2013-02-10

Predigt über Lukas 18,31-43 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem Lukas-Evangelium, Kapitel 18, die Verse 31-43:

31 Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, 

wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, 

was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.  

32 Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird 

verspottet und misshandelt und angespien werden, 33 und sie werden 

ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen. 

34 Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen 

verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war. 

35 Es begab sich aber, als er in die Nähe von Jericho kam, 

dass ein Blinder am Wege saß und bettelte. 36 Als er aber die 

Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das wäre. 37 Da 

berichteten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorbei. 38 Und er rief: 

Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! 39 Die aber vorne an 

gingen, fuhren ihn an, er solle schweigen. Er aber schrie noch viel 

mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! 40 Jesus aber blieb 

stehen und ließ ihn zu sich führen. Als er aber näher kam, fragte er 

ihn: 41 Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass 

ich sehen kann. 42 Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube 

hat dir geholfen. 43 Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach 

und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.“

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

es war in einer großen Stadt in der Fußgängerzone. 

Mitten unter die zahllosen Samstagseinkäufer mischten sich zwei junge 

Leute aus einem Jugendkreis. 

Die starteten eine Umfrage: »Glauben sie an Gott?«, 

so hielten sie den Passanten das Mikrofon vor.

Sehr häufig kam die Antwort: »Ja«. 

Mal mehr, mal weniger überzeugt.

 

Aber das reichte den beiden nicht. 

Deshalb fragten sie weiter: »Wie sieht dann bei ihnen dieser Glaube 

konkret aus?«

Jetzt aber folgte in den meisten Fällen ratloses Achselzucken. 

»Weiß ich nicht so genau« – 

»Habe mir darüber noch keine Gedanken gemacht« – 

»Das kann ich so nicht beantworten«.

 

Das Ergebnis des Interviews war ernüchternd. 

Gott ja – aber eine Glaubensverbindung zu diesem Gott: 

meistens Fehlanzeige.

Bestimmt würde die Umfrage hier in Dennach / Schwann besser ausfallen ...

Oder -, was würden Sie antworten, wenn Sie gefragt werden: 

»Wie wird der Glaube konkret?« ( - ) 

 

Unser heutiger Predigttext handelt von einem Blinden vor Jericho. 

Beim Evangelisten Markus wird er mit Name genannt: Bartimäus. 

Und dieser Mann, so hilflos er am Straßenrand auch erscheinen mag, 

dieser blinde Bettler gibt uns eine dreifache Antwort auf die Frage: 

»Wie sieht Glaube konkret aus?«

 

 

Nämlich

  1. An Jesus glauben heißt:  Ihn nachdrücklich um Hilfe bitten.

Ein Bild des Jammers. 

Da sitzt Bartimäus am staubigen Wegrand. 

Übersetzt man seinen Namen, dann hieße er auf deutsch: 

„Sohn des Geehrten“. 

Ob sein Vater ein Ehrenmann war, wissen wir natürlich nicht. 

Aber für den Sohn musste der Name eigentlich wie Hohn klingen. 

Einem Blinden zur Zeit von Jesud blieb nichts anderes übrig, 

als zu betteln. 

Er war auf das Mitleid anderer Leute angewiesen. 

Und das ist doch ganz bestimmt nicht ehrenhaft!

 

Eines Tages hört Bartimäus, dass Jesus vorbeikommt.

Wahrscheinlich hat er schon manches über den Prediger aus Nazareth

vom Hörensagen mitbekommen.

Von Wundern hat man sich erzählt. 

Sogar hoffnungslose Fälle soll er heilen können. 

Aber war bei ihm nicht alles viel zu aussichtslos? 

Blind ist blind. 

Was soll dieser Jesus da schon machen?

 

Und doch – Bartimäus fängt zu rufen. 

Sein Glaube wollte sich nicht mit dem Vorfindlichen abfinden. 

Er ruft, nee, er schreit: »Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!«

 

In der Kinderbibel von Kees de Kort hat der holländische Künstler 

diese Szene toll herausgestellt ... 

Der Kopf des Bartimäus füllt das ganze Bild aus, 

und er ist hochrot. 

Denn Bartimäus schreit mit weit aufgerissenem Mund 

so laut er nur kann.

 

»Sohn Davids« nennt er Jesus und macht damit deutlich, 

dass er ihn nicht nur für einen großen Wundermann hält, 

so wie es sich die Leute bestimmt erzählt haben.

Er glaubt, dass da der Messias an ihm vorbei gegangen ist. 

Der Retter, nicht nur für Israel, nicht nur für die Welt, 

sondern die Hoffnung für sein Leben.

 

Die um ihn herum stehen versuchen Bartimäus abzuwimmeln. 

Man muss doch Jesus der Rücken frei halten 

für die wirklich wichtigen Dinge. 

Wer unterwegs nach Jerusalem ist, um dort König zu werden, 

der hat schließlich anderes zu tun, 

als sich um einen Bettler zu kümmern.

 

Es muss frustrierend und entmutigend für Bartimäus gewesen sein ...

Jesus, den er ruft, der hört scheinbar nicht. 

Und die, die sich zu ihm halten, 

die wollen, dass er Ruhe gibt. ( - ) 

 

Jesus, den wir schon so oft gerufen haben, 

der hört scheinbar nicht?!

Wahrscheinlich kennen auch manche von uns diese Erfahrung.

Wie schnell - lässt dann die Kraft des Glaubens nach! 

Wie schnell - kommen wir an den Punkt, 

dass wir abwinken und denken: »Ach, Glauben hat ja doch keinen Wert.«

 

Wie viele Menschen - haben nach nicht erhörten Gebeten, 

nach enttäuschten Hoffnungen, die sie in Jesus gesetzt hatten, 

dem Glauben den Rücken gekehrt? ( - ) 

Und wie oft - ist es uns - ähnlich gegangen? ( - ) 

Wenn Jesus doch nicht hört, 

warum dann noch glauben? ( - ) 

 

Aber, und das ist das Besondere: Bartimäus lässt nicht locker. 

Er setzt alles auf eine Karte. 

Er weiß: Wenn er Jesus vorbeigehen lässt, 

dann ist damit die große Chance seines Lebens weg. 

Und so ruft er noch lauter:
»Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!« 

Er schreit es förmlich heraus.

 

 

Sehen Sie, liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

das ist konkreter Glaube. 

Jesus um Hilfe anrufen – und nicht aufgeben. 

Dranbleiben wie eine Klette am Hosenbein, beharrlich sein. 

Auch wenn uns die wohlformulierten Worte fehlen. 

Wir können ihm unsere Not herausschreien.

 

Manchmal scheint es, als ob Jesus vorbeigehen würde – 

aber geben wir nicht auf!

Der Glaube bleibt beim Hilferuf 

und er kommt immer wieder darauf zurück: 

»Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner«.

 

 

2. An Jesus glauben heißt: Jesus alles zutrauen.

Und Jesus bleibt stehen,

lässt den Blinden zu sich kommen. 

Jetzt kann doch noch - alles - anders werden. 

Bestimmt ist Bartimäus angespannt bis in die letzte Faser seines Körpers. 

Wie wird die Begegnung mit Jesus ausgehen?

Da fragt er ihn: »Was willst du, dass ich für dich tun soll?«

 

O Mama mia, 

stellen wir uns vor, jemand würde uns das fragen: 

»Was kann ich für Sie tun?« ( - ) 

Wie wäre unsere Antwort?

 

Vermutlich hängt unsere Antwort vom Fragesteller ab. 

Einem Automechaniker würd‘ ich sofort mein Auto anvertrauen, 

damit er die fällig Inspektion macht. 

Einer Bankangestellten würde ich meine finanziellen Verhältnisse 

offen legen, damit sie mich in Sachen Geldanlage beraten kann. 

Und den Personalchef würde ich bitten, 

mir einen krisensicheren Job zu beschaffen.

 

Je nachdem wer fragt, liegen unsere Erwartungen unterschiedlich. 

Es kommt alles darauf an, dass wir von der richtigen Person 

das Richtige erwarten. 

Und wenn Jesus uns fragt, was erwarten wir von ihm? ( - ) 

 

Wenn hier Bartimäus bittet »Herr, dass ich sehen kann«, 

dann heißt das, dass er groß von Jesus denkt. 

Er traut ihm sogar das Menschenunmögliche zu.

 

Das ist Glaube – groß von Jesus denken und deshalb auch Großes 

von ihm erwarten. 

Und der Blinde erlebt es, dass er richtig von Jesus gedacht hat. 

Er ist mit seiner Bitte nicht an den Falschen geraten 

und hat ihm auch nicht zuviel zugetraut. 

Jesus ist wirklich genau der Richtige für unsere Anliegen 

und wir können ihm wirklich nie zuviel zutrauen.

 

Jetzt antwortet er Bartimäus: »Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen.«

Eigentlich heißt es: »Dein Glaube hat dich gerettet.« 

Es geht also um mehr, als um den äußerlichen Durchblick. 

Und Bartimäus kommt in doppelter Hinsicht zum Sehen.
Er kriegt sein Augenlicht. 

Aber - er bekommt auch Jesus - vor Augen, 

erkennt ihn als den Heiland der Welt und als seinen persönlichen Retter.

 

Nur wenig früher, als Jesus im Gespräch seinen Jüngern 

den kommenden Weg ins Leiden beschreibt, 

da heißt es von den zwölf Jüngern: »Sie aber begriffen nichts davon, 

und der Sinn der Rede war ihnen verborgen« (V. 31). 

Die Jünger hatten also keinen Durchblick, 

was die Stunde für Jesus geschlagen hatte. 

Bartimäus dagegen hat seine Stunde erkannt:

Der Tag, an dem er das Licht sieht -, 

da sieht er das Licht der Welt!

 

 

3. An Jesus glauben heißt:
    Gott loben, und andere damit anstecken.

Hat Kees de Kort den schreienden Bartimäus in seiner Kinderbibel 

mit hoch rot gefärbtem Kopf gemalt, 

dann sieht man an dieser Stelle ein Gesicht 

mit weit aufgerissenen Augen und einem 

offenen Mund des Staunens.

 

Aber dabei bleibt es nicht. 

Was Bartimäus erlebt hat, das braucht Worte. 

dankbare Worte, Gott lobende Worte.

Worte mit einer neuen Melodie:

Gott, der Schöpfer des Lichts vom ersten Schöpfungstag, 

der hat‘s auch in seinem Leben hell werden lassen!

Mensch, hört doch her!

Wie könnte er jetzt noch schweigen? 

 

War es seither das beharrliche Schreien, 

so kommt jetzt das beharrliche Loben: 

»Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott.«

 

Ein echt glückliches Ende. 

Da hat einer verstanden: meine Rettung, meine Gesundheit, 

mein Wohlergehen, das alles - und noch viel mehr - ist keine Frage 

des Glücks oder der eigenen Sorgfalt. 

Nein, das alles liegt in Gottes guter Hand. 

Und weil dieser Herr es gut gemacht hat, 

deshalb soll ER in den höchsten Tönen gelobt werden. 

Nicht nur dort, wo‘s kein anderer sieht oder hört, 

daheim in den eigenen vier Wänden. 

Sondern so, dass es auch die Freunde und Nachbarn mitkriegen.

 

Wir können Gott nicht genug Komplimente aussprechen, 

für das,was er uns Gutes tut. 

Wie oft aber machen wir das? 

Und wie schnell kommt das Lob in unserem Leben zu kurz?

Ein Lied für Gott angestimmt -, im Hauhalt oder im Auto, 

das macht unser Herz froh 

und stimmt uns darauf ein, auf ihn zu schauen.

 

Das Gebet am Morgen daheim macht allen am Tisch deutlich: 

Dieser Tag ist Gottes Geschenk an uns 

und wir gehen in ihn hinein, begleitet von seiner Treue.

 

Und im Gespräch mit dem Nachbarn am Gartenzaun sollten wir 

nicht mit einstimmen in die Klage über das Wetter oder die 

fehlende Gesundheit. 

Sondern davon reden, wie uns unser Herr im Alltag beisteht 

und Mut gibt.

 

So einfach kann es zugehen, 

dass mitten in der Normalität 

ein Strahl von Gottes Herrlichkeit aufleuchtet.

 

Die Posaunenchöre in unserer Landeskirche haben das Lob Gottes 

von je her zu ihrem Thema gemacht. 

Denn das Motto, unter dem sie blasen, heißt: 

»Gott loben, das ist unser Amt«.

 

Jetzt war Bartimäus wahrscheinlich kein Trompetenspieler. 

Und auch ich kann‘s nicht

und nur wenige von Ihnen!

 

Aber trotzdem: Wäre das nicht eine schöne Sache, 

wenn nach diesem Gottesdienst jeder von uns nach Hause geht 

und sich einen Punkt in der kommenden Woche auswählt, 

an dem er neu - vor Menschen - Gott loben kann und will? ( - ) 

 

Vielleicht passiert dann, 

was bei Bartimäus damals auch eingetreten ist. 

Loben steckt an: »Und alles Volk, das dies sah, lobte Gott.«   

Amen. 

 

(Ich danke Pfarrer Jochen Hägele für seine Vorarbeiten zu dieser Predigt)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 23.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Dekan Botzenhardt)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Dienstag, 25.09.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Donnerstag, 27.09.2018
12:00 Uhr in Schwann:
Nachmittagsausflug (nach Locherhof mit Besuch von Pfarrer Bühner)
Sonntag, 30.09.2018
18:00 Uhr:
Feierabendgottesdienst in Schwann (Studenten)
Dienstag, 02.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 07.10.2018
9:15 Uhr:
Erntedankgottesdienst mit Gemeindefest in Dennach (Pfarrer Held)