2012-04-22

Predigt über 1. Petr 5,1-4 / Pfarrer Friedhelm Bühner (nur in Dennach gehalten)

Wir hören den Predigttext für diesen Sonntag aus dem 1. Petrusbrief, Kapitel 5, die Verse 1-4: 

„Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge

der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die 

offenbart werden soll: 

Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, 

nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um 

schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund; 

nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der 

Herde. So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche

Krone der Herrlichkeit empfangen.“  

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

im Krankenhaus liegt ein Patient, gezeichnet von einer schweren 

Krankheit. »Es müsste ihm eigentlich viel besser gehen«, 

sagt der Arzt den besorgten Angehörigen im Gespräch. 

»Aber«, fährt der Doktor nachdenklich fort,
»ich habe den Eindruck, er hat selbst keine Hoffnung mehr.« 

 

Er hat selbst keine Hoffnung mehr. 

Ein Satz, der leider oft traurige Realität ist

und das nicht nur an Krankenbetten.

Auch Mitarbeiter in der Kirche sind angesteckt von 

fehlender Hoffnung, nicht selten gelähmt von Resignation.

 

Dafür gibt es viele Gründe:

  • Die Kraft des Glaubens hat abgenommen
      („Ja, früher, da habe ich noch regelmäßig gebetet ...“)

- die Bedeutung der Kirche ist gesunken
    („wer geht denn heute noch regelmäßig zum Gottesdienst?“)

- die Botschaft des Evangeliums verhallt immer öfter ungehört.
    („Hören Sie, ich tu auch so viel Gutes ... da brauch‘ ich doch
    Jesus nicht!“)

- Die Gemeinde wirkt angeschlagen, wie ein Patient.
    („Wir, die auf Gottes Wort hören wollen, sind ein kleines Häufchen ...“)

Kennen wir das, diese Gedanken? 

 

Gerade solchen Leute in der Gemeinde ist unser Bibelwort

heute morgen geschrieben!

Und es will sagen: Kein Grund zur Resignation! 

Schaut auf den Arzt, auf Jesus!

Er hat die richtige Medizin, ist selber der Heiland („Retter“)!

 

So haben wir heute ein Bibelwort mit Ermahnungen 

vor uns, aber sie sind hilfreich: 

»Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mit-Älteste ...« 

schreibt der Apostel Petrus. 

 

Und wir schauen mal etwas genauer hin, 

ob nicht auch was für uns - für Sie und mich - dabei ist!?

 

1. Lasst euch nicht entmutigen. 

Petrus, der Jünger und Apostel von Jesus, weiß, 

dass die Gemeinde bedroht ist.

Deshalb ermutigt er, 

schreibt an die Mitarbeiter, die „Mit-Ältesten“. 

 

Das sind zum Einen die Pfarrer, die Kirchengemeinderäte

und zum Anderen alle, die irgendwo Verantwortung in der

Gemeinde tragen. 

Die, die einen Kreis verantwortlich leiten 

und die, die treu und regelmäßig für unsere (ihre) Arbeit beten,

also im Hintergrund beteiligt sind. 

 

Und da gibt es wirklich Resignierte, 

müde Gewordene: 

Die Mitarbeiter unserer Jungschar und im Workshop

würden sich freuen, wenn noch mehr Kinder dazu kommen. 

Im Teenkreis und im Jugendkreis sind nur vereinzelt

Dennacher Jugendliche. 

Und im Sonntagsgottesdienst - wir würden uns sehr freuen, 

wenn noch neue Gesichter dazu kämen.

 

Andere kommen eine Zeit lang

und bleiben dann wieder weg. 

    • bei manchen nagt der Zweifel: Hat die Bibel denn 

  wirklich Recht? Und wenn ja, was ist dann mit

den immer wieder betonten Widersprüchen zur

Wissenschaft? (-> Weltentstehung? siehe Doku-Entertainment)

    • manche nutzen die Möglichkeit, sich in einem Hauskreis
               zu treffen, denn dort kann man solche Fragen ganz
               offen mit anderen ansprechen ...

Es sind einige dazu gekommen, das ist toll. 

Aber es könnten noch viel mehr werden. 

 

Manche treffe ich, 

die sind in ihrem Glauben müde geworden, 

die rechnen kaum mehr ernsthaft damit, 

dass Jesus wirklich Gebet hört und hilft. 

Sie reden nur noch vom „Herrgott“, der „schon wissen wird, 

was er tut ...“ Aber daraus spricht eher die Resignation ...

 

Natürlich gibt‘s auch das: Menschen, die früher mal verletzt worden

sind von jemand und das einfach nicht verwinden ...

 

Und Mitarbeiter, die mit ihrem eigenen Alltag

überfordert sind, oder die wissen, dass sie 

Gott in so mancher Entscheidung ihres Lebens ungehorsam waren

und dass sie das jetzt einholt, 

sie runterzieht. 

 

Das alles kann resignieren ...

 

Und genau solchen Mitarbeitern, die vor einem Wust von Sorgen

stehen, ruft Petrus zu: Lasst euch nicht entmutigen!

Nicht von oben herab, sagt er das, 

sondern als einer, der selber mitten drin steht. 

Er ist ja selber einer, der für Jesus Zeuge ist. 

 

Aber – und das sorgt eine ganz neue Lage: 

Er weiß hinter sich den „großen Hirten der Gemeinde“ (wie in es 

Hebr 13,20f heißt), „der uns fähig macht, Gottes Willen zu tun“.

 

Deshalb kein Grund zur Resignation!

Weil wir „Hirten im Auftrag“ sind!

Keine freiberuflich Glaubenden ...

Jesus Christus ist unser Oberhirte, unser Auftraggeber, unser Chef. 

Und wer seine gute Hirtenstimme hört, der hört die Stimme Gottes!

 

Noch gibt es sie ja, die Musik-CDs ...

Einer der größten Musik-CD-Produzenten ist der US-amerikanische

Konzern EMI-ARIOLA und auch auf vielen deutschen Editionen 

prangt sein Logo. 

Vielleicht ist es ihnen schon mal aufgefallen: 

Ein Hund sitzt vor dem großen Schalltrichter eines alten Grammophons. 

Und dazu muss man die Entstehungsgeschichte des Logos kennen: 

 

Damals, als das Grammophon erfunden wurde, 

verstarb ein Hundebesitzer. 

Sein Hund hat tagelang um seinen Herrn getrauert, 

wäre fast mit gestorben. 

Da hat sich jemand überlegt, wie man ihm helfen könnte. 

Und ist auf die glorreiche Idee gekommen: 

wir setzen den Hund vor den Trichter, aus dem die Stimme seines

Herrn kommt (also von einer Schallplatte abgespielt).

Jetzt war für den Hund klar: Da drin musste wohl sein Herrchen sein. 

Schließlich kaum seine vertraute Stimme aus diesem Kasten

und das hat seine Trauer überwunden. 

 

Was der Vierbeiner natürlich nicht wusste: 

Dass die Stimme seines Herrchens natürlich schon vor dessen

Tod aufgenommen wurde ...

 

His masters voice (die Stimme seines Herrn) 

ließ seinen ganzen Kummer verschwinden! 

 

Das Bild „hinkt“ natürlich, könnte sogar falsch verstanden werden, 

wenn wir es auf uns übertragen: 

Christen legen ja keine alten Platten auf, 

um das Gefühl zu haben, Jesus sei noch da. 

 

Aber eines ist doch in diesem Logo sehr gut ausgedrückt: 

Lasst euch nicht entmutigen. 

Wir haben die klare Stimme unseres himmlischen Herrn. 

Wir  haben sein Wort, das uns den Weg weist. 

Und dieses Wort ist mehr als alles auf dieser Welt. 

 

Einige Verse vor unserem Predigttext hat Petrus geschrieben:

»Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; 

jetzt aber seid ihr bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.« 

 

Deshalb: Lassen wir uns nicht entmutigen, 

sondern hören wir auf seine Stimme!

 

 

2. Steht zu seinem Auftrag.

Petrus ist selber Mit-Arbeiter, 

ein Mitarbeiter Gottes, 

deshalb kann er alle ermutigen, 

die sich auch für diesen HERRN einsetzen. 

 

»Steh zu deinem Auftrag« ruft er uns zu. 

Und er weiß, wovon er schreibt. 

Hat er doch in der schwärzesten Stunde seines Lebens

damals Jesus und seinen Auftrag verleugnet. 

Sie erinnern sich, damals als Jesus verhaftet worden ist ... 

und der Hahn drei Mal gekräht hat ...

nachdem Petrus drei Mal gesagt hat: „Ich kenne den gar nicht!“

 

Was für ein innerer Zusammenbruch muss es in Petrus

gegeben haben, als Jesus dann am Kreuz hing und gestorben ist ...

 

Aber dann nach seiner Auferstehung hat Jesus gerade ihm

die Chance gegeben, neu anzufangen:

»Hast du mich lieb?« fragt Jesus ihn dreimal. 

Und jetzt stand Petrus mit jeder Antwort zu seiner Berufung. 

Aber jetzt war der, der am Kreuz für seine und unsere Sünden 

gestorben ist, seine Liebe!

 

»Du weißt, dass ich dich lieb habe!« 

antwortet Petrus tief ergriffen (Joh 21,17). 

 

Er bekommt Vergebung und wird neu berufen: 

»Weide meine Schafe«, leite meine Gemeinde, 

steh zu deinem Auftrag. 

 

Ab jetzt steht das Kreuz von Jesus in der Mitte von allem, 

was er ist und tut. 

Petrus hat das Kreuz selber gesehen. 

Und er ist bezeugt von jetzt an mit seinem Leben, 

dass es nur in diesem Sterben und Auferstehen von Jesus 

Vergebung vor Gott gibt. 

 

 

 

Und diese Zeugenschaft prägt ihn. 

Deshalb schreibt er hier auch so: 

»Ich schreibe als Mitältester und Zeuge der Leiden Christi« (V1). 

 

Für Jesus Zeuge zu sein, liebe Gemeinde, 

das ist unsere ureigenste Aufgabe in dieser Welt. 

Damals wie heute. 

Weil das Kreuz von Jesus der Ort ist, 

an dem Menschen gerettet werden können

und das ihnen Kraft und Orientierung gibt. 

 

Hier stirbt der der, der unserem Leben Zuversicht und Stärke gibt. 

Deshalb hängt wirklich so viel am „Leiden Jesu“ für uns!

Die größte Liebe der Welt zeigt sich da. 

Auch das Ende aller irdisch-menschlichen 

Ersatzhoffnungen. 

Nur am Kreuz von Jesus gibt es echte Hoffnung!

 

Deshalb ist es für alle Mitarbeiter in der Gemeinde so wichtig, 

dass wir das bezeugen, was Jesus für uns getan hat, 

weil es allein Heil bringt. 

Wir müssen darüber reden, 

können es nicht lassen ...

Und sollten es vielleicht ganz neu entdecken!

 

Petrus sagt uns heute: Mache Jesu Passion zu deiner Passion. 

Mache den Weg von Jesus, der das Leiden mit einschloss, 

auch zu Deinem Mittelpunkt.

Steh zum Auftrag, das Kreuz zu verkündigen. 

Hier starb der, der alle Menschen retten kann!

 

 

 

3. Folgt Jesu Weisungen. 

Die erste Anweisung heißt: Seid Hirten – weidet die Herde! 

Das Fundament, das unsere Gemeinde und jede Gemeindegruppe 

braucht, ist das Wort Gottes, unverkürzt und unverbogen. 

 

Vielleicht ist es uns gar nicht immer klar, was für ein 

Geschenk das ist!

Wir haben diei Bibel in verständlicher Sprache, 

in so vielen Übersetzungen,  

verstehbar, anwendbar, ins Schwarze treffend. 

 

Im Bild gesprochen: 

Was die saftige grüne Weide für die Schafe ist, das ist die Bibel 

für die Gemeinde. 

Gerade auch, wenn Versuchungen über uns kommen, 

wenn uns dieses Wort madig und unsicher gemacht wird,

gilt der Auftrag umso mehr: Seid Hirten, die das Wort austeilen. 

 

Eine zweite Anweisung heißt: Seid willig – dient der Herde! 

Ein erzwungener Dienst taugt nichts. 

Wo es um Gottes Aufgaben und um Gottes Gemeinde geht, 

da darf die Freude nicht fehlen. 

Deshalb sollten Mitarbeiter von innen heraus überzeugt sein 

von dem, was sie weitergeben. 

Sie sollten angesteckt sein von der Freude, 

überhaupt für Jesus unterwegs zu sein

und für ihn einzuladen in sein Reich!

 

Seid willig – nicht um sich selber ins Bild zu setzen –, 

sondern von Herzensgrund. 

Es sollte uns eine Herzensangelegenheit sein, 

für Jesus zu arbeiten, 

seiner Gemeinde zu dienen. 

Nur so erfüllen wir unsere Aufgabe recht. 

 

Darf ich Sie fragen: Geht Ihnen der Auftrag von Jesus schon so zu Herzen, 

Menschen für IHN zu gewinnen?

 

Noch eine dritte Anweisung steht da:  

Seid Vorbilder – geht der Herde voran! 

Vorbilder sind Menschen, an denen andere ablesen können, 

was Glaube heißt. 

Hinter dem griechischen Wort für Vorbild stecken eine ganze Reihe 

von Begriffen: die Spur, die einer zieht, in der andere folgen können,

hier ist gemeint: die Spur zu Jesus hin. 

 

Oder das Modell, das ein Künstler möglichst originalgetreu auf 

die Leinwand überträgt. 

Mitarbeiter ahmen Jesus nach und verkörpern das, 

was Jesus tun kann. 

 

Auch der Abdruck auf einer Münze, wodurch die ihren Wert bekommt, 

schwingt hier mit. 

Es geht nicht in erster Linie darum, 

dass wir uns gut ausdrücken können, 

sondern darum, dass Jesus einen klaren Eindruck in unserem 

Leben hinterlässt und die Leute das sehen ...

 

Eigentlich liefert dieser kurze Predigttext heute Material für ein 

ganzes Mitarbeiterhandbuch:

Seid Hirten, seid willig, seid Vorbilder – Anweisungen, die uns helfen 

den einen Auftrag gut zu erfüllen. 

Wir werden aufgefordert: Seid Christen, die einen guten Eindruck hinterlassen 

für ihren Herrn. 

Seid Mitarbeiter, die zum Ausdruck bringen, welche Kraft im Kreuz 

von Jesus steckt. 

Dazu muss unser persönliches Leben geordnet werden ...

Es darf kein Widerspruch dazu sein. 

 

Deshalb das Letzte: 

 

 

4. Lebt auf Jesus zu. 

Nicht nur der gekreuzigte, auch der wiederkommende Jesus strahlt 

in unseren Versen auf. 

Das hat seinen tiefen Grund. 

Mit der Wiederkunft von Jesus kommt das Ende alles Kämpfens 

und zugleich der Lohn der Gnade in Sicht. 

 

Diesen weiten Horizont brauchen wir, 

damit wir uns von den „Ups and downs“, 

dem täglichen Hickhack, aber auch den Versuchungen, 

nicht fortreißen lassen. 

 

Der Blick auf den wiederkommenden Herrn

gibt unserem Glauben und aller Mitarbeit in der Gemeinde 

seine Konstanz und Standfestigkeit. 

Für diesen HERRN aller Zeiten will ich leben und arbeiten. 

Für diesen HERRN aller Zeiten will ich mich voll reinhängen

und nicht herum hängen ...

An IHM und auf IHN hin will ich mein ganzes Leben ausrichten, 

für IHN bereit sein, auch schwierige 

und manchmal scheinbar fruchtlose Arbeit treu zu tun. 

 

ER ist lebendig und wirksam, 

auch dann, wenn wir es nach außen hin überhaupt nicht sehen. 

Amen

 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

21.01 - 21.12.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)
Mittwoch, 24.01.2018
15:45 Uhr:
Konfirmanden-Unterricht im GH Schwann
19:00 Uhr:
Teenkreis 13+ im GH Schwann
Donnerstag, 25.01.2018
10:00 Uhr:
Krabbelgruppe für Eltern mit Kindern bis drei Jahre im GH Schwann
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann
19:00 Uhr:
Jugendkreis 16+ im GH Schwann
Freitag, 26.01.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann