2012-11-25 Ewigkeitssonntag

Predigt über Jesaja 65,17-25 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für diesen letzten Sonntag im Kirchenjahr - den sogenannten Ewigkeitssonntag - aus dem Buchdes Propheten Jesaja, Kapitel 65, die Verse 17-25: Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde

17 Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde 

schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht 

mehr zu Herzen nehmen wird. 18 Freuet euch und seid fröhlich 

immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem 

zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, 19 und ich will fröhlich 

sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm 

nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des 

Klagens. 20 Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage 

leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, 

wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, 

gilt als verflucht. 21 Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie 

werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. 22 Sie sollen 

nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein 

anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die 

Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auser-

wählten genießen. 23 Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine 

Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht 

der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. 

24 Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn 

sie noch reden, will ich hören. 25 Wolf und Schaf sollen beieinander 

weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange 

muss Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf 

meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.“ ( - ) 

 

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

als im zweiten Weltkrieg Bomben auf Stuttgart fielen

und als Luftangriffe Tod und Verderben über die Stadt brachten, 

da hat Helmut Thielicke in der Stiftskirche Predigten voller

Zukunftshoffnung gehalten, 

Worte voller Zuversicht, voller Glauben, 

die anderen bis heute wie Hohn vorkommen. 

 

„Gott“ sagt Helmut Thielicke in die Gesichter voller Angst, 

„Gott hat seinen letzten Trumpf noch lange nicht ausgespielt“ und

„Die Luft ist voller Verheißungen“. 

Aber draußen haben die Häuser gebrannt, 

weil nachts die Bomber geflogen sind. ( - ) 

 

Auf Menschen ist Elend und Not gekommen

und die Frage bleibt bis heute: Was ist so ein Prediger?

Ein Utopist - oder ein Visionär?

Ein Verblendeter - oder ein Seher?

Ein Verrückter - oder ein Getragener?

Darf er so was sagen: „Inmitten von Tod und Vernichtung 

hat Gott noch einen Trumpf“, trotz Stahllagel ist die Luft 

voller Verheißungen“?

 

Jesaja steht ihm nicht nach, 

er hat es ganz ähnlich gehalten, tut genau das Gleiche!

Angesichts von Tränen, Weinen und Klagen spricht er von 

Freude, die sein wird für Gottes Volk.

Angesichts von Not, Tod und Elend spricht er vom

Kommenden, in dem es das nie wieder geben wird. 

 

„Prophet“, fragen wir, „was ist das, das du weißt?“

„Prophet, was ist das, das du hörst, was du siehst?“ ( - ) 

„Siehe“ -, sagt der Jesaja -, „schaut her, Gott ist es, der es schafft!“

 

Was schafft Gott?

 

 

  1. Gott schafft - eine neue Welt

„Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, 

dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu 

Herzen nehmen wird.“

Himmel und Erde werden ganz neu. 

Himmel und Erde?

Aber: Ist das denn überhaupt nötig?

 

Viele haben noch vom Urlaub her die Schönheit dieser Welt vor Augen, 

die Weite des Meeres, warmes Wasser glitzert in der Sonne

und darüber sanft blauer Himmel. 

Erinnerungen, so schön und großartig, 

so malerisch und erhebend. 

Muss das denn wirklich alles vergehen?

Ist das denn alles so schlecht?

Ist das, was wir haben, nicht gut?

 

Das fragt ein Urlauber am Atlantik einen Einheimischen. 

„Nein“, sagt der alte Mann, „es ist bei uns nicht mehr gut.

Als ich ein Kind war, war die Insel voller Wald. 

Heute wächst so gut wie gar nichts mehr. 

Abgeholzt und fortgeschafft sind die Bäume, 

gekommen ist die Wüste. 

Als Kinder sind wir vor der Küste getaucht,

haben Fische mit bloßen Händen gefangen. 

Heute liegen da draußen die Rohre 

und Abfälle der Hotels treiben im Meer. 

Was ist daran noch gut?“

 

Das geht auch anderen so in dieser Welt. 

Natürlich wird hier und da auch viel dagegen unternommen. 

Natürlich könnte man sich auf das beschränken, was wir haben, 

die eigenen Lebensbezirke so attraktiv wie möglich zu hegen 

und zu pflegen, 

also wenigstens das kleine private Glück zu schützen. 

 

Nun freilich, warum nicht!

Es gibt so viel Schweres in der Welt, 

warum sollte es deshalb nicht jedem gegönnt sein, 

wenn er es sich hier wenigstens einigermaßen gut machen kann. 

 

Wer aber weiter sieht, der sieht auch das andere:

Er sieht - den Tod im Nachbarhaus -, 

warum musste der Junge dort schon sterben?

Er sieht - den Krebs einer Mutter -, 

was soll aus der Familie jetzt werden?

Er hört - die Sirene des Notarztwagens, 

den Klang der Friedhofsglocke, 

er empfindet - die Einsamkeit der Alten, 

kann leiden und betroffen sein - über so viel vergebliche 

Anstrengungen in dieser Welt:

 

Da wird geblutet und krepiert in Bürgerkriegen (in Syrien, im Kongo ...), 

auf den hart erkämpften politischen „Frühling“ folgen wieder Diktatoren 

(... Mursi in Ägypten), 

Raketen aus dem Gazastreifen werden mit Luftangriffen beantwortet.

Alles Verhandeln ist aussichtslos 

oder dient nur der Vorbereitung einer neuen Schlacht. 

Da wird gefoltert und hingerichtet in China, 

von Nordkorea ganz zu schweigen -,

und alle Spenden scheinen umsonst. 

Da schleicht der Pfarrer mit hängenden Schultern aus einem 

Haus in der Gemeinde, die Ehe aber, um die er sich bemüht hat, 

geht trotzdem auseinander. 

Einsatz - total - umsonst ...

 

Oder: Da krampfen sich irgendwo Elternherzen zusammen im Leid:

Der selbe Mensch, der noch vor kurzem seine kleine Hand in die 

große des Vaters geschoben hat, 

ballt sie jetzt zur Faust und sagt: „Ich hasse dich!“ - 

Liebe, Erziehung und Hoffnung, alles futsch, umsonst?

 

Das ist es, was Jesaja hier sieht: 

Die Welt, verkrümmt im Leid. 

Die Welt, beschattet von Not -, 

gezeichnet vom Unheil. 

Aber Gott richtet sein Wort durch ihn aus:

Diese Welt muss anders werden 

und sie wird auch anders, 

ganz anders sogar: Gott macht sie noch einmal neu!

Der Sündenfall des Menschen, der sich mit seinem langen 

Rattenschwanz durch die ganze Geschichte zieht, 

lässt Gott nicht kalt.

 

Aber was dürfen wir von Gott noch erwarten?

„So wird es sein“, sagt Jesaja, 

„so gut wird es sein, dass man der jetzigen Welt keine Minute nachtrauern

wird ... nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen“, 

so schön wird die neue Welt gegenüber der alten sein. 

Eine Welt, die nicht mehr vergänglich ist, 

Kreatur, die nicht mehr stöhnen muss. 

„Und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, 

noch Schmerz wird mehr sein“. ( - ) 

 

Das hat einer seinem Freund vor dem Tod geschrieben: 

„Du, stell dir vor, wie es sein wird: 

  • wenn du an Land kommst und entdeckst, dass es der Himmel ist, 
  • wenn du eine Hand ergreifst und entdeckst, es ist Jesu Hand, 
  • wenn du andere Luft atmest und entdeckst, es ist Himmelsluft, 
  • wenn du dich gestärkt fühlst und merkst: dieses Mal ist es Unsterblichkeit, 
  • wenn du spürst, wie dir jemand die Tränen abwischt und du entdeckst:

  Es ist Gott selber, 

  • wenn du die Augen aufmachst und bist gesund und froh und weißt
      auf einmal: Jetzt bin ich ganz zuhause.“

Stell dir das einmal vor: Gottes neue Welt! ( - ) 

 

 

Ein Zweites richtet Gott uns durch Jesaja aus:

Gott erneuert nicht nur die Welt, er erneuert auch sein Volk!

 

2. Gott schafft - ein erneuertes Volk

 

Im Bibeltext heißt es so: „Denn siehe, ich will Jerusalem zur

Wonne machen und sein Volk zur Freude.“

 

Und das ist damit gesagt: 

Jerusalem, also das auserwählte Gottesvolk 

und also auch die Gemeinde der Glaubenden, 

braucht genau so die Verwandlung und Erneuerung. 

Und das - soll durch Gott - geschehen, 

ER ist es, der das schafft. 

 

Worunter ein Prophet wie Jesaja vielleicht am meisten gelitten hat, 

ist das: Es ist ja nicht nur die Welt mit ihrem Leid und ihrem Hass, 

die im Argen liegt. 

Auch mit Jerusalem steht‘s nicht besser: 

Im Tempelbezirk regieren Ratlosigkeit und Ohnmacht, 

eine heilige Stätte, über die der Zorn Gottes niedergeht, 

ein Gericht, das angefangen hat am Haus Gottes selber. 

 

Wie viel ist zerschlagen und kaputt!?

Es wird nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft zwar nicht

am Aufbauwillen fehlen, 

aber was ist schon „Gemeindeaufbau“, 

so lange es nur um Steine und Zement geht!
Gott will doch mehr als Äußerlichkeiten,

es ist doch die Gemeinde selber, die zum Tempel werden muss, 

zum geistlichen Bau, bestehend aus lebendigen Steinen, 

wie Petrus das nennt. 

Ein Platz, an dem Gott Wohnung in den Herzen nimmt,

Herzen, die offen sind für ihn. 

Wie ist das vorstellbar?

Wer macht das aus uns?

Wer bringt das zustande? ( - ) 

 

Nun - Jesus hat genau diesen Faden aufgenommen:

Jetzt schon - ist der Bau dieses neuen Gotteshauses im Gang, 

werden Steine auf den Bau getragen, 

jetzt schon - erleben Christen, wie sie als lebendige Steine für dieses Haus 

bearbeitet werden. 

Aber es ist alles erst der Anfang. 

Und deshalb fällt auch in Dennach / Schwann noch auf (und fällt uns 

gelegentlich sehr schwer), wie unfertig die Gemeinde noch ist. 

Auch Christen können noch zanken, empfindlich reagieren 

und sich enttäuscht zurück ziehen. 

Das schmerzt! ...

Sie sind noch Prototypen, Betaversionen, nicht die Endfassung ...

 

Umso gewaltiger ist die prophetische Ankündigung, 

dass diese geschüttelte Welt 

und dass diese ärmliche Christengemeinde eine große Zukunft 

vor sich haben!

Voller Freude und Schönheit, 

nicht mehr selbst gemacht, 

nicht mehr fehlerhaft, 

von Schuld durchzogen, vorläufig, 

sondern von Gott selber herauf geführt 

als das letzte und bleibende Werk seiner Treue. 

Was für eine Aussicht! ( - ) 

 

Wir haben gefragt: Wie wird es sein mit Gottes neuer Welt?

Nach Not und Tod?

Es überfordert unsere Vorstellungskraft, unsere Phantasie, 

alle Versuche, sich das himmlische Jerusalem im Licht

von Jesus Christus vorzustellen, reichen nicht aus. 

Nur eines ist ganz sicher: 

Wer Jesus Christus angenommen hat und ihm nachfolgt, 

der wird einen gnädigen Gott schauen, sich nicht satt sehen können, 

Freude über Freude wird seine Zukunft sein.

 

 

Dazu als Letztes  noch ein bisschen mehr: 

 

3. Gott schafft - neue Freude. 

 

So heißt es ja bei Jesaja: „Ich will fröhlich sein, spricht der Herr, über 

Jerusalem und ich will mich freuen über mein Volk.“

Nicht nur „man“ wird sich freuen, 

sondern Gott freut sich auch. 

Er erfüllt sich gewisser Maßen selber auch eine Freude: „Ich will 

fröhlich sein ... ich will mich freuen über mein Volk.“

 

Was für persönliche Züge!

Und wie viel Sehnsucht mag darin liegen, 

dass es bald soweit sei?!

 

Nicht, dass Gott bis dahin ohne Freude auskommen müsste. 

Wo doch schon Freude im Himmel ist über einen Sünder, 

der umkehrt und Buße tut (Lk 15,7). 

Außerdem hat Gott ja auch Freude an seinem Sohn, an Jesus Christus,

denn er sagt von ihm: „Das ist mein lieber Sohn, an dem ich 

Wohlgefallen habe.“

 

Und weil seit dem Kreuzestod von Jesus 

Gottes Verhältnis zur Welt durch Christus bestimmt ist, 

sieht er auch uns (Dich und mich) - an - durch Jesus. 

„... und der Herr freut sich seiner Werke!“ ( - ) 

Er sieht die Jesus-Leute -, 

also alle die, die Jesus als ihrem Herrn und Meister folgen - 

als gut und gerecht an wie es nur Jesus selber ist. ( - ) 

Auch das ist Freude für Gott. 

 

Aber dann sind da auch Zeiten, wo die Jesus-Leute Gottes Geist betrüben, 

all die Gelegenheiten, wo Gottes Volk zerstritten ist, 

wo der Leib Christi geteilt wirkt, 

wo es „Bauchschmerzen“ bis zum Himmel geben muss, 

wo einer allein sein kann unter vielen Mit-Gläubigen, 

wo er den Eindruck hat: „Ich habe keinen Menschen.“

 

Auch da ist das die Aussicht: Gott schafft die neue Welt, 

die erneuerte Gemeinde, neue Freude. 

Er lässt nicht locker: „Siehe, ich mache alles neu.“

Und in Jesus Christus darf ich dazu gehören. ( - ) 

 

Bleibt die sehr persönliche Frage an mich: 

Gehört mein Leben schon Jesus?

Habe ich es ihm übergeben, 

ihn gebeten, mein Leben zu lenken, meine Gangschaltung und 

Bremse zu übernehmen?

 

Er lädt bis heute ein in sein Reich!

Wer zu Jesus kommt, erfährt diese Freude, 

Freude über Freude ... ( - ) 

 

Am Ewigkeitssonntag, da stehen viele Erinnerungen auf, 

da wird an Wunden gerührt, alte Bilder werden wieder wach. 

Irgendwie muss das wohl so sein. 

Denn wir müssen Dingen verarbeiten, loslassen - 

und - das wünscht sich Gott - über dem ganzen Prozess 

klug werden. 

 

Aber das andere wird heute eben auch gesagt: 

Diese alten Bilder vom vergangenen Leben, 

das sind nicht die letzten Bilder. 

 

Das letzte Bild heißt so:

Christen haben ihre Heimat im Himmel, 

dorthin werden sie umziehen. 

Dort ist alles für sie vorbereitet. 

Dort werden sie Jesus sehen wie er ist. 

Dort ist ihre neue Welt, Gemeinschaft, ganze Freude. 

Amen

 

 

(Ich danke Pfarrer Hanspeter Wolfsberger für seine Anregungen zu diesem Predigttext)

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Freitag, 22.06.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann
18:15 Uhr:
Mädchenjungschar 8-13 Jahre im GH Schwann (Gewusst wie)
Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer M.Gerlach)
Dienstag, 26.06.2018
17:45 Uhr:
Jungschar für alle Jungen und Mädchen im GH in Dennach
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann