2014-01-12

Predigt über Jesaja 42,1-4 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Unser Predigttext heute steht im Buch des Propheten Jesaja, 

Kapitel 42, die Verse 1-4. Dort heißt es: 

    „Siehe, das ist mein Knecht - ich halte ihn - und mein Auserwählter,

    an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist

    gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. 

    Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht

    hören auf den Gassen. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen

    und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt

    er das Recht hinaus. Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zer-

    brechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten

    auf seine Weisung“ 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

»es wird regiert und zwar - ganz von oben herab« – 

dieser Satz stammt vom Theologen Karl Barth. 

Damit hat er einmal kurz vor seinem Tod 

einen Freund noch am Telefon getröstet. 

»es wird regiert und zwar ganz von oben herab« – 

 

Der weltpolitische Hintergrund damals war die Kubakrise, 

von der wir heute wissen, dass die Welt noch nie so nahe

wie damals am Abgrund stand, 

an der Schwelle zu einem Dritten Weltkrieg. 

Da hinein wollte Karl Barth sagen: 

»Wir brauchen den Kopf nicht hängen lassen – es wird regiert.« ( - ) 

»Es wird regiert und zwar ganz von oben herab« ( - ). 

 

Das ist auch die Botschaft, 

die Gott durch den Propheten Jesaja seinem Volk 

zurufen lässt. 

 

Eindringlich ruft Gott seinem geschundenen Volk zu: 

Ihr braucht den Kopf nicht hängen lassen –,

es wird regiert und zwar ganz von oben herab. 

Und das heißt doch: Ich, der lebendige Herr 

habe die Regierungsvollmacht, 

ich habe den ganzen „Laden“ in meiner Hand, 

auch wenn es überhaupt nicht danach aussieht!

 

Und das war damals so: 

Israel am Abgrund ... die Neubabylonier „ante portas“, 

schon im Anmarsch, das Ende, die Verschleppung, ethnische

Säuberungen vor Augen!

 

Das war kein Leben mehr, das sich lohnte, 

sagen sich da die Leute

und eine Zukunft schon gar keine Zukunft. 

Zum Davonlaufen ... wenn man nur könnte. 

Wie viele nehmen sich in solchen Zeiten das Leben ...

auch in Wohlstandszeiten, angesichts zerbrechender Familien-

bande, gefangen in ihren eigenen Gedanken, 

unfähig oder unwillig nach oben zu schauen ...

 

Gott schien damals seinem Volk die Treue aufgekündigt zu haben. 

Politisch brechen die Dämme, das Machtgefüge unter den 

Völkern kam ins Rutschen. 

Da musste doch so eine kleines Volk, Israel, 

das genau in der Pufferzone zwischen neuen den großen Mächten 

liegt, dabei drauf gehen?

Keiner mehr wusste, wie alles weitergehen sollte!

Keiner!?

 

Jedenfalls spricht Gott genau in diese Situation hinein!

Immer wieder hat er es getan durch seinen Propheten Jesaja.

Und vier Mal schon mit dem überraschenden Hinweis 

auf einen »Knecht Gottes«. 

Das erste Beispiel dafür ist unser Predigttext heute. 

Das erste „Lied vom Knecht Gottes“.

 

Diese großartigen Verse entsprechen einer Regierungserklärung 

Gottes vor seinem Volk. 

Mit dem Unterschied zu heute, dass Gott immer auch die Mittel hat, 

das, was er ankündigt, auch umzusetzen!

Denn er braucht keinen Koalitionsvertrag. 

 

In diesem Bibeltext ergreift Gott das Wort 

angesichts der schweren Krise, in der seine Leute stehen. 

Gegen allen Anschein hat Gott die Geschichte 

und die Geschicke seines Volks fest in der Hand.

Und er macht in ermutigenden Worten klar, 

wohin er als „Regierungschef“ über Israel, ja die ganze Welt, 

sein Volk führen wird. 

 

In seiner Regierungserklärung spricht er über 

den neuen Regierungschef, den neuen Regierungsstil und dasneue Regierungsziel.  (2x)

 

 

1. Der neue Regierungschef.

»Siehe, das ist mein Knecht – ich halte ihn – und mein Auser-

wählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat.« (V.1a). 

Damit ist der neue göttliche Regierungsbevollmächtigte vorgestellt. 

Während sich Israel damals wie ein Spielball 

der sichtbaren Mächte und Herrscher vorkommen musste, 

ergreift Gott als eigentlicher Chef des Weltgeschehens die Initiative. 

 

Stellen wir uns das, was Jesaja hier ankündigt, 

in etwa so vor: 

 

Ein Herrscher präsentiert seinen Beauftragten und von ihm 

Erwählten der Öffentlichkeit.

Er begleitet ihn herein aufs Podium. 

In einer Einführungsrede stellt er klar: »Seht, das ist mein 

neuer Regierungschef. 

Ich setze ihn ein als meinen Premierminister, 

um mein Recht in aller Welt durchzusetzen.« 

 

Und abschließend stärkt er ihm nochmals den Rücken, 

indem er sagt: »ich halte ihn« und »an ihm hat meine Seele 

Wohlgefallen«.

 

Jetzt ist für uns die Frage, wer denn dieser neue Herrscher, 

der den sonderbaren Titel »Knecht« führt, ist!?  

 

Ist es der Prophet selber, 

den Gott als Bote zu seinem Volk geschickt hat? 

 

Oder soll da in naher Zukunft ein besonderer Hoffnungsträger 

auftreten, den damals noch keiner kannte?

 

Wahrscheinlich hat die Verheißung des kommenden Gottesknechts 

schon in damaliger Zeit eine erste Erfüllung gefunden. 

Aber, diese Worte Gottes weisen trotzdem über ihre Zeit hinaus, 

sie zielen auf eine spätere Erfüllung. 

 

So fällt vom Neuen Testament her noch einmal ein helles Licht 

auf dieses alte Versprechen Gottes. 

Dort heißt der kommende Regierungschef Gottes nämlich Jesus. 

 

Mit ihm bringt Gott seine ganze Liebe zur Welt. 

Durch ihn schreitet Gott zur Tat, er will die Welt rettten. 

Durch Jesus besiegt Gott auch die letzte Macht, 

die Sünde und den Tod – und das endgültig.

 

Bis in den Wortlaut hinein - erfüllt sich in Jesus - 

dieses alte Wort an Israel:

Jesaja hört von einem, 

an dem Gottes Seele Wohlgefallen gefunden hat. 

Und während sich Jesus im Jordan taufen lässt, 

kommt genau diese Stimme vom Himmel:

»Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen« (1). 

 

Später auf dem Berg der Verklärung, 

als Jesus vor den Augen von Petrus, Johannes und Jakobus 

von einer Art himmlischem Lichtglanz umgeben wird, 

kommen noch einmal genau diese Worte Gottes: 

»Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; 

den sollt ihr hören« (2).

 

Dem Propheten wird dieser sonderbare Knecht so vorgestellt: 

»Ich habe ihm meinen Geist gegeben.« 

Als Jesus dann in Nazareth zum ersten Mal öffentlich auftritt, 

predigt er genau das: »Der Geist des Herrn ist auf mir, 

weil der Herr mich gesalbt hat« (3). 

 

Es wird regiert – ganz von oben herab, vom Sohn Gottes her. 

ER - ist der neue Regierungschef. 

Er hat die letzte Macht über diese Welt, 

auch wenn uns die Tagesnachrichten wieder einmal 

das Gegenteil zu sagen scheinen. 

Auch wenn die Weltpolitik scheinbar von anderen Personen 

bestimmt wird. 

 

Das Kind von Bethlehem, das kein Kind geblieben ist, 

ist der eigentliche Herr, der König aller Könige, der Promi schlechthin ...

 

Das müssen wir unbedingt auch persönlich hören. 

Jesus will nämlich auch in unser Leben hinein regieren, 

in unser Denken und Tun. 

Er will unsere Herzen gewinnen und unser Leben bestimmen. 

Er will, dass wir IHM gehören. 

Darum wirbt er.

 

Liebe Gemeinde, wie geht‘s Ihnen mit der Aussage: „Es wird regiert“?

Darf das auch für unser Leben gelten?

Dass da Jesus, der Sohn Gottes, regiert?

 

 

 

2. Der neue Regierungsstil.

»Er wird nicht schreien noch rufen, 

und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. 

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen 

und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.« (V.1b.2a)

Die Art und Weise, wie dieser Herrscher seine Macht ausübt, 

ist ungewöhnlich. 

Da tritt kein starker Mann mit großer Lautstärke auf. 

Kein harter Managertyp, Systemanalytiker, Restrukturierer, 

der das Schwache kurzerhand „outsourced“, auslagert, entlässt ...

Er ist auch kein überlegener Aufsteiger, 

der das Verkümmerte einfach übergeht. 

 

Der Stil seiner Regentschaft ist völlig anders. 

So, wie es die Welt noch nie gesehen hat: 

Er redet souverän, zerbricht nicht, löscht nicht aus ...

 

Bei uns ist es oft so, dass das, was schon angeknackst ist, 

vollends gebrochen wird. 

Aber der „Knecht Gottes“ richtet auf, verbindet, 

so dass neues Leben wachsen kann. 

 

Bei uns wird völlig ausgelöscht, was eh schon fast abgebrannt ist. 

Aber Gottes Regierungsbeauftragter bringt selbst den 

kleinsten Funken nochmal zum Brennen.

 

Ist das nicht eine total motivierende, 

eine total großartige Nachricht auch für uns heute morgen?

Für die, deren Glaube ins Rutschen angeknackst ist?

Für die, deren Hoffnung fast verloschen ist? 

Für sie alle gilt: Hier ist einer, der Deinen Glauben fest

und Deine Hoffnung hell machen will: Jesus Christus! 

 

Vor einigen Jahren kam im Fernsehen ein eindrücklicher Film:

Ein Pfarrer erlebt die Schatten des Todes am eigenen Leib. 

Innerhalb kurzer Zeit musste er mit seiner Frau zusammen 

den Tod des Vaters, den Selbstmord der Mutter 

und eine Fehlgeburt seiner Frau verkraften. 

Eindrücklich und ehrlich steltl der Film dar, 

wie dieser leidgeprüfte Mann aus der Verzweiflung 

Schritt für Schritt zu neuem Glauben findet ... ja, ein Pfarrer!

Ein langer, mühevoller Weg, voller Fragen, voller Anfechtungen!

 

Der Film hat sauber dokumentiert, 

wie dieser Mann erlebt, dass Jesus gerade im Zerbruch beginnt,

ihn wieder aufzurichten. 

»Im Schatten des Todes«, heißt der Film. 

 

Und am Ende steht die Aussage des Pfarrers, 

dass er im Nachhinein sehen gelernt hat, 

wie Jesus ihm gerade in der Dunkelheit zum Licht geworden ist.

 

An dieser Lebensgeschichte wird etwas davon deutlich, 

was der Prophet Jesaja meint, 

wenn er den neuen Regierungsstil des Gottesknechtes beschreibt. 

 

Und am Wirken von Jesus - zeigt es sich, 

in jeder Begegnung mit den Menschen: 

  wie er die Mühseligen und Beladenen zu sich ruft
      und ihnen die Last abnimmt, 

    - wie er selber, den Tod vor Augen, das Leiden des Verbrechers 

        sieht - und ihn ins Paradies hinein führt.

 

Nehmen wir das doch ganz persönlich mit:

Jesus kann die Scherben in meinem Leben heilen. 

Ich muss den Zerbruch nur ihm überlassen!

Wir brauchen uns nicht mehr selber damit abquälen. 

Lass‘ ihn doch an Dir - handeln! 

 

Wo ER regiert, da kommt das Zerbrochene zurecht 

und selbst aus Schattenwegen leuchtet noch sein Licht heraus!

 

 

3. (Letztens) Das neue Regierungsziel.

Ein wichtiger Bestandteil jeder Regierungserklärung ist, 

dass der neue Machthaber die Ziele seiner Politik formuliert. 

Auch Gott - beschreibt für seinen Knecht die Ziele seiner 

Regentschaft: 

»Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, 

bis er auf Erden das Recht aufrichte; 

und die Inseln warten - auf seine Weisung.« (V. 4).

 

Gott steckt die Ziele weit, sogar weltweit. 

Die Nachricht, dass ein neuer Herr regiert, kennt keine Grenzen. 

Keine sozialen, keine nationalen, keine religiösen Grenzen, 

auch keine nachbarschaftlichen. 

 

Diese Nachricht gilt dem gebeutelten Volk Gottes (Israel) 

genauso - wie den heidnischen Machthabern ring herum. 

Meistens hat Gott im Alten Testament 

ja nur sein Volk Israel im Blick. 

Aber hier spannt er den Bogen viel weiter. 

Bis zu den Inseln, also bis in die entlegensten Winkel der Erde. 

 

Jesus hat diesen Regierungsauftrag dann an seine Jünger 

uneingeschränkt weiter gereicht: 

»Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker« (4). 

Gottes Herz schlägt für die Welt-Mission!

Alle Völker sollen sein Wort hören. 

Sie sollen sich einladen lassen in die Nachfolge, 

um das Leben, ein ewiges Leben in Jesus Christus zu finden

und so zu leben, wie es Gott gefällt. 

 

Und wenn heute auch viele meinen, 

der christliche Glaube sei ein Auslaufmodell, 

weil er im satten Deutschland an vielen Stellen einfach „verdampft“, 

dann darf uns das nicht lähmen und bremsen. 

 

Christen haben die beste Nachricht aller Zeiten, 

die Nachricht Gott mit dem globalen Ziel: 

Vom Heil für alle Völker, von der Wiederkunft des Premierministers

Gottes - zum ewigen Leben für alle, die ihm bis dahin gehören

und zum Gericht für alle, die ihn ignoriert haben. 

 

Diese beste Nachricht aller Zeit soll uns motivieren, 

sie darf keinen Christen „kalt“ lassen. 

Wir wollen sie auch an in De. / Schw. fröhlich weiter geben, 

ganz egal, wie im einzelnen die Resonanz darauf ist ...

Es ist Gottes Regierungsziel: 

»Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker« (4).

 

Noch eine kleine Begebenheit zum Schluss: 

Im nord-indischen Mizoram gibt es einen kleinen christlichen 

Gemeindeverband. 

Obwohl er er nur 200.000 Mitglieder hat, hat er über 1000 

Missionare ausgesandt!

Wie ist das für derart arme Christen möglich? 

 

Der Leiter der Deutschen Missionsgemeinschaft, Dr. Detlef Blöcher, 

erklärt es so:  »Da wird ein Gemüsegarten angelegt. 

Gemeindeglieder arbeiten unentgeltlich darin. 

Der ganze Gewinn ist für ihre Missionare bestimmt. 

Bauern halten zu ihren Hühnern noch einige (markierte) 

»Missionshühner«, deren Eier und Fleisch den Missionaren 

zugute kommt. 

Landwirte widmen einen Teil ihres Feldes der Mission, 

und der Ernteertrag geht in die Missionskasse. 

Frauen sammeln im Wald Feuerholz,

schleppen es zu einem Lagerplatz am Eingang des Dorfes, 

und es wird zugunsten der Missionskasse verkauft.« 

 

Und er zitiert - einen Pastor: »Wir sind arm. Aus unserem Bundesstaat 

gibt es nichts zu exportieren. Wir haben nur ein Gut, das wir ausführen 

können, und darauf sind wir stolz: Das Evangelium.«

Diese Christen haben sich Gottes neues Regierungsziel zu ihrem 

eigenen Auftrag gemacht: Gottes Wort in alle Welt und - dies mit aller 

Kraft und aller Liebe. 

Lassen wir uns mit - hinein - rufen in die Missionsbewegung Gottes!  

Amen.

 

Anmerkungen:

(0)  gest. 1968 (Kubakrise, 6-Tage-Krieg, Ost-West-Gegensatz)

(1)  Lukas 3, 22

(2)  Matthäus 17, 5

(3)  Lukas 4, 18

Matthäus 28, 18




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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19:45 Uhr:
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