2011-12-31 Altjahrsabend

Predigt über Josua 1,1-9 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Liebe Gemeinde!
Wir stehen an der Schwelle in ein neues Jahr.
Schon in wenigen Stunden ist es so weit!
Wie ein Buch, dessen Seiten noch leer sind, liegt es vor uns.
Und so ein leeres Buch weckt bei vielen Menschen Begeisterung,
setzt Phantasie frei: Seine 365 Bögen warten nur darauf,
von uns beschrieben zu werden.
365 Tage. So viele Möglichkeiten, so viele Gelegenheiten,
Neues auszuprobieren – frei nach dem Werbeslogan des schwe-
dischen Möbelhauses »Entdecke die Möglichkeiten«.

Aber auch so viele Fragezeichen, bedrohlich wirkende Offenheiten,
Gefährdungen von außen und von innen warten auf uns.

Wir stellen uns heute am Altjahrsabend unter Gottes Wort,
mit dem wir mutig in ein „Neues“ gehen können.

Dabei ist uns ein Abschnitt aus dem Josua-Buch gegeben,
Kapitel 1, die Verse 1-9
(Es spricht in eine Übergabesituation hinein:
Mose ist tot, sein Nachfolger Josua hat weiche Knie vor den großen
Fußstapfen, in die er treten soll - und einer schier unlösbaren Aufgabe):

„Nachdem Mose, der Knecht des HERRN, gestorben war, sprach der
HERR zu Josua, dem Sohn Nuns, Moses Diener: Mein Knecht Mose
ist gestorben, so mach dich nun auf und zieh über den Jordan, du und
dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Israeliten, gegeben
habe. Jede Stätte, auf die ihre Fußsohlen treten werden, habe ich euch
gegeben, wie ich Mose zugesagt habe.
Von der Wüste bis zum Libanon und von dem großen Strom Euphrat
bis an das große Meer gegen Sonnenuntergang, das ganze Land der
Hethiter, soll euer Gebiet sein.
Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose
gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen
noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt; denn du sollst diesem
Volk das Land austeilen, das ich ihnen zum Erbe geben will, wie ich
ihren Vätern geschworen habe.
Sei nur getrost und ganz unverzagt, dass du hältst und tust in allen
Dingen nach dem Gesetz, das dir Mose, mein Knecht, geboten hat.
Weiche nicht davon, weder zur Rechten noch zur Linken, damit du es
recht ausrichten kannst, wohin du auch gehst.
Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen,
sondern betrachte es Tag und Nacht, dass du hältst und tust in allen
Dingen nach dem, was darin geschrieben steht. Dann wird es dir auf
deinen Wegen gelingen und du wirst es recht ausrichten.
Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass
dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist
mit dir in allem, was du tun wirst.“




Liebe Gemeinde,
„Siehe!“ - Ein Fanfarenstoß steht am Anfang des letzten Verses,
den wir gerade gehört haben.
Eine Art „Hab-Acht-Kommando: Aufgepast!
Jetzt mal herhören!“

Am Silvesterabend, wo wir uns womöglich mit gemischten
Gefühlen noch in Richtung Kirche bewegt haben,
ist so ein Fanfarenstoß vermutlich wichtig!

Denn von höchster Stelle - von Gott selber - bekommen wir
mit diesem „Alle mal herhören und aufpassen!“
ein wichtiges Wort auf unserem Weg ins neue Jahr mitgegeben.

„Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist!“ -,
das ist die entscheidende Botschaft Gottes an Josua.
Gleich drei Mal wird er so von Gott angesprochen!
Offenbar hat er diesen Zuspruch auch besonders nötig!
Dabei hat Josua dieselben Worte schon vor Jahren gehört,
nämlich bei seiner Berufung zum Führer des Volkes.
Damals hat der alte Mose seinem designierten Nachfolger
die Hände aufgelegt und ihm genau das zugesprochen:
„Sei getrost und unverzagt!“ (5. Mose 31,7).

Wenn Gott jetzt also - nach Jahren und in einem wirklich spannenden
Moment - auf diesen Zuspruch bei Josuas Berufung zurück kommt,
dann heißt das doch:
    - Gott steht zu seinem Wort!    
    - Er nimmt nichts davon zurück!
    - Ja, er bestätigt es ausdrücklich in einer Situation, die voller
        Gefahren und Risiken steckt.

Und so ist es, liebe Gemeinde, auch gut, wenn wir an der Schwelle in
ein neues Jahr wieder einmal daran erinnert werden,
dass Gott schon längst mit einem jeden von uns seine Geschichte hat.
Er fängt nicht erst am 31.12.2011 damit an, mit unserem Leben
seine Pläne zu haben.
Sondern über Deinem und meinem Leben steht von Anfang an das große
Ja Gottes, das sich durch die Jahre hindurch in verschiedenen Lebens-
lagen immer wieder als Zuspruch, als Trost, aber auch Mahnung und
Korrektur gezeigt hat.


Kann man Mut befehlen?
„Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist!“
Ja, es steht tatsächlich da: „Ich habe dir geboten!“

Kann man das wirklich: Mut und Zuversicht befehlen?
Wir denken an die Rede unseres Bundespräsidenten: Er hat uns dasselbe
auch „gewünscht“ ... Aber das ist was anderes!
Denn wünschen können wir uns ja vieles, nur ob es auch geht!? ...

Wenn jemand die Knie schlottern, weil er vor einer schier unlösbaren
Herausforderung steht, kann uns Gott da mit einem Befehl auf die
Sprünge helfen?
Lassen sich so Skepsis und begründete Bedenken einfach wegpusten?

Die Aufgabe, vor der Josua und sein Volk damals stand,
musste ihnen schier unüberwindlich erscheinen:
Der Übergang über den Jordan ins Land Kanaan war schließlich
kein Spaziergang, keine abenteuerlicheFlussüberquerung.
Es ging um den Aufbruch in ein neues, fremdes Land.
Ein Land, das den israelitischen Stämmen in jeder Hinsicht haushoch
überlegen war.

So dass bei nüchterner Betrachtung jedem Israeliten schon jetzt das
Herz in die Hosentasche rutschen musste.
Dazu musste man kein Angsthase sein!
Es war einfach - menschlich betrachtet - ausweglos,
fast schon ein „Himmelfahrtskommando“!

Und deshalb ist die Frage doch berechtigt: Kann man in so einer Lage
Zuversicht befehlen?
Wir kennen doch die Schulterklopfsprüche:
    - „Jetzt reiß‘ dich mal zusammen!“ (oder)
    - „Kopf hoch, wir werden das Ding schon schaukeln!“,
wobei weiß jeder: Es ist oft nur so daher geschwätzt,
aber das ausweglose Gefühl in Magengegend kann es nicht nehmen!

Ganz im Gegenteil! So mancher kriegt dadurch eher mehr Angst als vorher.


Aber: Für Gott gibt es kein Unmöglich!  
Deshalb ist es so wichtig zu sehen,
wer hier redet und was man von dem erwarten kann!
So gesehen sieht nämlich alles gleich ganz anders aus.
Denn da redet ja kein Geringerer als der lebendige Gott selber,
der, der die Macht hat und für den es nur einen Wimpernschlag bedeutet,
sogar aus ausweglosesten Situationen heraus etwas ganz Neues
zuwege zu bringen.

Wenn ER etwas sagt,
dann ist unsere menschliche Erfahrung oder sogar
großer zu erwartender Widerstand überhaupt kein Vergleichspunkt mehr!

Später, am Ende des Josuabuchs,
als Israel das verheißene Land tatsächlich in Besitz genommen hat,
da wird das protokollarischer Genauigkeit festgehalten:
„Es ist alles so gekommen, wie es der HERR gesagt hat!“ (Jos 24,15).

Will sagen: Was Gott sagt, das tut er auch.
Was ER verspricht, das hält er.

Und so sind wir in diesem Gottesdienst am Jahreswechsel alle gefragt,
was wir für wichtiger halten:
Unser Bauchgefühl, die Prognosen für 2012, das Maß unserer Kräfte,
wie wir denken - oder - die Zusagen aus Gottes Wort!?
Rechnen Sie damit, dass Gott trotz vielleicht schwerer Erfahrungen
und Leid in diesem Jahr Ihnen genau das geben wird für die Aufgaben,
die vor Ihnen liegen?
Oder bleiben Sie lieber bei sich, bei den eigenen Bedenken?

Gott stellt uns hier vor die klare Alternative:
Wollen wir ins neue Jahr mit unseren Sorgen, Bedenken und Befürchtungen
gehen, die uns lähmen werden - oder - entschließen wir uns,
Gottes Wort zu vertrauen,
uns in seine Hände fallen zu lassen?

Wenn Gott zu Josua sagt: „Sei getrost und unverzagt!“,
dann stellt er damit nicht nur Josua,
sondern auch mir und Dir die Vertrauensfrage!


Zwei entscheidende Haltegriffe gibt es
für mein Vertrauen!
Gott lässt uns nicht einfach ins Dunkel oder gar ins Messer laufen.
Sondern wie damals Josua, so gibt er auch uns zwei wichtige Haltegriffe,
an den wir uns festmachen können:

Der erste ist die Zusage Gottes, dass er mit Josua sein will.
Er sagt: Komme, was wolle. Ich gehe nicht von Deiner Seite:
„Der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tust!“
Das könnte man auch falsch verstehen, so, als ob Gott
jeden Mist, den wir uns vornehmen, einfach treu-doof begleitet
und absegnet ...
Aber gemeint ist: Gott wird in allem, was Josua sich (im Einklang mit
Gottes Willen) vorgenommen hat, immer an seiner Seite sein!

Und ist das nicht ein echt wichtiger „Haltegriff“?!
Wenn ein Kind, das logischer Weise Angst hat, alleine durch einen dunklen
Gang zu gehen, jemanden an die Seite bekommt, der es an die Hand nimmt
und zusammen mit ihm diesen Weg geht!

So ist es auch mit uns!
Und wir sollten diese persönlich an uns gerichtete Zusage
hören und ernst nehmen:
    - Der lebendige Gott geht mit uns, auch durch Situationen im
        neuen Jahr, die Angst und Unsicherheit auslösen.
Ja mehr noch:
    - Er geht mit uns und ist uns sogar immer schon ein Stück
        voraus: Wo ich im neuen Jahr auch hinkomme: Ich kann
        jetzt schon wissen, dass ich in vorbereitete Verhältnisse
        kommen werde.
Ist das nicht spitzenmäßig?!

So hat das für die Israeliten damals geheißen:
Ihr geht jetzt in Feindesland.
Da wird es oft brenzlig für Euch.
Überall lauern Gefahren und Risiken.
Aber für Gott ist dieses Land schon längst erobert,
Gott selbst stellt im Hintergrund die Weichen.
Es ist heiliges Land, Land das Gott gehört.


Und so ist das der zweite Haltegriff auch für uns:
Was uns heute noch viel zu weit weg zu sein scheint,
das gehört Gott schon längst.
Deshalb kann Gott zu Josua so lapidar sagen:
„Du sollst dem Volk austeilen, was ich ihm zum Erbe geben will!“ (V6)
Austeilen kann man ja nur, was einem selber gehört.

Aber so sicher wie die vielen Widerstände, Kämpfe und
Entbehrungen, die noch auf Israel zukommen sollten,
war ja auch, dass nicht der große Stratege Josua
und schon gar nicht der Durchhaltewillen der Israeliten
es möglich machen würden, das verheißene Land einzunehmen,
sondern allein die Tatsache,
dass Gott schon längst vor ihnen über den Jordan gegangen ist
und jetzt über das fremde, feindliche Land gebietet und verfügt ...

Deshalb ist jetzt der Aufbruch angesagt!

Wenn Gott unserem Denken und Planen auch schon immer viele
Nasenlängen voraus ist, das Entscheidende längst vor uns getan hat,
dürfen wir uns jetzt nicht einfach hinsetzen,
auf das fertige Ergebnis warten ... und Tee trinken
oder was auch immer.

„Zieh über den Jordan!“ - fordert Gott den Josua und sein Volk
kurz und knapp auf!

Jetzt ist Aufbruch angesagt!
Aufbruch in ein fremdes und unbekanntes Land
und nur wer das Wagnis eingeht (so wie Israel damals),
aufsteht und mit Gott mutig voran geht,
kann auch erreichen, was Gott versprochen hat.

So ist auch für uns, als Einzelne wie als Gemeinde,
Aufbruch angesagt!
Über welchen Jordan werden wir im neuen Jahr ziehen müssen?

Vielleicht ist ein Aufbruch angesagt,
der uns momentan noch sehr unruhig macht:
    - ein Wechsel der Arbeitsstelle,
     - ein Wohnungsumzug,
    - der Übergang in den Ruhestand,
    - vielleicht die Frage, wohin Gott Sie führen will, was er mit Ihnen
        vor hat in diesem Jahr.

Und auch für uns als Gemeinde ist im neuen Jahr Aufbruch angesagt:
Aufbruch aus alten Gewohnheiten und dem Denken,
dass die Menschen schon von sich aus den Weg zu Gott finden.
Einfach so weiter machen wie bisher, das geht nicht.
Vieles ist weggebrochen.
Mitarbeiter sind rar in vielen Bereichen.
[Es gibt keinen Kindergottesdienst mehr in Dennach,
aber wer vermisst ihn eigentlich?]

Wir nehmen unser Heil nicht aus den Zahlen,
aber Statistiker prognostizieren für die Zukunft der Kirche
schwierige Zeiten.  
Es sei denn (und damit rechne ich wirklich!), Menschen wachen auf,
erkennen den Weckruf Gottes, kommen zu ihm
und lassen sich ganz neu ausrichten - auf das, was Zukunft hat
und das hat immer mit Gott zu tun.
Wir können das sehen auch in unserem Land,
wo ohne Gott ... so vieles nach und nach auseinander bricht.
In der Gesellschaft, im Arbeitsleben, in den Familien ...

Aber das kann für Christen kein Anlass zum Mitjammern sein,
sondern ich rechne gerade heute fest damit,
dass Gott diese Zeiten des Zerbruchs christlicher Werte
und des Umbruchs auch zu einem neuen Aufbruch lenken
kann und will.

Ab 23. Januar gibt es bei uns wieder einen Glaubenskurs,
er heißt „Emmaus-Kurs“, weil damals nach dem Karfreitag auf dem
Weg nach Emmaus Jesus einer Gruppe enttäuschter Jünger
persönlich begegnet ist.
Er ist zunächst unentdeckt und wie ein Fremder
neben ihnen hergelaufen
und und auf ihre vielen Fragen so geantwortet,
wie sie es nie für möglich gehalten hätten.
Das hat ihnen nach einiger Zeit „ein Licht aufgehen lassen“ -,
und sie haben entdeckt: Jesus Christus lebt eben doch!
Untere Enttäuschung, unser Zweifeln nach seinem Tod am Kreuz,
das sollte wohl so sein,
dass wir endlich dahin kommen zu entdecken,
was eigentlich glauben heißt: Mit Gottes unmöglichen Möglichkeiten
rechnen - und mit Jesus, dem scheinbar Gescheiterten ...

Rechnen auch Sie damit,
dass Gott schon längst eine Geschichte mit ihnen begonnen hat?
Und das gerade in dem Zustand,
in dem Sie sich jetzt befinden?!

Er lädt Sie ein, mit Ihren Fragen zu IHM zu kommen,
aufzubrechen ... Ihre Fragen zu stellen ... und zuzuhören!
Nutzen Sie doch die Gelegenheit,
an den sieben Montag-Abenden dabei zu sein, aufzubrechen!
Da wird niemand vorgeführt und
niemand muss die (Glaubens-)Katze im Sack kaufen,
auch Zweifel und Kritik sind erlaubt,
aber es steht die Zusage Gottes im Raum: Wer aufbricht, der läuft
nicht ins Leere, sondern kommt in vorbereitete Verhältnisse!
Gott will entdeckt werden!
(Die sieben Abende sind so gedacht, dass sie zwar aufeinander
aufbauen, aber wer ein oder zwei Mal nicht kann, ist trotzdem
herzlich willkommen ... am Mo, den 23. Januar geht es los!)

Vielleicht kostet es Überwindung, kann sein.
Aber was macht‘s?
Nur wer etwas Neues wagt, gewinnt!

Wer Gottes Zusagen traut, wird erleben: Ich bin nicht allein.
Gott geht mit mir - so wie er er mit uns als Gemeinde ist -
und er ebnet den Weg.

Und noch eine letzte Beobachtung zum Schluss:
Als Josua damals die Aufforderung gehört hat: „Ziehe über den Jordan!“
und gleichzeitig den Zuspruch: „Sei getrost und unverzagt!“,
da hat er keinen Augenblick gezögert.
Sondern wenig später (V10) heißt es:
Er ging zu den „Amtleuten des Volkes“ (V10) und erklärte ihnen kurz
und bündig: „In drei Tagen brechen wir auf und ziehen über den Jordan!“

Drei Tage Besinnungspause.
Drei Tage Vorbereitung.
Dann sind sie echt losgezogen.

Und wir?
Amen
 




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Donnerstag, 15.11.2018
14:30 Uhr in Schwann:
Sport und Glaube (Edgar Schneider, früher Fußballprofi)
Freitag, 16.11.2018
17:30 Uhr in Schwann:
Mädchenjungschar
Sonntag, 18.11.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Prädikant Bachteler)
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:00 Uhr in Schwann:
Kindergottesdienst im Gemeindehaus
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)
Dienstag, 20.11.2018
19:45 Uhr:
Chorprobe im GH in Schwann