2012-03-04

Predigt über Jesaja 5,1-7 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören Gottes Wort für diesen Sonntag aus dem Buch des Propheten
Jesaja, Kapitel 5, die Verse 1-7
:

"1 Wohlan, ich will meinem lieben Freunde singen, ein Lied von
meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen
Weinberg auf einer fetten Höhe. 2 Und er grub ihn um und
entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben.
Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und
wartete darauf, dass er gute Trauben brächte;
aber er brachte schlechte.
3 Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas,
zwischen mir und meinem Weinberg!
4 Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich
nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte
Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?
5 Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will!
Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er verwüstet werde,
und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde.
6 Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch
gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen,
und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.
7 Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und
die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing.
Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch,
auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit." ( - )  



Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

drei große Aussagen will ich heute Morgen aus diesem Bibelwort
in den Mittelpunkt stellen:

1. Alles getan!
Gott, unser Schöpfer, hat uns zu seiner Freude geschaffen.
Und wir sollen seine Freude mit unserer Liebe erwidern,
ihm mit Gehorsam danken.
Die besten Voraussetzungen hat Gott für unser Leben und Glauben
geschaffen, er ist kein Stümper, er kennt uns Menschen und weiß,
was wir brauchen.
Gott hat die Dinge um uns herum nicht dem Zufall überlassen,
sondern alles für uns gut geplant, er hat sich reingehängt,
deshalb: Verschmähen wir seine Liebe nicht!
Er ist uns voller Liebe auf den Fersen - auch heute mit seinem Wort
in diesem Gottesdienst.

So, wie er sein schwaches Volk Israel auserwählt hat zu seinem Volk,
so hat er auch uns auserwählt und heraus gerufen.
Wir sollen für ihn wachsen, blühen und gedeihen.
Wie ein Winzer seinen Weinberg und die Trauben liebt
und Tag und Nacht in Gedanken bei ihnen ist, sie hegt und pflegt,
so ist Gott für uns!

Was tun doch liebende Eltern nicht alles für ihr Kind,
schon während der Schwangerschaft!
Da werden Babysachen gekauft und das Zimmer für das Kind
wird eingerichtet.
Sie malen sich in ihrer Phantasie aus, was aus diesem Kind
vielleicht einmal werden könnte.
Und gläubige Eltern beten für ihr Kind.

Eltern tun alles dafür, dass ihr Kind die besten Zukunftschancen hat!
Aber Gott tut noch mehr für uns, als es die besten Eltern
für ihre Kinder tun können: Er opfert seinen Sohn aus Liebe zu uns.
Wir haben die besten Chancen, als seine Kinder das Beste aus unserem
Leben für Gott und für andere Menschen zu machen!
Aber ...

2. Chance vertan!
Nun ist es aber so, dass uns das Reden von der Liebe Gottes
doch runtergeht wie Öl.
Aber die Liebe hat immer zwei Seiten ...

Was machen wir daraus für Gott - und für andere Menschen?
Welche Früchte trägt unser Glaube?
Da geht es nicht (nur) um die Frage: „Wie komme ich in den Himmel?“,
sondern: „Was mache ich aus meinem Glaubensleben?“

Sind wir bereit, diese Gerichtsrede auch für uns zu hören?
Und, was ist unangenehmer als die Ankündigung des Gerichts?

Ein großer Prediger im 17. Jahrhundert hat einmal vor einer
vielen Leuten eine gewaltige Predigt gehalten.
Er hat darin die Schrecken des Jüngsten Gerichts stark und
anschaulich geschildert,
so dass viele seiner Zuhörer in Tränen ausgebrochen sind,
manche sogar voller Angst aufgeschrien haben,
so, als ob der Richter selber schon da wäre,
um das Urteil über sie zu sprechen.

Als die Aufregung dann auf dem Siedepunkt war,
da hat der Prediger die Leute schließlich aufgefordert sich doch
zu beruhigen, denn er habe ihnen noch weit schlimmere Dinge
vorzuhalten.
Und alles schwieg -, gespannt darauf, was jetzt kommen sollte.

Da sagt der Reder - mit feierlicher und tief bewegter Stimme:
„Gerade mal eine Viertelstunde, von jetzt an gerechnet,
und die ganze Gemütsbewegung, die sie jetzt gerade an den Tag
gelegt haben, wird komplett verflogen sein.
Die Erinnerung an die schlimmen, ernsten Tatsachen des Gerichts
Gottes wird wie weggeblasen sein.
Und dann werden sie sich mit der gewohnten Begehrlichkeit
wieder dem alltäglichen Treiben und sämtlichen Vergnügungen zuwenden.
Sie werden das, was sie jetzt bewegt hat,
rückblickend wie ein Märchen betrachten, das man als Kind einmal
gehört hat.
Und das - ist noch schlimmer - als eine Predigt vom Gericht Gottes. (1)

Ist da nicht etwas Wahres dran!?

Was machen wir aus dem, was Gott uns gesagt und gegeben hat,
aus Gaben, Begabungen, Reichtum, Besitz
und vor allem aus der Erfahrung seiner Gnade und Barmherzigkeit?
Wie hat sein Wort uns getroffen?
Wie hat der Glaube uns verändert?

Unsere größte Sünde, sagt die Bibel, ist die verweigerte Frucht unseres
Glaubens!

Unser Leben soll Früchte tragen.
Das geht nicht automatisch.
Aber es liegt nicht an Gott, wenn unser Leben keine Früchte trägt,
sondern an uns!
Wer Gottes Liebe verschmäht (sie glaubt selbstverständlich
„mitnehmen“ zu können ohne Konsequenzen), der bleibt ohne Frucht
für die Ewigkeit,
das macht unser Bibelwort heute deutlich.

Jesus sagt uns: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen!“ (Lk 12,48)
Das Weinberglied Jesajas, es gilt uns genauso wie Israel
mit dem einzigen Unterschied, dass wir mehr bekommen haben:
Jesus ist für uns am Kreuz gestorben, hat Tod und Teufel besiegt,
wir können, wenn wir in einer echten Verbindung mit dem
Auferstandenen leben, von seinem Sieg her leben.

Und das müsste uns doch Flügel verleihen für Jesus Christus,
dass wir gar nicht anders können, als noch viele der ohne Jesus
verlorenen Menschen um uns herum (Kinder, Jugendliche und Erwachsene)
mit ihm in Kontakt zu bringen,
sie einzuladen zum Gottesdienst, in die Gemeinde ...

„Ihr seid das Licht der Welt!“ ruft Jesus seinen Jüngern zu!
Wir müssen nur wollen, was wir mit Jesus können!
„Blühe dort, wo Gott dich hingesät hat!“ ( - )
Und wenn nicht? ( - )
Wenn keine Früchte wachsen und wir in Gewohnheit und Wohlstand
versumpfen? ( - )

Ist dann Gott daran schuld?

Gott ist so souverän, dass er das Volk fragen kann,
was er als Weinbergbesitzer denn vergessen hat an Vor- und Fürsorge.
Der kennt uns gut, weiß genau, wie schnell wir uns über ihn stellen,
ihm die Schuld geben.
So setzt er uns einmal in diesem Wort auf den Platz des Richters
und gibt uns die Möglichkeit, ihn anzuklagen,
weil er weiß ..., dass wir das sowieso tun.

Wie schnell sind wir doch dabei, Gott die Schuld zu geben
für unser Versagen!?
„Schuld-Verschiebung“, das ist so eine „bittere Frucht“ unseres Lebens!
Da will Gott seinen Leuten die Schuld gerne vergeben,
will, dass seine Kinder zu ihm kommen,
auf ihn hören, um Vergebung bitten.
Aber sie tun es nicht,
sondern gehen ihren Weg einfach weiter.

Zu Gott kommen, auf ihn hören und um Vergebung bitten,
das wäre die gute, die gesunde Frucht (des Vertrauens, des Glaubens),
die er erwartet.
Und Gott gibt uns die Chance dazu!


3. Alles vertan!?
Wer Gottes Liebe und Fürsorge nicht will,
den lässt er eines Tages laufen ...
Eine Erfahrung, die wir auch in unseren Orten - leider - immer wieder
machen müssen: Gott gibt uns viel Zeit, er ist unglaublich geduldig,
aber wenn Menschen denken: Jetzt kommt zuerst die Familie, der Beruf,
die Schule, der Sport ... das mit dem Kirche und dem Weinberg hat noch
Zeit, dann kann der Punkt, kommen wo Gott „abgezogen“ ist ...,
so wie ein Liebhaber, der irgendwann aufgibt ...

In unserem Bibelwort heute ist es so,
Dass Gott alle seine Bemühungen um den Weinberg irgendwann aufgibt.
Seine Fürsorge geht zu Ende, sie ist nicht grenzenlos.
Und die Zerstörung und Verwüstung des Weinbergs,
die besorgen schon bald andere:
Menschen, Tiere, das Unkraut, Dornen und Disteln.

Das Weinberglied wird am Ende zu einer traurigen Geschichte:
Gott gibt seinen Weinberg auf.
Das ist wie ein Todesurteil und bedeutet:
Wer die Liebe Gottes durch Ignoranz, Egalhaltung und Ungehorsam
einfach stehen lässt, wird chancenlos bei Gott,
alles Leben wird zu vertaner Zeit ...

Schon im alten Israel haben Menschen Gott eindringlich gebeten,
dass er doch barmherzig sein solle:
„Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte ...“ (Ps 25,6).
Und Gott hat sein Herz erweichen lassen.
Deshalb gibt es den Weinberg auch heute noch - trotz verschiedener Phasen
der Verwüstung.
Das Volk Israel findet sich wieder zusammen in seinem Ursprungsland
(zuletzt 1948 mit der Gründung des Staates Israel).

Und Gott hat noch mehr getan: Durch seinen Sohn Jesus Christus hat
er ein neues Israel, ein neues Volk und damit einen neuen Weinberg
geschaffen: Die Gemeinde derer, die Jesus nachfolgen und bei ihm
Frucht bringen.

Wer bei Jesus die Vergebung angenommen hat,
der gehört da hinein, damit es über seinem Leben einmal nicht heißt:
„Alles vertan! Alles war umsonst!“

Das von Gott durch Jesaja angekündigte Gericht,
das hat Gott am Kreuz von Jesus vollzogen.
Er hat es nicht einfach ausgelassen, sondern selber durchlitten,
stellvertretend für uns, für mich, für Dich!

Und am Kreuz von Jesus sehen wir beides:
Wie das Gericht Gottes über unserem Leben vollzogen ist
und dass Gott uns bleibend liebt:
Alle Schuld, alles Böse, hat Christus für uns übernommen,
damit bei uns nicht alles umsonst ist!

Das Weinberglied Jesajas führt uns ein furchtbares Gottesgericht:
Gott spricht das Urteil zum ewigen Tod.
Können wir das noch gedanklich und auch emotional nachvollziehen? ( - )

Gott hat nichts zurück genommen von dem Gericht,
das in den Wortes des Weinberglieds so brutal und hart deutlich wird.

Aber es soll uns nicht mehr auf ewig treffen.
Es hat den Sohn Gottes am Kreuz getroffen.
Gott sei Dank!

Und so haben wir eine neue Chance,
mit unserem Glauben und Leben darauf zu antworten.
Warum nicht gerade jetzt in der Zeit vor Karfreitag und Ostern?
Damit das Sterben und Auferstehen von Jesus
auch in unserem Leben Früchte trägt.

Verschmähen wir seine Liebe nicht, verschmähen wir sein Kreuz nicht!
Nutzen wir die (vielleicht nur noch kurze) Lebenszeit, die Gott uns
schenkt, für Jesus, den Sohn Gottes, in dem wir Zugang zum
ewigen Vater bekommen.
Amen


Anmerkungen: 
(1) Friedrich Middendorff, Neues und Altes, Wuppertal, 1962, 106.




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Donnerstag, 21.06.2018
14:30 Uhr in Schwann:
Asylarbeit in Straubenhardt (Gustav Bott, Netzwerk Asyl)
18:30 Uhr:
Biblellesen und Austausch für Jugendliche im GH Schwann
19:00 Uhr:
Jugendkreis 16+ im GH Schwann
Freitag, 22.06.2018
17:00 Uhr:
Bubenjungschar 6-12 Jahre im GH Schwann
18:15 Uhr:
Mädchenjungschar 8-13 Jahre im GH Schwann (Gewusst wie)
Sonntag, 24.06.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer M.Gerlach)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst