2014-01-06 Epiphanias

Predigt über 2. Kor 4,1-6 / Pfarrer Martin Rostan, Vörstetten

Predigttext aus 2. Kor 4,1-6:

1 Darum, weil wir dieses Amt haben nach der Barmherzigkeit, die uns widerfahren ist, werden wir nicht müde, 2 sondern wir meiden schändliche Heimlichkeit und gehen nicht mit List um, fälschen auch nicht Gottes Wort, sondern durch Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir uns dem Gewissen aller Menschen vor Gott. 3 Ist nun aber unser Evangelium verdeckt, so ist's denen verdeckt, die verloren werden,  4 den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes.  5 Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen. 6 Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.

 

1. Licht in der Dunkelheit - Licht, Glanz und Herrlichkeit im leidenden Christus bei Paulus. 

 

Mit finsterem Blick geht er auf 's Amt.  

Er holt sich eine rechtskräftige behördliche Bescheinigung, um die Christen, die seiner Meinung nach verblendet sind, fangen zu können.  

Er ist im Recht. Schließlich lästern die Anhänger des »neuen Weges« den allmächtigen und ewigen Gott.  Diesem Jesus laufen sie hinterher.  

Diesem Gekreuzigten. 

Demjenigen, der den schändlichsten Tod, den die Antike kannte, starb.  

Recht so, denkt er in seinem finsteren Herzen.  

Er meint es nur gut.  

Gott möchte er dienen und seinen Namen heiligen.

Nun hält er die amtliche Bescheinigung in Händen.  Längst hat er alles andere vorbereitet.  

Er macht sich auf nach Damaskus.  

Sein Herz und sein Blick sind finster.  

Mit Drohen und Morden schnaubt er gegen die Jünger.  Er wird es ihnen schon zeigen.  

Da umleuchtet ihn plötzlich ein Licht vom Himmel.  Er fällt von seinem hohen Ross.  Er hört eine Stimme: »Saul, Saul, was verfolgst du mich?« 

Er aber sprach: "Herr, wer bist du?" 

Er vernimmt die Antwort: »Ich bin Jesus, den du verfolgst!«

Von Paulus ist die Rede.  

Das Licht vom Himmel hat sein Leben schlagartig verändert.  

Nicht irgendein Licht, nicht irgendein Stern, nicht irgendeine niedliche, schnell verglühende Sternschnuppe, nicht irgendein Lichter Himmelskörper.  

Jesus ist ihm,Paulus begegnet, das Licht der Welt.

Jesus ist von nun der helle, lichte, alles Andere überstrahlende Schatz in seinem Leben.

Sein finsteres und rechthaberisches Herz hat Paulus verloren.Indem er erblindete, wurden ihm die Augen geöffnet. Er wurde ein begnadeter Anhänger des »neuen Weges«.  Kein Weg war ihm von nun an zu weit, um den Menschen das Licht der Welt zu bringen.  Keine Anstrengung zu groß.  Kein Verzicht zu aufopferungsvoll.

Er schreibt: 

»Gott, der sprach: "Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten," der hat einen hellen Schein in sein Herz gegeben, dass durch ihn entstände die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi«  

Es war ganz gewiß kein leichter Weg, den er nun ging.

Er wurde geführt, von Jesus, dem Licht der Welt, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn.  

Ob er Erfolg hatte?  Gesegnet waren seine Wege.  Er erlebte Höhen und Tiefen. 

Gefängnis, Geißelung, Stockhiebe, Steinigung, Schiffbruch... all das gehört zu seinem Leben.

Und doch entstanden durch seinen Dienst christliche Gemeinden in Kleinasien und Griechenland. Es kamen Menschen zum Glauben.

Er gewann Mitarbeiter, welche die Sache Jesu weitertrugen. 

Gesegnet war Paulus, mitten im Leiden.  

Sein körperlicher Zustand war nicht immer der beste.

Die Verkündigung war oft lebensgefährlich.  

Die Zustände in den gegründeten Gemeinden waren bisweilen erbärmlich.  

Die Neider, die hinterher alles besser wussten, kamen zuhauf. Und dennoch: gesegnet war sein Weg.  Sein Blick war erhellt, sein Herz brannte für Jesus.  

Das gab ihm Kraft, auch wenn er sich dann  im weiteren Verlauf des Briefes an die  Korinther selbst als ein zerbrechliches tönernes Gefäß beschrieb.  

Mehr als Kratzer, hatte sein Körper, sein tönernes Gefäß, schon abbekommen.  

Größere und kleinere Risse konnten an ihm  ausgemacht werden.  

Der eine oder andere Splitter war bereits ausgebrochen und verloren gegangen.  

Zerbrechlich hatte ihn sein Auftrag gemacht. Zerbrochen war er aber durch Jesu Beistand nicht.  

Er trug das große Licht in seinem tönernen Gefäß, das alles zusammenhielt und heilte: Jesus Christus, der Schatz in seinem tönernen Gefäß, seinem vergänglichen Leib.  

Einen anderen Blick hatte Paulus für diese Welt und für die Menschen bekommen. 

Er konnte sie mit den Augen Jesu anschauen, mit den Augen des liebenden, des leidenden und gekreuzigten Herrn.  In diesen Augen strahlte die Ewigkeit in die Zeit hinein.

Herrlichkeit, Glanz, Licht, Kraft, Mut und Zuversicht gingen von dem Gekreuzigten aus.  Gerade dann, wenn so vieles so schlecht und so schief lief, wenn so Vieles, so elend dunkel erschien, wurde der Lebensweg des Apostels Paulus von Jesu Licht erhellt. 

Dieses war ein Wunder vor seinen Augen, und ist ein Wunder vor unseren Augen. 

Gottes Gewicht in seinem Leben wog alles andere auf. Und so schreibt er:

"Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir fürchten uns nicht!

Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.

Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen.

Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.

Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde."

Er kann dieses große Aber, sprechen.

Aber wir fürchten uns nicht!

Aber wir verzagen nicht.

Aber wir werden nicht verlassen.

Aber wir kommen nicht um.

Paulus erlebt die Verläßlichkeit Jesu: 

Ich bin bei Euch alle Tage, bis an der Welt Ende.

Jesus trägt ihn, Jesus hält ihn fest, Tag um Tag.  

 

2.    Licht in der Dunkelheit - Licht, Glanz und Herrlichkeit im leidenden Christus bei uns. 

Wie ist das bei uns?  Kennen wir das nicht auch?  Im Kleinen bekennen wir unseren Glauben!  

Selten im Großen!  Wir kommen uns als Kinder Gottes, als Christen im Alltag unseres Lebens oft so hilflos, so zerbrechlich vor!  

Und doch ist in uns eine große Kraft.  

Es ist die Kraft des Evangeliums.  

Weil wir das Evangelium als großen Schatz in unseren Herzen tragen.  

Unser Leben ist erleuchtet, mitten im Leid.

Uns so kann der Liederdichter singen: »In dir ist Freude, in allem Leide« und der Komponist tut dies mit einer fröhlichen, herrlichen, mitreißenden Melodie.

Singen wir doch jetzt diese beiden Verse:

398, 1-2 In dir ist Freude, in allem Leide…

 

Liebe Konfirmanden, liebe Gäste und Gemeinde.

In unserer Welt ist es dunkel.

Enge-, Drangsal- und Ratlosigkeitserfahrungen gibt es zunehmend in dieser dunklen und doch von Gott so sehr geliebten und durch Christus erleuchteten Welt genug: leere Kirchen, zerstrittene Gemeinden, kein Gottesbezug in der EU-Verfassung, steigende Arbeitslosigkeit, unsichere Renten, unfinanzierbares Gesundheitswesen, öffentliche, weltweite und private Finanzprobleme, unerträgliche Verschuldung, düstere Zukunftsaussichten, weltweite Krisenherde und Kriege, anhaltende und nachhaltige Ratlosigkeit der Regierenden, der Parlamente, der Oppositionen, der runden Tische und der Kommissionen, hilflose und bemitleidenswerte Mächtige - als ob Ohnmacht »geil« wäre!  

Nach mehr Licht soll der große deutsche Dichter und Denker Goethe auf seinem Sterbebett verlangt haben!  Finsternis, so weit das Auge reicht.  

Und die Walpurgisnacht praktizierenden Menschen und Halloween-Macher gaukeln uns das Gute in der Hexe und freundliche und liebenswürdige Geister vor, als ob es die gäbe!  

Es ist fürwahr zum Gruseln in der Finsternis dieser Welt, wenn da nicht Christus wäre, das Licht der Welt.

Das Licht ist da!  Wir kommen von Weihnachten her.  Das Licht breitet sich aus.  

Das Licht scheint in der Dunkelheit und die Finsternis hat's nicht ergriffen.

Und doch: Jesus Christus will für Ihr und mein Leben, dass sein Licht die Dunkelheit dieser Welt ergreift und diese Dunkelheit vertreibt.

Selbst wenn wir meinen, dass das Licht nur noch ein glimmender Docht sei, kann es neu aufglühen, brennen, erstrahlen: 

Und so singt Jochen Klepper:

Noch manche Nacht wird fallen, 

auf Menschenleid und Schuld. 

Doch wandert nun mit allen, 

der Stern der Gotteshuld. 

Beglänzt von seinem Lichte, 

hält euch kein Dunkel mehr, 

von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.

 

Dieses erfuhren auch die Jungscharkinder in der Neurologischen Klinik in Dietenbronn 

Die Jungscharkinder bereiten sich auf einen Besuch in einer Fachklinik für Neurologie vor.  

Im Mitarbeiterkreis waren zunächst Bedenken: 

ob die Kinder die harten Bilder und Wirklichkeiten aushalten werden? 20-Jährige im Rollstuhl, bettlägerige Männer und Frauen in allen Altersklassen, Windeln, Rollatoren, Krücken, verbitterte Gesichter, gehbehinderte Menschen, Vereinsamte. 

Man entscheidet sich für einen Besuch.  

Lieder werden vorbereitet - und schließlich auch eine Karte für alle Patienten und Patientinnen mit dem Text von 2. Kor 4,6: 

»Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstände die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi!« 

Niemand aus der Mitarbeiterschaft weiß, warum gerade dieses Bibelwort ausgesucht und mehr als einhundert Mal von den Kindern auf selbst verzierte Kärtchen geschrieben wurde.  

Aber die Reaktion in der Klinik ist bewegend.  

Die Patientinnen und Patienten weinen - vor Freude.  

Die Kinder meinen zunächst, sie hätten etwas falsch gemacht und lernen dabei, dass Tränen Ausdruck tiefer Freude sein können.  

Alle sind gesegnet, auch das Klinikpersonal.  

Die Herrlichkeit Gottes leuchtete mitten im Leiden der Menschen auf, weil es stimmt: Christus hat sich dem Leiden der Menschen geöffnet, sich dem menschlichen Leiden ausgeliefert.  

In Leiden Jesu Christi am Kreuz von Golgatha wird die Herrlichkeit Gottes sichtbar. Durch Jesu Tod und Auferstehung wurde die Voraussetzung gechaffen, dass das Licht des Evangeliums in unsere oft so dunklen Herzen und Leben hinein strahlen und auch Ihr und mein Leben erhellen kann. Jesus Christus, der Auferstandene ist mitten unter uns. 

Der leidende Jesus Christus ist Gottes Antwort auf die Macht der Finsternis in dieser Welt.  

 

Wir dürfen dieses bezeugen, auch und gerade als "zerbrechliche Menschen". Wir können dieses bezeugen als Anhänger des neuen Weges, als Christen. Warum? Weil wir, mit in Angst und Not, mitten im Leiden, mitten in Leid und Tod die Herrlichkeit Gottes erleben.

Bsp. Vörstetten

 

3.    Licht in der Dunkelheit - Licht, Glanz und Herrlichkeit im leidenden Christus bei uns und bei Paulus. 

Weder, bei Paulus noch bei uns, soll es um Erfolg gehen.

Es soll darum gehen, dass unser Leben ein

gesegnetes Leben ist und bleibt.  

Die Dunkelheiten dieser Welt und unseres Lebens werden erleuchtet vom heilenden Licht Jesu Christi, weil Gott diese Welt nach wie vor liebt.  

Es ist seine Welt!  Und es bleibt seine Welt.  Keine Finsternis kann das Licht Jesu vertreiben.

Uns ist, wie dem Apostel Paulus, aufgetragen, Lichtträger Jesu Christi zu sein und zu bleiben.  

Durch uns soll und darf das Licht zu den Menschen, die zu uns gehören und denen wir täglich begegnen, kommen.  

Menschen fragen nach Orientierung.  

In der Verantwortung vor Jesus sollen und dürfen wir in den Gottesdiensten, in den verschiedenen Angeboten der Kirchengemeinde, in unseren Familien, bei unterschiedlichsten Begegnungen, von Jesus reden, am besten 

leise, aber verlässlich,untermauert durch unser an Jesus orientiertes Leben, verstärkt durch die Tat - so, daß man uns unser Zeugnis von Jesus auch abnehmen kann.

 

Wir müssen dies nicht tun in der Stärke der eigenen Kraft, sondern auch und gerade in der  Zerbrechlichkeit und der Schwäche unseres Leibes, in aller Begrenzung, die uns auferlegt ist.  

Auch heute gilt noch das Wort des gekreuzigten und auferstandenen Herrn: 

»Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft, die ist in den Schwachen mächtig!«.  

 

Die Herrlichkeit Gottes bleibt im Leiden sichtbar, erlebbar und lebendig.  

Die Neuschöpfung dieser Welt und des Menschen in Christus Jesus, geschieht mitten unter uns. 

Dieses hat der Apostel Pauls so erlebt.

Deshalb schreibt er den Christen in Korinth:

»Denn Gott, der sprach: 

Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, 

der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben,

dass durch uns entstände die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi!« 

„Einen hellen Schein in ihrem und meinem Leben, entzündet durch Jesus Christus, 

das wünsche ich auch Ihnen heute, 

am Erscheinungsfest des Jahres 2014 

hier in Dennach / Schwann.

Gott segne Sie! Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 19.08.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schüssler)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schüssler)
Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)