2012-12-31 Jahreswechsel

Predigt über Hebräer 13,14 (Jahreslosung) / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

noch gut 7 / 5 Stunden – dann läuten die Glocken und es schlägt
Mitternacht. Ein neues Jahr beginnt.

Was wünschen Sie da einander?
Was wünscht man sich bei Ihnen zuhause?
»Ein gutes neues Jahr«, sagen die einen.
»Viel Glück«, sagen andere.
Und immer wieder wünscht man sich »einen guten Rutsch«
oder »Hals- und Beinbruch«.

Warum eigentlich?
Sollen wir ins neue Jahr rutschen
und uns dabei den Hals brechen?
Nein, diese Wünsche stammen aus dem Hebräischen,
aus der Sprache des Alten Testaments
und sind über das Jiddische sie zu uns gekommen:
- »Guter Rutsch« kommt von »rosch« – und das heißt »Anfang«.
- »Hals- und Beinbruch« kommt von »Has-lacha und b’rocha«,
und das heißt: »Glück und Segen«.
»Einen guten Rutsch mit Hals- und Beinbruch« meint
also ursprünglich:
»einen guten Rosch mit Has-lacha und b’rocha«,
also »einen guten Anfang mit Glück und Segen«.
Das wünschen wir uns. 

 

Wie gelingt ein solcher Beginn 2013?

Während draußen schon langsam die Knallerei losgeht,
schlagen wir noch mal ganz gelassen die Bibel auf.
Während bald über Dennach / Schwann Silvesterraketen
zischend in den Nachthimmel steigen und doch im nächsten
Moment wieder verglühen, hören wir auf die neue Jahreslosung:
„Wir haben hier keine bleibende Stadt,
sondern die zukünftige suchen wir!“

Ein Bibelwort aus Hebräer 13,14 - soll uns in und durch das
neue Jahr 2013 begleiten.
„Wir haben hier keine bleibende Stadt,
sondern die zukünftige suchen wir!“


Ich kenne Leute, die als sie diese neue Jahreslosung
gehört haben, spontan gesagt haben: Das ist aber eine komische
Jahreslosung. Was soll denn das bedeuten:
„Wir haben hier keine bleibende Stadt ...“?
„Wir suchen die zukünftige ...“!?
Aber diese Jahreslosung, zu der wir heute wieder ein Lied
lernen, das uns durchs Jahr begleitet,
ist überhaupt nicht komisch, sondern wichtig!

Zunächst einmal: Dieses Bibelwort steht im Hebräerbrief.
Und es ist an Menschen gerichtet, die in Gefahr stehen,
- von ihrem Glauben abzufallen (durch die Trägheit des Lebens),
- durch ein sich mehr und mehr Einrichten in dieser Welt.
Ohne zu sehen:
- dass alles hier nur vorläufig ist,
- dass unser letztes Hemd keine Taschen hat
- und wir in der realen Gefahr stehen, unser himmlisches Ziel
zu verpassen durch schleichende Desorientierung.
Ich nenne sie mal „Glaubensdemenz“.

Denn „wer vom Ziel nichts weiß (oder immer weniger weiß),
kann auch den Weg nicht haben.
Muss er doch Tag für Tag im Kreise traben.“
Das wusste schon der Dichter Christian Morgenstern.

Was ist unser persönliches Lebensziel?
Was haben wir „gesucht“ im zu Ende gehenden Jahr?

Wir setzen das heute am Ende des schon wieder „alten“ Jahres 2012
noch mal in Bezug zu Gottes Wort.
Weil wir wissen: Allein dieses Wort trägt über die Zeiten.
Allein dieses Wort ist nicht Schall und Rauch.
Mit ihm können wir dieses Jahr beenden
und ins neue gehen,
mit allem, was uns bewegt an diesem Abend.

An Silvester schauen wir ja unwillkürlich zurück:
es ist, als blieben wir wie auf einer Wanderung für einen Moment stehen,
drehen uns noch mal um, sehen auf die bisherige Strecke.
Was war 2012? 

Fernsehen und Zeitungen zeigen Bilder des Jahres:
 
– den blutigen Bürgerkrieg in Syrien und 

    • die jubelnden Menschen bei der Fußball-Europameisterschaft 
    • und dann bei der Olympiade, 
    • die Sorge um den Euro 
    • und die Freude über das Konjunktur-Hoch ...

Bilder und Eindrücke 2012 ...
Auch Ziele kommen vor: unseren Wohlstand erhalten, den Euro retten,
ein bisschen mehr Frieden in der Welt, ein bisschen mehr Gerechtigkeit ...

Dazu kommt der persönliche Rückblick.
Manche holen heute noch mal Bilder heraus von Familienfeiern,
denken an bestandene Prüfungen
oder ans nächste Enkele,
an besondere Einschnitte im Leben. 

Wenn Gottes Wort an der Grenze von einem Jahr zum anderen steht,
dann können wir aber Gott zuerst einmal danken –
vielleicht trotz manchem, was uns bewegt:
Wie viel Bewahrung steckt in den vergangen 365 Tagen,
wie viel Hilfe und Heilung,
wie viele schöne Momente?
Grund genug, aus Silvester ein Dankfest zu machen. 

Dann kommen aber auch schwere Stunden wieder in Erinnerung.
Manche standen am Krankenbett oder an Gräbern.
Manche erlebten nicht nur Erfolge im Beruf,
sondern Niederlagen.
Oder bewegen uns zerbrochene Beziehungen?
Bilder und Eindrücke 2012 ...

Mit Gottes Wort an der Grenze von einem Jahr zum anderen,
das hoffe ich, wird dieser Gottesdienst auch zur Feier der Entlastung:
- ich kann Gott noch einmal hinlegen, was war,
  - auch das, was liegen geblieben ist,
  - was wir an Schwerem mitnehmen.

Und daraus lernen:
Unsere Suche nach Glück und Segen braucht ein höheres Ziel
als alles, was wir in diesem Leben überhaupt je erreichen können.
Es braucht einen Platz bei Gott (mehr als den „Platz an der Sonne“)
das höchste Ziel, einmal gerettet an Gottes Seite Platz nehmen zu dürfen!
Die „zukünftige Stadt“, die nicht zerstörbar ist durch Inflation,
Krieg oder persönliche Katastrophen (durch Burn out, Scheidung,
Krebs oder Tod).

Das Erste, was mir (uns) Gott mit dieser Jahreslosung dringend ans
Herz legt, ist,

1. meine Position zu bestimmen.
Wo stehe ich?
Was was habe ich vor allem gesucht?
Und: Kann das gut gehen?

Die Bibel sagt: „Wir haben hier keine bleibende Stadt“.
Sicherheit, Geltung, Anerkennung,
Annehmlichkeiten, Entfaltungsmöglichkeiten,
ein stabiles soziales Umfeld,
alle diese Dinge suchen wir,
am liebsten sogar mit Rechtsanspruch und für alle Zeiten gesichert,
aber diesen Platz, diese „Stadt“ auf dieser Welt gibt es nicht.

Das Wort „Stadt“ steht hier stellvertretend für alles,
was wir mit unserer Kraft durch menschliche Planung und Organisation
fertig bringen können.

Gott hat uns ja wirklich tolle Gaben gegeben -,
wir können dankbar sein für viele Kulturleistungen,
für große Errungenschaften in Forschung, Medizin und Technik.
Aber es ist eigenartig: Sie führen nicht dazu,
dass die Menschen innerlich zur Ruhe kommen, befriedigt wären,
sondern sie suchen krampfhaft danach,
das Bestehende oder Erreichte zu sichern, zu halten, ... einfach
zu verdrängen, dass unser biologischer Zeiger unaufhörlich
weiter geht, dem Tod entgegen.

Warum dieses Verdrängen, dieses Davonlaufen vor der Realität,
das frage ich mich immer wieder fragen müssen in diesem Jahr ...?
 
Die einzige schlüssige Antwort, die mir dazu einfällt ist:
Es muss damit zu tun haben, dass diese Menschen versuchen,
vor Gott davon zu laufen, auf den sie doch zugehen!?
Entweder, weil sie ihn noch nicht kennen oder
weil sie ihr Leben nicht unter seiner Führung leben wollen!

Die Jahreslosung 2013
legt uns (mir) zweitens dringend ans Herz,

2. mein Ziel im Leben zu bestimmen.
Ist da nicht der Jahreswechsel ein idealer Anlass?

Ich meine das nicht in dem Sinne,
sich wieder mal irgendwelche neuen Vorsätze zu geben.
Sondern ganz grundsätzlich Bilanz zu ziehen:
Wohin will ich eigentlich?
Wofür lohnt es sich zu leben?
Was wird sein, wenn ich hier nicht mehr sein werde?

„Aus und vorbei!“,
„Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!“ -,
nach diesen Zielen zu leben,
ist weder gesund noch gut für‘s Miteinander.
Unsere Gesellschaft leidet schon heute ganz enorm darunter,
weil viele so denken.

Aber es ist auch traurig so zu denken,
denn so ein Leben hat eigentlich kein Ziel.
Es ist auf Abbruch gelebt.

In der Jahreslosung bekommen wir nun auch keinen bunten Stadt-
plan für die „zukünftige Stadt“, die jene erwartet, die ihr Leben
Jesus Christus anvertraut haben. 

Aber so viel ist klar:
Es ist das ewige Leben, die Rettung bei Gott.
Und: Es ist „seine“ Stadt, die Stadt Gottes.
Er hat sie für uns gebaut.
Sie ist unsere Heimat.
Die Stadt, in der Gott selbst die Mitte ist.

Und: Es ist die kommende Stadt, die zukünftige Stadt.
Und doch schimmert in diesem Hebräerbrief immer wieder
durch: Diese Stadt ist schon heute Realität,
sie ist schon da, unsichtbar für uns heute - im Himmel.
Da bleibt Null Unsicherheit:
Es gibt sie - auch wenn wir sie heute noch nicht sehen.

Jesus, der als Erster vom Tod auferstanden ist,
ist dorthin gegangen.
Und er wird alle dorthin zu sich mitnehmen,
die ihm in diesem Leben ihr bisher selbst geplantes Leben übergeben,
die es als ihr eigentliches Lebensziel ansehen,
einmal bei IHM zu sein.

Noch ein Drittes steckt in unserer Jahreslosung für 2013: 

 

3. Jesus will den Weg weisen.

Liebe Gemeinde,
wer die Antwort weiß auf die wichtigste Frage in seinem Leben,
nämlich wo ich zuhause bin und wo ich im Letzten hin gehöre,
der hat in Jesus Christus und in seinem Wort
auch ganz praktisch die Hilfe,
die ihn durch alle möglichen Situationen des Lebens führt.

Er ist unterwegs in dieser Welt,
aber nicht verhaftet mit dieser Welt.
Sein Leben schnuppert schon heute Ewigkeitsluft,
die große Freiheit der Kinder Gottes.

Und die wünsche ich uns allen.
Ich wünsche Dir Jesus Christus.

Wei er an ihn ganz fest glaubte und sein Leben in der Hand von
Jesus wusste, konnte ein Dietrich Bonhoeffer am Jahreswechsel
vor seinem Tod noch aus dem Gefängnis schreiben:

»Das nächste Jahr wird kein Jahr ohne Angst,
Schuld und Not sein.
Aber dass es in aller Schuld, Angst und Not ein Jahr mit Christus sei,
dass unserm Anfang mit Christus eine Geschichte mit Christus folge,
die ja nichts anderes ist als ein tägliches Anfangen mit ihm,
darauf kommt es an.«

So, liebe Gemeinde, wünsche ich Ihnen nicht einfach ein
gutes Jahr 2013 nach Christus,
sondern ein gutes und gesegnetes Jahr 2013 mit Christus.  
Amen.

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 23.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Dekan Botzenhardt)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Dienstag, 25.09.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Donnerstag, 27.09.2018
12:00 Uhr in Schwann:
Nachmittagsausflug (nach Locherhof mit Besuch von Pfarrer Bühner)
Sonntag, 30.09.2018
18:00 Uhr:
Feierabendgottesdienst in Schwann (Studenten)
Dienstag, 02.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Sonntag, 07.10.2018
9:15 Uhr:
Erntedankgottesdienst mit Gemeindefest in Dennach (Pfarrer Held)