2013-12-22

Predigt über Jesaja 52,7-10 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde,

wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen für Weihnachten? 

 

Man muss ja so viel bedenken, aufräumen, herrichten und putzen! 

Und bestimmt gibt‘s auch noch manches einzukaufen!

Es bleiben Ihnen gerade noch  eineinhalb Tage!

Um die letzten Dinge zu besorgen und zu erledigen. 

Bis es dann so richtig losgeht!

 

Ob wir es schaffen, uns auch innerlich einzustimmen auf das, 

was auf uns zukommt? 

Besser gesagt ..., auf den, der zu uns kommen will? - 

Nicht nur äußerlich, sondern mit echter Erwartung!?

Also, nicht nur für den Heiligabend und zwei Festtage lang, 

sondern für unser ganzes Leben!? 

 

Deshalb lade ich Sie ein: 

Kommen Sie jetzt zur Ruhe, 

legen Sie die Sorgen ab um Einkäufe, Hausputz, Geschenkpapier 

und Weihnachtsschmuck 

und hören Sie auf die Botschaft, die uns zur Freude bringen will. 

Gott will uns nämlich die Weihnachtsfreude ins Herz schreiben

und uns in Kontakt mit ihm bringen. 

 

Wir hören den Predigttext aus Jesaja 52, die Verse 7-10

„Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, 

die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen,

die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!

Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und rühmen miteinander;

denn alle Augen werden es sehen, wenn der HERR nach Zion 

zurückkehrt. Seid fröhlich und rühmt miteinander, ihr Trümmer

Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusa-

lem erlöst. Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den 

Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil un-

seres Gottes“ 

 

 

 

 

1. Freude über die Worte

Dieser Predigttext ist ein Lied voller schöner Worte: 

„lieblich, Freudenbote, Heil, fröhlich, rühmen, erlösen, retten ...“, 

fröhlich und beschwingt, so hört es sich an. 

Man muss schon genau hinhören um zu sehen, 

wie es damals in Jerusalem aussah. 

Denn genau das Gegenteil war der Fall:

Kein Friede! 

Sondern Fremdherrschaft und Unterdrückung stehen bevor. 

Kein Heil!

Sondern ein Trümmerhaufen wird Jerusalem bald sein.

Keine Rettung! 

Sondern Gefangenschaft. 

Keine liebliche Idylle, sondern bittere, finstere, 

trostlose Situation ... nach einem Krieg. 

 

Die Bilder, die uns Woche für Woche aus Syrien oder jetzt 

aus dem Südsudan erreichen -, 

mit zerstörten Häusern und Städten, 

Flüchtlingsströmen,

geben uns einen ungefähren Eindruck 

davon, was auf Jerusalem zukommt und was der Prophet bereits sieht. 

 

Und doch, gerade in diese Situation hinein soll der Prophet Gottes

das ihm aufgetragene Wort sagen: 

- Es wird einer kommen, der Frieden bringt! 

- Einer bringt Heil und Rettung! 

- Einer zeigt, dass Gottes Herrschaft beginnt und Unfrieden 

und Tod ein Ende haben.

 

Zwei Mal kommt in diesem Lied das Wort „Heil“ vor. 

„Jeschua“ heißt es im Hebräischen. 

Und vielleicht hören Sie es heraus: 

Es hat denselben Wortstamm wie der Name „Jesus“ (denn Jesus

heißt „Jeschua“).

 

Und tatsächlich wissen Christen, wer dann gekommen ist, 

um Gottes Heil und Herrschaft zu verkündigen,

um den Frieden Gottes zu bringen! 

Dem Volk Israel und der ganzen Welt!

Gottes Heil - kommt mit dem, der sich nicht zu schade ist,

in den Dreck und in das Kaputte, das Trostlose und Leidvolle 

der Menschen hinunter zu steigen. 

 

Denn nicht anders als damals in Jerusalem ist auch auch heute 

noch die Lage in der Welt: 

Ein Trümmerhaufen in vielen Ländern, 

voller politischem und gesellschaftlichem Chaos

(Ich habe selber einiges davon gesehen und erlebt ...).

Und bei uns, die wir äußeren Frieden haben, 

herrschen nach innen vielfach chaotische Zustände: 

so viel Orientierungslosigkeit in unserer Gesellschaft
(lesen Sie nur mal die Jahresendgedanken in der Presse, 

in den Amtsblättern ... „der guten Wünsche sind so viel, 

davon ich singen und sagen will“ ... aber Gottes Segen???),

wie viel Chaos in den Familien und Lebensabschnittsmodellen?, 

wie viele seelische Verletzungen und Trümmer in den Herzen, 

die Menschen blockieren!?

 

 

 

2. Freude über Jesus.

Da hinein, in das Chaotische und Unklare will Jesus kommen. 

Zu uns. Heute. 

Nicht erst, wenn alles fertig ist für das große Fest!

Nicht erst, wenn wir alles aufpoliert und vorbereitet haben!

Nicht erst, wenn wir mit dem Feiertragsgesicht auf dem Sofa sitzen

und bereit sind, IHH zu empfangen.

 

Mitten ins Chaos kommt er, in die Unruhe, in das Zerbrochene

unseres Lebens kommt er hinein.

So, wie er in das Unaufgeräumte und Ungeordnete eines Stalles

hinein zur Welt gekommen ist. 

So, wie Jesus nicht als König gekommen ist, 

sondern als Diener der Menschen. 

So, wie er den Kranken und Beladenen die Hand gereicht hat 

und dem Leid und dem Tod nicht ausgewichen ist. 

 

Das ganze Leben von Jesus, 

von der Geburt bis zu seinem Sterben am Kreuz bezeugt uns: 

Wir müssen nicht erst aufräumen und alles ordnen, 

damit Gott zu uns kommt.

Genau umgekehrt ist es. 

Er kommt gerade deshalb auf die Welt, 

- weil bei uns das Chaos herrscht und der Unfriede regiert, 

- weil Neid und Missgunst uns im Wege stehen und unser 

Misstrauen uns von Gott weggebracht hat.  

 

Deshalb kommt Jesus. 

Deshalb feiern wir übermorgen Weihnachten!

Weil wir alleine damit nicht zurecht kommen!

Weil wir aus uns heraus niemals eine Welt der Harmonie und 

des Friedens herstellen können. 

(Was haben die Engel denn damals gesungen?... 

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden 

und bei den Menschen ein Wohlgefallen?“ - Nein!

Auch wenn es noch so vielen Liedern falsch gesungen wird!

Sie haben gesungen: 

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden -

bei den Menschen seines Wohlgefallens!“ 

Friede kehrt ein, wo Jesus einzieht!

Ohne ihn ist nix mit Friede in dieser Welt ...)

 

Deshalb sucht uns Jesus!

 

Das ist die gute Botschaft, das Evangelium, 

das die finsteren Nachtseiten unseres Lebens erhellt: 

Wir werden von Gott gesucht!

 

Ohne dass wir uns einschmeicheln müssten 

oder die beste Seite herausstellen müssten!

Er kennt uns schon lange, wie wir „rundherum“ sind. 

 

„Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los, 

ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß“, 

in diesem Adventslied hat Paul Gerhardt den Punkt getroffen:

Jesus kommt, um uns „los zu machen“, 

zu befreien von der Macht der Sünde und ihren ganzen Folgen. 

Erst wo das konkret wird, 

ändert sich auch etwas in unserer Welt!

 

Deshalb feiern wir Weihnachten auch in der dunkelsten Jahreszeit. 

(Wann Jesus genau geboren ist, wissen wir ja gar nicht!, 

nicht einmal den Monat seiner Geburt kennen wir).

Aber die Christen im 4. Jahrhundert setzten das Fest der Geburt 

von Jesus bewusst auf die kürzesten Tage auf der nördlichen 

Halbkugel fest. 

Um auch dadurch deutlich zu machen:  „Über denen,

die da wohnen im finstern Landes, scheint - es hell“ (Jes 9,1). 

 

Das Licht Gottes erfüllt die Finsternis und macht sie hell.

Gott kommt in Gestalt eines kleinen Kindes ,

in Gestalt eines Zimmermanns und Wanderpredigers -, 

in Gestalt eines sterbenden Mannes am Kreuz.

Gott kommt in Jesus auf die Welt und bietet sein Heil an, 

seinen Frieden. 

Sein Friede („Schalom“) bedeutet nicht nur Waffenstillstand, 

die Abwesenheit von Krieg, eine Kampfpause, 

bis der Alltag mit Hauen und Stechen wieder weitergeht. 

 

Friede Gottes, der durch Umkehr zu Jesus in ein Menschenherz

kommt, dringt durch und setzt sich fest. 

Er macht von innen heraus zunächst einmal mich selber „neu“, 

so dass ich überhaupt „friedensfähig“ werde

und dann zum Friedensstifter werden kann. 

Nur, wo Jesus bei mir selbst aufräumen durfte, 

kann sich der Friede Gottes in und um mich herum entfalten. 

 

So ist es ein großes Geheimnis, dass die Freude über das 

Evangelium von Jesus erst dann mein Herz erfüllt, 

wenn ich vorher - ganz tief - in den Abgrund meiner Trostlosigkeit 

und Gottverlassenheit hineingeschaut habe. 

Das Philosophieren über Gott und die Welt mag schön und manchmal

auch gut sein, aber der Friede Gottes kommt erst in mein Leben, 

wenn ich mich zu Jesus hinwende!

Dann wird es Weihnachten ... Ende der Festtagsreden!

 

 

3. Stimmen Sie mit ein in den Freudenjubel? 

Wie werden Sie dieses Jahr Weihnachten erleben?  

Als ein Fest wie Jahr für Jahr? 

 

Wollen wir so bleiben, wie wir sind?

Oder darf Gott uns anrühren, dort, wo wir schwach und verletzlich sind? 

Darf er die Dinge mit uns besprechen und bereinigen, 

die wir vor uns hertragen? 

Darf der einziehen und Wohnung nehmen in meinem Leben?  

So dass sein Friede (sein Heil) mich erfüllt!?

Und er mir die Gewissheit ins Herz legen kann: In Jesus ist Rettung, 

in ihm gehöre ich zur ewigen Welt Gottes!? 

 

Der Literaturprofessor C.S. Lewis sagt: „Unser Herr hält unsere Sehn-

süchte nicht für zu stark, sondern für zu schwach. Wir halbherzigen 

Kreaturen verschwenden unsere Zeit mit Trinken, Sex und ehr-

geizigen Vorhaben, wo uns doch unendliche Freude angeboten wird. 

Wie ein unwissendes Kind in einem Elendsviertel damit zufrieden 

ist im Dreck zu spielen, weil es nicht weiß, was es bedeutet, Ferien 

am Meer zu verbringen, so sind wir viel zu leicht zufrieden gestellt“. (1)

 

Wir sind heute eingeladen zur Freude. 

Zu viel mehr als ein bisschen Melancholie unterm Tannenbaum. 

In Jesus will uns Gott zu dieser Freude führen. 

Zu der, die von innen kommt. 

Zu der, die das Heil Gottes geschmeckt hat und unauslöschlich ist. 

 

Ganz klar ist trotzdem, 

dass auch Christen nicht von bitteren und schweren Erlebnissen 

verschont werden. 

Aber mitten in den Stürmen und im Chaos des Lebens wissen sie: 

Jesus geht mit! 

Er ist dabei, gerade, wenn ich angegriffen werde, 

wenn die Angst bekomme, 

die Probleme könnten mir über den Kopf wachsen. 

 

Sein Heil schützt vor dem Untergehen!

Sein Friede bewahrt und trägt.

Er hält mich auf gerader Bahn und ich darf wissen, 

dass ich nie verlassen bin, wenn ich dem lebendigen Gott gehöre 

und er mich in seiner Hand hält (und trägt).

 

Das ist die Freude, die Jesus uns schenken will! 

Vielleicht aber auch wieder neu entdecken lassen will, wo sie 

„verschütt´ gegangen“ ist. 

 

Bitten wir doch heute Jesus: Komm in mein „dürres Leben ...“ 

und schaffe Dir Raum in mir!

Ich will, dass Du ihn mehr und mehr ausfüllst. 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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