2013-05-20 Pfingstmontag ökumen.

Predigt über Johannes 4,1-30 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Predigttext aus Johannes 4,1-30: 
"1 Als nun Jesus erfuhr, dass den Pharisäern zu Ohren gekommen war, dass er mehr zu Jüngern machte und taufte als Johannes 2 - obwohl Jesus nicht selber taufte, sondern seine Jünger -, 3 verließ er Judäa und ging wieder nach Galiläa. 4 Er musste aber durch Samarien reisen. 5 Da kam er in eine Stadt Samariens, die heißt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab.  6 Es war aber dort Jakobs Brunnen. Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich am Brunnen nieder; es war um die sechste Stunde. 7 Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! 8 Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um Essen zu kaufen. 9 Da spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie, du bittest mich um etwas zu trinken, der du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. - 10 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du bätest ihn und er gäbe dir lebendiges Wasser. 11 Spricht zu ihm die Frau: Herr, hast du doch nichts, womit du schöpfen könntest, und der Brunnen ist tief; woher hast du dann lebendiges Wasser? 12 Bist du mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh. 13 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten;  14 wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. 15 Spricht die Frau zu ihm: Herr, gib mir solches Wasser, damit mich nicht dürstet und ich nicht herkommen muss, um zu schöpfen! 16 Jesus spricht zu ihr: Geh hin, ruf deinen Mann und komm wieder her! 17 Die Frau antwortete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du hast recht geantwortet: Ich habe keinen Mann. 18 Fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann; das hast du recht gesagt. 19 Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. 20 Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll.  21 Jesus spricht zu ihr: Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 22 Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden.  23 Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben. 24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.  25 Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen.  26 Jesus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet. 27 Unterdessen kamen seine Jünger, und sie wunderten sich, dass er mit einer Frau redete; doch sagte niemand: Was fragst du?, oder: Was redest du mit ihr? 28 Da ließ die Frau ihren Krug stehen und ging in die Stadt und spricht zu den Leuten: 29 Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe, ob er nicht der Christus sei! 30 Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm."

 

 

Liebe ökumenische Gemeinde, 

im Bibelwort für dieses Pfingstfest geht es ums Wasser. 

Eine Frau geht in der glühenden Mittagshitze zum Brunnen 

vor der Stadt, 

sie will von den anderen möglichst nicht bemerkt werden. 

Deswegen meidet sie die Zeiten, 

wenn alle anderen Wasser holen. 

Zu oft haben sie sie geschnitten, 

zu oft über ihr Vorleben und ihren Lebensstil gelästert. 

Sie hat es satt. 

 

Aber als sie sich dem alten Jakobsbrunnen nähert, 

merkt sie, dass sie doch nicht allein ist: 

Da sitzt ein Fremder und er spricht sie auch an. 

Er, ein Jude - sie eine verachtete samaritanische Frau.

Überhaupt war‘s ungewöhnlich, 

dass ein Mann mit einer Frau auf der Straße redet. 

Für viele Leute war sie nur ein Stück Dreck. 

Aber dieser Mann scheint ihr eine tiefe Wertschätzung

entgegen zu bringen. 

 

So ist Jesus: Er achtet jeden Menschen, 

ja, liebt ihn, egal wer er ist, 

ob er an ihn glaubt oder ihn leidenschaftlich ablehnt, 

ob er ein Zweifelnder ist oder ein Suchender. 

Er will mit jedem ins Gespräch kommen, auch heute noch. 

Und heute wie damals bietet er lebendiges Wasser an.

So hat man damals quellfrisches Wasser genannt. 

 

Bei diesem Wort hört die Frau auf. 

Denn das ist es, was sie sucht, 

auch wenn sie Jesus zunächst missversteht. 

 

Bei diesem Angebot müssten wir alle auch aufhorchen. 

Denn wir alle haben Durst, Durst nach Leben!

Manchmal denke ich, er ist heute fast noch größer als damals. 

 

Womit versuchen wir nicht alles diesen Durst zu stillen?

Wir ziehen in uns hinein, was nur reinpasst: 

        - Action, Spaß, Erfolg, 
- Karriere, Freundin, Nobelschlitten,
- Musik, Sport, Fitness und immer mehr. 

Der Mensch kann gar nicht genug davon kriegen. 

So ist es auch kein Wunder,
dass ihm früher oder später übel wird. 

Denn das alles stillt ja meinen Durst nach Leben nicht. 

 

Auch die Samaritanerin am Brunnen hat ihren Durst nach Leben

an einer Quelle gestillt, die keine war. 

Sie hat sich nach Liebe gesehnt, 

hat ihr Glück versucht nacheinander bei fünf Männern, 

war mit ihnen verheiratet oder auch nicht, 

mit dem sechsten ist sie es jedenfalls nicht, 

sie hat nur mit ihm zusammen gelebt. 

Und ihr ungeheurer Durst nach Leben bleibt ungestillt. 

 

Vielleicht hat sie diesen Durst in sich gar nicht gemerkt. 

Das geht auch heute vielen so: Sie leben so dahin, 

oberflächlich, letztlich ohne Sinn und Ziel 

und wissen gar nicht, was ihnen fehlt. 

 

Erst - wenn sie Jesus gefunden haben, merken sie, 

dass ER allein es ist, der ein erfülltes Leben schenken kann!

 

Heute winken viele ab, wenn sie das Wort „Kirche“ hören.

Auch da ist es längst nicht immer quellfrisches Wasser, 

das den Menschen angeboten wird. 

Auf dem langen Weg ihrer 2000jährigen Geschichte sind

die Kirchen zu einem großen, alles mitreißenden Strom geworden, 

der längst nicht nur quellklar und einladend aussieht, 

wie damals am Ursprungsort, an der Quelle. 

Gerade heute, an Pfingsten, müssen wir uns auch als Kirchen

fragen lassen: Leben und verkündigen wir wirklich die Quelle

lebendigen Wassers, Jesus und das Wort der Bibel?

 

Nur hier finden wir quellfrisches Wasser, 

das heißt erfülltes Leben. 

 

Und wie sieht dieses erfüllte Leben dann aus?

 

Man kann Jesus in dieser Beziehung total missverstehen, 

so wie es auch die Samaritanerin am Brunnen zunächst tut:

JESUS redet vom „lebendigen Wasser“. 

Wer es trinkt, den „wird in Ewigkeit nicht dürsten“. 

SIE meint, er spricht vom wirklichen Wasser, vom Brunnenwasser 

und denkt, sie kriegt jetzt so‘ne Art Zaubertrank

und damit hat sich das tägliche Gerenne zum Brunnen

und das Wasserschleppen erledigt. 

 

Ein typisches Missverständnis!

So wie viele Menschen denken: Der liebe Gott ist dazu da, 

um uns ein gutes Auskommen zu schenken, 

ein bequemes Leben, keine Not und vor allem darf er mich 

nicht krank werden lassen. 

 

Aber Jesus will für uns kein Schlaraffenland, 

er will uns nicht verwöhnen, sondern versöhnen. 

Er will uns unsere Schuld vergeben, 

damit er uns das ewige Leben geben kann. 

 

Dazu gehört, dass er uns erst einmal klar macht, 

dass wir Vergebung brauchen. 

Jeder Mensch für sich. 

 

Die Samaritanerin bittet Jesus: „Gib mir das Wasser“. 

Aber ER muss erst mal die Sünde aus dem Weg räumen, 

damit die Frau das Wasser überhaupt trinken kann. 

Sünde, die wir in uns tragen, 

die muss ich zuerst einmal erkennen, sie zugeben

und dann ausspucken -, sonst werde ich sie nicht los. 

 

Und da ist es doch einfach großartig zu sehen, 

wie behutsam und einfühlsam Jesus dem Problem der

Frau - im Gespräch - nahe kommt. 

Und sie weicht nicht aus, bleibt da!

Obwohl sie schon längt hätte gehen können, 

ihr Krug war bestimmt voll!

 

Vielleicht hat es sie beeindruckt, dass er trotz aller Klarheit

in der Frage des 6. Gebots „Du sollst nicht ehebrechen!“ 

sie nicht verurteilt. 

(Gott ändert übrigens seine Normen nie, 

auch dann nicht, wenn heute viele Menschen denken, 

sie könnten Gottes Gebote mit einem Augenzwinkern einfach 

ignorieren!) 

 

Jesus weiß alles von ihr -, das merkt sie!

So wie er auch alles von mir weiß und von Dir, 

er kennt unsere Sünden.

Aber er macht uns deswegen nicht fertigt, 

sondern er macht uns ein Angebot: 

- Wasser des Lebens, 

- Reinigung von unserer Schuld,
- Vergebung für unsere Sünden. 

Er verurteilt uns nicht, obwohl er alles von uns weiß!

 

Denn Jesus ist nicht ihn die Welt gekommen

um uns zu verurteilen, sondern um uns zu retten. 

Durch unsere Sünde - sind wir schon verurteilt!

Aber Jesus hat unsere Strafe - auf sich genommen, 

hat dafür mit seinem Leben bezahlt. 

Das ist Liebe!

Und so sagt er: Komm, lass mich mal!

Ich mach das für dich!

 

Was Jesus der Frau und uns hier anbietet, 

ist kein Angebot unter vielen, aber ein ganz besonderes: 

„Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, 

der wird nie wieder Durst bekommen. 

Dieses Wasser wird ihm zu einer Quelle, 

die bis ins ewige Leben hinein fließt“.

 

Damit meint Jesus: Ich kann Deinen Lebensdurst stillen, 

wenn Du zu mir kommst, ist die Suche vorbei, 

die Sucht zu Ende, 

die Sehnsucht erfüllt. 

Dann bist du am Ziel, dann bist du zu Hause, 

geborgen, im Frieden. 

Zufrieden.

 

Wir können auch heute zu ihm heimkommen, 

wenn wir Jesus annehmen, 

ihm sagen: „Jesus, ich habe gemerkt, dass das auch mit

mir und meinem Leben zu tun hat, 

vergib mir meine Schuld, gib mir das ewige Leben.“

 

Jesus stillt wirklich unseren Lebensdurst. 

 

Dann haben wir es nicht mehr nötig, unseren Durst noch 

woanders zu stillen ...

 

Wir sollen also nicht nur etwas vom Leben zu haben, 

sondern wir sollen das Leben selber haben: Jesus Christus. 

 

Und mehr noch: Dann wird mein Leben wird zur Quelle (sagt Jesus)!

Ich bekomme so viel Leben, 

dass es für andere reicht!

Dann brauche ich das Wasser nicht zu bunkern.

Nur Kamele tun das für sich selber ...

 

Viele von uns kennen die Landkarte Israels, 

einige waren letztes Jahr sogar zusammen dort ...

Da gibt es den See Genezareth und es gibt das Tote Meer. 

Kennen Sie den Unterschied?

Der See Genezareth ist voller Leben, 

aus dem Toten Meer holt man höchstens verrosteten Müll heraus!

 

Warum?

Ganz einfach: Der See Genezareth hat einen Zu- und einen

Abfluss. Der Jordan fließt durch ihn durch. 

Das Tote Meer dagegen ist ohne jeden Abfluss. 

Ist das nicht ein Gleichnis auch für die Beziehung zu Jesus

und zu unseren Mitmenschen?

 

Wer das, was Jesus ihm gibt, weiterreicht, 

der gleicht dem See Genezareth. 

Sein Leben wird zum Segen für andere und letztlich auch

für sich selbst ...

 

Von der Liebe Gottes zu uns hören wir alle gern. 

Schließlich brauchen wir sie ja auch!

Aber die anderen um uns herum haben sie auch nötig!

Wie können wir sie damit in Verbindung bringen?

 

Indem wir - wie die Samaritanerin - anderen von diesem 

Jesus weitererzählen und im Namen von Jesus Gutes tun. 

 

Das ist erfülltes Leben: 

Die Liebe von Jesus annehmen und sie weitergeben. 

In diesem Auftrag gibt es keine Konfessionsschranken

und ich wünsche mir, dass das uns verbindet:

Jesus groß machen zu wollen in unserer Welt, 

den, der allein unseren Durst nach Leben stillen kann. 

Amen

 

 

 

 

Eindrücke in Bildern ...

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"Durst nach Leben"

 

Ein eindrucksvoller Gottesdienst und ein fröhliches Fest der Generationen wurden am Pfingstmontag in St. Elisabeth gefeiert. Das ökumenische Vorbereitungsteam Renate Jakumeit, Dr. Heinrich Kolbe, Barbara Nottebaum, Marga Linder, Pfarrrer Friedhelm Bühner und Pfarrer David Gerlach waren sehr erfreut über die mehr als 100 Besucherinnen und Besucher, die sich am Pfingstmontag einladen ließen. Ausdrücklich wurden die zahlreichen konfessionsverschiedene Ehepaare begrüßt. In einem lebendigen Interview mit einem "Bürgermeister", einer Nachbarin und einem Jünger von Jesus wurde die Begegnung Jesu mit der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen deutlich vor Augen geführt. Es war ein handfester Skandal damals, der zeigte, dass Jesus die Konventionen seiner Zeit immer wieder durchbrach. Pfarrer Friedhelm Bühner führte in seiner Predigt anschaulich aus, wonach Menschen heute wie damals Durst nach Leben haben. "Jesus Christus stillt diesen Durst nach Leben und liebt jeden Menschen, egal wer Er oder Sie ist" gab Bühner den Gottesdienstbesuchern mit auf den Weg. Vielen Dank dem Organisten Herrn Buob und der Flötengruppe unter der Leitung von Frau Schimke. Die Begegnungsmöglichkeit beim anschließenden Grillfest wurde fröhlich und rege genutzt. Vielen Dank allen Besucherinnen und Besuchern, allen Helferinnen und Helfern. Danke für Salat, Kuchen und die Brotspende vom Windhof. Der Erlös in Höhe von rund 600,00 Euro kommt der Telefonseelsorge zugute. Wir freuen uns auf das nächste gemeinsame Fest der Ökumene.

 

 

 

Pfarrer David Gerlach für das ökumen. Vorbereitungsteam 

 

 

 

 

 



 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 19.08.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schüssler)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schüssler)
Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)