

    Christus - ist nun auch ein Mensch geworden wie wir, damit

    er durch seinen Tod dem Satan die Macht entreißen konnte.

    So hat er alle befreit, die aus Furcht vor dem Tod ihr ganzes 

    Leben hindurch Gefangene des Satans waren. 

    Denn Christus geht es ja nicht um die Engel. Ihm geht es um 

    die Menschen, um die Nachkommen Abrahams. 

    Deshalb musste er uns, seinen Brüdern, auch in allem 

    gleich sein, das heißt: Er musste - Mensch - werden ...“

 

    

 

Liebe Gemeinde,

 

„Warum musste Gott Mensch werden?“ 

Warum sandte Gott seinen Sohn in diese Welt um schließlich von 

ihr verurteilt und gekreuzigt zu werden? 

 

Nicht erst der berühmte Anselm von Canterbury (im 11. Jhrt) 

hat diese Frage gestellt. 

Schon der Hebräerbrief unserer Bibel, 

den wir heute vor uns haben, stellte die gleiche Frage.

Und er antwortet darauf: „Das Leiden Jesu musste sein!“ 

Aber wozu? - 

Weil es sonst keine andere Möglichkeit gegeben hätte

um die Menschen von der Macht der Sünde zu erlösen. 

 

Wir Menschen sind durch das Böse,

das sich bei uns bis ins Mark hinein festgesetzt hat, 

in einem Zustand gefangen, 

der uns vom heiligen und gerechten Gott trennt. 

 

Das meint die Bibel, wenn sie von „Sünde“ spricht. 

 

Sünde ist also vor allem ein Zustand, 

der Zustand der Trennung von Gott - und erst daraus folgend

dann auch eine moralische Kategorie

(„wir sündigen, weil wir Sünder sind“ und nicht umgekehrt!)

 

So ist es Sünde, eine natürliche Regung, 

wenn Menschen sich religiös orientieren, 

wenn sie von sich aus versuchen, sich mit Gott, einer höheren Macht

oder wie immer sie sie nennen mögen, sich zu arrangieren.

Aber nicht erkennen, dass sie schon immer von Gott getrennt sind, 

dass die Sünde in ihnen steckt

und sie womöglich ein Leben lang suchen, 

was sie nicht finden können. 

 

Wie viele Gott-Sucher gibt es doch!

Menschen auf dem spirituellen Tripp!

Aber es ist immer eine erfolglose Suche!

Denn wenn ich suche, wo Gott nicht zu finden ist, 

geht es mir wie den Suchschiffen im Indischen Ozean, 

die wochenlang vergeblich nach der verschwundenen Boing

MH 370 gesucht haben - und letztlich erfolglos geblieben sind. 

Den Suchmannschaften ist das Signal der Blackbox

abhanden gekommen, das sie zum Ziel geführt hätte. 

 

So hören wir in der Bibel immer wieder: 

Seit dem Sündenfall des Menschen im Paradies haben alle

Menschen ihre Verbindung zum lebendigen Gott verloren. 

Aus dem „Ebenbild Gottes“ ist ein Abstieg geworden. 

Sie hören nur noch ein Hintergrundrauschen, 

ein Echo Gottes, sie haben noch ein Gewissen, 

dessen Stimme sie aber auch ignorieren können. 

Seit dem Sündenfall suchen die Menschen an vielen Stellen 

nach dem Göttlichen, nach Werten - mit den verschiedensten 

Ansätzen - aber Mensch und Gott kommen nicht mehr zusammen!

 

Mit einer Ausnahme: In dem Kind in der Weihnachtskrippe

ist Gott selber Mensch geworden 

und schafft in seinem Leiden und Sterben am Kreuz

wieder die Verbindung zu sich. 

Jesus ist der „Brückenbauer“ (pontifex), 

der den überwindlichen Graben der Sünde überbrückt. 

 

Er bahnt einen neuen Weg, der tatsächlich zu Gott führt:

    „Dadurch hat Jesus Christus den Weg für viele Menschen ge-

    bahnt, die er als Gottes Kinder in sein herrliches Reich führt ...“

heißt heißt es in unserem Bibelwort. 

 

Ich will Ihnen das Geheimnis, 

weshalb Gott Mensch wird 

und zu unserem Heil ans Kreuz geht, 

einmal an einem Beispiel aus der Natur verdeutlichen: 

Dem Ameisen-Staat

 

Stellen Sie sich vor, Sie treffen auf einem Waldspaziergang auf einen

großen Ameisenhaufen. Dort wimmelt es nur so von fleißigen Ameisen.

Die haben, wie wir wissen, 

ein ausgezeichnetes Informations- und Ordnungssystem:

Jede Ameise hat ihre Funktion und Aufgabe in diesem Ameisenstaat.

 

Plötzlich stellen Sie Brandgeruch fest.
Bei den trockenen Wäldern, die wir zur Zeit haben, 

geht das Ruck-Zuck, eine weggeworfene Zigarette würde reichen!

Der Wald hat also angefangen zu brennen. 

Sie können sich noch schnell in Sicherheit bringen, 

aber eben nicht die Ameisen, 

die haben ihren Ameisenhaufen 

und sind ganz auf diesen „Mikrokosmos“ konzentriert. 

 

Wie können Sie die Ameisen vor dieser Gefahr warnen?

    - Schreien Sie die Ameisen an, wird sie das nicht aus ihrer Ruhe bringen.

        (Sie machen einfach weiter mit ihrem Tagesgeschäft).

    - Nehmen Sie einen Stock und rühren im Ameisenhaufen herum, 

        werden sie Sie als Angreifer sehen und Ihnen die Beine
        hoch krabbeln und Sie stechen. 

    - Nehmen wir mal an, Sie hätten eine große Decke dabei
        und versuchen darauf, den Ameisenhaufen umzuladen (Sie wollen
        die Ameisen ja in Sicherheit bringen!),
        dann werden die Ameisen versuchen, die schützende Decke
        zu verlassen (Sie bleiben ihrem Standpunkt und ihrer Aufgabe treu).

 

Theoretisch gäbe es nur eine Möglichkeit:
Sie müssten in der „Sprache“ der Ameisen ihnen die Gefahr
deutlich machen können.

Dazu aber müssten Sie selber eine Ameise werden. 

Nur, wenn Sie in das System der Ameisen - als Ameise - einsteigen, 

haben Sie die Möglichkeit, diesen Tierchen zu helfen. 

Kurzum: Sie müssen wie eine Ameise werden!

 

Nach dem Neuen Testament war das die Ausgangslage, 

vor der Gott stand!

 

Dass die Menschen von Gott getrennt leben, 

das nehmen sie „in ihrer eigenen Welt“ überhaupt nicht wahr. 

Und deshalb merken sie auch die Brandgefahr nicht, 

in der sie leben,

es sei denn, es kommt jemand zu ihnen,

den sie verstehen, 

dem sie vertrauen 

und der einer ist wie sie! 

 

Wenn Gott seinen Sohn in die Welt gesandt hat, 

dann hat er es in dieser Absicht getan! 

Er will uns zeigen, wie „brenzlig“ (lebensbedrohlich) unsere Lage ist, 

wenn wir bleiben, wo wir sind. 

 

Mit einem großen Unterschied: 

Er hat nicht nur Vorträge über die Gefahren gehalten, 

die von der Sünde ausgeht, 

er hat die Gefahr selber bekämpft - und - besiegt!

 

Gottes Sohn wurde Mensch, 

um uns in die Gemeinschaft mit Gott zurück zu führen. 

Dazu ist er am Kreuz für uns gestorben. 

Für die Schuld der Welt, für meine und deine, 

für all das, was ich selbst überhaupt nicht bereinigen kann:

    „Jesus Christus hat dadurch den Weg für viele Menschen ge-

    bahnt, die er als Gottes Kinder in sein herrliches Reich führt ...“

so liest es sich im Hebräerbrief. 

 

In der Passionszeit stehen wir staunend 

vor diesem großartigen Tun Gottes, 

das uns tiefer als irgendetwas sonst in Gottes Herz schauen lässt. 

Ein Herz voller Liebe, das unseren Tod nicht will. 

 

Gott wollte in Christus offenbar seine Liebe 

von ganz unten her zeigen,

damit wirklich alle die Möglichkeit haben, 

sie annehmen zu können. 

 

Ein Automatismus ist es nicht. 

Dass Christus diesen Weg gegangen ist, 

bedeutet keine Allversöhnung, 

es wird nicht einfach allen der Hut der Liebe Gottes übergestülpt. 

„Glaubst Du, so hast du, 

glaubst Du nicht, so hast du nicht!“

hat es M. Luther ausgedrückt. 

 

Alle Menschen sind persönlich gefragt, 

ob sie das Sterben von Jesus am Kreuz 

als zu ihrer Vergebung geschehen 

annehmen und Gott dafür danken wollen!

 

Der Weg von Jesus ans Kreuz war ein sehr persönlicher

und auch wie diese Vergebung zum einzelnen Menschen 

kommt, ist ein sehr persönlicher. 

 

Die Menschen in unserer Umgebung haben für das Kreuz 

immer weniger Verständnis: 

Das sieht man daran, wie wenige Gründonnerstag und 

Karfreitag noch kennen und für wichtig halten …

Heute morgen kam jemand zu mir ins Pfarramt

und hat nachgefragt, ob ich für den in Straubenhardt

gerade neu gegründeten Fasnetsverein „Die Nebelhexen“

eine Narrenpredigt halten würde …

Ich habe darauf geantwortet, 

dass wir Christen glauben, 

Gott habe am Karfreitag Hölle, Tod, Teufel und alle 

Hexen das Fürchten gelehrt. 

Weshalb sollte ich sie neu aufleben lassen?

 

Wir Christen glauben an Jesus Christus, 

den Sieger über Sünde, Tod und Orientierungslosigkeit dieser Welt!

Er ist für uns der Anfänger und Vollender des Glaubens, 

den wir nicht verdunkeln können und wollen!

 

Lassen Sie uns vor dem, was Jesus tat, niederfallen, 

damit wir in dieser Welt und vor Menschen aufrecht stehen können!

Frei von allen „Krücken“ und „gespielter Religiosität“, 

Frei vom Zwang uns selbst zu inszenieren. 

 

Durch Vergebung sind wir frei geworden. 

Frei und froh. 

Leben in Gemeinschaft mit Gott. 

Unserem Herrn - und unterstellen uns nicht wieder neu 

anderen Gesetzen und Mächten. 

 

Das Abendmahl ist so ein Punkt, 

an dem das deutlich wird: 

Wem wir das neue Leben verdanken

und vom wem wir uns senden lassen: 

von Jesus Christus. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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