2013-11-10

Lukas 18,1-8 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen drittletzten Sonntag im Kirchenjahr aus dem Lukas-Evangelium, Kapitel 18, die Verse 1-8:

Von der bittenden Witwe

„1 Jesus sagte ihnen aber ein Gleichnis darüber, dass sie allezeit beten 

und nicht nachlassen sollten, 2 und sprach: Es war ein Richter in 

einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor 

keinem Menschen. 3 Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die 

kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher! 

4 Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: 

Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen 

scheue, 5 will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, 

Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht 

schlage. 6 Da sprach der Herr: Hört, was der ungerechte Richter sagt! 

7 Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm 

Tag und Nacht rufen, und sollte er's bei ihnen lange hinziehen? 8 Ich 

sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze.
Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du,
er werde Glauben finden auf Erden?“

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

- »Deinen Glauben möchte ich haben«, werden die Leute zu der Frau 

mit dem schwarzen Trauertuch gesagt haben.

- »Ich sage dir, bei dem Richter hast du keine Chance. 

- Der ist eiskalt und sieht nur seinen eigenen Vorteil.«

- »Glaubst du etwa, dass du als kleine Witwe gegen diesen skrupellosen 

Richter ankommst? 

Für den bist du doch ein Nichts. Ein Niemand!« 

 

So oder ähnlich könnten die Kommentare der Freunde und Nachbarn 

der Witwe gelautet haben.

Und doch. Und doch ist diese Witwe unterwegs. 

Sie macht sich auf und geht zum Haus des Richters. 

Immer und immer wieder.

Vielleicht das eine Mal zuversichtlich -,
das nächste Mal wieder hoch verunsichert,

mit dem Gefühl, auf verlorenem Posten zu stehen, 

angesichts der Realitäten ...

 

Aber sie macht weiter. 

Warum?

 

Weil sie weiß: Es gibt keinen anderen Weg. 

Ich hab‘ keine andere Chance. 

Alles andere wird nichts bringen: 

- Bittgänge zu meinen Gegnern? 

- Vorschläge, sich gütlich zu einigen? 

Alles Unsinn.

 

Nur eines hilft: 

Diesen einen Mann, diesen gemeinen und hartherzigen 

Richter muss ich für mich gewinnen!

Der ist die Schlüsselfigur. 

Der ist der strategisch entscheidende Punkt.

Hab‘ ich den Richter gewonnen, hab‘ ich alles gewonnen.

Sein Urteil allein zählt.

Nur ein Wort von ihn - und ich bin „durch“.
Und so setzt diese Witwe alles auf eine Karte!

Am Beispiel dieser Witwe will Jesus uns etwas über das Gebet sagen. 

 

Die Witwe im Gleichnis steht für die betende Gemeinde
von Jesus Christus. 

 

Und so ist hier das Erste, was Jesus uns am Bild der bittenden Witwe 

für unser Gebet zeigen will:

Es kommt alles darauf an, den strategisch entscheidenden Punkt zu 

finden. Es liegt alles daran, sich an den zu wenden, der unser Gebet hört 

und der die Macht hat, etwas zu bewirken.

 

Dieser strategisch entscheidende Punkt liegt bei Gott, dem Vater, 

dem Allmächtigen, dem Schöpfer des Himmels und der Erde ...

 

Deshalb gilt:

 

1. Beten heißt: An der Weltgeschichte mitzuschreiben. 

Im Großen und im Kleinen.

Wir haben in der Schriftlesung von Hanna gehört  (1. Samuel 1, 9-18). 

Die war total verzweifelt darüber,
dass sie keine Kinder bekommen konnte. 

Und so ist sie vom Fest weggerannt, hin zur Stiftshütte, 

das war damals der provisorische Tempel / ihre Kirche gewissermaßen, 

und hat gebetet. 

 

Vor Gott hat sie ihr Herz ausgeschüttet  - und das - bewegte sein Herz. 

Er hat ihr eine Verheißung / eine Zusage gegeben - 

und nach einem Jahr ist der Sohn geboren worden, 

Samuel, das heißt: »Gott hört«. 

 

Dieser Samuel ist ein großer Prophet geworden. 

Er hat Saul und David zum König gesalbt, 

die ersten beiden Könige Israels überhaupt.

 

Beten heißt: Mitzuschreiben an der Weltgeschichte.
Im Großen und im Kleinen,
liebe Konfis, liebe Gemeinde. 

 

Im Gebet hat die Gemeinde Zugang zu dem Einen,
der die Weltgeschichte lenkt. 

Zu dem Einen, der die letzte Verfügungsgewalt über Krieg und Frieden hat, 

über Segen und Fluch.

 

Deshalb hat die Gemeinde von Jesus mehr Macht
als alle glanzvollen und großartigen Figuren dieser Welt zusammen, 

die wie auch immer auftreten und abtreten.

Zuletzt wird nur noch Jesus Christus auf der Weltbühne stehen. 

Und vor ihm müssen sich dann alle Knie beugen:
auch die Knie derer, die die Weltgeschichte eine Zeit lang geprägt haben
oder ein 1000-jähriges Reich aufrichten wollten.
Vom 9. auf den 10. November 1938 war die Mord- und Plündernacht

der Nazis, auch noch beschönigend als „Reichskristallnacht“ bezeichnet ...
Auch diese Schlägertrupps werden vor Jesus in die Knie gehen!

 

Beten heißt: Mitzuschreiben an der Weltgeschichte. 

Im Großen und im Kleinen. 

Und diese Gewissheit sollten wir heute mit nach Hause, 

in die Schule, in den Beruf ... nehmen: 

Die Gemeinde von Jesus sitzt durch ihr Beten am strategischen Schlüssel-

punkt des Weltgeschehens. Sie liegt an Gottes Herzen.

 

Und Gott hat ihr versprochen, dass sein Herz nicht verschlossen sein 

wird gegenüber dem, was sie bittet.

Wer Einfluss auf Gottes Herz hat, regiert die Welt. 

Eine Gemeinde, die betet, ist die größte Weltmacht, 

die es gibt!

 

Und auch über das »Wie« des Betens will uns Jesus am Beispiel der 

Witwe etwas sagen:

 

Wir sehen sie vor dem Haus des Richters. 

Leidenschaftlich und hartnäckig trägt sie ihre Bitte vor. 

Sie hat kein anderes Mittel:

- Bestechungsgeld zahlen kann sie nicht.

- Sie hat kein »Vitamin B«: Beziehungen, Bekannte, die gleich-

zeitig Bekannte des Richters wären.

- Sie kann keinen Druck auf den Richter machen, indem sie 

etwas der Zeitung steckt oder in einem Internet-Forum
Stimmung macht, etwas „twittert“ oder was auch immer ...

 

Sie hat - nur - die Bitte. 

Aber damit lässt sie nicht locker. 

Sie sagt, was sie will. 

Immer und immer wieder kreuzt sie vor dem Haus des Richters auf. 

Sie liegt ihm in den Ohren. 

Sie geht ihm auf die Nerven. 

Sie lässt sich auch nicht nach ein paar vergeblichen Versuchen 

unterkriegen. Sie bittet - bittet - bittet - und gewinnt. ( - ) 

 

Auch wir können nur eines: bitten. 

Aber die Bitte, sagt Jesus, ist eine große, starke Sache. 

Sie ist auf Erden eine Macht und noch unendlich mehr bei Gott.

 

Deshalb ist das Zweite, was Jesus uns zeigen will:

 

 

(2.) Wir sollen leidenschaftlich und hartnäckig beten.

Wir dürfen so auf Gott losrennen, wie die Witwe auf den Richter! 

Anhalten im Gebet, Tag und Nacht! 

Eine Gebets-Nacht halten vielleicht.

So, wie die ersten Christen in Jerusalem, 

als Petrus vom König Herodes gefangen gesetzt worden ist! (Apg 12, 12)

 

Vielleicht zögern wir: Ist so ein Gott-in-den-Ohren-liegen nicht respektlos? 

Nehmen wir uns dabei selber nicht viel zu wichtig?

Wer von uns hat nicht schon die rein menschliche Erfahrung gemacht: 

Wenn ein Bittsteller uns wie eine Klette am Hals klebt, 

dann ist er uns lästig! 

Wir finden das abstoßend und irgendwann ist dann auch alle

Gutmütigkeit am Ende!?

Bei Gott ist das ganz anders. 

Das zeigt uns Jesus hier!

Wenn wir nämlich Gott in den Ohren liegen,
dann ist das gerade kein Zeichen der Respektlosigkeit, 

sondern es ist ein Zeichen dafür, dass wir ihn ernst nehmen!

 

»Mein Herz hält dir vor dein Wort: ›Ihr sollt mein Antlitz suchen.‹ 

Deshalb suche ich auch, Herr, dein Antlitz!« 

So haben wir es am Anfang mit Worten aus Psalm 27 gebetet. 

Und so sollen wir beten: Leidenschaftlich, hartnäckig, zäh ...

Gott beim Wort nehmen. 

Und der freut sich, wenn wir das tun, 

weil er daran erkennt, dass wir begriffen haben, 

und dass wir jetzt nicht mehr groß und vornehm sein wollen, 

sondern wie ein Kind voller Vertrauen ...

 

So dürfen, ja so sollen wir zu Gott auch mit unseren kleinen Dingen kommen:

- Mit der Bitte um gutes Wetter für einen Ausflug.

- Mit der Bitte, in der Klassenarbeit nicht immer Leichtsinnsfehler 

  zu machen.

- Mit der Bitte, dass der kranke Kanarienvogel es doch noch
  schafft und wieder gesund wird ...

Unser Vater will der sein,
mit dem seine Kinder frisch und offen reden.

 

Wir brauchen auch keine Angst zu haben, was Falsches zu bitten.

Dass ich also denke:
Um ernsthafte Bitten vorbringen zu können,
müsste ich ja wirklich wissen, was gut für mich ist:

 

- So bete ich zum Beispiel darum, dass ich gesund werde - in Wirklichkeit 

aber führt mich Gott durch eine Zeit der Krankheit, um mir darin 

noch größer zu werden. Oder:

- Ich bete darum, dass ich eine bestimmte Stelle kriege und Karriere 

mache - aber Gott braucht mich ganz woanders; 

und er weiß, dass Erfolg und Geld bei meinem Charakter Gift für 

mich wären. Oder: 

- Ich bete für einen bestimmten Menschen als künftigen Ehepartner - 

aber Gott hat da schon jemand ganz anderes im Auge, der mich viel 

besser fördern und ertragen kann.

 

Ganz ehrlich: wir wissen wirklich oft nicht, was letztlich - gut - für uns ist.

Und trotzdem - dürfen wir ganz konkret bitten. 

Ohne Angst, wir könnten etwas falsch machen. 

Ohne Scheu, es könnte etwas zu Großes sein. 

Voller Vertrauen ...

 

Wir können dabei auf uns selber in unserer Rolle als Väter und Mütter 

schauen: Haben wir es je unseren Kindern übel genommen, wenn 

sie mit der Bitte gekommen sind: 

- »Papa, Mama, schenkt mir bitte einen Swimmingpool.«

- »Schenkt mir bitte ein iPhone - einen Porsche.« 

 

Den „Porsche“, das können wir natürlich nicht erfüllen. 

Selbst wenn wir das Geld dafür hätten, dürften wir es gar nicht,
weil die Kinder noch keinen Führerschein haben ...

 

Und sie beruhigen sich ja dann auch schnell, 

wenn wir es nicht tun, 

und nehmen es uns nicht übel, 

weil sie im Grunde schon wissen, 

dass wir es nur gut mit ihnen meinen.

 

So sollten wir auch wir, wenn wir offen und vertrauensvoll gebetet haben, 

am Schluss einen dicken Strich ziehen und dann, aber erst dann, sagen: 

»Dein Wille geschehe«.

- »Du wirst es schon recht machen.«

- »Du wirst schon das Richtige aus all unseren Bitten herausholen.«

- »Du weißt ja am besten, was wir wirklich brauchen.«

 

Jesus lädt uns heute ein! 

Riskieren wir es! 

Nehmen wir Gott so konsequent bei seinem Wort: 

- Er will von uns gebeten sein. 

- Er wird aus jedem Gebet das Richtige herausholen. 

Das heißt: leidenschaftlich beten.

 

Und schauen wir noch mal auf die Witwe:

Die ist hartnäckig. Der Richter ist ungerecht und hat ein Herz aus Stein.

Lange tut sich gar nichts. 

Aber gerade das bringt die Witwe dazu, 

jetzt noch das Letzte zu wagen.

Auch das ist ein Hinweis von Jesus! 

 

Denn genau-so stur, hartherzig und uninteressiert, 

wie dieser Richter tatsächlich ist, so erscheint uns oft Gott:

- Geht er nicht immer wieder über unsere Wünsche hinweg?

- Ist unser Beten nicht immer wieder ein Telefonieren, bei dem sich 

auf der anderen Seite niemand meldet, oder einfach auflegt, 

wenn's zum Wichtigen kommt?

 

Das Gleichnis bringt uns dazu zu vergleichen ...
Wenn es uns so geht, dann hören wir auf.

Oder knicken ein ...

Oder ballen die Faust gegen den verschlossenen Himmel ...

 

Aber die Witwe bleibt dran. 

Gerade weil der Richter schweigt, lässt sie nicht locker.

 

Ist das nicht eine Herausforderung auch für uns?

 

Womöglich schweigt Gott ja gerade deshalb immer wieder, 

damit wir nicht schicksalsgläubig die Hände in den Schoß legen 

und uns mit dem Satz zufrieden geben: 

»Es kommt doch alles, wie es kommen muss«, 

sondern dass wir lernen, im Ansturm auf ihn zu bleiben!?

 

Auch bei uns kann es ja so sein:
Wenn ich eines Menschen, den ich liebe, allzu sicher bin, 

dann kühlt meine Leidenschaft für ihn ab. 

 

Ob also Gott nicht manchmal deshalb schweigt und wartet, 

damit ich um so intensiver und nachdrücklicher nach ihm suche?

 

Und dann sollten wir auch nicht übersehen:
Zwischen dem himmlischen Vater und diesem Richter 

gibt es noch einen himmelweiten Unterschied:
Der Richter in der Beispielgeschichte von Jesus ist tatsächlich so, 

wie der Gott unserer Kleingläubigkeit zu sein scheint. 

Er gibt schließlich nur nach, 

- weil er von der Frau förmlich weich geklopft ist. 

- Weil er Angst kriegt, sie könnte womöglich noch rabiat gegen 

ihn werden.

 

»(Aber) wie viel mehr«, sagt Jesus, »wird euer Vater im Himmel, der doch 

gerecht ist, seinen Auserwählten Recht verschaffen, die Tag und 

Nacht zu ihm rufen!«

 

So ruft uns Jesus zu: »Schaut euch die Witwe an, die ein ganz anderes 

Gegenüber hat als ihr und die nicht aufgibt. 

Sie muss ein Herz aufbrechen, das hart wie ein Panzerschrank ist. 

Und ihr braucht mit eurem Gebet bei Gott nur offene Türen einzurennen.«

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

Wenn das so ist, dann heißt Beten doch wirklich: 

Mitzuschreiben an der Weltgeschichte. 

Im Großen und im Kleinen. 

Dabei leidenschaftlich und hartnäckig dran bleiben!

 

Und jetzt kommt's: Gott wartet besorgt auf uns. 

 

Jesus schließt seine Geschichte mit der Frage: 

»Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, 

er werde Glauben finden auf der Erde?«

 

Bisher haben wir das Gleichnis immer von der Seite der Witwe, 

also von unserer menschlichen Sichtweise her angeschaut. 

Aber jetzt dreht sich der Blick in Richtung der Wiederkunft von Jesus.

 

Eines steht fest: Unsere Bitte findet „oben“ im Himmel Erhörung. 

Aber: Finden sich denn hier unten auch Bittende? 

 

Für Jesus ist das die entscheidende Frage: Nicht ob unsere Gebete 

Erhörung finden, sondern ob sich Beter finden. 

Wir Menschen fragen: »Wo ist denn ein Gott, der mich hört?« 

Und Gott fragt: »Wo ist denn ein Mensch, der mich bittet?«

 

Gott fragt nach unserem Glauben. 

Bei Gott stehen die Türen offen, aber oft sind wir es, die den Zugang 

zu ihm blockieren.

 

Deshalb: »Jesus sagte ihnen aber ein Gleichnis darüber, dass sie 

allezeit beten und nicht nachlassen sollten.«

 

Und was damals gegolten hat, das gilt heute noch genauso: 

Wir sollen beten. Zu jeder Zeit und in jeder Lage beten. 

Und nicht nachlassen. 

Aus Liebe zu unserem himmlischen Vater und seinem Sohn 

Jesus Christus. 

Zu ihm können wir voller Vertrauen kommen. 

Enttäuschen wir ihn nicht!?

Amen. 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 27.06.2018
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 28.06.2018
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann