2012-04-05 Gründonnerstag

Predigt über 1. Korinther 10,16f / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

1. „Für dich gegeben zur Vergebung der Sünden“ - Jesus ist der Heiland“
das sind die zentralen Worte, mit denen Jesus das Abendmahl
am Gründonnerstag eingesetzt hat.
Es war am großen Passafest der Juden, das wie ein Volksfest
gefeiert worden ist und zu dem Jesus mit seinen Jüngern wie
selbstverständlich auch nach Jerusalem gegangen ist.
Passafest und Passamahl.
Das Passamahl, meistens in der Familie gefeiert,
soll alle Israeliten daran erinnern: Gott hat euch aus dem Sklavendienst
in Ägypten befreit.

Und diesen Anlass nutzt Jesus, um seinen bevorstehenden Tod
in dieser Spur einzuordnen: Ihr, meine Jünger, macht euch klar:
Ich sterbe jetzt zur Vergebung der Sünden!
Und wozu ist das gut? - Damit ihr aus dem Schattenreich der Sünde
befreit werdet!

Feiert diese neue Passamahl immer wieder - als Abendmahl.
Und es wird euch darin zugesprochen:
„Für dich getan (gegeben), zur Vergebung der Sünden!“

Das Blut von Jesus fließt,
damit die Sünde mich nicht mehr beherrschen muss,
damit die Macht des Todes gebrochen wird.
Wir aufgeklärten Menschen tun uns damit schwer,
denken wir doch, dass wir doch von Natur aus frei geboren sind.
Aber das stimmt nur in einem äußerlichen Sinn:
Nach innen, von unseren innersten Regungen und Trieben her
sind wir keine Freien, sondern können gar nicht anders,
als immer wieder zu sündigen ...

Damit dieses Knechtschaftsverhältnis endet, stirbt Jesus am Kreuz.
„Für dich gegeben zur Vergebung der Sünden“,
im Abendmahl wird das deutlich.
Jesus ist der Schlüssel zu Freiheit und Vergebung.
Er geht ans Kreuz für mich,
will mein Erlöser, mein Befreier, mein Heiland sein.
Ich darf das glaubend annehmen,
ihm danken dafür!

Jetzt ist das aber nicht alles.
Denn Freiheit verpflichtet!

Schon bei Mose war das deutlich,
in der Art und Weise, wie er die 10 Gebote Gottes an Israel
durchgereicht hat.
Da heißt es im 1. Gebot: „Ich bin der HERR, dein Gott,
der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt habe.
Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“ (2. Mose 20,2f).

Freiheit verpflichtet!
Liebe und Treue gehören für Gott immer zusammen!
Weil er sein Volk aus Liebe erwählt und befreit hat,
kann er umgekehrt dessen bedingungslose Treue zu ihm erwarten.

Wenn jemand Gott gehört und Jesus nachfolgt,
dann geht das nicht nach dem Grundsatz: Du gibst mir was, also
tue ich auch etwas dafür!
Das wäre viel zu klein gedacht.
Was Gott erwartet, ist, dass ich ihn umgekehrt liebe von ganzem
Herzen und von ganzer Seele und mit allem, was ich bin und habe.
Er will nicht etwas von mir,
sondern will von mir geliebt werden!
Darum wirbt er.

Freiheit verpflichtet!
Das ist im Alten und im Neuen Testament so!
Jesus Christus war aus Liebe zu mir und dir bereit zu sterben,
er befreit vom Zwang zur Sünde und von allen bösen Mächten.
Jeder, der sich an Jesus verliert, erlebt das!
Er erlebt Freiheit, die verpflichtet - aber aus Liebe.

Paulus sagt einmal: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!
So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft
auflegen! ... Ihr, liebe Brüder (Geschwister), seid zur Freiheit berufen.
Allein, seht darauf, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt;
sondern durch die Liebe diene einer dem anderen“ (Gal 5,1.13).

Wie ein Kommentar dazu liest sich unser Predigttext heute.

Paulus schreibt in 1. Korinther 10, Vers 16 und 17:
    „Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft
    des Blutes Christi?
    Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft
    des Leibes Christi?
    Denn ein Brot ist‘s: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem
    Brot teilhaben.“


Das klingt vertraut.
Ja, Christus gibt uns Anteil an ihm selbst!

Aber Paulus geht hier noch einen entscheidenden Schritt weiter (V21):
    „Ihr könnt nicht zugleich den Kelch des HERRN trinken und den
    Kelch der bösen Geister;
    ihr könnt nicht zugleich am Tisch des HERRN
    teilhaben und am Tisch der bösen Geister“.

Was heißt das?
Paulus erklärt, was daraus folgt, wenn Jesus mir die Sünden vergeben hat.
Nicht nur: Du darfst jetzt nicht mehr zwei Herren dienen,
sondern: Das kannst du jetzt gar nicht mehr!
Es ist unmöglich!
Denn Jesus gehören und ihm dienen,
das hat zur Folge, dass ich ganz automatisch anderen Herren nicht mehr
dienen kann!

Warum?


2. Das eine Brot, der eine Kelch - Gemeinschaft mit dem einen Christus.
So antwortet Paulus.

Aber warum so exklusiv?
Warum steht ausgerechnet über dem Gründonnerstag dieses
alternativlose Entweder-Oder?

Das hängt mit diesem HERRN selber zusammen:
Auf der einen Seite steht „unser HERR Jesus, der in der Nacht,
als er verraten wurde“, mit seinen Jüngern das Abendmahl feiert
und sie in seine Gemeinschaft aufnimmt,
der HERR, der mir sein eigenes Leben schenkt,
damit ich lebe, frei vom alten versklavten Leben ...
damit ich „das Leben im Überfluss habe“ (Joh 10,10b) ...

Aber auf der Gegenseite steht bis heute der Todfeind von Jesus,
der seine todbringende Herrschaft auch über die Christen wieder
ausüben will durch die Lockrufe der Sünde.
Paulus benennt sie in Gal 5,19-21: „Unzucht (Zusammenleben ohne Ehe),
Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei (Horoskope), Feindschaft,
Hader (Egoismus), Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen,
Fressen und dergleichen“ (Gal 5,19-21) - alles Dinge, die dem Leben
schaden und den Glauben zersetzen.

Das eine Brot, der eine Kelch - Gemeinschaft mit dem einen Christus.
Zwischen Tod und Leben gibt es keinen Ausgleich.
Das weiß aus schmerzlicher Erfahrung jeder,
der schon einmal mit dem Tod von Freunden und engen Angehörigen
konfrontiert war.
Tod und Leben stehen unversöhnlich nebeneinander.
Unsere Friedhöfe zeigen es!

Gott steht aber für das Leben,
er schafft es aus dem Nichts,
er erhält es,
macht sogar die Toten wieder lebendig.
Im Alten und Neuen Testament wird es deutlich:
„Unser Heiland Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen
und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht -
durch das Evangelium“ (2. Tim 1,10).

Zwischen Christus und dem Tod - tobt ein Kampf um Leben und Tod.
Das vergessen so leicht.
Und es ist ein Kampf um uns,
die wir zu Jesus Christus gehören!
(Denn um die geistlich Toten braucht Satan nicht mehr zu kämpfen,
die hat er schon).

Jesus selber kämpft um uns!
Aber der Tod (Satan ist gemeint) sammelt auch seine Bataillone
und er stellt sich unglaublich machtvoll und raffiniert an.
Wie der Pharao damals den Israeliten in die Wüste nachgejagt ist,
so versucht auch der Tod (Satan) uns zurück zu holen,
auszuschalten in der Liebe zu Jesus,
wegzuziehen von ihm.
Seine Niederlage am Kreuz von Jesus will er nicht einfach „schlucken“ ...

Bei einem solchen Gegner können wir aber, auf uns allein gestellt,
nur verlieren.

Deshalb fordert Paulus uns an vielen Stellen seiner Briefe zum
Rückzug auf:
    - „Meine Lieben, flieht den Götzendienst!“ (V14),
    - „Flieht die Unzucht!“ (1. Kor 6,18).
Nicht immer ist Angriff die beste Verteidigung,
Selbstüberschätzung, Übermut zahlt sich da nicht aus.
Auch das sich schiedlich-friedlich Arrangieren mit der Gegenseite
des Glaubens nicht.

Wie damals die Israeliten vor dem übermächtigen Pharao geflohen sind,
so sollen auch die Christen vor der Sünde fliehen.
Nicht wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen kopflos irgendwo hin,
sondern zu Jesus zu, in seine Arme!

Jesus selber ist ja (nach Mt 4) auch mindestens ein Mal
so richtig vom Teufel aufs Glatteis geführt worden.
Und da ist es interessant zu sehen, wie er damit umgegangen ist:
Er hat nicht herum diskutiert mit ihm,
sondern gekontert mit klaren Aussagen der Bibel.
Das ist bis heute kein schlechtes Abwehrverhalten.
Denn da zeigt sich, dass der Teufel da immer einpacken muss.

Lebt jemand „in Christus“, das weiß Satan, hat er keine Chance!
Deshalb setzt er darauf, die Christen wo irgend möglich
aus der Gemeinschaft mit Christus heraus zu brechen (den Gottesdienst
unwichtig zu machen, oder anderes neben dem Teenkreis / Jugendkreis
wichtiger zu machen).
Er hat ein Riesenspaß daran, Keile zwischen Menschen und Jesus
zu treiben,
B. durch Ärger, Neid, blöde Bemerkungen unter Christen ...
Auch durch eine Krankheit oder wenig Erfolg in der Schule
versucht er uns mürbe zu machen.
Burn-out ist oft mehr als eine Krankheit, es ist auch eine Anfechtung!

Manchem malt er verführerische Bilder vor Augen,
in Filmen, vor dem PC ...
Oder er greift frontal an, sät Zweifel:
Gilt der Tod von Jesus wirklich auch mir?
Kann es sein, dass Gott mich liebt - mich, den Versager?
Und warum lässt er zu, dass sich meine Eltern scheiden lassen?
(Weiß er denn nicht, das das für mich bedeutet?)

Oder er flößt mir Hochmut ein:
Was, auf diesen Jesus willst Du setzen,
der sich nicht einmal selber zu helfen gewusst hat am Kreuz?
Du hast doch Besseres verdient!
So schlecht bist Du doch gar nicht, Du brauchst Jesus doch gar nicht!
Die anderen vielleicht, aber doch nicht Du!?

Und so kann der Gedanke aufkommen:
3. Soll ich vielleicht „zurück zu den Fleischtöpfen Ägyptens“? 
Und die Gemeinschaft ist bedroht!

Der Gegenspieler von Jesus hat Riesenfreude daran,
uns von Christus wieder abzukoppeln.
Und dazu verkauft er das alte Leben als „so verlockend“,
säuselt mir ins Ohr: Als ich noch nicht Christ war,
da habe ich getan und gelassen, was ich wollte,
selber über meine Zeit und mein Geld verfügt ...
Jetzt als Christ dagegen kann ich mein Leben doch gar nicht mehr so
richtig auskosten ... andere können viel mehr „mitnehmen“ ...

War es das, was Judas zu seinem Verrat an Jesus verleitet hat (Joh 12,4-6)? ( - )

Aber vielleicht geht es Dir auch anders.
Ganz im Gegenteil: Dir ist Jesus doch gar nicht so unwichtig.
Nur: Muss ich deswegen auf all das Schöne in dieser Welt verzichten?
Jesus am Sonntag, Spaß unter der Woche - was spricht denn dagegen?
Die Israeliten haben‘s doch auch hingekriegt:
Am Sabbat Gottesdienst - den Rest der Woche Götzendienst.
Gott und meine Götzen (das, was ich unbedingt noch halten will!) -
müssen sich so doch gar nicht in die Quere kommen!?

Aber wer so redet, der hat noch nicht verstanden,
wer Jesus ist - und was die Sünde!
Der lebt gefährlich vor sich hin.

Paulus redet oft vom „damals“ - als der Zeit, bevor Jesus sein
HERR geworden ist: Das war eine nur scheinbar selbstbestimmte Zeit,
es war die Zeit, in der ich (ohne es zu merken) unter der Fuchtel des Satans
gelebt habe - vergiss das nicht!

Denn Satan gefällt sich darin, unser Gedächtnis kurz zu halten!
Er will, dass wir vergessen, wie es war, als wir unser Leben 
noch ohne Jesus gelebt haben und
dass wir da überhaupt nicht frei,
sondern „gefangen“ waren in der Sünde (in einem eigenen, von Gott
weggewandten Denken), Geiseln.
Aber vor allem will er, dass wir Jesus vergessen
und alles das, was ER für uns getan hat.

Gerade auch um diesem Vergessen vorzubeugen,
feiern wir das Abendmahl.
Jesus sagt: „Das tut zu meinem Gedächtnis!“ (1. Kor 11,24f
„Gedächtnis“ = griech. „ανάμνησις“).

Ähnlich wie die Israeliten ihr Passamahl, „zum Gedächnis“ des
Wegs in die Freiheit mit Gott ...

Dabei geht es im Abendmahl mehr als ums Erinnern,
es geht darum, dass wir selber mit dabei sind -,
als Jesus seinen Tod am Kreuz für uns stirbt.

Wenn wir dieses Mahl zusammen feiern,
dann hören und schmecken wir darin seine Zusage:
    - „Das tue ich für Dich!“
    - „Deine Sünden sind dir vergeben!“
„Nimm es im Glauben an!“
und Jesus schenkt dir einen neuen Anfang, ein neues Leben,
das bis in die Ewigkeit reicht!“

Wie kannst Du das jemals aufgeben wollen?
In diesem Kelch, in diesem Brot, erfährst Du, ohne menschliches Zutun,
allein auf die Zusage von Jesus hin:
    „Das ist mein Leib, für dich gegeben,
    das ist mein Blut, für dich vergossen“,
die Gemeinschaft mit dem einen Christus, deinem Retter.
Gib ihm Dein Leben!

Denn IHM zu gehören, ist das Schönste und Größte,
das es überhaupt geben kann.
Paulus rühmt das in Römer 8 und ihr Konfirmanden solltet
es unbedingt in eurem Langzeitgedächtnis abspeichern:
„Wir überwinden in allem weit durch Jesus, der für mich am
Kreuz sein Leben gelassen hat.“
Seitdem ich IHM mein Leben übergeben habe,
„bin ich gewiss, dass weder Tod noch Leben,
weder Engel noch Mächte noch Gewalten,
weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
weder Hohes noch Tiefes
noch eine andere Kreatur mich scheiden kann von
dieser Liebe Gottes, die in Jesus Christus, meinem HERRN, ist.“
(Röm 8,38f).

Diesen einen Christus, diesen Retter, feiern wir heute im
Abendmahl, in Brot und Wein.

Wir bekennen uns damit auch zu seiner Auferstehung
und der Kraft, die davon auf unser Leben ausgeht.
Und bekräftigen es: IHM allein soll unser Leben gehören.
Ame

 



Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Dienstag, 16.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann
Donnerstag, 18.10.2018
14:30 Uhr in Schwann:
Paul Gerhardt (Pfarrer i.R. Herrmann Schwarze)
Freitag, 19.10.2018
17:30 Uhr in Schwann:
Mädchenjungschar
Sonntag, 21.10.2018
9:15 Uhr:
Kirchweih in der Schwabentorhalle in Dennach (Pfarrer Held)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikant Schäfer)
Dienstag, 23.10.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann