2013-03-17 Goldene Konfirmation in Schwann

17.3.2013 Schlosskirche Schwann / Festgottesdienst mit Predigt über Johannes 11,47-53 Pfarrer Friedhelm Bühner / Gruppenbilder

Liebe Festgemeinde, liebe Jubelkonfirmanden,  

was für Erfahrungen haben Sie denn in den vergangenen Jahren mit Gott 

gemacht? Können Sie sagen: Ja, „Ich lobe den Herren, den mächtigen 

König der Ehren, ... der mich auf Adelers Fittichen sicher geführet“

(Lied zum Eingang) - 

oder sind Sie heute halt gekommen, weil die Einladung so nett war?

Aber eigentlich haben Sie den Faden zu Gott verloren, 

vielleicht gar nie richtig gefunden, trotz Konfirmation damals?

Auch das wäre eine ehrliche Antwort.

 

Als Sie konfirmiert wurden, da war das Leben noch sehr bescheiden, 

aber man hat zusammen gehalten - auch weil man musste. 

1963 ...

Pfarrer Richter war damals in seinem letzten Jahr, 

bevor Herr Vallon kam. 

Über Pfarrer Richter haben Sie nur ein bisschen erzählt ...

Manche von Ihnen fanden ihn nicht so überzeugend, 

habe ich heraus gehört ...

 

Auch politisch war 1963 ein wichtiges Jahr

der Elysée-Vertrag wurde geschlossen zwischen F und D, 

aus Erbfeinden sollten Freunde werden, 

das ging nur über einzelne Personen, die den Mut zu dieser

Aussöhnung hatten: Charles de Gaulle und Konrad Adenauer. 

Und J. F. Kennedy hat in Berlin seinen berühmten Satz 

gesagt: „Ich bin ein Berliner ...“. 

Das war im Juni, am 22. November kam er in Dallas durch 

einen Attentäter ums Leben. 

Licht und Schatten liegen wie so oft ganz nah beieinander!

 

Und wie war das mit der Konfirmation, 

was ist davon geblieben?

 

Gibt es eine Segenslinie von Ihrer Konfirmation bis heute?

Haben Sie ihr Treueversprechen eingehalten, 

Gott wirklich Platz eingeräumt in ihrem Leben, 

seine Nähe gesucht im Gottesdienst?

Und große Dinge mit ihm erlebt!?

Oder war die Konfirmandenzeit damals mehr so eine Schnellbleiche, 

nicht wirklich lebenstauglich?

 

Vielleicht haben Sie aber auch Krankheiten und Unglücke

irritiert und das hat  dazu geführt, dass Sie an diesem Gott irre geworden 

sind,  weil sie seine Führungen einfach nicht verstehen konnten

oder Anderes ist Ihnen wichtiger geworden?

 

Manches Mal ist unsere menschliche Logik das Gegenteil 

zur göttlichen Logik. 

 

Davon spricht auch der Predigttext für diesen Sonntag aus dem 

Johannes-Evangelium, den wir heute betrachten. 

 

Ich lese ihn zunächst einmal vor (Joh 11, die Verse 47-53):

47 Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen 

Rat und sprachen: Was tun wir? Dieser Mensch tut viele Zeichen.  

48 Lassen wir ihn so, dann werden sie alle an ihn glauben, und 

dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute. 

49 Einer aber von ihnen, Kaiphas, der in dem Jahr Hoherpriester war, 

sprach zu ihnen: Ihr wisst nichts; 50 ihr bedenkt auch nicht: Es ist 

besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass das 

ganze Volk verderbe. 51 Das sagte er aber nicht von sich aus, 

sondern weil er in dem Jahr Hoherpriester war, weissagte er. 

Denn Jesus sollte sterben für das Volk 52 und nicht für das Volk allein, 

sondern auch, um die verstreuten Kinder Gottes zusammenzubringen. 

53 Von dem Tage an war es für sie beschlossen, dass sie ihn töteten.“

 

 

Liebe Festgemeinde, liebe Konfirmanden,

 

können Sie Schach spielen?

Ich selbst bin höchstens ein „besserer Anfänger“ im Schach spielen.

Die höheren Weihen dieses Spiels habe ich nie erreicht. 

Aber soviel weiß ich: Beim Schachspiel geht‘s darum, 

den gegnerischen König matt zu setzen. 

Dafür überlegt man sich viele Schachzüge

und immer muss man im Voraus bedenken, 

was der Gegner wohl als nächstes macht ...

 

Ziemlich raffiniert ist es z .B., 

wenn ich dem Gegner eine wichtige Spielfigur (sagen wir mal

die „Dame“) so vorführe, dass er sie schlagen kann, 

ich sie ihm quasi als Opfer „anbiete“, 

ihn dabei im Grunde aber hinter‘s Licht führen will. 

 

Weil er nicht merkt, dass - wenn er sie schlägt -, 

die nächsten Schachzüge ihn im Handumdrehen

Schach matt setzen werden. 

 

Da wird eine Figur trotz besonderem Wert geopfert, 

damit nicht unnötig weitere Figuren verloren gehen. 

Der Sieg hängt an der Hingabe er einen Figur. 

„Einer steht für alle!“

 

Nun lässt sich die Welt des Schachs nicht in allen Zügen 

auf Jesus übertragen, das ist klar. 

Aber vieles ist doch ähnlich. 

 

Der Hohe Rat will Jesus töten, 

die Entwicklung hat sich so zugespitzt, 

dass man dort denkt: Kein Aufschub mehr, wir müssen handeln!

Aber es steht weit mehr auf dem Spiel, 

als sich Kaiphas und seine Ratsherren träumen lassen!

 

„Einer für alle“, denken sie. 

Und doch sehen wir tiefer: Alle entscheidenden Schritte

hat Gott selber getan!

Was auch immer Menschen kalkulieren und im Schilde

führen: Gott kommt in jedem Fall zu seinem Ziel!

 

Ist Ihnen das im Leben auch schon aufgefallen?

Dass „der Mensch denkt, aber Gott lenkt“!?

Damit sind wir allerdings nicht aus dem Schneider, 

vor allem für unsere „krummen Touren“. 

Wir bleiben für unser Handeln - ob es gut oder böse war - weiter

voll verantwortlich!

Nur: Niemand kann Gott ausbremsen, 

ER kommt in jedem Fall zu seinem Ziel!

 

Für unsere Logik ist das zu hoch, 

aber deshalb ist ja auch Gott Gott - und ich bin nur ein Mensch!

 

Schauen wir uns einmal die Beteiligten etwas näher an: 

Da ist 

 

1. Der Hohe Rat - er ist ohne Rat und ohne Lösung

Eigenartig, wie ratlos er am Anfang daher kommt. 

Die klugen Köpfe im obersten jüdischen Gericht sind 

in Alarmstimmung. 

Sie sehen nur einen denkbaren Weg, 

aber ist schlau ihn zu gehen?

 

Da sind die mächtigen Hohenpriester und - politisch eng mit ihnen 

verbunden - die Sadduzäer ... ratlos. 

Sogar die Pharisäer, sonst eher die fromme Opposition in diesem 

Gremium und ganz auf das Alte Testament konzentriert ... 

Sie sind Jesus bisher am Nächsten gekommen ... ratlos. 

Alle sehen genau die Sackgasse - aber keine Lösung. 

 

Eigentlich ist die Person von Jesus gar nicht das Problem, 

sondern die von ihm ausgelöste Wirkung im Volk!

Er hat unglaubliche Dinge getan, 

noch ganz frisch in der Erinnerung ist die Auferweckung des Lazarus

in Bethanien, direkt vor den Toren Jerusalems, 

nach vier Tagen, er war bereits beerdigt ... 

So was wirft Fragen auf!

Alle erzählen sich mit großem Staunen davon, 

wie jener Lazarus von Jesus aus dem Grab herausgerufen wurde.

Immer mehr nehmen Jesus auf mit offenen Armen, 

sehen in ihm ihre Hoffnungen erfüllt: Das ist der Messias!

Die Stimmung im Volk wird immer stärker.

 

So sieht sich der Hohe Rat jetzt gezwungen, 

seine Zurückhaltung aufzugeben. 

Wenn das so weiter geht, wird es bald drunter und drüber gehen ...

 

Alte Erinnerungen stehen auf: 

Schon früher waren Leute als Messiasse aufgetreten. 

Die Römer sind dann schnell dabei kurzen Prozess zu machen

und - der Hohe Rat verliert mit 100 prozentiger Sicherheit seine Macht. 

Es seht viel auf dem Spiel, 

was tun?

 

 

Da ist

2. Der Hohepriester: Er ist entschlossen zur Gewaltlösung

Kaiphas weiß es besser. 

Er schreckt vor begrenzter Gewalt nicht zurück, 

wenn es dazu führt, Frieden und Ordnung zu erhalten. 

Was gilt schon ein einzelnen Menschenleben?

Manchmal heiligt der Zweck eben die Mittel!

Und hier läuft etwas aus dem Ruder ...

 

Sie haben es so oft versucht, 

diesem Jesus religiös beizukommen. 

Aber jedes Mal sind sie gescheitert. 

Jetzt hilft nur noch, politisch zu denken. 

Der „finale Rettungsschuss“ muss her, 

der den Bedroher zur Strecke bringt

und die Bedrohten vor weiterem Leid bewahrt. 

 

Besser den einen opfern, als dass alle leiden müssen. 

 

Kein Politiker heute würde so viel anders handeln, 

wenn es darum geht, das Leben von Menschen zu retten, 

für die man Verantwortung trägt.

 

In den Augen der Verantwortlichen damals war Jesus ein 

echter Unruhestifter - mit gemeingefährlichen Auswirkungen.

Vor allem hat er den überkommenen Glauben 

so radikal heraus gefordert. 

 

Abwarten geht jetzt nicht mehr, 

wir müssen radikal durchgreifen. Das sagt Kaiphas 

„Wer etwas anderes sagt, der blickt‘s nicht!“ (V49).

 

 

Und da ist 

3. Gott unsichtbar im Spiel: Er plant unsere Erlösung

Übertragen auf heute, würde das Kalkül um den „Fall Jesus“

wahrscheinlich ganz ähnlich ausfallen. 

Wenn auch ohne physische Beseitigung des Problemfalls ...

Der Kaiphas hat die Vor- und Nachteile seines Handelns gut überlegt

und ist zum Schluss gekommen: Nur so schützen wir uns und unser

Volk vor dem Untergang. 

„Einer (muss) für alle (dran glauben!)“

 

Und genau diesen Blick auf die verwickelten Verhältnisse, 

aus denen es keinen anderen Ausweg mehr zu geben schien, 

bricht der Evangelist Johannes jetzt auf 

und lässt uns dahinter schauen. 

 

Dabei kommt er zu einem anderen Ergebnis:  »Einer für alle« – 

das gilt nicht nur - aus taktischen Überlegungen - heraus. 

Dahinter steht göttliche Absicht.

 

Stellvertretend für alle, auch für die, die gerade seinen Tod beschlossen 

haben, sollte der Sohn Gottes sterben –, 

von Gott selber dazu auf den Weg gestellt.

 

So – und nur so – konnte und sollte die entscheidende Rettung 

geschehen. 

 

Eine Rettung, die sich nicht mit dem Rauswurf der lästigen Römer 

aus dem Land abgibt, wie viele damals geträumt haben. 

 

Sondern eine Rettung, die viel tiefer und grundlegender ansetzt: 

Die Menschen sollen mit dem einen Herrn über Leben und Tod 

selber wieder ins Klare kommen. 

Der Graben unserer Trennung von Gott soll überbrückt werden

Wir haben im Konfirmanden-Unterricht darüber gesprochen: 

Das Kreuz von Jesus soll zur Brücke werden, 

über die wir gehen kennen - über die Sünde weg - zu Gott. 

Weil alle Behelfsbrücken, unser religiöses Bemühen, 

unser soziales Engagement ... keinen Weg zu Gott schaffen können ...

 

Jesus - der eine Sündlose - musste für uns alle, die wir von Geburt 

an Sünder sind und verloren gehen, sterben ...

um die Macht der Sünde zu brechen 

und welche Auswirkungen die Sünde bis heute hat, 

das sehen wir über all dort, wo Jesus nicht regieren darf ...

 

Das „Irre“ ist doch, 

dass Gott sich nicht gescheut hat, 

so zutiefst verständliche Entscheidungen von Menschen

(des Kaiphas, des Hohen Rats) für seinen Heilsplan zu gebrauchen. 

 

Das, was sie tun, ist Sünde ...

und tun doch - ohne die Tragweite zu erkennen - 

genau das, was Gott geplant hat, um die Welt zu retten. 

Ein ausgeklügelter Schachzug Gottes, 

der das Handeln des Gegners ins eigene Vorgehen integriert

um zum Ziel zu kommen. 

 

Und es gehört noch jemand zu den Beteiligten, das sind 

 

4. Wir: Geben wir alles für den Einen?

Liebe Festgemeinde, liebe Konfirmanden,
alles, was wir wirklich brauchen,
schenkt Gott uns in Jesus Christus.

Das heißt, er will es uns schenken:
Das Heil unserer Seele, den Frieden mit Gott,
Vergebung für unsere Sünden.

Wir dürfen zu ihm gehören –
in den schönen und leichten Zeiten unseres Lebens
genauso wie in den schweren und traurigen Tagen.
Und wir dürfen Gott auch um alles andere bitten,
was wir brauchen.

Der Verfasser unseres Predigttextes bescheinigt dem Hohen
Hohen Priester Kaiphas,
dass er aus prophetischer Eingebung das Urteil über Jesus
gesprochen hat.
Jesus würde für das jüdische Volk sterben,
und nicht nur für dieses Volk,
sondern auch »um die verstreuten Kinder Gottes zusammen-
zubringen«. 


Damit sich auch wir gemeint,
wir, die aus damaliger Sicht, im tiefsten Germanien, leben
und heute die Bibel haben dürfen, die Botschaft von Jesus,
von seinem Tod am Kreuz für uns.

Erreicht sie uns noch?
Leben wir mit Jesus, der alles für unser Heil getan hat
und wofür wir nicht genug danken können?

In wenigen Wochen werden die Konfirmanden gefragt werden: 

„Wollt ihr mit Jesus Christus (als) eurem Herrn leben, 

im Glauben an ihn wachsen

und in seiner Gemeinde bleiben?“


In dieser Frage steckt die Aussage:
Will auch ich alles für den Einen geben,
der für mich alles gegeben hat?

Das wünsche ich uns so sehr,
denn damit hat unser Leben Zukunft,
ob wir jung oder alt sind.
Dann ist Gott mit uns zum Ziel gekommen
und wir mit ihm.

Amen

IMG_4451.jpg
IMG_4453.jpg

IMG_4454.jpg




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Mittwoch, 20.06.2018
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 21.06.2018
14:30 Uhr in Schwann:
Asylarbeit in Straubenhardt (Gustav Bott, Netzwerk Asyl)
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann
19:00 Uhr:
Jugendkreis 16+ im GH Schwann
Freitag, 22.06.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann
18:15 Uhr:
Mädchenjungschar 8-13 Jahre im GH Schwann (Gewusst wie)
Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)