2012-05-27 Pfingstfest

Predigt über 1. Korinther 2,12-16 / Pfarrer Friedhelm Bühner

 

Zum heutigen Pfingstsonntag hören wir den vorgegebenen Text aus 

Johannes 16, die Verse 5-15:

„12 Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den 

Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. 

13 Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche 

Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und 

deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen. 14 Der natürliche 

Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit 

und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden. 

15 Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von 

niemandem beurteilt. 16 Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder 

wer will ihn unterweisen«? (Jesaja 40,13) Wir aber haben Christi Sinn.“

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, 

 

an Weihnachten gibt‘s Geschenke, 

an Ostern Ostereier - aber an Pfingsten?

Da gibt‘s vielleicht einen Stau auf der Autobahn, 

weil viele mit Pfingsten nur einen schönen Pfingsturlaub verbinden. 

Jesus in der Krippe und am Kreuz, 

das ist vorstellbar, aber der Heilige Geist?

 

Wir können heute die Flucht vor dem Heiligen Geist 

in den Pfingsturlaub nicht stoppen. 

Aber wir können uns die Frage stellen: Wofür brauche ich den 

Heiligen Geist?

 

Wenn wir eine Antwort darauf finden und sie überzeugend leben, 

dann wird im nächsten Jahr der Stau nicht unbedingt kleiner sein. 

Aber vielleicht fangen dann auch wieder andere Menschen 

an zu fragen: „Was ist da eigentlich los in der Kirche?

Warum glaubst Du an Gott?

Was hast Du vom Gottesdienst?“

 

Wenn Menschen so fragen, dann ist das ein Zeichen dafür, 

dass Gottes Geist an ihnen wirkt. 

Dabei damit sind wir schon mitten im Thema: 

Wofür brauche ich den Heiligen Geist?

 

Drei Wirkungen von Gottes Geist will ich beschreiben: 

 

  1. Der Heilige Geist gibt Erkenntnis

Mitten in unserem Predigttext steht ein sehr deutlicher Satz: 

„Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes; 

es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen.“

 

Vielleicht kennen Sie solche Situationen. 

Sie sprechen mit einem Menschen über den Glauben

und Sie haben das Gefühl: Er begreift nichts, obwohl die Sache

doch so klar ist. 

 

Bei einem Besuch sagt mir ein alter Mann: „Herr Pfarrer, das ist 

doch alles Quatsch, was da in der Bibel steht. 

Das ist alles von gut meinenden Menschen erfunden worden. 

Sehen Sie, die Wissenschaft hat doch längst herausgefunden, 

dass es nicht so gewesen sein kann, wie es da steht. 

Ich halte mich an die Worte meines Vaters, 

der hat zu mir gesagt: Junge, es gibt keine Gerechtigkeit. 

Versuch‘ das Beste aus Deinem Leben zu machen - und dann

ist es vorbei!“

 

Ganz anders mehrere Jugendliche aus unseren Gemeinden, 

die aus dem üblichen Desinteresse an Glaube und Kirche

zum lebendigen Glauben an Jesus gekommen sind

und jetzt voller Eifer dabei sind ..., 

die die Bibel lesen und immer neue Fragen stellen: 

„Ach, Mensch, ich möchte doch jetzt noch so viel wissen ...“

 

Eine solche Lebensänderung ist nicht einfach Zufall, 

sondern eine Wirkung von Gottes Geist. 

ER hat ihre Augen für den HERRN Jesus geöffnet. 

Er hat ihre Liebe zu Gott entzündet 

und ihren Hunger nach mehr Erkenntnis geweckt. 

 

Ohne diesen Geist aber tappen wir blind in der Weltgeschichte herum. 

Natürlich ist die Welt voller Hinweise auf den lebendigen Gott, 

natürlich ist das Kreuz von Christus für niemanden übersehbar. 

Aber weil wir Gottes Wahrheit über unser Leben nicht anerkennen, 

weil wir der Sünde Raum geben, 

deshalb sind wir trotz natürlicher Sehkraft für die richtige 

Gotteserkenntnis blind. 

 

(Erfahrungen mit Anthroposophen („Menschenweisheit“) ... 

das Religiöse ist wichtig, aber Christus, der Versöhner am Kreuz?)

 

Wofür brauchen wir den Heiligen Geist?

Ohne ihn wären der Tod, die Auferweckung und die Himmelfahrt

von Jesus bestenfalls Ereignisse der Geschichte, 

wenn nicht gar Ammenmärchen. 

Erst der Heilige Geist macht uns klar: Hier begegnet mir der 

lebendige Gott. Hier gibt es mitten in einer todgeweihten Welt

Hoffnung und Rettung. 

 

Eine Einschränkung: Unsere natürliche Vernunft ist mit bruchstück-

hafter Erkennntis nicht zufrieden. 

Wir wollen alles wissen und probieren. 

So auch von Gott. 

Deshalb wurden und werden tolle philosophische und religiöse

Systeme entworfen, um das Phänomen „Gott“ umfassend zu beschreiben. 

 

Bei jeder Erfahrung aber, die nicht zu unserem bisherigen Bild von 

Gott passt, ärgern wir uns oder resignieren. 

Bei alten Menschen ist es oft der Gott ihrer Kindertage, 

der z. B. Kriegserfahrungen nicht standgehalten hat. 

Sie haben gedacht, Gott zu kennen, umfassend über ihn im Bild zu sein. 

Aber die grausamen Erfahrungen haben nicht dazu gepasst

und so haben sie sich von ihm abgewandt. 

 

Paulus ist da merkwürdig zurückhaltend: „Wir haben den Geist aus

Gott empfangen, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.“

Auch wenn wir den Heiligen Geist, den Geist aus Gott haben, 

wenn wir den Sinn von Christus wirklich haben

und nicht nur vom Christsein träumen, 

dann heißt das nicht: „Jetzt wissen wir alles über Gott“.

 

Was wir wissen können, ist wenig - und doch ungeheuer viel. 

Wir können wissen, was wir zum Leben und zum Sterben nötig haben. 

Wir können wissen, was Gott zu unserer Rettung getan hat. 

Paulus: „Ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen 

als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten.“

 

Das Wort vom Kreuz, von Jesus, der für unsere Sünde starb

und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt worden ist, 

dieses Wort schreibt uns der Heilige Geist ins Herz. 

Das schenkt uns Gott. 

 

 

  1. Der Heilige Geist schenkt Zeugnisfähigkeit

Wie den Jüngern am Pfingsttag in Jerusalem 

öffnet der Heilige Geist den Jüngern den Mund. 

Von Jesus, dem Gekreuzigten, vom rettenden Glauben sagt Paulus: 

„Davon reden wir mit Worten!“

„Wir“, sagt er, „wir haben den Geist aus Gott, 

und darum reden wir.“

 

Nicht ich, der Apostel, der Auserwählte, sondern wir. 

Alle, die Jesus Christus begegnet sind, 

alle, denen der Heilige Geist die Augen geöffnet hat, 

wir alle reden davon. 

 

Pfingsten ist nicht der Geburtstag der Amtsträger in der Kirche, 

sondern der Geist begabten Gemeinde. 

Jeder Christ wird zum Zeugen für Christus. 

Nicht aus eigenem Machtbewusstsein, 

nicht aus eigenem Sendungsgefühl, 

sondern weil der Heilige Geist uns den Mund aufmacht. 

 

Aber jetzt fragen Sie vielleicht: „Wie soll ich das denn machen?

Ich hab‘ nicht studiert, ich war nicht auf einer Bibelschule, 

ich bin kein besonders guter Redner.“

 

„Nicht schlecht“, würde Paulus sagen, 

„da hast Du gute Voraussetzungen für einen Zeugen von Jesus.“

Denn wer meint, er könne mit seiner Bildung die Leute zum 

Glauben führen, 

wer meint, seine Überzeugungskraft würde die Herzen bekehren, 

der ist auf dem Holzweg. 

Nicht Worte, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, 

sondern Worte, die der Geist lehrt, sind entscheidend. 

 

Wer im Glauben an Jesus gebunden ist, 

wer die Worte der Heiligen Schrift in seinem Leben nachbuchstabiert, 

dem schickt der Heilige Geist die nötige Zeugnisfähigkeit. 

Er bezeugt das, was er mit Jesus erlebt hat, 

er gibt das weiter, was er von Gott verstanden hat: 

das Wort vom Kreuz, das ihn trägt und sein Leben verändert. 

Niemand muss also aus sich heraus vor Menschen glänzen. 

Im Gegenteil: Der Heilige Geist schenkt uns die richtigen Worte, 

die nicht nur beeindrucken, sondern überzeugen. 

 

 

3. Der Heilige Geist schafft Urteilsvermögen

In diesem kurzen Predigtabschnitt heute aus dem 1. Korintherbrief

ist viel von Wissen die Rede, von Lehre, Erkenntnis, Deutung, 

Unterweisung und drei Mal sogar von einem Urteil. 

Der Heilige Geist sorgt also in erster Linie nicht für ein gutes Gefühl, 

sondern für eine klare Erkenntnis. 

Die erfasst dann allerdings mein ganzes Leben, 

also auch meine Gefühle. 

 

So sind Petrus und die anderen Apostel am Pfingsttag voller 

Begeisterung auf dem Marktplatz von Jerusalem und erzählen

von Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen. 

Dabei ist ihnen der Heilige Geist in besonderer Weise zu Hilfe

gekommen: Er hat seine weltumfassende Sprachkenntnis eingesetzt

und das Aramäisch der Jünger simultan in mindestens 15 Sprachen 

übersetzt. 

 

Bei einem solchen Wunder müssten die Leute doch eigentlich 

alle begeistert sein und sofort auf Jesus umsteigen. 

Aber neben mancher Zustimmung gibt es auch viel Widerspruch: 

Böse Gerüchte werden gestreut und später müssen sich Petrus 

und die Freunde sogar vor Gericht verantworten. 

Paulus geht es später nicht anders. 

Seiner Christuspredigt wird widersprochen, 

fremde Maßstäbe werden an seine Verkündigung angelegt, 

nach denen er gnadenlos durchfällt: 

Nicht genug Wunder, nicht genug tolle Erlebnisse mit Gott, 

nicht genug Redekunst ...

 

Aber jetzt zeigt sich, dass der Heilige Geist kein postmoderner

Beliebigkeitsgeist ist, wonach jeder nach seiner Façon selig 

werden soll, Hauptsache, er lässt die anderen in Ruhe. 

 

Wen der Heilige Geist gepackt hat, 

der kann da nicht mitmachen. 

Denn Gottes Geist schafft ein geistliches Urteilsvermögen, 

das uns hilft, den klaren Kurs beim Wort vom Kreuz zu behalten. 

Auch wenn‘s weh tut, wir dürfen unsere Erkenntnis und 

unser Zeugnis, unseren Glauben und unsere Rede nicht 

einfach von menschlichen Meinungen abhängig machen. 

 

Das Gericht der öffentlichen Meinung kann uns dabei 

schon mal ins Gesicht schlagen, 

aber wer im Gericht Gottes frei gesprochen wird, 

kann standhaft bleiben -, ohne dabei hart zu werden. 

 

Wer bei Jesus Vergebung bekommen hat, 

wird sein Nein zu jeder Verharmlosung von Sünde 

frohen Herzens sagen. 

Ob es um Ehebruch oder Korruption geht, 

um die Anerkennung fremder Götter oder den Missbrauch von Macht, 

der Geist Gottes schafft ein geistliches Urteilsvermögen, 

das an das Wort der Apostel und Propheten gebunden bleibt. 

 

Wofür brauchen wir den Heiligen Geist?

Er gibt Erkenntnis, schenkt Zeugnisfähigkeit und schafft

Urteilsvermögen, damit wir nicht verloren gehen, 

sondern unseren Glauben an Christus leben, 

bewahren und weitergeben. 

Amen

 

 

(Die Predigt nimmt Vorarbeiten von Pastor Wolfgang Becker, Nümbrecht auf)




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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