2014-01-01 Neujahr - Jahreslosung

Predigt über Psalm 73,28 (Jahreslosung 2014) / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

kann ein Mann glücklich sein, 

der mit 85 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, 

in das er drei Mal zu Unrecht eingesperrt worden ist?

Ein Mann, der nicht mehr besitzt

als die Kleider an seinem Leib und einen Satz Unterwäsche?

Dessen Verwandte in der Zwischenzeit alle gestorben sind, 

so dass er nach dem Gefängnis niemanden hat, 

bei dem er wohnen kann?

 

Ein Mann, dem nichts anderes übrig bleibt, 

als mit seinen 85 Jahren durchs Land zu ziehen

und darauf zu vertrauen, dass er von irgendwelchen guten
Leuten versorgt wird - bis er stirbt oder wieder 

wegen seines Glaubens ins Gefängnis gesteckt wird?

 

Unsere Antwort muss eigentlich heißen: Nein!

Jemand, der so was erlebt hat, 

der am Ende seines Lebens ohne alles 

und ohne irgendjemandem dasteht, 

der kann nicht glücklich sein.

 

Aber es gibt ihn!

Er heißt Pastor Chang und lebt in China. 

In dem bewegenden Buch „Gottes unfassbare Wege“ erzählt

Nik Ripken von ihm. 

Und er schreibt: „Pastor Chang hatte ein hartes Leben hinter sich. 

Er hatte nichs Greifbares vorzuweisen für all seine Mühen. 

Aber er strahlte mehr Zufriedenheit, mehr inneren Frieden

und mehr Lebensfreude aus als alle anderen, 

die ich bisher kennen gelernt hatte.“ (S. 231) 

 

Unglaublich, aber wahr! Ein Wunder!

Ein göttliches Geheimnis!

Ein Mann, der zutiefst glücklich ist - trotz größter Armut

und unsäglich viel Schwerem. 

 

Versuchen wir, diesem wunderbaren Geheimnis näher

auf die Spur zu kommen!

 

Die Jahreslosung

 

Den entscheidenden Hinweis gibt uns die Jahreslosung

für dieses neue Jahr. 

Sie stammt aus Psalm 73 und heißt: „Gott nahe zu sein 

ist mein Glück.“

Manchen von uns ist wahrscheinlich die Übersetzung Martin 

Luthers bekannter: „Das ist meine Freude, dass ich mich

zu Gott halte“!?

 

Heißt das, mit Gott zu leben, macht Spaß?

Ist Glauben eine coole Sache?

Ist Gott mein Glücksfaktor?

 

Ich glaube, das wäre viel zu oberflächlich. 

Denn der Mann, der das schreibt, 

musste sich zu dieser Erkenntnis und Erfahrung erst 

durchkämpfen: Gott nahe zu sein ist mein Glück. 

 

Asaf und Psalm 73

 

Schauen wir genauer hin: Psalm 73 stammt von einem 

gewissen Asaf. 

Viel ist über ihn nicht bekannt. 

Er muss um die 1000 v. Chr. gelebt haben.
König David hat ihn als Sänger und Musiker im Jerusalemer

Heiligtum eingesetzt. 

Im 1. Chronikbuch der Bibel steht, 

dass Asaf ein „prophetischer Mann“ war, also, 

dass Gott durch ihn gesprochen hat. 

 

In Psalm 73 erzählt er dichterisch, 

dass er fast vom Glauben abgefallen wäre:

„Ich wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen; 

mein Tritt wäre beinahe geglitten“, 

bis er endlich erkennt und erfährt: 

„Gott nahe zu sein ist mein Glück“ - Was war passiert?

 

Asaf sieht Menschen, denen es ohne Gott extrem gut geht. 

Sie sind wohlhabend, einflussreich, die Leute laufen ihnen nach - 

und das, obwohl sie Gott verachten. 

Sie sind gottlos glücklich. 

Dass es das gibt, haben also nicht die neuen Atheisten 

entdeckt - davon weiß schon die Bibel!

 

Eine teuflische Frage

 

Asaf leidet sehr darunter. 

Und er stellt sich die Frage, die auch in mir immer wieder 

aufkommt, wenn ich frustriert oder enttäuscht bin: 

„Soll es denn umsonst sein?“, 

fragt Asaf mit verbittertem Blick auf die gottlos Glücklichen, 

„dass ich mein Herz rein hielt und meine Hände in Unschuld

wasche?“

 

Mit anderen Worten: Was bringt es mir, an Gott zu glauben, 

wenn ich auch ohne ihn glücklich sein kann?

Was habe ich davon zu beten, in die Kirche zu gehen, 

mein Leben an der Bibel auszurichten, 

wenn das für mein Lebensglück überhaupt nicht nötig ist?

Was bringt mir das?

 

Ein Ausleger sagt: Das ist eine teuflische Frage. 

Und er hat Recht!

Denn diese Frage zieht von Gott weg, 

sie zerfrisst das Vertrauen auf ihn. 

Sie unterstellt: „Gott ist dafür da, dass es mir gut geht. 

Er hat dafür zu sorgen, dass ich gesund bin und mein 

Leben gelingt.“

 

Die Frage „Was habe ich davon an Gott zu glauben?“

ist teuflisch, weil sie unterstellt: 

Ich bringe doch Gott gegenüber Vertrauen auf - also muss er

mir als Gegenleistung doch gefälligst Wohlergehen geben -, 

er muss dafür sorgen, 

dass meine Beziehung / Ehe hält, 

ich einen Job bekomme, 

meine Kinder geraten, 

der Urlaub was wird, 

ich im Alter vital bleibe u. u. u. 

 

Wenn wir so denken, dann degradieren wir aber den 

Allmächtigen zum Weihnachtsmann 

oder zu einem Verkäufer, 

der uns für unser Glaubensgeld Glückswaren rauszurücken hat. 

Aber wenn es uns nicht um Gott, 

sondern nur um seine Gaben und unser Glück geht, 

dann stehen wir in der gleichen Gefahr wie Asaf: 

vom Glauben abzufallen!

 

Die Wende im Gottesdienst

 

Aber dann - kommt die Wende. 

Nachdem Asaf sich sein Gehirn schwindelig gegrübelt hat

und nicht weiter gekommen ist, geht er - man höre, staune 

und tue es ihm gleich! - in den Gottesdienst!

 

Dort, in der Gemeinschaft mit den anderen Gläubigen

und in der Begegnung mit Gott erkennt er: 

Es geht ja gar nicht um die anderen und um ihr 

vermeintliches Glück!

Und es kommt überhaupt nicht darauf an, 

wie gut es mir in diesem Leben geht, 

es kommt allein auf Gott an!

„Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde“, 

betet Asaf jetzt - und setzt noch einen oben drauf:

„Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, 

so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“

 

Und schließlich: „Gott nahe zu sein ist mein Glück!“

Was für eine Freude, was für eine Freiheit - glücklich sein zu können, 

ohne dass es mir dafür gut gehen muss! ( - ) 

 

Pastor Chang hat das erlebt. 

Er hatte in seinem Leben kein „Glück“. 

Aber er hatte Gott. 

Deshalb strahlte er mehr Zufriedenheit, mehr inneren Frieden

und mehr Lebensfreude aus als alle anderen. 

Gott - nahe zu sein, war sein Glück ...

 

Andere haben das auch erfahren: Das Beispiel des Apostels 

Paulus ...

 

Wie sehr ich mir das auch für mich und für jeden von uns wünsche!

 

Deshalb, liebe Gemeinde, 

lasst uns auch im neuen Jahr Gottes Nähe suchen und erleben!

( ... )

 

Nichts wird unsere Seele mehr mit Frieden und Freude erfüllen, 

als dicht bei dem HERRN zu sein. 

Denn wenn wir Glück suchen, 

werden wir am Ende Glück haben. 

Gott bringt uns kein Glück - er ist unser Glück!

 

Das neue Jahr mag bringen, was es will. 

Jeder von uns kann gewiss sein: 

„Nah bei dem HERRN bin ich gut aufgehoben. 

Am Ende bin ich der oder die Glückliche. 

Weil „Gott nahe zu sein - mein Glück ist und bleibt!“

Amen

 

 

(Ich danke Pfarrer Dr. Christian Lehmann für seine Vorarbeiten zur Jahreslosung)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 19.06.2018
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Mittwoch, 20.06.2018
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Freitag, 22.06.2018
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