2012-04-09 Ostermontag

Predigt über 1. Korinther 15,50-58 / Pfarrer Friedhelm Bühner

 

Liebe Gottesdienstbesucher,

 

„der klügste Mensch glaubt nicht an ein Leben nach dem Tod.“

 

So hat die Zeitung mit den vier großen Buchstaben

 

im Mai letzten Jahres getitelt.

 

Der als „klügster Mensch der Welt“ Bezeichnete ist der

 

Physiker Stephen Hawking,

 

der durch eine Nervenkrankheit seit seinem 26. Lebensjahr

 

im Rollstuhl sitzt.

 

Er hat in einem Interview mit dem britischen Blatt „The Guardian“

 

zu Protokoll gegeben: „Der Glaube, dass es einen Himmel oder ein

 

Leben nach dem Tod gibt, ist ein Märchen, an das nur Menschen

 

glauben, die Angst vor dem Tod haben.“

 

Wenn Stephen Hawking tatsächlich „der klügste Mensch der Welt“

 

wäre, dann wäre er klug genug, keine letzten Aussagen über Sachverhalte

 

zu treffen, von denen er keine Ahnung hat.

 

Er mag ja vieles sein, aber eines war und ist er bisher noch nicht: tot.

 

Woher will er also so sicher wissen, dass nichts danach kommt?

 

Stephen Hawking glaubt also nicht an ein Leben nach dem Tod.

 

Und Sie?

 

Eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2009

 

hat ergeben:

 

Ein Drittel der Deutschen ist überzeugt davon, dass mit dem Tod

 

alles aus ist.

 

Ein Drittel ist sich nicht sicher, tendiert eher zu einer Fortexistenz

 

nach dem Tod und

 

ein Drittel glaubt fest an ein Weiterleben.

 

Bei denen, die an ein Leben nach dem Tod glauben,

 

gibt es drei Grundpositionen:

 

Der Mensch hat eine unsterbliche Seele, die nach dem Tod zu Gott

 

und den anderen unsterblichen Seelen geht.

 

Der Mensch hat eine unsterbliche Seele, die nach dem Tod in einem

 

anderen Lebewesen inkarniert (wieder geboren wird): Im besten Fall in

 

einem Baby reicher und berühmter Eltern, im schlechtesten Fall in

 

einem Wurm, einer Spinne oder einer Ratte - je nach persönlichem

 

Ekelempfinden.

 

Und dann gibt es da noch eine 3. Position:

 

Es ist die Position, die im Apostolischen Glaubensbekenntnis beschrieben

 

wird mit den Worten: „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und

 

das ewige Leben.“

 

Das ist die Position, die der Apostel Paulus vertreten hat,

 

nachzulesen zum Beispiel im 15. Kapitel seines 1. Briefes an die Korinther.

 

Sie kommt auch in unserem heutigen Predigttext zur Sprache.

 

Ich lesen aus 1. Kor 15 die Verse 50-58:

 

„Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich
Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die
Unverweslichkeit.
Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen,
wir werden aber alle verwandelt werden; und das plötzlich, in einem
Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune.
Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen
und wir werden verwandelt werden.
Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit und dies
Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.
Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und
dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt
werden das Wort, das geschrieben steht: „Der Tod ist verschlungen
vom Sieg!“
Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?
Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde
ist das Gesetz.
Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren HERRN
Jesus Christus!
Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt
immer zu in dem Werk des HERRN, weil ihr wisst, dass eure Arbeit
nicht vergeblich ist in dem HERRN.“

 

In der korinthischen Gemeinde hat es Menschen gegeben,

 

die nicht an eine Auferstehung der Toten glaubten.

 

Eine Umfrage aus dem Jahr 2010 hat ergeben:

 

30% der evangelisch Getauften glauben, dass mit dem Tod alles aus ist.

 

Bei den korinthischen Auferstehungsleugnern stand jedoch kein

 

materialistischer Jenseitspessimismus à la Stephen Hawking im HIntergrund,

 

sondern ein enthusiastischer „Seelenoptimismus“.

 

Manche Korinther glaubten, ihre Auferstehung habe bereits stattgefunden.

 

Sie fühlten sich so stark von Gottes Geist erfüllt,

 

dass sie gemeint haben, sie gehörten schon zur himmlischen Welt.

 

Dem gegenüber betont Paulus: „Wir werden alle verwandelt werden.

 

So, wie ihr seid, könnt ihr nicht das Reich Gottes erben“,

 

also in Gottes neuer Welt leben.

 

Überschätzt euch nicht!

 

An euch gibt es vieles, was nicht mit Gott zusammenpasst:

 

dass ihr sterben müsst, eure Verwundbarkeit, eure schlechten

 

Charaktereigenschaften.

 

Das alles ist Fleisch und Blut, auch eure Seele.

 

Das alles muss verwandelt werden, und - und das ist die frohe Botschaft -

 

es wird verwandelt werden.

 

Der reiche christliche Unternehmer wird genauso verwandelt werden müssen

 

wie der Hartz-IV-Empfänger, für dessen Einäscherung die bürgerliche

 

Gemeinde aufkommt.

 

Der selig gesprochene Papst ebenso wie der bekehrte Mörder.

 

Wir alle brauchen eine grundlegende Veränderung von außen, von Gott.

 

Das kränkt wahrscheinlich manche in ihrem Stolz.

 

Aber im Grunde ist es zutiefst entlastend: Ich kann mir meine

 

Seligkeit nicht verdienen,

 

weder durch ein anständiges Leben,

 

noch durch meine Kirchensteuer

 

noch durch eine ordentliche christliche Beerdigung,

 

die meine Angehörigen für mich ausrichten lassen.

 

Was unsere Seligkeit angeht,

 

sind wir alle abhängig vom gnädigen Handeln Gottes.

 

Gott möchte gnädig an uns handeln,

 

das hat er an Jesus gezeigt.

 

Paulus fängt sein Kapitel über die Auferstehung mit einer Zusammen-

 

fassung des Evangeliums an: „Jesus Christus ist für unsere Sünden

 

gestorben ... Er wurde begraben und ist am dritten Tage von den Toten

 

auferstanden, wie es in der Schrift steht.

 

Er wurde von Petrus gesehen und dann von den 12 Aposteln.

 

Danach sahen ihn mehr als 500 seiner Anhänger auf einmal,

 

von denen die meisten noch leben; nur einige sind inzwischen gestorben.

 

Dann wurde er von Jakobus gesehen und später von allen Aposteln.

 

Als Letzter von allen habe auch ihn gesehen.“ (1. Kor 15,3-8)

 

Für Paulus ist die Auferstehung von Jesus (also) kein Wunschdenken,

 

sondern eine geschichtliche Tatsache.

 

Er ist bereit, sich hier auf jede Diskussion einzulassen.

 

Er hat den Auferstandenen mit eigenen Augen gesehen,

 

mit eigenen Ohren gehört.

 

Wäre es nicht so gewesen, wäre Paulus wahrscheinlich nie vom

 

glühenden Christenverfolger zum feurigen Missionar für Jesus geworden.

 

Er landläufige Spruche: „Es ist noch keiner zurück gekommen!“

 

gilt seit Ostern nicht mehr.

 

Jesus ist von den Toten auferstanden,

 

er hat den Tod besiegt.

 

An ihm ist schon jetzt sichtbar,

 

wie es einmal für uns alle sein wird.

 

Wer an diesen Jesus glaubt und sich vor seinen Mitmenschen

 

zu diesem Glauben bekennt, dem wird es ergehen, wie es Jesus

 

ergangen ist: Gott wird ihn auferwecken.

 

Nicht, weil er eine unsterbliche, reine Seele in sich trägt,

 

die hat keiner von uns,

 

sondern weil Gott es aus freier Liebe tut, aus Gnade!

 

Den Korinthern damals hat Paulus sagen müssen: Überschätzt euch nicht!

 

Ihr seid noch nicht auferstanden!

 

Aber, ihr müsst verwandelt werden.

 

So ähnlich würde Paulus heute auch denen antworten,

 

die an Reinkarnation glauben:

 

Überschätzt euch nicht!

 

Keiner von uns hat in sich das Potenzial zur Unsterblichkeit.

 

Ihr habt keine unsterbliche Seele,

 

aufgrund derer ihr das ewige Leben bekommen könnt.

 

Ihr seid auf Gott angewiesen und ohne ihn

 

gibt es auch für euch kein Weiterleben nach dem Tod.

 

Ganz nebenbei: Der Gedanke an eine Wiedergeburt in einem

 

anderen Leben, den heute viele mit sich herum tragen, ist eigentlich

 

überhaupt nicht tröstlich und ziemlich unbarmherzig!

 

Denn ich kann nach dieser Vorstellung jederzeit als Wurm

 

wieder geboren werden ...

 

Und man darf nicht vergessen, mit welchem Gedankensystem er

 

eng verbinden ist, ein System, das schreiende Ungerechtigkeiten

 

für notwendig erklärt.

 

Das ist z. B. in Indien der Fall, wo es ein Kastensystem gibt,

 

das alles bestimmt: Wer als Straßenkind in den Slums von

 

Kalkutta aufwächst, hat es (nach diesem Denken) nicht besser verdient.

 

Seine Seele hat in einem Vorleben schlecht gelebt,

 

was zu einem schlechten „Karma“ geführt hat,

 

das dann zu diesem Ergehen geführt hat.

 

Die Person hat also ihr Elend selbst verschuldet ...

 

Den Zweiflern an einer Auferstehung in Deutschland dagegen

 

würde Paulus sagen: Unterschätzt Gott nicht!

 

Auferstehung der Toten ist möglich!

 

Ich selber bin dem auferstandenen Jesus begegnet!

 

Haltet euch zu Jesus, vertraut auf ihn und bekennt euch zu ihm,

 

dann werdet auch ihr nach eurem Tod mit ihm leben,

 

zusammen mit all denen, die an ihn geglaubt haben.

 

Den kämpferischen Neu-Atheisten heute würde er sagen:

 

Gebt eure Rebellion gegen Gott auf!

 

Betrachtet Gott nicht als Restrisiko,

 

das euch nach eurem Tod um die Ohren fliegen könnte,

 

falls ihr feststellen müsst, dass es Gott doch gibt.

 

Seht ihn als Resource, als Quelle für euren Alltag,

 

zur Bewältigung aller Situationen, die das Leben so mit sich bringt

 

bis hin zum Sterben!

 

Denn auch das Sterben gehört zum Leben!

 

Seit 2000 Jahren verkündigen Christen jetzt die Auferweckung der

 

Toten durch Gott:

 

„Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben“,

 

Sie kennen ja das Glaubensbekenntnis.

 

Aber, wie wird das sein, wenn wir auferstehen werden?

 

Ausführlich geht Paulus zwar nicht auf diese Frage ein,

 

aber er legt doch einige Spuren:

 

„Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit

 

und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit“ (V53).

 

Die Verwandlung, von der Paulus vorher gesprochen hat,

 

ist kein Austausch!

 

Gott schafft keine komplett neuen Menschen!

 

Es gibt eine Kontinuität zwischen dem, was wir sind

 

und dem, was wir einmal sein werden.

 

Es ist nicht wie im Märchen vom Froschkönig:

 

Die Prinzessin, Sie erinnern sich, klatscht den ungeliebten Frosch

 

an die Wand und er verwandelt sich augenblicklich in einen

 

strahlenden Prinzen.

 

Nichts mehr erinnert an das glitschige, runzelige Tier,

 

das er vorher war ...

 

Bei unserer Auferstehung wird es anders sein:

 

Wir werden uns erinnern an unser irdisches Leben

 

und sehr wahrscheinlich jene wieder erkennen,

 

die wir aus diesem Leben gekannt haben.

 

Auch unserer Verletzungen und Verfehlungen werden wir uns

 

erinnern -, aber - sie werden uns nicht mehr belasten!

 

Alle unsere schlechten Seiten, mit denen wir uns

 

und anderen Menschen das Leben hin und wieder schwer machen,

 

werden der Vergangenheit angehören.

 

Wir werden keinen Körper aus Fleisch und Blut mehr haben,

 

der Schmerzen leiden, krank werden und sterben kann.

 

Paulus spricht von einem „geistlichen Leib“,

 

der unverwundbar und unsterblich sein wird.

 

Das Bild vom Anziehen der neuen Kleider,

 

das Paulus hier benutzt, will sagen:

 

Es gibt Zusammenhänge und Abbrüche zu unserem jetzigen Leben,

 

aber unsere Identität bleibt erhalten.

 

Jesus ist auch hier das Vorbild: Einerseits hat er nach seiner

 

Auferstehung noch die Wundmale der Kreuzigung an seinem

 

neuen Körper - wir haben es in der Schriftlesung gehört.

 

Andererseits konnte er jetzt durch Wände gehen

 

und war unsterblich.

 

Kurz vor seinem Tod hat Steve Jobs,

 

der Gründer und langjährige Entwicklungschef von Apple-Computer

 

gesagt: „Der Tod ist wahrscheinlich die beste Erfindung des Lebens.

 

Er verändert das Leben, er entrümpelt das Alte und schafft Platz

 

für neues.“

 

Der Tod entrümpelt das Leben ...

 

Das mag sein.

 

Wenn wir in dem Bewusstsein leben, dass jeder Tag unser letzter

 

sein könnte, dann kann uns das wirklich dazu motivieren,

 

die richtigen Prioritäten in unserem Leben zu setzen.

 

Wenn dieser Tag tatsächlich mein letzter sein könnte,

 

will ich ihn dann tatsächlich damit verbringen,

 

fünf Stunden vor dem Fernseher zu sitzen und danach noch drei

 

vor dem PC?

 

Was ist wirklich wichtig im Leben?

 

Was will ich erreichen?

 

Es gibt einen Punkt, an dem es zu spät ist.

 

Deshalb sollte ich rechtzeitig anfangen,

 

die Dinge zu tun, die mir wirklich wichtig sind.

 

Das Wissen darum, einmal sterben zu müssen,

 

hilft mir, die richtigen Prioritäten zu setzen.

 

Deswegen ist der Tod aber nicht „die beste Erfindung des Lebens“ (Jobs).

 

Weil der Schmerz doch viel zu groß ist,

 

den er denen zufügt, die einen lieben Angehörigen durch ihn verlieren!

 

Für Paulus ist der Tod „der letzte Feind“.

 

Ein Feind, dessen Niederlage bereits besiegelt ist.

 

Wer an Jesus glaubt, wird auferstehen, weil ER auferstanden ist!

 

Deshalb: „Tod, wo ist dein Sieg? - Tod, wo ist dein Stachel?

 

Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren HERRN

 

Jesus Christus.“

 

Amen




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

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