2013-12-25 Christfest

Predigt über Galalter 4,4-7 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, 

kaum dass es angefangen hat, ist der ganze Zauber 

von Weihnachten auch schon wieder verflogen. 

Der für viele alles entscheidende Höhepunkt, 

der Heilige Abend, ist vorbei. 

Die weihnachtliche, manchmal mehr, manchmal weniger

romantische Stimmung ist wie weggeblasen (es war der wärmste
Heilig Abend in Süddeutschland seit Beginn der Aufzeichnungen, 

anstatt Puderschnee Niesel und Regen) ...

 

Aber mal ehrlich: Können wir uns Weihnachten ohne all

die Dinge, die irgendwie dazu gehören, eigentlich vorstellen?

Was wäre Weihnachten ohne Weihnachtsmärkte

und ohne Weihnachtslieder und ohne Weihnachtsbaum?

Was wär‘ ein Gottesdienst an Heilig Abend 

ohne Hirten, ohne Engel und ohne den Stall?

Was wär‘ dieses Fest ohne Geschenke, ohne Gemeinschaft, 

ohne Gedränge?

 

Wer von uns kann sich (noch) vorstellen, 

wie in Familien Weihnachten gefeiert wird, 

in denen kein Geld für Geschenke da ist?

Ohne die Dinge, die für uns einfach dazu gehören?

 

Es fällt nicht leicht. 

Und selbst wenn ich es eigentlich genau weiß, 

dass die Sache, um die es an Weihnachten geht, 

nichts, aber auch gar nichts Romantisches an sich hat, 

diesem besonderen Gefühl der Weihnachtszeit 

kann sich kaum jemand wirklich entziehen (... wahrscheinlich

ist deshalb unsere neue Überraschungs-Verteidigungsministerin

an Weihnachten auch gleich nach Afghanistan geflogen ...
weil man im Ausland diese Zeit besonders vermisst ...
Kosovo-Erfahrungen)

 

Aber es spricht ja auch nichts dagegen, 

dass diese Zeit diesen ganz besonderen Charakter hat, 

wenn wir nur den Kern von Weihnachten dadurch nicht aus

dem Auge verlieren!

 

Dazu kann uns der heutige Predigttest helfen. 

Ich lese aus dem Brief des Apostels Paulus an die Galater, 

Kapitel 4, die Verse 4-7:

„4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren 

von einer Frau und unter das Gesetz getan,  5 damit er die, die 

unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. 

6 Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt 

in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!  7 So bist du nun nicht 

mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch 

Gott.“

 

Ich lade Sie ein, mit mir über diese Worte in zwei Schritten 

nachzudenken: 

 

Vom Himmel zur Erde (und) 2. Vom Knecht zum Kind.

 

1. Vom Himmel zur Erde. 

„Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren 

von einer Frau“. Das ist Weihnachten in einem Satz. 

Darum geht es. Deshalb feiern wir. 

Jesus, der Sohn Gottes, wird als Kind von Maria geboren. 

Gott, der die Welt gemacht hat, wird ein Mensch, 

der Himmel berührt die Erde. 

 

Das Weihnachtsevangelium bei Lukas wird hier kurz und knapp

zusammen gefasst. Weihnachten heißt: 

Gottes Sohn kommt zur Welt. 

 

Aber jetzt kann man natürlich fragen: So what? Was soll‘s?

Und jetzt?

 

Wir haben gefeiert. Wir haben‘s gehört, zur Kenntnis genommen. 

Es ist eine schöne Sache. 

Und weil‘s schön war, feiern wir nächstes Jahr wieder. 

 

Aber die Weihnachtsgeschichte ist nicht nur schön, 

sondern sie weist über sich hinaus

und fügt sich ein in eine größere Geschichte, 

nämlich in Gottes Geschichte mit der Welt

und mit jeder und jedem von uns. 

 

Das wird hier deutlich, wenn es weitergeht: „Als die Zeit erfüllt war, 

sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das

Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste.“

 

Erlösung

 

Hier geht‘s um Erlösung!

Der Sinn der ganzen Aktion, dass Gottes Sohn zur Welt kommt, 

ist: Erlösung.

Ich gebe zu, das Wort klingt seltsam. 

Vielleicht auch nach „typisch Kirche“ 

oder sogar mittelalterlich im negativen Sinn:

Eben nach einer Zeit, in der die Menschen ganz stark in dieser

Richtung „gepolt“ waren. 

 

Aber Erlösung ist nicht „mittelalterlich“, 

die gibt‘s auch heute. 

Viele wissen, was ein erlösendes Wort ist: 

Der Sohn hat eine 5 in der Englischarbeit, 

bringt sie nach Hause und ahnt, was er zu hören kriegt: 

Zwei Wochen lang keine Computer-Spiele mehr, daheim bleiben, 

Vokabeln und Grammatik büffeln!

Und die Mutter sieht die Note und sagt: 

„War wohl schwer, hm?!

Ich kann dir ja nächstes Mal beim Lernen helfen.“ - 

Erlösende Worte. 

 

Oder - sie bekommen - wider Erwarten eine positive Diagnose

beim Arzt. Erlösende Worte!

 

Sehr eindrücklich ist auch eine Geschichte aus dem Neuen 

Testament: Eine Frau wird in flagranti beim Ehebruch erwischt. 

Sie wird zu Jesus gebracht und alle warten darauf, 

dass er jetzt mal Tacheles redet. 

Und Jesus sagt: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe

den ersten Stein!“ Ich verdamme Dich nicht. 

Aber auch “Geh hin und sündige ab jetzt nicht mehr!“

Das sind erlösende, befreiende Worte!

 

Genau das meint Erlösung: Befreiung!

Befreiung von Sachen, die uns gefangen nehmen, 

von kleinen und großen Zwängen, unter denen wir leiden. 

Befreiung von Dingen, die uns ein ganzes Leben, 

vielleicht sogar das Heil, das vollkommene Glück, versprechen. 

 

Die Befreiung vom Zwang, es immer allen Recht machen zu müssen, 

weil uns dann alle lieben. 

Oder vom Zwang, immer mehr Geld verdienen zu müssen, 

weil wir dann angeblich ein sorgloses Leben führen können. 

Oder vom Zwang, immer und überall der Beste und Erste 

sein zu müssen, weil Ansehen uns glücklich macht. 

 

An Weihnachten geht es um Befreiung, um Erlösung. 

Da werden all die scheinbar ewig gültigen Gesetzmäßigkeiten 

dieser Welt auf den Kopf gestellt - weil Jesus zur Welt kommt. 

Weil Gott vom Himmel auf die Erde kommt. 

Und weil er anders kommt, als irgend jemand es erwartet hätte. 

 

Er kommt befreiend anders. 

Nicht als pompöser Herrscher, 

sondern offenbart sich in einem unmündigen Kind. 

So klein kommt Gott. 

Warum eigentlich?

 

Damit wir - seine - Kinder werden. 

 

 

2. Vom Knecht zum Kind

Gott will uns - zu seinen Kindern - machen.

Und Kinder, das meint hier nicht: Unmündige, Unfreie!

Das wären hier nicht die Kinder, das wären Knechte!

Knechte haben nicht viel zu sagen, 

sie sind abhängig vom Wohlwollen ihres Herrn, 

sind Befehlsempfänger. 

Sie sind die, denen man Befreiung und Erlösung wünscht. 

 

Und Gott wünscht nicht nur Befreiung, 

sondern er bringt Befreiung!

Er will keine Knechte, sondern Kinder, 

Gotteskinder, die wissen, wo sie hingehören und wo sie 

geliebt und angenommen sind. 

 

Und wie geht das?

Es findet gewissermaßen im Tausch statt: 

Jesus, der Sohn Gottes, wird Mensch. 

Er verlässt den Himmel und kommt zur Welt, 

er verzichtet auf seine Macht und Größe 

und macht sich uns gleich. 

Er macht sich sozusagen selber zum Knecht. 

 

Das war der einzige Weg, uns frei zu machen, 

dafür zu sorgen, dass wir Gottes Kinder werden können. 

In einem ungleichen Tausch: 

ER wird ein Knecht und ich ein Kind, 

das mag ein Wechsel sein! könnte man in Anlehnung an ein 

Weihnachtslied sagen. 

 

Allerdings geht das nicht automatisch, 

niemand wird einfach als Kind Gottes geboren

oder zum Kind Gottes getauft, 

ohne selbst daran irgendwie beteiligt zu sein, 

ob er diesen ungleichen Tausch (vom Knecht dieser Welt 

zum Kind Gottes) auch selbst will. 

Gott fragt jeden Menschen nach seiner persönlichen Entscheidung, 

zwingt niemand in die Adoption!

 

Aber Gott wünscht sich nichts sehnlicher, 

als dass möglichst alle Jesus kennenlernen,

 „der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung“, 

wie Paulus in 1. Tim 2, Vers 6 schreibt. 

 

Gott wünscht sich „Kinder“, „Kinder Gottes“. 

Menschen, die ihm aus freien Stücken gehören wollen, 

die erkennen, wie tief sich die Gottheit 

mit der Menschwerdung von Jesus an Weihnachten beugt. 

 

„Kinder“ wünscht sich Gott ...

 

Und das werden wir, wenn wir vor Jesus nieder fallen, 

uns ihm anschließen und annehmen, 

dass wir nur in ihm gerettet („erlöst“) sein können. 

 

Daraus entsteht eine ganz große Dankbarkeit 

und es wächst nach und nach mein Vertrauen zu ihm ...

wir zu einem grenzenlosen Vertrauen. 

 

Kinder leben vom Vertrauen. 

Sie leben ganz in der Beziehung zu jemand anderem

und von einem anderen her. 

Sie wissen, es wird für mich gesorgt. 

 

Und genauso ist es mit Gottes Kindern. 

Sie leben von Jesus her und in der Beziehung zu ihm. 

Sie sind unglaublich dankbar dafür, 

dass er sie „erlöst“ hat, gerettet für jetzt und immer

und dass Gott sie absolut versorgt, 

niemals im Stich lässt ...

 

Natürlich leben sie trotzdem weiter in dieser Welt, 

sie brauchen auch hier Beziehungen, damit sie leben können, 

ein Einkommen für ihr Auskommen. 

Und auch Kinder Gottes brauchen Anerkennung. 

 

Aber das ist nicht mehr das Letzte, sondern das Vorletzte!

Es ist nicht unwichtig, aber ihr Glück hängt davon nicht mehr ab. 

Das Glück, das Heil, das, worauf es ankommt, 

das haben Kinder Gottes in Jesus gefunden. 

Und der gibt ihnen,was sie brauchen, 

sie dürfen voller Vertrauen „Abba“ - das aramäische Wort für

„Lieber Vater“ - sagen!

 

Jesus bringt zum Vater

 

Im amerikan. Bürgerkrieg vor 150 Jahren ist ein junger Mann, 

Soldat, zu seinem Vorgesetzten gekommen und hat um
Urlaub gebeten. 

Er wollte nach Hause, seiner Mutter bei der Ernte helfen!

Im Krieg hat er schon seinen Vater und beide Brüder verloren. 

Jetzt war niemand mehr da, um der Mutter zu helfen!

 

Der Vorgesetzte wollte aber nicht selber entscheiden

und schickte ihn zu einem Ranghöheren.

 

Da beschloss der junge Soldat in seiner jugendlichen Dreistigkeit, 

gleich zur allerhöchsten Stelle zu gehen, zum Präsidenten der

Vereinigten Staaten, zu Abraham Lincoln. 

Er reiste nach Washington, zum Weißen Haus. 

Dort wurde er auf den Eingangsstufen vom wachhabenden Soldaten

aufgehalten. 

Der fragte ihn, was er wolle

und der junge Soldat erzählt es ihm. 

 

„Junge“, antwortet er ihm, „weißt du nicht, dass Krieg ist?

Jetzt ist keine Zeit für Urlaub. 

Viele von uns haben Angehörige verloren.

Viele leiden Not. Du bist Soldat. Geh zurück zu deiner Einheit!“

 

Der junge Mann war bedient. 

Deprimiert schlendert er durch die Straßen Washingtons. 

Dabei sieht ihn ein kleiner Junge, der den jungen Mann fragt, 

ob er ihm helfen könne. 

 

Und weil er die Sache loswerden wollte, erzählte er im alles. 

Als er fertig war, sagt der Junge: 

„Ich glaube, da kann ich helfen.“

 

Er nahm den Soldaten an die Hand, 

ging mit ihm zurück zum Weißen Haus, 

lief an der Wache vorbei, die Stufen hinauf und direkt zum 

Büro des Präsidenten. 

Ohne Anklopfen trat er ein und Lincoln, der am Schreibtisch arbeitete, 

sah auf und sagte: „Tad, was willst du -, mein Sohn?“ ( - ) 

 

 

Wenn wir an Jesus glauben, 

passiert etwas Ähnliches wie in dieser Geschichte:

Jesus, der Sohn Gottes, nimmt uns sozusagen an die Hand 

und bringt uns zu Gott, so wie der Junge den Mann zu seinem Vater

gebracht hat, dem Präsidenten. 

 

Wir können ihm voll und ganz vertrauen. 

 

 

Ohne Schnörkel und trotzdem ganz toll ist unserem
Predigttext heute zusammengefasst, was Weihnachten heißt: 

Gott kommt vom Himmel zur Erde, 

damit wir von Knechten zu seinen Kindern werden können.

 

Und diese Freude ist nicht nur für Weihnachten, 

für den Augenblick, sondern für das ganze Jahr, das ganze Leben. 

Dafür will ich Gott danken 

und das soll gerade auch darin deutlich werden, 

wie ich Weihnachten feiere,

nicht nur mit Essen und Trinken, sondern wir zusammen

Lieber singen, Lieder Jesus, über Weihnachten

und warum nicht auch das Weihnachtsevangelium 

noch einmal in dieser Runde vorlesen!?

 

Alle sollen es sehen, nicht zuletzt unsere Familienangehörigen, 

wem wir gehören, zu welcher Familie. 

Zur Familie Gottes. 

 

Amen

 

 

(Ich danke Pfarrer M. Trick für seine Vorarbeiten zu diesem Predigttext)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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