2013-06-23

Predigt über 1. Mose 50,15-21 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

eine der spannendsten Geschichten der Bibel 

für Kinder und für Erwachsene 

ist die Geschichte von Josef und seinen Brüdern.

Spannend wie ein Roman – und doch kein Roman – sondern 

echt passiert und mit einer Wahnsinns Aussage bis heute. 

 

Alle Vorlagen für Romane finden sich da: 

Neid und Intrigen, Höhen und Tiefen, 

Glück und Leid gehören zum Weg des Josef vom 

(vielleicht in seiner Kindheit verhätschelten) „Vatersöhnchen zum 

Landesvater“. 

Und in all dem, was Menschen einfädeln, 

hält Gott doch letztlich die Fäden in der Hand ... 

Ein unglaublich tröstliches Wissen ...

 

Auch wenn‘s noch so dick kommt (die Eltern trennen sich, 

die Schule läuft mies, Du fühlst Dich wie Aschenputtel, beim Geld

hängst Du sowieso immer am Tropf ...), 

nichts entgleitet Gottes Händen.

 

Weil Josef das weiß und gegen alle Gefühle, gegen allen 

Augenschein festhält, 

kann er am Ende seinen Brüdern sagen: 

„Ihr habt vor gehabt, mir übel mitzuspielen, aber Gott hatte vor, 

es gut mit mir zu machen!“

Josef hat begriffen: Gottes Erbarmen ist das Höchste!

 

Wie wär‘s wenn Sie heute Nachmittag - und Ihr Konfirmanden,

die ihr heute Eure persönliche Bibel überreicht bekommt -, 

wenn Sie / wenn Ihr heute Mittag einmal die ganze Josefsgeschichte

in aller Ruhe lest (1. Mose 37-50 – Schwimmbadwetter ist heute 

eh nicht!)

 

Und wir schauen uns heute morgen - in der Predigt - schon mal 

den Schluss dieser Josefsgeschichte an. 

Der ist nämlich heute dran als Predigttexts. 

Er steht im 1. Mosebuch, Kap. 50, in den Versen 15-21

 

„15 Die Brüder Josefs aber fürchteten sich, als ihr Vater gestorben war, 

und sprachen: Josef könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, 

die wir an ihm getan haben. 16 Darum ließen sie ihm sagen: Dein Vater 

befahl vor seinem Tode und sprach: 17 So sollt ihr zu Josef sagen: 

Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünde, dass sie so 

übel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den 

Dienern des Gottes deines Vaters! Aber Josef weinte, als sie solches 

zu ihm sagten. 18 Und seine Brüder gingen hin und fielen vor ihm nieder 

und sprachen: Siehe, wir sind deine Knechte. 19 Josef aber sprach 

zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes statt? 

20 Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut 

zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten 

ein großes Volk. 21 So fürchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder 

versorgen. Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.“

 

 

Jahrzehnte ist es schon her, dass die Söhne Jakobs ihren Bruder, 

Papas Liebling am liebsten umbringen wollten.

Ein schönes Outfit, feinste Klamotten, hat ihm der Vater geschenkt, 

und dann - erzählt er auch noch Träume, 

in denen die Brüder sich vor ihm verbeugen – die bringen das Fass 

zum Überlaufen. 

Was bildet der sich eigentlich ein, 

will der etwas Besseres sein? 

 

Bei nächster Gelegenheit kriegt Josef nicht nur eins auf die Mütze, 

sondern er kriegt den Hass seiner Brüder zu spüren – 

die verkaufen ihn einfach als Sklaven nach Ägypten 

und schaffen ihn so aus dem Weg. 

 

Dass der Vater fast stirbt vor Trauer, das ist ihnen Wurst.

Und mit der Zeit - so denken sie - wächst Gras über die Geschichte.

Joseph wird vergessen sein. 

 

Bis eine Hungersnot kommt und - die Brüder nach Ägypten treibt. 

Dort soll‘s Vorräte an Getreide geben – haben sie gehört

und dort in Ägypten begegnen sie - o Schreck - ihrem Bruder, 

der inzwischen zum 2. Mann im Staat aufgestiegen ist. 

Als Verwalter des Pharao ist er für die Getreideverteilung zuständig.

Die ganze Vergangenheit, 

das, was längst verdrängt und vergessen war, 

steht wieder auf vor Josef und seinen Brüdern. 

 

Aber schließlich, nachdem er seinen Hass-Brüdern insgeheim

auf den Zahn gefühlt hat (sie haben ihn immer noch nicht erkannt), 

da gibt des noch ein Happy End, 

Ein Wiedersehen mit dem jüngsten Bruder - Benjamin 

und dem alt gewordenen Vater - Jakob!

Die ganze Großfamilie ist glücklich vereint bei Josef in Ägypten. 

 

Ende gut, alles gut!? – Nein, eben nicht!

 

Es gibt ein noch ein Nachspiel. 

Noch mal bricht alles auf. 

Der Vater ist gestorben. 

Damit hat sich für die Brüder von Josef die Lage verändert. 

Der Vater war es, so haben sie wahrscheinlich gedacht, 

der alle zusammen gehalten hat, 

der Ruhe und ein friedliches Miteinander garantiert hat ...

 

Das kennen wir vielleicht auch aus unserer Familie: 

Solange noch ein Eltern- oder Großelternteil lebt, 

hält es die Familie zusammen. 

Ist dieser Halt aber nicht mehr da, dann ist schnell Schluss mit dem 

Familienfrieden.

Dann kommen alte Rechnungen, Empfindlichkeiten und Vorwürfe 

auf den Tisch. Und wie oft heißt es dann: 

sie haben sich zerstritten, 

die reden nicht mehr miteinander (oder nur noch über den Anwalt)!?

 

Der Tod des Vaters lässt bei den Brüdern Josefs 

die alte Schuld wieder aufbrechen und mit ihr die Angst: 

Josef könnte sich jetzt doch noch rächen 

für das, was sie ihm angetan haben. 

„Jetzt hat er uns in der Hand, jetzt kommt die Abrechnung!“ – 

Das denken sie.

 

Obwohl Josef ihnen schon längst versprochen hat:

„Denkt nicht, dass ich euch böse bin, weil ihr mich hierher verkauft habt –

sondern um euer Leben zu erhalten, hat mich Gott hierher gesandt“ –,

obwohl er das gesagt hat, 

haben die Brüder die Vergangenheit nicht bewältigt. 

Die Altlast aus ihrer Vergangenheit drückt sie mehr denn je.

 

Das kennen wir auch: 

Schuld, die nicht angesprochen und schon gar nicht ausgesprochen wird, 

über die man einfach nur schweigt, ist nicht erledigt!

Sie ist zwar weggeschoben, aber nicht bereinigt. 

Schon beim kleinsten Anlass kann sie wieder da stehen. 

Wie bei den Brüdern von Josef!

 

Nach so langer Zeit steht ihnen die alte Geschichte wieder vor Augen 

und drückt auf ihr Gewissen: 

Sie sehen Josef wieder vor sich, wie er geweint und gebettelt hat 

(„Lasst mich am Leben!“ – „Verkauft mich bitte nicht als Sklaven nach 

Ägypten!“ – „Das könnt Ihr doch nicht machen!“)
Aber sie sind hart geblieben, haben ihn verkauft 

und sie waren froh darüber, ihn los zu sein, 

haben dem Vater danach noch eine herzzerreißende, natürlich verlogene 

Geschichte, aufgetischt ...

 

Und es bleibt - das schlechte Gewissen (oft eine Stimme Gottes, 

die zur Umkehr ruft) und sie schafft, solange wir Gottes Stimme ignorieren, 

Angst und Misstrauen.

Auch dem anderen unterstellt das schlechte Gewissen schlechte 

Gedanken und Absichten.

Und die Angst und das Misstrauen reden uns ein: 

am besten immer schön die Klappe halten, 

ja nichts aufrühren, einfach abwarten.

 

Aber Angst und Misstrauen aber sind schlechte Ratgeber, 

weil mit Schweigen und Abwarten die Last nur weiter geschleppt 

und immer neue dazu gepackt wird.

Die Brüder Josefs gehen zum Glück den besseren Weg: 

Sie stellen sich der Situation, 

sie bekennen ihre Schuld und bitten um Vergebung.

 

Nur so - kann Schuld bereinigt werden, 

nur so - können wir befreit werden von einem schweren „Rucksack“, 

indem wir bekennen und um Vergebung bitten.

 

Allerdings ist das unter uns Menschen immer auch ein Risiko 

und deshalb ist es so schwer: Weiß ich denn, wie der andere reagieren wird?

Auch die Brüder von Josef sind sich nicht sicher, 

deshalb schieben sie noch mal den Vater vor, 

so zu sagen als Schutzschild: V 16f „Dein Vater befahl vor seinem Tode 

und sprach: 17 So sollt ihr zu Josef sagen: Vergib doch deinen Brüdern ...“

Und sie erinnern Josef, dass sie alle doch dem gleichen Gott dienen. 

 

Und Josef? Wie reagiert er? ( - ) 

„Aber Josef weinte, als sie das zu ihm sagten“. 

 

Weint er darüber, dass die Brüder so wenig Vertrauen zu ihm haben, 

oder weint er, weil es ihn innerlich umhaut,

dass seine Brüder jetzt zu ihrer Schuld stehen? 

 

Auf jeden Fall geht es ihm ganz tief

und er will diese Altlasten klären, 

die Brüder entlasten. 

Das Erste, was er sagt, ist: „Fürchtet euch nicht!“

 

Nicht Angst soll zwischen ihnen stehen, sondern Vertrauen 

und Offenheit. 

Und dann sagt er ihnen offen und ehrlich, wie er die Dinge sieht. 

Nicht so, dass er, Josef, Herr der Lage und der Dinge wäre, 

Sondern: Herr ist Gott allein!

Ihm allein steht das Urteil zu. 

Und er hat vergeben, das seht ihr daran, wie die Dinge ihren Lauf 

genommen haben, ihren Lauf nehmen mussten! 

 

So sagt Josef zu seinen Brüdern: 

„Stehe ich denn an Gottes Statt?

„Ihr habt vor gehabt, mir übel mitzuspielen, aber Gott hatte vor, 

es gut mit mir zu machen!“

 

Darin drückt sich zunächst einmal Josefs ganz persönliches 

Gottvertrauen aus! 

Wer so was sagen kann, für den ist Gott viel mehr als ein schneller

Glücklichmacher, der „Ich wünsch mir was von dir!“, 

der sich sofort in Luft auflöst, 

wenn es in dann in meinem Leben mal so richtig hart kommt!


Josefs Glaube gilt einem Gott, 

dem er sich ganz ausliefert 

und von dem er weiß, dass er damit – aufs Ganze gesehen – 

nur gewinnen kann. 

Auch wenn es jetzt gerade ganz anders aussieht!

 

Das hat ihn schon für den Apostel Paulus und für alle Christen 

zu einem ganz großen Vorbild gemacht, wenn sie bekennen 

mit Röm 8, Vers 28:

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, 

alle Dinge zum Besten dienen ...“

  

Und dann ist da noch etwas: 

Josef ist und bleibt ganz Mensch, 

der nicht einfach „Schwamm drüber!“ sagen kann

und die Schuld seiner Brüder irgendwie unter den Teppich kehrt. 

 

Nein, es war eine echte Schweinerei, 

was sie mit ihm angestellt haben!

Da führt kein Weg daran vorbei, dass die Brüder das auch noch 

vor Gott (vor Josef haben sie es ja schon bekannt), 

bereinigen müssen. 

 

Da gilt für alle, auch für uns heute, was im 1. Johannesbrief, Kapitel 1, 

Vers 9 steht: 

„Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist Gott treu und gerecht, 

dass er uns die Sünden vergibt und uns von aller Ungerechtigkeit

reinigt ...“ (wie auch umgekehrt: Wenn wir es nicht tun, 

dann bleibt diese Last auf uns und Gott kann sie nicht vergeben!)

 

Bei Josef war es so: 

Er sieht nicht nur die Schuld seiner Brüder, 

sondern auch die Möglichkeit der Vergebung bei Gott, 

die Chance, bei Gott noch einmal ganz neu beginnen zu können. 

 

Trotz aller unserer Schuld ist Gott ein treuer Gott. 

Er ist kein Gott, der uns fertig machen will. 

Wir dürfen umkehren. 

Und wenn wir es tun, dann nimmt er uns neu an, 

wischt alles weg, was war – macht, 

dass wir wieder so durchstarten können, 

als ob nie etwas gewesen wäre!

 

Wer und was - hat Josef wohl so tief in das Wesen Gottes schauen 

lassen?

So dass er jetzt zu seinen Brüdern sagen kann:

„Ihr habt vor gehabt, mir übel mitzuspielen, aber Gott hatte vor, 

es gut mit mir zu machen!“

 

Immer wieder begegnet uns dieses hoffnungsvolle ABER in der Bibel.

Im Ps 68 heißt es: “Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.“ 

Oder Jesus sagt uns (in Joh 16,33): 

„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

 

Dieses kleine Wort Aber hat eine große Bedeutung, 

es hebt nämlich das zuerst Gesagte auf. 

Nach unserer Denke hat das Wort „Aber“ eher eine negative Tendenz,

zum Beispiel so: „Ihre Bewerbung haben wir wohlwollend geprüft, 

aber wir mussten leider einen anderen Bewerber vorziehen.“ 

Oder bei einem Schüler: „Das Bemühen war sichtbar, aber für die Ver-

setzung hat es leider nicht gereicht!“

 

Bei Gott dagegen ist ein Aber für uns die Wende zum Guten:

„Ihr habt vor gehabt, mir übel mitzuspielen, aber Gott ...!“

Oder Jesus: „Ihr habt Angst, aber seid getrost …!“

Es ist das ABER der Barmherzigkeit und Güte Gottes 

und das hat Josef erfahren. 

Aus dieser Glaubenserfahrung heraus hat er auch 

seinen Brüdern vergeben und sie sogar trösten können:

“So fürchtet euch jetzt nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen. 

Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.“ 

 

Nicht aufrechnen und abrechnen, sondern vergeben und versöhnen – 

das ist Gottes Art.

Das hat er in Jesus für alle Zeit fest gemacht. 

Gott will es gut machen, trotz und gegen all unsere Schuld!

(auch gegen die Schuld der Eltern, von Familienangehörigen ...)

Josef und seine Brüder zeigen uns den Weg, 

wie auch wir frei werden von den Altlasten und der Schuld 

in unserem Lebens: 

Bekennen und um Vergebung bitten ist der Weg,

auch in unserem Miteinander! 

 

Nicht im Nachtragen und Vergelten, sondern im Vergeben liegt 

unsere Freiheit. 

Jesus zeigt uns den Weg, ja er ist der Weg dazu. 

Wo wir selber aus Gottes Barmherzigkeit leben

und wie Josef zur Versöhnung bereit sind, 

werden wir wie Josef wissen: 

- Gott hat die Fäden in der Hand.

- Ich kann mich ihm wirklich voll und ganz überlassen

und dann wissen:
- ER weiß, was er tut: Er wird es wohl machen.

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
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Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
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Mittwoch, 27.06.2018
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Donnerstag, 28.06.2018
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