2014-04-06

Predigt über 4. Mose 21,4-9 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

endlich am Ziel. 

Nach Jahren der Wüstenwanderung stehen die Israeliten 

kurz vor dem Einzug ins verheißene Land. 

Da passiert das Unfassbare: 

Das Volk der Edomiter verweigert den Durchzug. 

Anstatt in nur fünf Tagen am Ziel zu sein, 

heißt es für die Israeliten: Zurück in die Wüste!

Das versprochene Land liegt vor ihnen, 

aber hinein kommen sie nur durch einen total unverständlichen

und grausamen Umweg. 

 

Da kippt die Stimmung. 

Wir hören es heraus aus Gottes Wort für diesen Sonntag

aus dem 4. Mosebuch, Kapitel 21, den Versen 4-9:

„4 Als die Israeliten vom Berg Hor aus weiterzogen, wandten sie 

sich zunächst nach Süden in Richtung Schilfmeer, um das Gebiet 

der Edomiter zu umgehen. Aber unterwegs verlor das Volk die 

Geduld 5 und sie beklagten sich bei Gott und bei Mose: »Warum 

habt ihr uns aus Ägypten weggeführt, damit wir in der Wüste sterben? 

Hier gibt es weder Brot noch Wasser, und dieses elende Manna hängt 

uns zum Hals heraus!« 6 Da schickte der Herr zur Strafe giftige 

Schlangen unter das Volk. Viele Israeliten wurden gebissen und 

starben. 7 Die Leute kamen zu Mose und sagten: »Es war nicht recht, 

dass wir uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt haben. 

Leg doch beim Herrn ein Wort für uns ein, damit er uns von diesen 

Schlangen befreit!« Mose betete für das Volk 8 und der Herr sagte 

zu ihm: »Fertige eine Schlange an und befestige sie oben an einer 

Stange. Wer gebissen wird, soll dieses Bild ansehen, dann wird er 

nicht sterben!«.9 Mose machte eine Schlange aus Bronze und 

befestigte sie an einer Stange. Wer gebissen wurde und auf diese 

Schlange sah, blieb am Leben.“ (Gute Nachricht Bibel)

 

 

Ein Erstes fällt mir auf: 

 

Umsehen - Gott regiert (Vv4f)

 

Es ist schon heftig, was die Israeliten durchmachen müssen. 

So kurz vor dem Ziel zwingen sie äußere Umstände zur Rückkehr 

in die Wüste. 

Anstelle des gelobten Landes geht‘s wieder auf den Wüstenweg

der Gefahren und Entbehrungen, 

fast 40 Jahre machen sie das jetzt schon mit ...

 

Da ist es doch eigentlich nur verständlich, 

wenn wir da von den Israeliten lesen: 

„ Aber unterwegs verlor das Volk die Geduld “ oder wörtlich

„Und das Volk wurde kurzatmig wegen des Umwegs“. 

 

Es geht ihnen die Luft aus, den Israeliten, 

der lange Atem der Geduld und des Wartens auf 

die versprochenen besseren Tage 

und die Tag für Tag dafür nötige Kraft auf dem Marsch dorthin. 

Sie können nicht mehr. ( - ) 

 

„Ich kann nicht mehr!“

Jeder von uns wird das schon gesagt haben, 

kennt die Wüstenzeiten, in denen diese Worte alles zusammen

fassen, was in uns vorgeht. 

 

Und die Frage ist jetzt, wie wir mit solchen Empfindungen umgehen. 

Von den Israeliten lesen wir (Vv4f): „Aber unterwegs verlor das Volk die 

Geduld 5 und sie beklagten sich bei Gott und bei Mose: »Warum 

habt ihr uns aus Ägypten weggeführt, damit wir in der Wüste sterben? 

Hier gibt es weder Brot noch Wasser, und dieses elende Manna hängt 

uns zum Hals heraus!«

Was ist das Problem, wenn das Durchhängen der Israeliten 

doch absolut verständlich ist? ( - ) 

 

Das Problem, auf das Gott auch in aller Schärfe reagiert, 

ist nicht die Müdigkeit der Leute, sondern ihr Umgang damit, 

wie es doch Gott war, der sie in die Freiheit geführt hat!

Er hat sein Volk aus Ägypten gerettet, 

es versorgt mit Brot vom Himmel (dem Manna)

und jetzt muss er sich anhören: Du treibst uns in den Tod. 

 

Verständlich, dass Gott da einschreitet!

 

Auch wenn wir manchmal den Eindruck haben, 

dass nur der Teufel aus der Geschichte lernt, 

können uns doch das negative Beispiel unseres Bibelworts

und eine ganze Reihe anderer - positiver - Beispiele klar machen, 

dass es in solchen Wüstenerfahrungen bessere Reaktionen gibt. 

 

Lernen will ich selber aus dieser Begebenheit: 

Nicht die Umwege sind es, die uns das Ziel verfehlen lassen!

Erst wer aufhört, sein Vertrauen auf Gott zu setzen, 

verpasst Gott und mit ihm das Ziel. 

 

Lernen will ich aus dieser Begebenheit in Verbindung mit einem 

Blick auf viele Klagepsalmen der Bibel: 

Gott hat nichts gegen Klagen. 

Er will mein Protestieren wirklich anhören -, 

allerdings schaut er schon darauf, ob ich ihm noch was zutraue

oder ob es nur noch Lamentieren und „Rumnölen“ ist, 

das Gott letztlich zum Sündenbock („Affen“) macht. 

 

Lernen will ich aus dieser Begebenheit: 

Ohne wirkliche Dankbarkeit schmeckt alles, 

was Gott mir an Segen zuwachsen lässt, ganz schnell fad.

Ich will es mir ganz neu sagen sagen: 

„Lobe den Herrn meine Seele - und vergiss nicht, 

was er dir Gutes getan hat …“ (Ps 103)

Das gibt Kraft und lässt mutig nach vorne schauen!

 

 

Ich will mich umschauen und entdecken, 

wie phänomenal mich Gott - bis zu diesem Tag - geführt hat. 

(Und da entdecke ich: 

Er kann sogar auf krummen Linien gerade schreiben, 

Er war nicht nachtragend, sondern hat mich wieder aufgehoben

wo ich ihn um Vergebung gebeten habe)

 

Und ich will mich umschauen und entdecken, 

was er für mich noch - „in peto“ - hat, 

dankbar und und den Unglauben des Nichtvertrauens ablegen, 

es ernst nehmen: 

Unser HERR regiert! 

ER hat alles in der Hand!

Es ist liegt einzig an mir, 

ob ich ihm das glaube!

 

Israel hat diese Sicht der Dinge aus dem Blick verloren. 

Statt Dankbarkeit und Hoffnung verurteilen sie Gott und Mose. 

Aber - Gott lässt sich nicht spotten. 

Seine Reaktion folgt prompt: 

 

 

2. Hinsehen - Gott richtet (Vv6-9)

V6: „ 6 Da schickte der Herr zur Strafe giftige Schlangen unter 

das Volk. Viele Israeliten wurden gebissen und starben.“

 

Ist das Gott?

Stimmt es also doch, dass der Gott des Alten Testaments

ein rachsüchtiger Gott ist? ( - ) 

 

Das wäre etwas ganz Anderes

und das zeigt uns der weitere Verlauf der Geschichte: 

Es ist kein Ausdruck von Rache wenn Gott straft, 

sondern ein „Wachrütteln“ zur Umkehr!

Wenn Gott straft, will er nicht den Tod des Sünders, 

sondern sein Leben!

 

Und trotzdem zeigt sich darin, dass Gott straft, 

wie ernst er uns Menschen nimmt und wie ernst er unsere Sünde - 

wörtlich: unsere „Zielverfehlung“ - nimmt. 

 

Wer Gott und das, was er uns an Gutem gibt, 

ohne Dank einfach einsackt, es zurückweist 

oder sogar schlecht macht, der verfehlt das Ziel: 

Gott und sein gelobtes Land. 

Und die Folge ist der Tod. 

 

Wenn Gott den Israeliten also tödliche Schlangen schickt, 

dann genau deshalb, um ihnen diese Konsequenz ihrer Sünde

deutlich zu machen ...

Das gilt auch für unser Leben. 

 

V7: „Die Leute kamen zu Mose und sagten: »Es war nicht recht, 

dass wir uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt haben. 

Leg doch beim Herrn ein Wort für uns ein, damit er uns von diesen 

Schlangen befreit!«

 

„Es war nicht recht, dass wir uns gegen den Herrn und gegen 

dich aufgelehnt haben …“

 

Die Israeliten bringen das Problem auf den Punkt. 

Gottes Strafe verfehlt ihre Wirkung nicht.

Sie will die Israeliten dazu bringen umzukehren - und - 

dass das angekommen ist, sehen wir daran, 

dass sie erst als Zweites darum bitten, 

dass die Schlangenplage aufhören soll. 

 

Dazu eine kleine Anekdote: 

Zwei Polizisten treffen mitten in der Nacht einen Mann, 

der unter einer Laterne seinen Haustürschlüssel sucht. 

Sie haben Zeit und bieten ihm ihre Hilfe an. 

Nachdem sie sich zu dritt heftig an die Suche machen

und nichts finden, fragen die Polizisten den Mann schließoich: 

„Wo haben Sie denn ihren Haustürschlüssel verloren?

Unter der Lampe ist er eindeutig nicht …“

 

„Naja“, sagt der Mann, 

„vor meiner Haustür“. 

 

„Und warum suchen Sie dann hier unter der Laterne?“

„Nun, weil‘s da heller ist als vor meiner Haustür!“ ( - ) 

 

Auch wenn das Gebet um Befreiung von den Schlangen 

vielleicht etwas „heller“ ist als das Bekenntnis der eigenen Schuld, 

so ist doch der Ausgangspunkt, 

dass die Israeliten merken und sich eingestehen, 

„Wir haben Schuld auf uns geladen!“

Dieses Eingeständnis ist der Schlüssel zu Leben!

 

Spannend finde ich da auch, wie Mose sich verhält: 

Obwohl ihn das Volk gerade noch verwunschen hat, 

stellt er sich mit seinem Gebet für das Volk hinter die, 

die sich so verhalten haben ...

 

 

3. Aufsehen - Gott rettet (Vv8f - Joh 3,14f - Hebr. 12,2)

Vv8f: „und der Herr sagte zu ihm: »Fertige eine Schlange an und 

befestige sie oben an einer Stange. Wer gebissen wird, soll dieses Bild ansehen, dann wird er nicht sterben!« 9 Mose machte eine Schlange 

aus Bronze und befestigte sie an einer Stange. Wer gebissen wurde 

und auf diese Schlange sah, blieb am Leben.“  

 

Ist Ihnen aufgefallen, wie Gott hier das Gebet der Israeliten erhört?

Gott reagiert, er erhört Gebet, wie auch heute immer wieder, 

aber doch ganz anders als erwartet: 

Er nimmt die Plage in Gestalt von Schlangen nicht weg, 

befreit nicht komplett von dem Problem, 

sondern hilft - und heilt - mitten in der Not!

 

Wenn Gott unser Gebet also nicht immer so erhört, 

wie wir‘s gewollt haben, 

dann vielleicht deshalb, damit wir unseren Blick wieder auf das

Entscheidende richten!?

 

Die Israeliten - und wir mit ihnen - sollen offenbar lernen, 

dass die Herausforderung nicht in der Anfechtung / in dem 

Problem liegt, sondern in meinem Gottvertrauen, 

selbst in den größten Wüstenzeiten und Schwierigkeiten,

durch die ich vielleicht gerade muss. 

 

Dass Gottes „Lösung“ gnädiger war wir uns es uns 

gewünscht (erbeten) hätten, 

das zeigt sich darin, wie die Geschichte weiter geht:

 

Hätte Gott das Gebet der Israeliten wörtlich erhört

und die Schlangen nur beseitigt, 

wären viele an den tödlichen Bissen gestorben. 

Aber durch die Zumutung, auf eine Schlange aus Eisen 

zu schauen und hier die eigene Schuld zu erkennen, 

    - bekommen Menschen Vergebung (und)

    - sie werden geheilt von tödlichen Bisswunden, 

        bekommen das Leben geschenkt …

 

 

Wenn Du voller Vertrauen - auf den am Kreuz erhöhten 

Jesus Christus hinauf schaust, 

darfst Du auch heute hören: Deine Sünden sind dir vergeben. 

 

Wir brauchen die Zielverfehlung unseres Lebens nicht mehr mit 

dem ewigen Tod bezahlen, sondern dürfen leben!

 

Und das ist nicht meine Zusage, 

sondern das, was Jesus selber in Anlehnung an unser Predigtwort

einmal gesagt hat. Es steht in Johannes 3, Vers 14+15: „14 Und wie 

Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss (auch) der Menschensohn erhöht werden, 15 damit alle, die an ihn glauben, 

das ewige Leben haben.“

 

Rettung fängt nicht erst mit dem Tod an, 

sondern mitten in den Wüstenzeiten 

und in den Stürmen dieser Welt!

 

Dazu abschließend ein Beispiel:

Auf hoher See tobt ein Sturm und da muss ein Schiffsjunge - 

eine hoch gefährliche Aktion - auf den Mast klettern. 

Der Wind tobt, die Wellen überschlagen sich und man hat den 

Eindruck, eine zweite Sintflut sei im Anmarsch. 

Das Schiff wird von unten nach oben geschleudert

und sackt plötzlich wieder von oben nach unten durch in tiefe

Wellentäler. 

 

Dem Schiffsjungen wird‘s hundeelend, schlecht, schwindelig

und er droht vom Mast runter zu fallen. 

 

Da ruft ihm der Käptn von unten immer wieder zu: 

„Junge, schau nach oben!“

 

Und der Junge reißt seinen entsetzten Blick von den Wellen los

und richtet ihn nach oben. 

Dieser Blick nach oben rettet ihn. 

Er klettert sicher bis zur Spitze des Mastbaums 

(und von dort wieder runter), kann seinen Job erledigen.“

 

 

Unser Bibelwort für diesen Sonntag ist eine Einladung 

zu diesem Blick nach oben, zum Blick auf Jesus. 

Im Gegensatz zur Schlange, die nicht retten kann, 

sondern nur ein Zeichen ist, 

kann und will Jesus unser Retter und Helfer sein.

Heute sollen wir uns an ihn wenden,

damit wir ankommen 

in Gottes ewigem (gelobten) Land. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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