2011-11-20

Predigt über Matthäus 25,1-11 / Pfarrer Friedhelm Bühner

Wir hören den Predigttext für den Ewigkeitssonntag aus dem Matthäus-Evangelium, Kapitel 25, die Verse 1-11:

„Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre

Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen.

Aber fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug.

Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit.

Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren 

Lampen. Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle

schläfrig und schliefen ein. 

Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräuti-

gam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!

Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen

fertig. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von 

eurem Öl, denn unsere Lampen verlöschen.

Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es

für uns und für euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann

und kauft für euch selbst. 

Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die 

bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür

wurde verschlossen. 

Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, 

Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich 

sage euch: Ich kenne euch nicht. 

Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.“ 

 

 

Ist das nicht schockierend, liebe Gemeinde, liebe Konfis?

 

Da stehen die fünf Frauen vor der Tür und wollen zum Fest.

Aber die Tür ist zu. Sie läuten und klopfen, 

aber es bringt nichts!

Drinnen lachen sie, freuen sich, es gibt ein tolles Essen, 

aber sie sind draußen, draußen vor der Tür!

Die Hochzeit geht ohne sie. 

Als dann endlich der Bräutigam doch noch zur Tür kommt

und fragt, was sie denn wollen, da treffen sie seine Worte

erst richtig in Mark und Bein: 

„Ich kenn‘ euch nicht! Ihr könnt gehen!“ ...

 

Kein happy end,

das ist das erschreckende Ende dieses Gleichnisses, 

das Jesus seinen Jüngern erzählt. 

Es ist ganz offensichtlich als Warnung gedacht für die Christen

und die Nichtchristen ohnehin: 

Passt bloß auf, dass ihr euer Lebensziel nicht verfehlt, 

dass ihr am Ende nicht dasteht wie diese „törichten jungen Frauen“. 

Denn das wäre wirklich schlimm, 

völlig ohne Hoffnung da zu stehen!

 

Was ist unsere Hoffnung?

Was ist Deine Hoffnung?

 

Der Dichter Berthold Brecht hat es einmal ohne Schminke

so gesagt (1): 

„Ich gestehe es: ich habe keine Hoffnung. 

Die Blinden reden von einem Ausweg - ich sehe. 

Wenn die Irrtümer verbraucht sind, sitzt als letzter Gesellschafter 

uns das Nichts gegenüber.“ 

 

Was kommt am Ende unseres Lebens?

Was kommt nach dem Tod? 

Das Nichts, wie Brecht es meint und viele mit ihm?

 

Ein alter Mann hat es bei einem Geburtstagsbesuch einmal so gesagt: 

„O, Herr Pfarrer, ich kann das nicht glauben, dass da noch was kommt. 

Ich habe in meinem Leben so viel sinnloses Leid, 

so viel sinnloses Elend gesehen. 

Da kann doch nichts mehr kommen.“ 

 

Wirklich?

Zweifel sind angebracht.

 

Es gibt aber auch viele, die sind so vom Glück erfüllt, 

dass sie an den Tag ihres Abgangs von der Bühne der Welt 

noch gar nicht denken wollen:

„Haben wir im Grunde nicht das Paradies auf Erden, 

so viele Möglichkeiten, 

so viel schöne Ereignisse, 

so viel Geselligkeit und Betrieb, 

dass der Gedanke jetzt wirklich noch Fehl am Platze ist?

 

„Carpe Diem!“ - Genieße den Tag, 

genieße die Möglicheiten, denn wer weiß, was noch kommt?

Die Deutschen sind so reiselustig wie eh und je, 

das unterstützt die Euro-Krise eher noch. 

Denn wer weiß, ob ich unser Geld so schöne Reisen morgen noch hergibt?

 

Gehen Sie ruhig auf Reisen, Gott hat nichts dagegen, 

nur eines will er nicht, davor warnt er uns: 

Dass wir den entscheidenden Fragen davon laufen!

Dass wir uns wie die Hamster im Laufrad verhalten

und die Frage nach dem Ziel, nach der Ewigkeit bei Gott, 

die wir automatisch nicht erreichen, sondern verfehlen, 

dass wir diese Frage verdrängen. 

Denn sie ist die wichtigste Frage!

 

Heute Morgen stellt uns Jesus mit diesem Gleichnis eine ganz große 

Hoffnung vor Augen! 

 

 

1. Die große Hoffnung

Er beschreibt das Himmelreich mit einer großen Hochzeit.

Das schönste Fest, das wir Menschen kennen, ist gerade noch

gut genug, um zu beschreiben, was einmal auf uns zukommen soll. 

Gott lädt uns ein - zu seinem Fest.

Jeden ganz persönlich.

Das heißt: Das Größte, das Beste und Schönste kommt erst noch!

Das Ziel des Lebens ist nicht das Aus!

Das Ziel dieser Welt ist auch nicht das Chaos, 

eine Erde, die irgendwann verrottet vor lauter ökologischem Raubbau, 

den die Menschen betreiben und wo zuletzt das gleiche Schicksal

auf uns wartet ...

 

Nein, das Ziel, das Gott mir und dir bereit hält, 

ist ein unbeschreibliches Fest! 

 

Gott will nicht, dass ich im ewigen Kreisen um mich selbst, 

das letztlich ein ziel-loses Kreisen ist

um mich und unter den Voraussetzungen unseres nun wirklich nicht 

allzu großen menschlichen Horizonts, zugrunde geht. 

 

Er malt uns ein Ziel vor Augen, für das zu leben, sich

unter allen denkbaren wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und

persönlichen Situationen sich wirklich lohnt!

Vom Ende her gedacht, vom Ziel her, 

dem großen „Hochzeitsfest“ in der Gegenwart Gottes. 

Dazu sind wir durch Jesus alle eingeladen!

 

In einer Klinik hat einmal die leitende Krankenschwester

einer Schwester in Ausbildung den Auftrag gegeben, bei einer

alten und schwer kranken Frau einige Zeit sitzen zu bleiben. 

Gottlob gibt‘s das auch heute gelegentlich noch ...

 

Da war die junge Schwester allein im Zimmer mit einer sterbenden 

Patientin, die ruhig, aber schwach atmete.

Und die Schwester schaut sich diese Frau genau an: 

Sie sieht die alten, abgearbeiteten Hände: 

Was die wohl alles getan haben?

Sie sieht das vom Leben gezeichnete, alte Gesicht: 

Was hat diese Frau nicht alles gesehen?

Dann sieht sie auf dem Nachttisch eine alte, zerlesene Bibel liegen. 

Und sie erinnert sich an einen Gesprächsfetzen, den sie vor ein paar

Tagen mitbekommen hat. 

Da hat diese alte Frau gesagt: „Ich weiß, wer auf mich wartet“ 

 

Und das hat sie verwundert. 

Die alte Patientin sagt nämlich nicht: „Ich weiß, was auf mich wartet“, 

sondern „... wer auf mich wartet!“ 

 

Sie nimmt die Bibel zur Hand und findet darin einen Zettel 

im Johannes-Evangelium liegen, auf dem das Wort von Jesus steht:

„Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, 

der wird leben, auch wenn er stirbt“. 

 

Als die Schwester aufschaut, da merkt sie, 

dass die alte Frau gerade verstorben ist. 

 

Sehen Sie, das ist die große Hoffnung: 

Jesus, der auferstandene Herr, wartet auf uns. 

Er wartet darauf, dass wir unser Leben auf dieses große Ziel hin bauen! 

Dass wir umkehren und Jesus nachfolgen, 

unser ganzes Leben auf ihn einstellen. 

 

 

2. Der verrußte Glaube

Jetzt ist diese Hoffnung - dieses Fest - die eine, die schöne Seite!

Wer wollte da nicht gerne dabei sein? 

 

Aber jetzt erzählt uns ja Jesus hier von den einigen „naiven jungen Frauen“. 

 

Was haben die eigentlich falsch gemacht?

Warum stehen sie am Ende draußen vor der Tür?

Und warum konnten ihnen die klugen jungen Fraugen am Ende 

von ihrem Öl nichts abgeben, 

sie doch noch zur Feier herein schmuggeln?

Also, was ist der Unterschied zwischen beiden?

 

Sie haben sich doch alle auf den Weg gemacht, 

wie es damals Brauch war!

Sie sind alle an das Stadttor gekommen, 

um auf den Bräutigam zu warten. 

Der war noch beschäftigt mit den Verhandlungen um den Brautpreis. 

Das war schon gut so, denn immerhin bekommt er ja eine bildhübsche

Braut und die darf auch was kosten ...

 

Und die anderen warten derweil. 

Und so wird es spät, alle sind langsam müde, schlafen der Reihe nach ein. 

Bis daher kein Unterschied zwischen den zwei Gruppen. 

Bis daher sind sie alle gleich!

 

Aber auf einmal werden sie aus ihrem Schlaf gerissen: 

„Der Bräutigam ist da! Das Fest kann los gehen!“ wird gerufen. 

Und plötzlich ist der Unterschied sichtbar:

Die Klugen putzen ihre Fackeln, tränken sie mit neuem Öl  

und sie brennen hervorragend. Aber die anderen sind ratlos!  

An das haben sie nicht gedacht!

Sie haben kein Reserveöl!

Ihre Lampen bleiben dunkel!! 

 

„Geht schnell, vielleicht hat der Laden noch Öl vorrätig!?“, 

wird ihnen gesagt. Aber es ist zu spät!

Als sie schließlich Öl aufgebrieben haben und vor dem

Hochzeitshaus stehen, da sind die Türen verriegelt. 

 

Was war also der Unterschied? 

Ihnen hat das Öl für ihre Fackeln gefehlt. 

Ihre Fackeln waren nur noch verrußte Stecken! 

 

Ein verrußter Glaube, liebe Gemeinde, liebe Konfis, 

ein Glaube, der verkohlt ist mit den Jahren, ohne Leben, ohne Neues, 

ohne dass er brennt!

Er ist abgebrannt, er ist kein Glaube mehr

und deshalb ist da auch keine Hoffnung mehr. 

 

Was ist denn passiert?  

Vielleicht hat alles so angefangen, dass das Beten, das man 

vor Jahren noch praktiziert hat, irgendwann nur noch Routine war, 

immer das gleiche Geplapper

und so hat man es mit der Zeit dann ganz gelassen. 

Es ist einfach ausgefallen. 

 

Auch mit dem Gottesdienstbesuch.

Na ja, als Konfirmand, da musste man ja. 

Aber schon die eigenen Eltern haben keinen Hehl daraus gemacht, 

dass sie selber nicht gehen wollten. 

Und danach ging man halt noch hin und wieder, 

an Weihnachten, zur Hochzeit vom Freund und dann natürlich 

zu den Beerdigungen.

 

Vielleicht war auch das Bibellesen mit der Zeit langweilig und leer 

geworden. 

Du hast Dir immer weniger Zeit dafür genommen. 

Und eines Tages ist das gute alte Stück ganz in den Schrank gewandert,

wo es bis jetzt gut steht. 

Die Flamme des Glaubens brennt nicht mehr. 

Der Glaube ist verrußt! 

 

Was kann man dagegen tun? 

„Geht zum Kaufmann“, sagten die klugen jungen Frauen zu den anderen.

Aber wer ist der Kaufmann? 

 

Es ist Jesus selber! - Bei ihm kann man neu Öl kaufen! 

Er bietet mir und dir beste, frische Ware an!

Seine Liebe, die Menschen zu Gott ziehen will. 

Wenn unsere Liebe ganz kalt geworden ist, 

wenn unsere Geduld am Ende ist, dann gibt er uns kostenlos

neu von seiner großen Liebe. 

Er bietet uns also neu den Glauben an, wenn ich merke, 

dass meine Fackel am Verrußen ist.

Wenn Schuld und Rechthaberei mich anfangen kaputt zu machen, 

dann gibt er mir neu seine Vergebung und seinen Glauben. 

 

Er bietet mir seine Hoffnung an:

wenn das Leid über mir zusammenschlägt,

wenn der Tod eines Angehörigen mich aus der Bahn geworfen hat

und irgendwie alle Hoffnung zwischen den Fingern verflossen ist. 

Dann schenkt er mir, wenn ich zu ihm komme, den Blick auf sich selber 

und das große Fest, auf das ich zu leben darf. 

 

Vielleicht sitzt heute jemand hier, der oder die sich sagt, 

ich brauche dazu Hilfe, jemand, der mich begleitet und mich die 

ersten Schritte an die Bibel heran und in den Glauben hinein führt, 

wo ich Fragen loswerden kann, 

dann lade ich Sie ein zu einem „Glaubenskurs für Menschen mit

Fragen“ an 7 Montag-Abenden ab dem 23. Januar 2011. 

Entweder im Gemeindehaus in Dennach oder in Schwann, 

je nachdem aus welchem Ort die meisten Anmeldungen kommen. 

Die Infos dazu stehen in der Weihnachtspostille, die in diesen Tagen 

verteilt wird ...

Melden Sie sich an!

 

 

3. Der wache Glaube 

Die klugen jungen Frauen haben Öl mitgebracht. 

Sie hatten vorgesorgt. 

Ihre Fackeln bennen noch. 

 

Jesus stellt sie uns vor Augen und sagt damit: Deshalb wacht!!! 

 

Was ist denn so ein wacher Glaube? 

Es ist der Glaube, der auch in der Nacht des Lebens am Kommen 

von Jesus Christus festhält. 

Es ist der Glaube, der auch in dunklen Stunden weiß: Jesus Christus

ist der HERR. 

 

Der wache Glaube ist aber nicht der nach außen hin starke Glaube!

Er ist oft ein ganz tief angefochtener, gebeutelter Glaube!  

 

Es war am Ende des Dritten Reiches: Dietrich Bonhoeffer saß im 

Gefängnis. Seine Gedanken hat er in Briefen aufgeschrieben, 

die aus dem Gefängnis geschmuggelt worden sind. 

Einer dieser Briefe ist ein tiefes Bekenntnis. 

„Wer bin ich?“, fragt Bonhoeffer (2):

 

„Wer bin ich? Sie sagen mir oft,

ich träte aus meiner Zelle

gelassen und heiter und fest

wie ein Gutsherr aus seinem Schloss. 

 

Wer bin ich? Sie sagen mir oft, 

ich spräche zu meinen Bewachern

frei und freundlich und klar, 

als hätte ich zu gebieten

 

Wer bin ich? Sie sagen mir auch, 

ich trüge die Tage des Unglücks

gleichmütig, lächelnd und stolz, 

wie einer, der siegen gewohnt ist. 

 

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? ...

 

Wer bin ich? Einsames Schweigen treibt mit mir Spott. 

Wer ich auch bin, du kennst mich -, dein bin ich, o Gott.“ 

 

 

„Dein bin ich, o Gott.“

Darauf kommt es an. 

Das ist dieser wache Glaube, der sich tief in Gott und 

in seinem Sohn Jesus Christus geborgen weiß. 

 

Wacht und betet, fordert Jesus uns auf. 

Wenn unser Glaube noch so schwach ist

und wenn das Leid uns immer wieder einholen will, 

da darf ich mich an diesen Gott wenden

und zu ihm sagen: Dass ich schwach bin, das weißt du - und - 

dass du stark bist, das weiß auch ich. 

Ich komme zu dir!

Amen

 

Anmerkungen:

(1) zit. nach Zuversicht und Stärke, I. Reihe, Heft 6, S. 113




Dieser Artikel wurde von Pfarrer Bühner erstellt.

Sonntag, 26.08.2018
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Dr. Difäm)
Sonntag, 02.09.2018
9:15 Uhr:
Gottesdienst in Dennach (W.Dölker)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (W.Dölker)
Sonntag, 09.09.2018
9:15 Uhr:
Vorstellungs-Gottesdienst in Dennach (Pfarrer Held)
10:15 Uhr:
Gottesdienst in Schwann (Prädikantin Donath)
Mittwoch, 12.09.2018
20:00 Uhr in Schwann:
Hauskreis für junge Erwachsene bei Katrin
Donnerstag, 13.09.2018
9:00 Uhr:
Schulanfägner-Gottesdienst in Schwann (Pfarrer Held)