2013-02-24

Predigt über Johannes 8,21-30 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Ich lese den Predigttext für diesen Sonntag aus dem Johannes-Evangelium, Kapitel 8, die Verse 21-30: 

Überschrift: Jesu Weg zur Erhöhung

"21 Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Ich gehe hinweg und ihr 

werdet mich suchen und in eurer Sünde sterben. Wo ich 

hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen. 22 Da sprachen die Juden: 

Will er sich denn selbst töten, dass er sagt: Wohin ich gehe, da 

könnt ihr nicht hinkommen? 23 Und er sprach zu ihnen: Ihr seid 

von unten her, ich bin von oben her; ihr seid von dieser Welt, ich 

bin nicht von dieser Welt. 24 Darum habe ich euch gesagt, dass 

ihr sterben werdet in euren Sünden; denn wenn ihr nicht glaubt, 

dass ich es bin, werdet ihr sterben in euren Sünden. 25 Da fragten 

sie ihn: Wer bist du denn? Und Jesus sprach zu ihnen: Zuerst das, 

was ich euch auch sage. 26 Ich habe viel von euch zu reden und 

zu richten. Aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was ich 

von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt. 

27 Sie verstanden aber nicht, dass er zu ihnen vom Vater sprach. 

28 Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Menschensohn 

erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin und 

nichts von mir selber tue, sondern, wie mich der Vater gelehrt hat, 

so rede ich. 29 Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Er lässt mich 

nicht allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt. 30 Als er das sagte, 

glaubten viele an ihn."

 

 

(Einleitung) 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

vielleicht haben Sie / habt ihr in einer Fußgängerzone

auch schon mal den „schwebenden Mönch“ gesehen (-> siehe Bild).

Ein Straßenkünstler, der ganz locker
einen Meter hoch über dem Straßenpflaster schwebt ...

Abstützen tut er sich nur mit seinem Wanderstab, 

den er locker in einer Hand hält ...

Wie kann der das nur?

Das Ganze sieht echt beeindruckend aus!

 

Aber natürlich ist ein Trick dahinter:

Der Stab ist innen aus stabilem Metall.

Unten ist er an eine Bodenplatte geschweißt, 

die mit einem Teppich getarnt ist. 

Und oben hängt die Vorrichtung dran, 

in der der Mönch sitzt. 

Die ganze Konstruktion wird von der Kutte des Mönchs verdeckt ...

(Wenn Sie zuhause im Internet mal das Stichwort „schwebender 

Mönch“ eingeben, finden Sie dort etliche Bilder von diesem Trick ...)

 

Auch, wenn man das weiß -, 

man steht erstaunt davor und denkt: 

Das will ich auch mal können!

So der Schwerkraft enthoben sein 

und über den Dingen schweben!

 

 

(1. Wir sind von unten)

Aber das geht nicht,

die Schwerkraft reißt uns unbarmherzig in Richtung Erde. 

Jemand hat mal die Sünde mit der Schwerkraft verglichen: 

Sie ist eine Kraft, die immer präsent ist. 

Man kann sie nicht sehen, 

aber ihre Folgen spürt man. 

Sie ist so allgegenwärtig, dass wir sie als gegeben hinnehmen. 

Und sie zieht uns nach unten. 

 

„Ihr seid von unten her“, sagt Jesus zu seinen Gesprächspartnern. 

Das gilt für alle Menschen. 

Die Sünde zieht uns nach unten. 

 

Wir spüren was davon, wenn wir die Nachrichten anschauen

oder hören: In der Welt herrscht Hunger, Unrecht und Gewalt. 

 

Wir spüren die Schwerkraft der Sünde auch in unserer Umgebung: 

Ehen gehen in die Brüche, 

Familien zerstreiten sich, 

Menschen enttäuschen einander. 

 

Und wir spüren diesen Zug nach unten im eigenen Leben:

Wenn wir mit Versuchungen kämpfen

oder wenn wir an die Gefühle von Gier, Neid und Hass denken, 

die in uns immer wieder hochkommen - oder -, 

die wir je nachdem sogar genießen. 

 

Dieser allgegenwärtige Zug nach unten ist das Symptom

unserer Trennung von Gott. 

 

Wir sind von unten - und da - zieht es uns hin. 

Das ist schon schlimm genug. 

Aber, so sagt es Jesus hier gleich drei Mal: 

Es besteht die Gefahr, 

dass wir am Ende sogar noch tiefer fallen:

Ein Mensch kann in seiner Sünde sterben.

Mit aller Schuld und allen Defiziten seines Lebens

muss er dann vor Gottes Gericht treten. 

 

Möglichkeit zur Umkehr gibt es dann keine mehr. 

Seine Trennung von Gott wird dann zum nicht mehr umkehrbaren 

Zustand für die Ewigkeit. ( - ) 

 

 

(2. Christus von oben hier)

„Ihr seid von unten hier“, sagt Jesus, 

„aber ich bin von oben her“. 

Da prallen Welten aufeinander:
Jesus ist zwar einer von uns geworden, aber - er kommt von Gott. 

Über ihn hat die Schwerkraft der Sünde keine Macht. 

Seine Gemeinschaft mit Gott ist ungetrübt. 

Jesus war den selben Versuchungen ausgesetzt wie wir, 

ist aber ohne Sünde geblieben (Hebr. 4,15). 

 

Seine absolut integre Art - und seine Nächstenliebe - haben die 

Menschen aller Jahrhunderte bewundert. 

 

Aber das heißt noch nicht, dass sie ihn deshalb als Boten Gottes

anerkannt hätten:
Mahatma Gandhi hat versucht, nach der Bergpredigt von Jesus

zu leben - aber er ist Hindu geblieben. 

Der jüdische Theologe Shalom Ben-Chorin fühlte sich von 

Jesus angerührt. 

Aber er sah in der Hand von Jesus „bestimmt keine göttliche, 

sondern eine menschliche Hand“. 

Damit steht er in der Tradition der Schriftgelehrten zur Zeit von Jesus. 

 

Auch heute sehen viele in Jesus nur einen besonderen Menschen, 

den ersten neuen Menschen vielleicht, 

aber nicht - Gottes Sohn!

 

Wer ist jesus für uns?

 

Ein Mensch, der die Schwerkraft der Sünde überwunden hat?

Und der es damit ein Stück weiter gebracht hat als wir?

Der ein Stück weit über uns schwebt wie der Mönch in der

Fußgängerzone?

 

Oder ist er umgekehrt - der herunter gekommene Gott, 

der für uns - Mensch - geworden ist?

 

Jesus selber beantwortet diese Frage klar: 

Ihr seid von dieser Welt - ich bin nicht von dieser Welt!

 

Er ist einer von uns geworden. 

Er ist der, der den himmelweiten Unterschied zwischen Gott 

und Mensch überbrückt. 

Er ist die Fleisch gewordene Hand Gottes, 

die vom Himmel herunter langt, 

um uns - aus unserer Verlorenheit - heraus zu ziehen. 

 

Wer das erkennt, hat den Weg zu Gott gefunden!

 

 

(3. Christus ist der Erhöhte)

Wer Christus nur als Vorbild versteht, hat ihn nicht verstanden.

Ihm nachzufolgen und seinen Worten zu gehorchen, 

das ist zwar wichtig. 

Aber es kann uns nicht von der Schwerkraft der Sünde befreien. 

 

Und selbst, wenn wir es schaffen würden so zu leben, wie er: 

Damit würden wir gerade mal das tun, was Gott ohnehin von uns will. 

Wir hätten damit aber noch keine einzige Sünde wieder gut gemacht. 

Es braucht viel mehr, um unser Leben vor Gott in Ordnung zu bringen. 

 

Wir wissen, wer den Preis bezahlt hat, 

um uns zu erlösen: Jesus mit seinem Tod am Kreuz. 

Mit seinem Leben hat er uns aus Gottes Gericht frei gekauft. 

Am Kreuz ist die Entscheidung für uns gefallen. 

 

Wer das im Glauben annimmt, darf wissen: 

Ich muss nicht  in meinem Sünden sterben, 

weil Jesus - für meine Sünden - gestorben ist!

 

Hier, in dem Streitgespräch mit den Pharisäern, redet Jesus bereits

von seiner Kreuzigung: „Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet, 

dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin ...“

Klar, es ist noch ziemlich verklausuliert, wie es Jesus ausdrückt. 

Aber er nennt sich selber den „Sohn des Menschen“. 

 

Der Begriff „erhöhen“ ist zweideutig: Man kann da heraus hören, 

dass der Menschensohn öffentlich zum Herrscher gekrönt wird -, aber -

Jesus meint damit, dass er öffentlich ans Kreuz gehängt werden wird. 

 

Nur ganz wenige Menschen - haben zu seinen irdischen 

Lebzeiten - Jesus als den Sohn Gottes erkannt. 

Aber nach seiner Kreuzigung, das sagt er hier den Pharisäern, 

da werden sie erkennen, dass er es ist!

 

Am Gekreuzigten erkennen wir seine übermenschliche Liebe!

So weit geht er für uns!

Lieber hängt er unter Qualen am Kreuz, 

als uns in unserer Verlorenheit hängen zu lassen. 

Lieber lässt er sein Leben, als uns der Schwerkraft der Sünde

zu überlassen. 

So viel sind wir ihm wert!

Wer im Gekreuzigten Christus - die Liebe Gottes - am Werke sieht, 

der hat erkannt, wer Jesus ist.

 

(Schluss: Der herunter gekommene Gott)

 

Und wir gehen noch einen Schritt weiter: 

„Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet, dann werdet ihr

erkennen, dass ich es bin“, sagt Jesus hier zu den Pharisäern. 

Damit weist er ihnen die Schuld an seinem Tod zu. 

Sie haben ihn schon bald darauf - zwar nicht selber ans Kreuz genagelt -, 

aber mit ihren Anklagen doch dazu beigetragen, 

ihn ans Kreuz zu bringen. 

 

Und wir?

Wir haben seine Kreuzigung nicht verlangt. 

 

Trotzdem stecken wir auch mit drin. 

Wir haben Jesus mit unserer Schuld ans Kreuz gebracht! ( - ) 

 

Um unsere Schuld, um unsere lieblosen Worte, 

um unsere gebrochenen Versprechen und was wir versäumt 

haben Gutes zu tun - um das alles aus der Welt zu schaffen, 

dafür musste Jesus diesen schweren Weg antreten. ( - ) 

 

Wer das verstanden hat, der hat verstanden, wer Jesus ist: 

Gottes Sohn, 

der herunter gekommen ist, 

um aus herunter gekommenen Menschen 

Kinder Gottes zu machen. 

 

Das dürfen wir mit großer Dankbarkeit annehmen

und ihm danach mit unserem ganzen Leben

die Ehre zu geben. 

Amen

 

(Ich danke Pfarrer Thomas Hilsberg, Radolfzell für seine Vorarbeiten zu dieser Predigt)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 19.08.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Schüssler)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Schüssler)
Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)