2012-12-30

Predigt über Johannes 12,44-50 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

an den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr
wollen die meisten Menschen einfach mal zur Ruhe kommen
und auch Bilanz ziehen.

Wenn wir den Rückblick auf das Jahr 2012 im Fernsehen,
im Internet und den Zeitungen verfolgen,
dann hat‘s den Eindruck, dass die an Weihnachten gefeierte
Ankunft von Gott in unser Welt auch dieses Jahr - nicht wirklich -
geprägt hat.
Jesus und die Maßstäbe der Bibel rücken eher in den Hintergrund,
werden durch neue Gesetze ersetzt.

Denken wir nur an die Diskussion über die Präimplantations-
diagnostik (man darf jetzt in bestimmten Fällen Kinder „auf Probe“
zeugen, genetisch untersuchen und je nach dem leben lassen oder
verwerfen) oder auch neue Gesetzesentwürfe zur aktiven Sterbehilfe.

Die Maßstäbe der Bibel passen für eine Mehrheit kaum
mehr in unserer Zeit.
Religion und Spiritualität werden zwar schon gesucht,
aber Jesus und sein Evangelium liegen nicht im Trend.

Und so manche, die wie der Theologe Ernst Troeltsch
am Anfang des 20. Jahrhunderts noch glaubten,
dass sich das Christentum als der »Höhepunkt« aller bisherigen Religion«
in der europäischen Kultur widerspiegele,
reiben sich heute erstaunt die Augen.
Auf der Suche nach dem wahren Sinn des Lebens
gilt die Antwort der Bibel in unserem immer noch ansatzweise
christlichen Abendland als überholt oder zumindest ergänzungsbedürftig.
Schauen Sie einfach mal die neuen Prospekte der Volkshochschulen
durch: Sie werden dort alles finden von Buddhismus, Bahai,
Hinduismus und davon abgeleitete Lebenskonzepte wie
Tai-Chi, Feng-Shui, Yoga und wie sie alle heißen.

Trotzdem sind Sie heute morgen hierher in die Kirche gekommen.
Sie wollen hören, was die Bibel sagt.
Sie feiern an Weihnachten immer noch die Ankunft von Jesus
als Retter der Welt.

Sind die Christen aber damit nicht auf dem Holzweg?
Ist unsere Welt heute nicht genauso verloren wie vor 2000 + x Jahren?
Kann uns Jesus - wirklich - die Antwort auf die Grundfragen
des Lebens geben?

Hören wir dazu auf Jesus selber.
Wir lesen im Johannesevangelium Kapitel 12, 44–50:

44 Jesus aber rief: Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich,
sondern an den, der mich gesandt hat.
45 Und wer mich sieht,
der sieht den, der mich gesandt hat.
46 Ich bin in die Welt gekommen
als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.
47 Und wer meine Worte hört und bewahrt sie nicht, den werde ich
[- jetzt -] nicht richten; denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt
richte, sondern dass ich die Welt rette. 
48 Wer mich verachtet und
nimmt meine Worte nicht an, der hat schon seinen Richter: Das
Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage.
49 Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater,
der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun
und reden soll.
50 Und ich weiß: sein Gebot ist das ewige Leben.
Darum: was ich rede, das rede ich so, wie es mir der Vater gesagt hat.“
(„Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren“)

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,
nicht erst heute wird Jesus von Menschen in Frage gestellt.
Auch damals,
- nachdem Jesus drei Jahre lang durch die Dörfer
  und Städte Israels gezogen ist,
- als er viele geheilt hat,
- als er Wind und Wellen zum Stillstand gebracht,
- ja sogar Tote auferweckt hat,
haben Menschen an ihm und seiner Botschaft gezweifelt.
(Lesen Sie doch heute Mittag einmal das ganze 12. Kapitel
bei Johannes durch, da meinen Sie, sie stehen mitten
in unserer Zeit ...)

Es war schon damals nur eine Minderheit, die an Jesus glaubte.
Die öffentliche Meinung über ihn war anders.
Manche, vor allem Leute aus der Oberschicht,
verheimlichten es lieber, wenn sie an Jesus glaubten.

Aber es gab schon damals auch die anderen.
Einen Simeon z. B. (wir haben von ihm in der Schriftlesung gehört,
manche haben ihn noch in Erinnerung aus der Bibellese der
vergangenen Woche ...):
Schon acht Tage nach der Geburt (!) von Jesus macht er Jesus
als den Retter der Welt bekannt.
Obwohl er noch keines seiner späteren Wunder erlebt hat,
obwohl ihm weder ein Engel noch ein besonderer Stern
erschienen ist - ER glaubte: Jesus ist der von Gott gesandte Retter.
In aller Öffentlichkeit hat er davon geredet im Tempel von Jerusalem.
Sein Ansehen bei den Leuten war ihm Schnuppe,
nur den lebendigen Gott wollte er fürchten.

Die Bibel beschreibt ihn als einen frommen, gottesfürchtigen
Mann, der vom heiligen Geist erfüllt war.
Trotz seines Alters lebte er jeden Tag voller Erwartung.
Er hatte von Gott die Zusage bekommen: Du - wirst den von Gott
verheißenen Retter noch sehen (bevor du stirbst).
Und Gottes Wort war ihm mehr wert als alle anderen.
So hat er auf Gott gewartet-

Bis er grau geworden ist - und - ihn erlebte.
Es war eigentlich ein ganz normaler Tag.
Menschen kommen in den Tempel, um zu beten und zu opfern.
Simeon ist auch hin gegangen - vom Heiligen Geist bewegt und mit
großer Erwartung -: Wann sehe ich wohl endlich den Retter?

Als eine junge Familie den Tempel mit ihrem Neugeborenen
und einem Paar Tauben betritt, da leuchten Simeons Augen.
Er geht auf die Mutter zu, nimmt ihr das Kind vom Arm
und fängt Gott laut zu loben.
So, dass die Leute im Tempel sich umdrehen,
nicht wegen des Kindes, sondern wegen der Reaktion des Simeon.
Warum war der alte Simeon plötzlich so begeistert,
so eine Beschneidung war doch nichts Außergewöhnliches?

Aber Simeon stört das nicht, er macht g‘rad so weiter,
weil er mehr gesehen hat: »Meine Augen haben deinen Heiland
gesehen«, so lobt er Gott.
Simeon war begeistert, weil er erlebt hat: Gott hat seine
Verheißung erfüllt!
Was die Propheten durch die ganzen Jahrhunderte hindurch
immer wieder angekündigt hatten,
das durfte er mit eigenen Augen sehen:
Gott hat seinen Retter geschickt -, jetzt kann ich in Frieden sterben ...

Wahrscheinlich hat auch Simeon andere Vorstellungen vom
Kommen des Messias Gottes gehabt.
Aber er war offen dafür, dass Gottes Wege anders aussehen
können, als er sie vermutet hat.
Er vertraute Gott einfach.
Und dieses Vertrauen hat ihm einen tiefen Einblick in die
Geheimnisse Gottes gewährt.

Das Baby auf seinem Arm war der Lichtblick - mitten in einer
finsteren, hoffnungslosen Welt ...
Dieses Baby hat ihn zum Jubeln gebracht
mitten in einer trostlosen Zeit ...
Jetzt gab‘s Hoffnung und Zukunft für Israel - und - für die ganze Welt.

Seine Begeisterung haben die Leute im Tempel nicht mit ihm geteilt.
Sie haben nur ein Baby mit seinen Eltern gesehen.
Was es mit ihm auf sich hat, das war den andern überhaupt nicht klar.

Aber sehen Sie: Dieser Simeon war von seiner ganzen Person her
überhaupt nicht darauf angelegt, dass ihm die Zustimmung
der Leute überhaupt wichtig war!
Nicht einmal die Zustimmung der Leute,
die eigentlich Gott suchend in den Tempel gingen.
Für ihn war klar: Gottes Wege erkennt man nicht daran,
dass alle sie mitgehen.
Meistens sind es - und meistens waren es - Einzelne,
die Jesus erkannt haben und ihm nachfolgten,
so wie Petrus und Andreas, Johannes und Jakobus,
Maria, Martha und ihr Bruder Lazarus ...
(Das ist oft auch bei euch Konfirmanden so, dass es nur einzelne
sind, die Jesus ganz tief in ihrem Herzen „begriffen“ haben
und die sich entscheiden - auch gegen die „coolen“ anderen -
einfach „frisch, fromm, fröhlich, frei“ Jesus zu folgen ...)


Das Friedensreich von Jesus beginnt im Herzen von einzelnen
Menschen, die Jesus vertrauen.
So wie bei Simeon: Der lobt Gott mitten in einer ungläubigen
Gemeinde.

Außerdem hat Simeon gewusst, dass Gottes Wege keine
Garantie sind für eine angenehme, unbeschwerte Zukunft.
Deshalb segnet er die Mutter Maria und bereitet sie vor:
»Der Kummer um dein Kind wird dich wie ein scharfes Schwert
durchbohren.« »Denn an diesem Kind wird sich das Leben der
Menschen entscheiden;
denn es wird entweder ihr Richter oder ihr Retter sein.
Es wird ein Zeichen Gottes sein, gegen das sich viele auflehnen
werden, damit so - ihre innersten Gedanken an den Tag kommen.«

Simeon hat in diesem Kind seinen Retter gefunden.
Er hat erkannt:
Gott hat Jesus zum Scheidepunkt von Fallen oder Aufstehen,
Finsternis oder Licht, Tod oder Leben gemacht.
Dieser Jesus ist kein selbsternannter Heilsbringer.
Sondern Gott hat ihn geschickt.

Alles, was er tut und sagt, das tut er im Einklang mit Gott.
Gott selber hat sich für ihn und den Weg, den er geht, entschieden.
Er hat sich in ihm sichtbar und hörbar gemacht.
Ganz unabhängig davon,
wie viele Menschen diese Entscheidung nachvollziehen.
(Und das ist das Wichtigste, auf das auch ihr Konfirmanden,
die ihr bewusst mit Jesus leben wollt, immer setzen könnt!
„Wenn Gott für uns ist, wer kann dann gegen dich sein?“ -
Alle, aber sie haben keine Chance!)

So war‘s Simeon auch völlig Schnuppe,
ob die Leute im Tempel seine Begeisterung für Jesus mit ihm
teilen wollten oder nicht.
Simeon orientiert sich nicht an ihnen,
sondern vertraut dem, was Gott ihm gezeigt hat:

Jesus ist der Retter der Welt, für alle, die ihn annehmen.
Gott hat ihm die entscheidende Macht anvertraut.
Durch Jesus kommt Licht in die finstere Welt,
dauerhaftes Leben.

Durch Jesus kommt Gott in die gottlose Welt.
Deshalb bleibt später - auch Jesus seinem Auftrag treu,
zu suchen und zu retten, was verloren ist.
Er hat sich durch nichts davon abbringen lassen:
- Nicht, als eigentlich schon bei seiner Geburt kein Platz für ihn war,
- nicht, als seine Jünger davon gelaufen sind,
- nicht, als er am Ende seines irdischen Wegs gefangen genommen
wird.

Jesus erfüllt den Auftrag, den Gott selber ihm gegeben hat.
Ohne Kompromisse.

Bis heute ist es so, dass Jesus rettet.
Ganz egal, ob die Menschheit im 21. Jahrhundert von ihm noch
rettende Antworten auf ihre Lebensfragen erwartet oder nicht.
Vielleicht werden wir es ja miterleben,
wie im christlichen Abendland der Glaube an Jesus
mehr und mehr verloren geht.
Wenn in Deutschland und Europa die Maßstäbe der Bibel nach
und nach durch andere ersetzt werden.
Wenn neue Vorbilder und Werte unser Zusammenleben bestimmen.
(Wir erleben zur Zeit die dramatischste Um-Wertung von Ehe
und Familie hin zu einer reinen Zweckgemeinschaft auf Zeit,
zu einer Gleichstellung mit allen möglichen anderen Lebensformen,
dafür gibt es starke politische und gesellschaftliche Kräfte.
Es verschwindet nach und nach so gut wie alles, was Gott uns im
Schöpfungsauftrag der Bibel mit auf den Weg gegeben hat ...)

Vielleicht werden die Christen in der Landeskirche sogar zu einer
kleinen religiösen Minderheit neben unzähligen anderen Religions-
gemeinschaften?
Vielleicht feiert bald nur noch eine Minderheit die christlichen Feste
wie Weihnachten und Ostern?
Vielleicht versucht die Wirtschaft bald auch andere religiöse Feste
zu vermarkten (so wie Halloween)?

Wie immer die Entwicklung in den nächsten Jahren verlaufen wird,
an der Bedeutung von Jesus wird sie nichts ändern.
Die Bibel sagt uns glasklar: Jesus ist als Retter gesandt worden.
Wer an ihn glaubt, wer auf ihn sieht, wer sein Wort hört und bewahrt,
der ist gerettet.

Deshalb hört Jesus bis heute nicht auf, Menschen zu suchen
und zu retten. Möglichst viele sollen es sein ...
Erinnern Sie sich an das Jesuswort (Lk 14,23): „Geh[t] hinaus auf die
Landstraßen und an die Zäune und nötig[t] sie hereinzukommen,
dass mein Haus voll werde ...“?
Oder an Paulus, dem das Retten von Menschen so wichtig war,
dass er schreiben konnte: „... ich habe mich selber jedermann
zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne.“ (1. Kor 9,19)?

Er wollte mithelfen, dass Jesus alle erreicht,
dass jeder die Chance hat, IHN kennen zu lernen.

Jesus (und Paulus) ging es nie um die Mehrheit,
sondern immer um einzelne Menschen.
Und so sucht er uns, weil er weiß, dass wir aus der Verlorenheit
nur durch ihn herauskommen.
Er wirft uns sein Rettungsseil zu, das in Gott festgezurrt ist.
Darauf kommt es an!
Nur das Seil kann retten, das fest gesichert ist.

Fast alle Menschen greifen in ihrer Angst nach etwas,
von dem sie Rettung erhoffen.
Aber nur Jesus kann hundertprozentige Rettung anbieten:
»Ich bin gekommen, dass ich die Welt rette!«
(Tim Bendzkos Song „Nur noch kurz die Welt retten“
ist war lustig, aber überholt ...)

Nur Jesus kann die Welt retten.
Nur sein Rettungsseil ist gesichert,
er - ist beim lebendigen Gott verankert.
Wer Jesus sieht, der sieht den rettenden Gott!
Wer auf Jesus hört, der hört die Stimme Gottes.

So hat‘s Jesus gesagt und gemeint:
Alles, was ich sage, das habe ich von meinem Vater!
Wer mir vertraut, der vertraut sich diesem Gott an,
dem Schöpfer und Herrn der Welt und ihrer Geschichte.

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,
sind die Christen vielleicht doch auf dem Holzweg?
Ist unsere Welt heute nicht genauso verloren wie vor 2000 Jahren?

Ja, unsere Welt ist heute genauso verloren wie vor 2000 Jahren.
Aber es gibt eine Rettungschance.
Keiner muss mit dieser Welt verloren gehen.
Jesus wirft uns sein Rettungsseil zu.
Er will uns zu seinem Vater im Himmel bringen.
Wer sich an Jesus hält, der ist gerettet,
der hat das ewige Leben.

Und: Sein Rettungsseil hält, auch wenn sich in Zukunft nur wenige
daran festhalten sollten.
Weil er fest verankert ist beim lebendigen Gott.  Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Mittwoch, 27.06.2018
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 28.06.2018
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann