2013-01-20

Predigt über 2. Mose 3,1-13 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, 

unser Predigttext für diesen Sonntag ist die Berufungsgeschichte

des Mose. Eine besondere Berufung. Und nicht jeder, der berufen

wird, erlebt sie so. 

 

Lassen Sie mich die Geschichte heute morgen einmal erzählen: 

Mose ist seit 40 Jahren Schafhirte bei seinem Schwiegervater Jetro.

Ein unbedeutender Job, von niemand beachtet. 

Jeden Tag der gleiche Trott und die gleiche Mühe: 

Die Suche nach guten Weideplätzen für die Schafe. 

So war Mose wieder mal unterwegs auf der Suche nach Weide

für die Schafe. 

Er kommt in die Nähe des Berges Horeb und da traut er seinen 

Augen kaum: Er sieht einen brennenden Dornbusch -, 

aber der Busch verbrennt nicht. 

 

Die Neugierde packte Mose - und er geht hin - um sich dieses 

Phänomen genauer anzuschauen. ( - ) 

 

Da passiert es: „Mose, Mose!“ ruft eine Stimme aus dem Feuer. 

Und Mose antwortet: „Hier bin ich!“. 

 

Dann folgt die klare Anweisung an Mose: 

„Geh nicht weiter, zieh deine Schuhe aus!“ - Eine eigenartige Anweisung. 

Aber mit dieser Anweisung sagt Gott zu Mose: 

Mose, tritt dein Leben an mich ab!

Gib den Anspruch, 

dein Leben selber zu bestimmen und zu gestalten auf 

und stell‘ dich mir ganz zur Verfügung!

 

Mose bleibt keine Zeit - lange darüber nachzudenken, 

denn Gott fährt mit seiner Rede fort 

und stellt sich ihm als den Gott der Väter Abraham, Isaak und Jakob vor - 

und dann schildert er, warum er Mose in seinen Dienst ruft: 

  „Ich habe genau gesehen, wie mein Volk in Ägypten unterdrückt wird, 

  ich habe gehört, wie es um Hilfe schreit gegen seine Antreiber. 

  Ich weiß, wie sehr es leiden muss - und - ich bin herabgekommen, 

  um es von seinen Unterdrückern zu befreien. 

  Ich will es aus Ägypten führen und in ein fruchtbares und großes

  Land bringen -, ein Land, das von Milch und Honig überfließt.“ (Vv7f)

 

 

Da bleibt einem der Atem stehen: 

Ein Gott, der sieht, hört und sich selber auf den Weg macht 

um zu helfen, zu retten und zu befreien. 

Was für ein Gott!

 

Und dann folgt der Auftrag an Mose: 

„Deshalb geh jetzt, ich schick‘ dich zum Pharao! 

Du sollst mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus führen!“ (V10). 

 

Mose ist überrascht und wohl auch schockiert. 

Er - und Israel befreien -, 

das ist wohl doch eine Nummer zu groß für ihn.  

Er fragt deshalb sofort zurück: „Ich? - Wer bin ich denn?“ ( - ) 

 

Natürlich, wer ist Mose schon: Ein unbekannter Hirte.

Pharao wird ihn auslachen 

und ihn mit Hohn und Spott davonjagen

oder gleich ins Gefängnis verfrachten. 

Ein unmöglicher Auftrag!

 

Und Gott hört sich den Einwand des Mose an - 

und anwortet mit einer Zusage: 

„Ich - werde dir beistehen. 

Und das ist das Zeichen, an dem du erkennst, 

dass ich dich beauftragt habe: 

Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, 

werdet ihr mir auf diesem Berg Opfer darbringen und mich anbeten“ (V12).

 

Was ist das für eine Zusage mit einem Zeichen, das in der Zukunft liegt?

Mose wird von Gott aufgefordert, ihm zu vertrauen - 

und es mit ihm zu wagen -, 

auf sein Wort hin soll er zu Pharao gehen. 

Er kriegt keine andere Absicherung als diese Zusage von Gott, 

ihm zu vertrauen. 

 

Mose gibt sich aber mit dieser Antwort nicht zufrieden!

Er denkt an sein Volk: Wie werden die reagieren, wenn er kommt und 

behauptet, dass Gott ihn geschickt hat? ( - ) 

 

Und Mose widerspricht Gott noch mal: 

„Wenn ich dann aber zu den Leuten von Israel komme und zu ihnen sage: 

Der Gott eurer Vorfahren hat mich zu euch geschickt, 

und sie mich dann fragen werden: Wie heißt er denn? -, 

was soll ich ihnen dann sagen?“  ( - ) 

Hat Mose nicht Recht? 

 

Von Gott reden alle Religionen ...

Jedes Volk hat seinen eigenen Gott. 

Wer ist denn dieser Gott, in dessen Namen Mose kommt? ( - ) 

Da kann ja jeder kommen ...

 

Wieder geht Gott auf Moses Einwand ein. 

Er nennt ihm seinen Namen: 

Aber das ist im Grunde genommen gar kein richtiger Name, 

sondern eine Beschreibung seines Wesens: „Ich bin, der ich bin.“ - 

Man kann auch übersetzten: „Ich werde sein, der ich sein werde“ - oder 

„Ich werde für euch da sein“!

 

Und damit es sitzt, wiederholt es Gott noch mal: 

Sag ihnen, der „Ich-bin-da“ hat mich zu euch geschickt (V14b).

 

So komisch diese Aussagen klingen, 

sie sind doch eine genaue Beschreibung dessen, 

wer der Gott der Bibel ist. 

Gott sagt zu Mose: Mose, du musst es mit mir wagen, 

du musst mit mir in eine persönliche Verbindung eintreten, 

in eine Glaubensbeziehung - und du dann wirst du es erleben, 

dass ich kein Schwätzer, kein Hirngespinst oder eine Fata Morgana bin,

sondern, dass sich alles erfüllen wird, was ich dir sage. 

 

Die Diskussion zwischen Gott und Mose geht aber noch weiter. 

Mose bringt weitere Einwände vor: 

- dass er nicht begabt sei, 

- dass er auf den Unglauben der Menschen stoßen werde ....

und schließlich lehnt er die Sendung ab mit den Worten: 

„Sende, wen du willst.“ ( - ) 

In der Gute-Nachricht-Übersetzung heißt es: „Nimm es mir nicht

übel, Herr, aber schicke einen anderen!“ ( - ) 

 

 

In dieser Berufungsgeschichte, liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

sind mir drei Dinge besonders wichtig geworden:

 

1.) Gott sieht und hört uns. 

 

Es gibt viele Gottes-Vorstellungen. 

Für die meisten Menschen ist Gott ein stummer, ferner Gott, der irgend-

wo weit weg von unserem Leben existiert - und der mit unserem Leben

wenig oder gar nix zu tun hat. 

Diese unpersönlichen Gottesvorstellungen sind weit verbreitet 

und prägen die Weltreligionen, aber auch viele unserer Zeitgenossen. 

 

Der Gott der Bibel aber ist ein sehender und hörender Gott. 

Ein Gott, der am Leben der Menschen Interessiert ist. 

 

So bekennt ein Abraham am Ende seines schweren Opfergangs

mit Isaak: „Du bist ein Gott, der sieht!“ (Gen 22,14). 

Hagar, die zweite Frau des Abraham, bekannte, als sie mit Ismael

schwanger war - dazu noch im Stress mit Sara und ganz verzweifelt -, 

aber Gott hat sich ihrer angenommen:
„Du bist ein Gott, der mich sieht!“ (Gen 16,13).

Und in Psalm 139, Vers 3 lesen wir: „Ich gehe oder liege, so bist du um 

mich und siehst alle meine Wege ...“ ( - ) 

Deshalb auch in Psalm 51, Vers 15: „Rufe mich an in der

Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen!“ 

 

Und von Jesus heißt es, dass er ein Herz voll Erbarmen hatte, 

als er die vielen Menschen in ihrer Not „sah“ (Mt 9,36). 

Deshalb ruft er den Menschen zu: „Kommt her zu mir alle, die ihr

mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken!“ (Mt 11,28).

 

Jesus sieht auch unsere Not -, hört auch unser Rufen. 

Er sieht auch die Not der Menschen in Mali und in Algerien

und in Syrien heute, die Angst vor den Islamisten haben ...

Er durchschaut das Geflecht von den Interessen der Weltmächte ...

Und er hört das Gebet derer, die sich auf ihn verlassen ...

Auch wir dürfen wissen, dass wir ihm nicht egal sind. 

Allerdings - greift er auch in unser Leben - zu seiner Zeit ein. 

Den Zeitpunkt, an dem er hilft, bestimmt er und nicht wir. 

Weil ER Gott ist - und wir - Menschen. 

 

 

2. Gott beruft und sendet uns.

In unserem Text heute geht‘s um Mose -, 

im Neuen Testament um die 12 Jünger, 

die berufen und ausgesandt worden sind. 

In der Geschichte der Gemeinde Jesu hat Gott immer wieder Menschen 

berufen und ausgesandt: Martin Luther, Johannes Calvin, August 

Hermann Francke, Hudson Taylor ...

 

Gott beruft auch heute Menschen in seinen Dienst. 

Zum Beispiel in den Kirchengemeinderat (in diesem Jahr sind noch
Kirchenwahlen!) - oder um Jugendreferent oder Missionar zu 

werden - oder um z. B. eine theologische Ausbildung zu durchlaufen ...

Diana Schlenker, die bei uns gerade ihr Semesterpraktikum macht,
hat sich ihren Weg, glaube ich, auch nicht ganz alleine ausgedacht ...

Auch Jan Hunsmann nicht, unser EC-Jugendreferent ...

Sonst würden er / würden sie den wahrscheinlich auch nicht durchhalten ...

Und Gott hat Jan Hunsmann auch eine Frau an seine Seite gestellt, 

sie haben geheiratet als junge Menschen, 

noch nicht fertig mit dem Studium, ... im Vertrauen auf Gott ... 

 

Andere will er für einen bestimmten Auftrag in der Gemeinde berufen, 

um im Kindergottesdienst, in der Jungschar oder im Teenkreis
jungen Leuten Jesus zu bezeugen!

Ich bete zu Gott, dass diejenigen, die er anspricht,
sich wirklich aufmachen!

 

Auch das ist eine Berufung: 

Zu beten dafür, dass Menschen Jesus Christus erkennen 

und in ihr Leben aufnehmen. 

 

Vielleicht fragst Du Dich jetzt verwundert: Braucht man dafür 

eigentlich eine Berufung und Sendung? ( - ) 

Ja, das ist so. 

Wenn der brennende Dornbusch auch speziell für Mose war ...

Durch Berufung und Sendung wird die Mitarbeit in der Gemeinde 

auch aufgewertet.

und bekommt einen viel höheren Stellenwert, 

die Gemeinde ist in die Verantwortung für die Mitarbeiter

mit einbezogen! 

Und auch für sie hatte Jesus ein Wort: 

„Die Ernte ist groß, aber es gibt zu wenige Arbeiter. 

Deshalb: Bittet den HERRN der Ernte um Arbeiter für seine Ernte!“ (Lk 10,2).

 

 


3. Gott ist erfahrbar für uns. 

Wenn Gott sich dem Mose mit den Worten zu erkennen gibt: 

„Ich werde für euch da sein!“, dann ist das eine Aufforderung, 

sich auf Gott einzulassen. 

Nicht philosophisch abstrakte Gedanken („Gott ist das ewige Sein“)

und schöne religiöse Worte („In jedem Menschen ist ein Stück Gott“) 

bringen uns Gott näher und führen uns in eine Gotteserfahrung, 

sondern das konkrete Wagnis, sich auf Gottes Wort einzulassen. 

 

Es ist das Wagnis des Glaubens. 

Christsein beginnt mit einem Sich-Einlassen auf Jesus Christus

und sein vollbrachtes Rettungswerk 

und findet seine Fortsetzung im täglichen Vertrauen 

auf diesen Herrn, im Gehorsam gegen Gottes Wort. 

 

Wer Gott nur als Zuschauer betrachten will, wird ihn nie erfahren. 

Gott will mit uns leben -, uns in unserem Alltag begleiten -

als Vater und Mutter, als Großeltern, 

in der Schule, bei der Arbeit, auf der Straße, 

im Krankenbett wie in allen Herausforderungen des Lebens. 

 

Gott hat uns sein Wort gegeben mit vielen Zusagen („Siehe, ich bin 

bei euch alle Tage bis an der Welt Ende ...“) - und Verheißungen

(„Bittet, so wird euch gegeben ...“). 

Alle diese Zusagen - muss ich aber erst im Glauben annehmen, 

mich auf Gottes Seite stellen.

So, wie Mose es im Glauben wagen musste, zum Pharao zu gehen, 

so müssen auch wir es wagen, Gottes Wort in unserem Leben zu

vertrauen, es zu leben. 

 

Aber, so wie Mose noch viele Kämpfe durchstehen musste, 

bis er das Wunder des Durchzugs durch das Rote Meer erleben sollte, 

so werden auch wir auf unseren Glaubenswegen 

vielen Anfechtungen und Widerständen begegnen, 

aber extakt in diesen Turbulenzen - und das ist das Erstaunliche! - 

auch Wunder über Wunder erleben. 

 

Das Geheimnis eines Lebens in Berufung und Sendung 

ist der Glaube. 

In Hebr 11, Vers 27ff steht: „Durch den Glauben verließ Mose

Ägypten und fürchtete nicht den Zorn des Königs; denn er hielt

sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn ... 

Durch den Glauben gingen sie durchs Rote Meer wie über 

trockenes Land“. 

 

Der Predigttext heute ist eine ganz persönliche Anfrage 

an mich und an jeden von uns. 

Da fragt Gott mich und Dich: 

- Vertraust Du mir und meinem Wort?, 

- wagst Du es im Glauben deine Berufung anzunehmen - 

- und Schritte in neues Land zu gehen -, 

so, wie Mose und viele andere es getan haben?

 

Ich, dein Gott, bin immer noch derselbe - und meine Zusagen 

gelten Dir heute wie damals dem Mose. 

Aber du kannst mich nur dann als den erfahren, der ich bin, 

wenn du dich auf mich einlässt 

und das Wagnis des Glaubens annimmst. 

Anders bin ich nicht zu erfahren!

 

Noch mal: 

  1. Gott hört und sieht uns.
  2. Gott beruft und sendet uns. 
  3. Gott ist wirklich erfahrbar. 

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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