2012-11-04 Reformationsfest

Predigt über Galater 5,1-6 / Pfarrer Friedhelm Bühner 

Wir hören den Predigtext für den Gedenktag der Reformation aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Galatien, Kapitel 5, die Verse 1-6

 

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch 

nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! - Siehe, ich, Paulus, 

sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, so wird euch Christus 

nichts nützen. Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden 

lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. 

Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt 

und seid aus der Gnade gefallen.

Denn wir warten im Geist - durch den Glauben - auf die Gerechtigkeit, 

auf die man hoffen muss. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung 

noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe 

tätig ist.“ ( - ) 

 

 

 

Liebe Gemeinde, 

 

vom Schlagersänger Reinhard Mey stammt der bekannte Song:

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“. 

Ein startendes Flugzeug ist sein Bild für das Geschehen, 

das der Sonne entgegen geht. 

Und im Fortgang heißt es: „Ich sehe ihm noch lange nach“ - 

und „wäre gerne mitgeflogen“. 

 

In jedem Menschen steckt die tiefe Sehnsucht nach Freiheit! 

Und doch gibt es keine grenzenlose Freiheit!

Es gibt keine Freiheit ohne Bindung!
Und wir spüren es immer wieder:
Wer seine Freiheit hemmungslos auslebt, 

der schadet anderen und sich selber -, ganz zu schweigen 

von der Lieblosigkeit, die damit immer auch verbunden ist. 

 

So ist die Frage: An wen eigentlich kann ich mich vertrauensvoll binden, 

um Freiheit zu erfahren ohne zum Sklaven anderer zu werden? 

 

Schon der erste Satz des Paulus hat etwas von einem Fanfarenstoß: 

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ 

Es gibt keine wirkliche Freiheit, die an Christus vorbei geht! 

(auch Humanismus und Idealismus schaffen keine Freiheit!)

Warum eigentlich nicht?

Seit mehreren Jahrhunderten hatten sie doch die Chance, 

das zu zeigen, in der Gesellschaft, der Politik!?

 

Paulus sagt: 

Weil allein Christus echt frei macht, 

von allem, was uns offen, meistens aber im Verborgenen versklavt. 

Und weil dieser Christus Menschen unter Gottes gnädige 

und liebevolle Herrschaft stellt! 

Christus zerbricht alles, was Menschen versklavt - und hilft, 

dass Menschen sich zum Segen entfalten können. 

Das ist die Kernaussage des Paulus hier (und immer wieder).

 

Und so denken wir darüber 

heute unter dem Vorzeichen des Reformationsfests nach

in drei Blickrichtungen: 

 

 

1. Christus befreit von menschlichen Meinungen 

und zum Hören auf die Heilige Schrift 

Wie leicht geraten wir doch ins Schlepptau anderer Meinungen!

Wie leicht hängen wir unsere Fahne in den Wind der öffentlichen

Meinung und lassen uns anstecken von dem, was „man“ so 

denkt und lebt. 

Man gilt als altmodisch und fühlt sich unter Druck gesetzt, 

wenn man sich nicht anpasst (v.a. junge Leute, ihr Konfirmanden ...)

 

Umgekehrt gilt vieles als „hipp“ und „angesagt“, 

dem wir folgen sollen:

Esoterische Dinge, Aberglaube, Horoskope (ich staune 

und erschrecke immer wieder, woran Menschen glauben, 

die dem lebendigen Gott gegenüber so kritisch-distanziert sind!), 

Kristalle oder bestimmte Tage üben eine geheime Macht aus. 

Endzeitthemen (der Maja-Kalender ...) haben Hochkonjunktur!

Warum befasst sich gerade in unserer Zeit jedes dritte neue Buch

mit einem esoterischen Thema?

Das muss doch etwas damit zu tun haben, 

dass heute große Bereiche unserer Gesellschaft keine Orientierung 

mehr haben ...

Unruhig suchend, sind es die „ewigen Themen“, 

die die Menschen seit alters her beschäftigen, 

die sie gefangen nehmen - aber auch ihre tiefen Sehnsüchte

zum Vorschein kommen lassen. 

 

Unfreiheiten können ganz modern aufgemacht sein: 

Der Rausch der Geschwindigkeit zum Beispiel ist so eine Macht. 

Man kann sich ihm heute kaum entziehen: Alles muss schnell gehen. 

Mit Technik vom Feinsten (die Premieren neuer Smart Phones 

werden wie religiöse Feiern aufgezogen ...)

 

Aber auch diese neuen Welten, der iPhones, Tablets und wie sie 

alle heißen, haben für viele etwas Versklavendes.

Ich stelle einfach mal die Kontrollfrage: 

Wie viele der glücklichen Besitzer sind denn noch so frei,

dass sie sich genügend Zeit für ein wirklich tiefes Gespräch 

nehmen (können)?

 

Auch in die Lebensgesetze unserer Zeit könnte man einen Blick werfen.

Sie stehen für die Freiheit und Mündigkeit des modernen Menschen. 

Aber wie viel Sturheit und Egoismus spiegeln sie doch darin wieder!? 

 

Christus will uns von diesen Knechtschaften befreien -, 

nicht ein für allemal, aber immer wieder in den jeweiligen Situationen!

Er befreit, indem er uns einlädt, auf seine Botschaft, 

seine Weisungen zu hören und 

unser Leben danach auszurichten. 

Denen, die IHM vertrauen, gibt er die Kraft seines Geistes, 

damit sie sich nicht von öffentlichen Meinungen 

und dem, was gerade „hipp“ ist, unterjochen lassen. 

 

Martin Luther, dem wir das theologische Stichwort der „Freiheit eines Christenmenschen“ verdanken,  ist bis heute ein leuchtendes Vorbild für 

mich. 

Seine Ausrichtung an der Heiligen Schrift hat die damalige Zeit in Atem 

gehalten. 

Ihm wurde eine bisher nicht da gewesene Freiheit seinen Landesherren 

und auch dem Papst gegenüber geschenkt. 

Und er selbst schreibt davon: „Ein jeglicher möge sich nicht bewegen 

lassen durch die hohen Titel, Namen und Ansehen des päpstlichen Standes ... 

Die Not zwingt uns, mit allen Schriften der Lehrer zur Bibel zu laufen und 

all da Gericht und Urteil über sie zu holen“

 

 

Bis heute hoch aktuell: Welche Maßstäbe sollen gelten? 

Martin Luther sagt: Die Heilige Schrift. 

Aber damit sie gelten kann, muss ich sie lesen, studieren

und aus ihr leben.

 

 

2. Christus befreit von der Werkgerechtigkeit und 

zum Annehmen seiner Gnade 

Das Streben, durch sein eigenes Tun vor Menschen als recht 

und gerecht dazustehen, ist tief in uns Menschen verankert. 

Wie oft ist der Satz zu hören: „Mir - kann niemand etwas nachsagen!“

 

Wie viel Zeit, Kraft und Phantasie wird eingesetzt, um sich selbst 

ins rechte Licht zu rücken! 

Durch eine schöne Fassade versuchen wir darüber hinweg zu täuschen, 

dass eben nicht alles recht ist. 

Oder man versucht die Dinge so hinzudrehen, 

dass das Unrecht auf der anderen Seite liegt. 

 

In der Seelsorge höre ich immer wieder (manchmal auch heraus): 

„Ach, im Grunde kann mir doch Gott nichts vorhalten ...“ - 

Oder: „Also, ich tue doch recht und scheue niemand!“

„außerdem gebe ich auch schon mal was für einen guten Zweck!“

Woher kommt eigentlich dieses Streben, recht dastehen zu wollen? 

 

Es kommt daher, dass in jedem Menschen die Ahnung

um eine letzte Verantwortung des Lebens steckt. 

Und diese Ahnung hat Gott in unser Leben hinein gelegt, 

sie ist wie die „Black box“ in einem abgestürzten Flugzeug. 

Ein Sender, der uns an Gott zurück verweist, 

der auf der Suche nach uns ist. 

 

Martin Luther können wir dankbar sein, dass er klar herausgestellt hat: 

Alles Punkte sammeln vor Gott ist unsinnig! - 

Niemand kann durch Abhaken eines Anforderungsprofils vor Gott 

als gerecht dastehen, auch nicht als der humanste und liebevollste 

Mensch auf Erden!

 

Ein Ausleger dieses Textes

  schreibt dazu: „Ich kenne mich. 

Ich rede von Liebe und bin mir so schrecklich wichtig. 

Ich gebe mich mutig und bin feige.

Ich mache mir und meinen Mitmenschen vor, ich verstünde den 

anderen mit seinen Anliegen und Schwierigkeiten, aber ich bin 

viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt, als dass ich es könnte“. 

Weil ich gut dastehen muss, ist „in allem, was ich tue ... Absicht, 

Berechnung“.

 

Christus befreit von aller Werkgerechtigkeit, 

indem er mir klar macht: 

Mein Heil hängt nicht an meinem Rennen, Laufen, Bemühen, 

sondern allein an seiner Gnade.

Es hängt auch nicht an der formalen Zugehörigkeit zu einer 

bestimmten Kirche! 

Sondern: Ich (Jesus) habe alles für dich getan, 

damit du recht bist vor dem Vater im Himmel! 

Du brauchst nichts - außer Christus!

Du brauchst nichts - als seine Vergebung für Dein Leben, 

für dein bisher vielleicht noch sehr selbst-gerechtes Leben!

Allein darauf, seine Gnade anzunehmen, darauf kommt alles an!

 

Und auf diesen Schritt hin springt meine Zellentür auf, 

es droht mir nichts mehr. 

Im Glauben bin ich ein freier Mensch! 

Niemand kann mich mehr bei Gott anschwärzen oder verklagen, 

denn Christus hat mich befreit!

Aber auch: „Ich lebe nun nicht mehr mein Leben, sondern für Christus“, 

aus seiner Hand und an seiner Hand.

Das ist der Unterschied zum frei schaffenden Künstler. 

Glaube an Christus ist immer frei - und dienend zugleich.

Christus dienend.

 

 

3. Christus befreit vom Ego und zum tätig Sein in der Liebe

 

Glaube, der nicht Werke hat, ist tot in sich selber! (Jak 2,17).

Und: Die Freiheit darf nicht zum „Deckel der Bosheit“ werden (1. Petr 2,16). 

Auch das gehört zur evangelischen Freiheit!

 

So ist der noch längst nicht frei, der von sich selber sagt: 

„Ich glaube doch, also kann ich jetzt leben wie ich will!“ 

Es geht auch ohne Bibel, Gottesdienst, Gemeinde, Gebet ...

Weil die Befreiung vom Ego gerade nicht herrenlos macht, 

zum freischaffenden Künstler oder zu einem frei schwebenden

Luftballon im Raum der Zeit, 

sondern zu einem neuen Menschen führt 

und in neue Eigentumsverhältnisse: „Christus lebt in mir“, 

sagt Paulus dazu (Gal 2,20)

und der neue Wesenskern erweist sich darin als lebendig, 

dass mein Glaube nicht mehr tot und selbstbezüglich ist, 

sondern „in der Liebe Christi tätig“ (V6). 

 

Wer nur sich selber sucht, verschließt sich seinem Nächsten.

Und die Folgen kennen wir. 

Wo aber Christus einen Menschen frei macht - vom Kampf 

und Krampf um sich selber, 

von der protestantischen Selbstgerechtigkeit, 

von dem, „was man tut und denkt“, 

von esoterischen Bindungen ...

da wird dieser Mensch, da werde ich, frei zur Liebe. 

Und mehr noch: Frei für Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, 

Güte und Treue, Sanftmut und Keuschheit (wie Paulus nur ein 

paar Verse weiter schreibt (Vv22f)). 

... also alles andere als Bla bla!

... Freiheit mit Gesicht!

 

Trotzdem gibt es die von Christus geschenkte Freiheit

auf dieser Erde - und zum jetzigen Zeitpunkt - noch nicht 

in uneingeschränkter Form. 

Aber die „neue Kreatur“ ist da!

Mit unerhörter Freizeit - von Christus geschenkt

und an ihn gebunden. 

Es ist die Freiheit von Gott und zum Dienst für Gott!

 

Schon Paulus hat sie als „herrliche Freiheit der Kinder Gottes“ 

empfunden und gelobt 

und ich bitte Gott darum, dass er sie auch in unseren Tagen 

ganz groß macht hier in Dennach / Schwann. Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 16.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Donnerstag, 18.10.2018
14:30 Uhr in Schwann:
Paul Gerhardt (Pfarrer i.R. Herrmann Schwarze)
Freitag, 19.10.2018
17:30 Uhr in Schwann:
Mädchenjungschar
Sonntag, 21.10.2018
9:15 Uhr:
Kirchweih in der Schwabentorhalle in Dennach (Pfarrer Held)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikant Schäfer)
Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann